Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1820
Helmstadt (Helmstadt-Bargen, Rhein-Neckar-Kreis)

Der Ziehbrunnen des ehem. Wasserschlosses Helmstatt

Der ländliche Ort Helmstadt liegt am Übergang des Kraichgauer Hügellandes zum Kleinen Odenwald. Von einem Wasserschloß steht hier nicht mehr viel in der Gemeinde Helmstadt, die seit 1970 bzw. 1975 zusammen mit zwei weiteren Gemeinden, Bargen und Flinsbach, zur Kombi-Gemeinde Helmstadt-Bargen zusammengefaßt wurde. Allein der Wasserschloßweg erinnert namentlich noch daran und leitet den Besucher bei der Spurensuche. Im Südosten des Ortes liegt in etwas freierem Gelände in einer Talsenke ein Gutshof mit rings um einen trapezförmigen Hof angeordneten Gebäuden, und auf einer kleinen Raseninsel im Hof befindet sich das einzige bauliche Überbleibsel des einstiges Wasserschlosses der Herren von Helmstatt, ein Ziehbrunnen im Stil der Renaissance, liebevoll mit Geranien geschmückt.

Einst gab es hier sogar drei Burgen der v. Helmstatt für verschiedene Linien: Die sog. Gruseneck, die in Richtung Asbach stand, und das sog. Rabans- oder Felicitasschloß, welches am westlichen Ende des Dorfes stand; beide sind aber im Laufe der Zeit spurlos verschwunden. Und vom Wasserschloß sind, weil die neuen Gebäude z. T. auf alten Fundamenten errichtet wurden, allein ungefährer Umfang und Graben erhalten. Und besagter Ziehbrunnen. Die besterhaltenen Spuren der einstigen Ortsherren sind übrigens in Form von Epitaphien in der örtlichen Pfarrkirche zu finden.

Die Herren von Helmstatt, die sich genau nach diesem Ort nannten, hatten hier bis 1684 die Ortsherrschaft. Helmstadt war ein Lehen der Kurpfalz und des Reiches. Peter und Heinrich von Helmstatt wurden beispielsweise 1401 mit Oberem und Unterem Dorf, Oberem und Unterem Hof vom Pfalzgrafen belehnt, ausgenommen Wasserburg und Graben, die ein Reichslehen waren. Weil das Wasserschloß ein Reichslehen war, wurde es auch Lehensschloß genannt. Um es noch komplizierter zu machen: Die oben erwähnten beiden anderen "festen Häuser" waren Wormser Lehen.

Ende des 17. Jh. wandte sich das Schicksal des Ortes, denn einerseits verstarb 1684 mit Wolf Adam von Helmstatt der letzte männliche Sproß dieser Linie zu Helmstadt, die einst von Gerung I. v. Helmstatt (-1307) und dessen Frau Gertrud von Zwingenberg gegründet worden war, und er starb verarmt, kinderlos und schwachsinnig. Er war der Sohn von Johann Conrad von Helmstatt (-1677) und dessen Frau Agnes Maria von Ehrenberg (-1665). Es gab zwar noch eine blühende Bischofsheimer Linie der v. Helmstatt (welche 1956 ausstarb und nur durch Adoption weitergeführt wurde), doch die bemühten sich vergeblich um das Erbe ihrer Verwandten. Und im Pfälzer Erbfolgekrieg wurden Ort und Schloß von französischen Truppen zerstört. 1803 kam Helmstadt an Baden.

Der Brunnen vom Ende des 16. Jh. hat eine kreisrunde geschlossene Brüstung, auf der drei reichskulptierte Pfeiler stehen, die untereinander mit Rundbögen verbunden sind. Diese tragen gemeinsam einen Bogenkranz. Von jedem Pfeiler geht nach innen eine Gewölberippe aus, die sich in der Mitte an einem Abschlußring treffen, an dem das Rad für das Seil befestigt ist. Diesen Aufbau schließt oben ein gewölbter Deckel ab. Drei Wasserspeier ragten seitlich am Dach heraus, von denen noch ein einziger erhalten ist. Alle drei Zwickel sind mit Wappen geschmückt, wobei jeweils drei eine Gruppe an je einem Pfeiler bilden. Sechs davon stammen aus der Bauzeit, drei andere vom Beginn des 20. Jh.

Der erste Schild zeigt das Wappen der v. Helmstatt (in Silber ein schwarzer, auffliegender Rabe, gewendet), der zweite das der v. Seckendorff (in Silber zwei unten miteinander verbundene und zu einer Acht verschlungene rote Lindenzweige mit nach außen gekehrten Blättern, vier auf jeder Seite) und der dritte das der v. Neipperg (in Rot drei (2:1) silberne Ringe).

