Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1825
Massenbach (zu Schwaigern, Landkreis Heilbronn)

Schloß Massenbach

Schloß Massenbach liegt am nordwestlichen Ende des gleichnamigen Ortes, seit 1971 ein Stadtteil von Schwaigern im Landkreis Heilbronn. Das Ensemble liegt östlich der Massenbachhausener Straße in der Talsenke des Biberbachs. Einst stand hier eine Wasserburg, die aber im 30jährigen Krieg zerstört worden war. Das Rokoko-Schloß wurde zwischen 1756 und 1763 in drei Bauabschnitten in unmittelbarer Nähe des alten Standortes unter erheblichen und drückenden Fronleistungen der Untertanen errichtet, was zu einer Klage bei der Kurpfalz führte. Das Schloß wurde auch zur Unterscheidung von anderen, abgegangenen Wohnbauten der Familie Oberes Schloß genannt. Das hinter hohen alten Bäumen zu findende Hauptgebäude, das eigentliche Schloß, ist eine nach Westen zur Straße hin offene Dreiflügelanlage mit tiefem Ehrenhof. Das gesamte Gebäude ist regional untypisch eingeschossig mit hohem Mansarddach. Im neunachsigen Mittelflügel dient ein zweigeschossiger und dreiachsiger Mittelrisalit als Blickfang, und hier liegt in der mittleren Achse der Haupteingang oberhalb einer Freitreppe. Der Giebel hat einen flach geschwungenen Abschluß. Zur feldseitigen Rückseite hin ist der Aufbau analog, aber mit einem Dreiecksgiebel, und hier ist dem dort vorhandenen Untergeschoß ein Altan vorgebaut. Insgesamt 17 Fensterachsen zählt man auf dieser Seite, je 7 seitlich und drei im Mittelrisalit. Das Gelände fällt nach Osten ab, so daß das Schloß von hinten höher ist als von vorn. Nach Norden hin schließen sich zwei freistehende Nebengebäude an (Zehntscheuer und Verwalterhaus), der eine davon mit L-förmigem Grundriß, dann ein dreiflügeliger Wirtschaftshof und mehrere moderne Lagerhallen. Das Schloß gehört heute Dr. Heiko Freiherr von Massenbach und ist seit 1930 Teil der Freiherr von Massenbach'schen Waldstiftung (Vorsitzender: Georg Sylvius von Massenbach). Diese Stiftung trat an die Stelle des früheren Fideikomisses und hatte den Zweck, daß der Besitz ungeteilt weitergegeben werden konnte und so das Stammgut erhalten werden konnte. Das Anwesen wird privat bewohnt und kann nicht besichtigt werden. Im Ostflügel sind im zentralen und im südlichen Bereich mehrere Räume historisch eingerichtet und dienen nach der Restaurierung 2003 als Veranstaltungsort mit historischem Flair. Im 1990 renovierten Südflügel befinden sich mehrere Mietwohnungen. Der zuletzt renovierte Nordflügel war stets ein Wirtschaftsgebäude, und hier werden wie auch im nördlichen Ostflügel weitere Wohn- und Büroräume eingerichtet.

Erbaut wurde das Schloß von Georg Wilhelm von Massenbach (1721-1788), hessischer Oberforstmeister, Sohn von Karl Ludwig von Massenbach (1686-1727) und dessen Frau Bernhardine Sophie von Gemmingen (1689-1761). Er war der Enkel von Georg von Massenbach aus der evangelischen Linie. Georg Wilhelms Frau war seit dem 28.3.1748 Friederike von Edelsheim (1724-1791), die Tochter von Philip Reinhard von Edelsheim (1695-1771), hanau-münzenbergischer Kammerpräsident, und Christiane Juliane von Dernbach (1702 - 1732).

Über dem Portal befindet sich ein spätbarocker Wappenstein. Heraldisch rechts ist für Georg Wilhelm von Massenbach (1721-1788) das Wappen der von Massenbach zu sehen, in Blau zwei goldene Balken. Die schräggestellten Strukturelemente sind heraldisch nicht signifikant. Die hier nicht dargestellte Helmzier bildeten zu blau-goldenen Decken zwei wie der Schild mit zwei goldenen Balken belegte blaue Büffelhörner. Das Wappen ist identisch mit dem der v. Neuhaus und dem der v. Gemmingen, mit denen sie stammesverwandt sind, und wird beschrieben im Siebmacher Band: Na Seite: 8 Tafel: 8, weiterhin unter den Einträgen zu v. Gemmingen, und außerdem sind die Freiherren von Massenbach mit ihrem Wappen seit dem 5.1.1982 eingetragen in der Deutschen Wappenrolle DWR Band: XL Seite: 55, unter der Nummer: 7896/82, auf Antrag des Agnaten Karl-August Frhr. v. Massenbach, Kaufmann und Landwirt in Schwaigern. Der erste Nachweis dieses Wappens ist in Conrad Grünenbergs Wappenbuch 1483, weitere Belege sind Grabplatten in der Kirche zu Massenbach. Die zur Ritterschaft des Kraichgaus gehörenden von Massenbach werden übrigens 1160 zum ersten Mal urkundlich bezeugt. Sie waren Reichsritter und hatten seit 1556 in ihrem Besitz die Blutsgerichtsbarkeit. Sie waren aber auch Lehensnehmer der Kurpfalz. Erst 1806 änderte sich mit der Mediatisierung der rechtliche Status des Rittergutes, und nach dem Wiener Kongreß kam die Herrschaft Massenbach zum Königreich Württemberg.