Der erste Schild zeigt nach Adolf von Oechelhäuser das Wappen der v. Dienheim (eigentlich unter einem silbernen Schildhaupt in Rot ein gekrönter silberner Löwen, hier ist aber kein Schildhaupt zu sehen), der zweite das der v. Venningen (in Silber 2 rote, schräggekreuzte Lilienstäbe oder Glevenstäbe) und der letzte in der Schmuckumrahmung vermutlich das der Schenken v. Geyern (schwarz-silbern geteilt).

Aber auch dieser Brunnen, so schön er ist, ist nicht mehr ganz original erhalten, sondern war zusammengestürzt. Eine Inschrift erinnert an den Wiederaufbau: "IM IAHRE 1911 WVRDE VNTER GÖTZ GRAF V BERLICHINGEN DIESER BRVNNEN NEV AVFGESTELLT VND AVF DEN VORHANDENEN BOSSEN DIE WAPPEN DIESES PFEILERS AVSGEHAVEN." Darüber sieht man die drei Wappenschilde, die die damalige Herrschaftsstruktur im Jahre 1911 beschreiben: Optisch oben links, auf dem besten Platz also, befindet sich das Wappen des Deutschen Kaiserreiches. Dieses hat drei Ebenen: Der Hauptschild zeigt in Gold einen schwarzen, rotbewehrten und rotgezungten Adler (Deutsches Reich, Kaiserreich), der von einer Kette des preußischen "Hohen Ordens vom Schwarzen Adler" eingerahmte Mittelschild zeigt in Silber einen schwarzen, goldenbewehrten, königlich gekrönten Adler, auf den Flügeln mit goldenen Kleestengeln, in den Fängen Zepter und Reichsapfel (Königreich Preußen), und der winzige Herzschild ist silbern-schwarz geviert (Hohenzollern-Stammwappen). Optisch oben rechts, auf dem zweitbesten Platz, befindet sich der Wappenschild des Großherzogtums Baden, in Gold ein roter Schrägrechtsbalken, wobei die Schraffuren für Rot und Gold nicht zum Stil des Brunnens passen, denn zu dessen Bauzeit gab es diese Konventionen der Tingierungs-Codierung durch Schraffur noch nicht. Und unten innerhalb der kleinen Zierarchitektur, ist der Wappenschild der Grafen v. Berlichingen, in Schwarz ein silbernes, fünfspeichiges Wagenrad.

Wie kam nun, wie anhand des Wappens offensichtlich ist, der Besitz an die v. Berlichingen? Oben wurde bereits der bedauernswerte Wolf Adam von Helmstatt erwähnt, kinderloser letzter männlicher Sproß dieser Linie der v. Helmstatt zu Helmstadt. Dessen Schwester Maria Magdalena v. Helmstatt (4.10.1643-30.7.1690), war nämlich seit dem 27.4.1663 mit Johann Philipp von Berlichingen-Rossach (1637-24.7.1711) verheiratet, dem Sohn von Johann Reinhard von Berlichingen-Rossach (1610-15.10.1654) und Catharina Ursula v. Berlichingen (10.3.1600-15.2.1661), geb. v. Crailsheim, verwitwete v. Seckendorff. Und so wurden die v. Berlichingen rechtmäßige Nachfolger im Lehen. Sie bekamen aber nicht das ganze Erbe, sondern Johann Philipp mußte mit dem Mann der anderen Schwester des Wolf Adam von Helmstatt, einem Herrn v. Auerbach, teilen.

Literatur, Links und Quellen:
Wappen des Deutschen Reiches: Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Geschichte von Helmstadt-Bargen:
http://www.helmstadt-bargen.de/servlet/PB/menu/2883257_l1/index.html
Helmstadt-Bargen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Helmstadt-Bargen
von Helmstatt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Helmstatt
Edmund von der Becke-Klüchtzner, Stamm-Tafeln des Adels des Großherzogthums Baden: ein neu bearbeitetes Adelsbuch Baden-Baden, 1886, darin: Stammtafeln Berlichingen:
http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/beckekluechtzner1886/0054 - insbesondere http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/beckekluechtzner1886/0058 und Stammtafeln v. Helmstatt http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/beckekluechtzner1886/0186 ff.
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden, hrsg. von Franz Xaver Kraus, Band 8,1: Adolf von Oechelhäuser: Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Sinsheim, Eppingen und Wiesloch (Kreis Heidelberg), Tübingen, 1909 - http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kdm8bd1, S. 24 ff.
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 210
Hartmut Riehl: Burgen und Schlösser im Kraichgau, Verlag Regionalkultur 1997, ISBN 3-929366-51-7, S. 37
Zwischen Fürsten und Bauern - Reichsritterschaft im Kraichgau, hrsg. von Clemens Rehm und Konrad Krimm, Heimatverein Kraichgau, Sinsheim 1992, 2. Auflage 1993, ISBN 3-921214-04-1
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