Das Wappen seiner Ehefrau Friederike von Edelsheim (1724-1791) zeigt einen gespaltenen Schild, rechts in Gold ein ungarischer Bogenschütze in schwarzem Rock, roter Hose, schwarzen Stiefeln und mit pelzverbrämter schwarzer Mütze, mit roter Leibbinde, einen gespannten Bogen vor sich haltend, links in Silber ein halber, schwarzer, golden gekrönter, rotbewehrter Adler am Spalt. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 48 Tafel: 29, Kro Seite: 43 Tafel: 32 , He Seite: 8 Tafel: 7 und Un Seite: 149 Tafel: 118. Das Stammwappen der von Edelsheim hatte in Gold auf grünem Dreiberg einen ungarischen, schwarz gekleideten Bogenschützen mit roten Hosen, schwarzen Stiefeln, pelzbesetzter schwarzer Mütze und nach links abflatternder goldener Leibbinde, den gespannten schwarzen Bogen vor sich haltend, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken der Bogenschütze wachsend (Siebmacher Band: Bad Seite: 48 Tafel: 29). Im vermehrten Wappen ist der gekrönte Stammhelm auf Position 1, der gekrönte Helm 2 (links) hat zu schwarz-silbernen Decken einen schwarzen halben Flug.

Die hanauisch-hessische Familie hieß eigentlich Seuffert (auch: Seifert, Seiffert). Johann Georg Seuffert, Rat des gräflichen Hauses Hanau, wurde am 12.12.1673 mit dem Prädikat "von und zu Edelsheim" in den Adelsstand und, mittlerweile kurmainzischer Geheimer Rat und Regierungs- und Kammerpräsident der Grafschaft Hanau-Münzenberg geworden, am 31.12.1706 in den erblichen Reichsfreiherrenstand erhoben. Aus diesem Anlaß wurde das Stammwappen von 1673 wie beschrieben vermehrt. Ein Zweig der Familie trat in badische Dienste. Das bürgerliche "Seifert" wurde unter den Tisch fallen gelassen, und man nannte sich nur noch "Frhr. v. Edelsheim".

Eine Linie der Familie in Ungarn bekam 1906 den Grafenstand als "von Edelsheim-Gyulai". Diese Konstruktion war durch Adoption 1866 entstanden. Diese bekamen ein komplizierteres Wappen: Geviert mit Herzschild, Feld 1: in Blau ein goldener, ebenso gekrönter Löwe, in den Vorderpranken einen mit drei silbernen Straußenfedern zwischen offenem schwarzen Fluge besteckten Helm vor sich haltend (Gyulai), Felder 2 und 3: in Rot auf grünem Berg eine einwärts gekehrte, flugbereite, silberne Taube mit einem Ölzweig im Schnabel, Feld 4: in Blau ein rotgewandeter Rechtsarm, einen goldengegrifften silbernen Krummsäbel schwingend, Herzschild wie das freiherrliche Wappen (s. o.). Dazu drei gekrönte Helme: Helm 1 (Mitte): Stammkleinod, Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken der goldene Löwe mit dem Helm in den Pranken wie in Feld 1, Helm 3 (links): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein schwarzer Flügel.

Literatur, Links und Quellen:
Freiherr von Massenbach'sche Waldstiftung und Schloß Massenbach: http://www.schloss-massenbach.de/
Geschichte der von Massenbach:
http://www.schloss-massenbach.de/geschichte.html
Schloßgebäude:
http://www.schloss-massenbach.de/gebaeude.html
Schloß Massenbach:
http://www.denkmalschutz.de/denkmale/denkmal-liste/schloss-massenbach.html
Schloß Massenbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Massenbach
Zur Lage des Schlosses:
http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/leintal/top1-Der-Prachtbau-forderte-das-ganze-Dorf;art1906,855066
Genealogien:
http://genealogy.links.org/links-cgi/readged?/home/ben/camilla-genealogy/current+c-edelsheim378+2-2-0-1-0 und http://genealogy.links.org/links-cgi/readged?/home/ben/camilla-genealogy/current+c-vm377+2-2-0-1-0
von Massenbach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Massenbach_%28Adelsgeschlecht%29
von Massenbach: Deutsche Wappenrolle DWR Band: XL Seite: 55
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Edelsheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Edelsheim_%28Adelsgeschlecht%29
Hartmut Riehl: Burgen und Schlösser im Kraichgau, Verlag Regionalkultur 1997, ISBN 3-929366-51-7, S. 62-64.

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