Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1813
Braunsbach (Landkreis Schwäbisch Hall)

Schloß Braunsbach

Braunsbach ist eine Gemeinde im Kochertal ca. 15 km nördlich von Schwäbisch Hall. In der Gemeinde, die heute auch die Ortsteile Arnsdorf, Döttingen, Geislingen am Kocher, Jungholzhausen, Orlach und Steinkirchen umfaßt, gibt es insgesamt drei Schlösser, das hier zu besprechende Schloß Braunsbach im gleichnamigen Hauptort, das Schloß Tierberg im Ortsteil Steinkirchen und das Schloß in Döttingen.

Schloß Braunsbach, das aus einer um 1250 entstandenen Burg der Ritter von Braunsbach hervorgegangen ist, liegt am Hang am östlichen Ortsrand von Braunsbach. Ein unregelmäßiges Viereck wird von den Wehrmauern aufgespannt mit vier Rundtürmen an den jeweiligen Ecken und mit einem Hauptzugang im der Südwestecke, zu dem die steile Schloßstraße hinaufführt. 1853 wurden Teile der äußeren Befestigung abgerissen, ferner wurde die umlaufende Mauer erniedrigt. Der Südwestturm und der Nordostturm haben jeweils einen kleinen Anbau.

Das Schloß selbst besteht aus zwei rechtwinklig zueinander stehenden Flügeln. Der ältere Teil (alter oder Seitenbau genannt) ist der das südöstliche Eck einnehmende Südflügel, der mit seiner Süd- und seiner Ostseite direkt an die Wehrmauer grenzt. Sein östlicher Teil war die alte Burg der Herren von Braunsbach. Daran setzt sich mit einem Winkel von ca. 80° ein sich von Süden nach Norden erstreckender zweiter Flügel (1570-1607, Westflügel, Neuer Bau oder Weißes Haus genannt) an, der bis zur nördlichen Wehrmauer reicht und im Nordosteck einen kleinen Innenhof bildet. Der Neue Bau stürzte 1846 teilweise zusammen, und beim Wiederaufbau wurde die katholische Kirche darin ausgebaut. Wo die beiden Flügel übereck aneinanderstoßen, befindet sich ein schlanker, runder Treppenturm, und ein weiterer Treppenturm befindet sich auf der Nordseite des älteren Flügels zum kleinen Innenhof hin, so daß das Schloß insgesamt sechs Türme zählt. Nördlich grenzen Ökonomiegebäude an, zu denen ein Tor führt. Schloß Braunsbach ist privat bewohnt und kann innen nicht besichtigt werden.

An der südlichen Giebelseite des jüngeren Westflügels ist außen ein verwitterter Wappenstein aus Sandstein eingelassen. Leider sind im Bereich der Schildkartusche große Teile der Oberfläche abgeplatzt, aber im erhaltenen Zentrum kann man noch erkennen, daß es sich einst um ein in gespaltenem Schild zusammengeschobenes Ehewappen gehandelt hat, unter Verwendung der Kleinode beider Ehepartner über der Kartusche, die etwas besser erhalten sind.

Der Stein weist zwei Inschriften auf. Unter der Kartusche mit der Jahreszahl 1607, von der man gerade noch die Ziffer "6" erkennen kann, steht auf dem Gebälk der Ädikula: "Tu supplex ora, tu protege, tuque labora". Das heißt übersetzt soviel wie: Du bete demütig - Du beschütze - und Du arbeite. Was aber bedeutet der Spruch? Jede dieser Aufforderungen wendet sich an einen Stand, die erste an die Geistlichkeit, die zweite an die Ritterschaft, die dritte an die Bauernschaft. Der Spruch erinnert also an die Funktionsteilung der christlichen Stände-Gesellschaft und an die Gesellschaftsordnung der Feudalzeit, in der jeder seinen Platz einnehmen soll, die Schloßherren in der Ritterschaft, der fürstbischöfliche Lehnsherr in der Geistlichkeit, und die Dorfbewohner im untersten Stand.

Die zweite Inschrift befindet sich unter der Wappenzone, auch sie läuft über die ganze Breite unter Verwendung der seitlichen Basen der Vorlagen, und sie lautet: "Von grundt aufs New erbawet durch", wobei sich der Inhalt in der dritten, kartuschenartig gehaltenen Inschriftenzone links wie folgt fortsetzt: "Wolffg(ang). von Creillsheim zu Morstein U(nd) Braunspach" und rechts "Sa(lo)m(e von) Creillshei(m ge)borne W(olfskeelin)". Der Westflügel, angefangen von Albrecht von Crailsheim (gest. 1593) und dessen Frau Anna von Crailsheim (gest. 10.2.1594), deren beider Wappen sich auf der Innenseite des Westflügels befindet, wurde also 1607 fertiggestellt von dessen Neffen Wolfgang von Crailsheim (1576-31.3.1637) und seiner Frau Salome von Wolfskeel.

Der Schild ist gespalten, rechts ist in Schwarz ein goldener Balken (v. Crailsheim), links in Gold ein schwarzer Mohr, der in seiner ausgestreckten rechten Hand drei rote Blumen hält (v. Wolfskeel). Vom Balken ist noch die Hälfte sichtbar, vom Mohr nur eine Hand mit Blumen. Das zusammengeschobene Ehewappen hat zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken zwischen zwei schwarzen, je mit einem goldenen Balken belegten Büffelhörnern ein auf die Spitze gestelltes, quadratisches, rotes Kissen mit goldenen Troddeln an den freien Enden (v. Crailsheim), Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein flacher schwarzer Turnierhut, silbern oder mit Hermelin gestulpt, darin ein geschlossener Flug, meist schräg von Schwarz und Silber geteilt (vielfältige Angaben in den Quellen), zur Unterscheidung von den das gleiche Wappenbild führenden von Grumbach zwischen den Flügeln ein Fähnlein, schwarz-golden geteilt, mit einem Reichsapfel belegt (v. Wolfskeel). Unten links ist eine Gesamtaufnahme des verwitterten Steines.

 

Das Wappen der von Crailsheim, einer fränkischen Uradelsfamilie, die in viele Linien aufgespalten war und 1701 (Diplom vom 23.6.1713) den Reichsfreiherrenstand erwarb, wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 18 Tafel: 12, Band: Bay Seite: 30 Tafel: 26, Band: Bay Seite: 73 Tafel: 81, Band: Pr Seite: 39 Tafel: 47, Band: ThüA Seite: 53 Tafel: 41, Band: Wü Seite: 6 Tafel: 7, alter Siebmacher von 1605. Ferner wird das Wappen dargestellt im Scheiblerschen Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c), Folio 396, und bei Otto Hupp im Münchener Kalender 1903 und im Rahrbach.

Das Wappen der von Wolfskeel, ebenfalls einer altfränkischen Uradelsfamilie, wird beschrieben im Siebmacher Band: Sa Seite: 19 Tafel: 18 (Flug silbern-schwarz schräggeteilt), Band: Bay Seite: 64 Tafel: 69 (Flug schwarz-silbern schräggeteilt), Band: Pr Seite: 70 Tafel: 92, Band: ThüA Seite: 91 Tafel: 72 (Flug schwarz-golden schräggeteilt). Es findet sich ferner bei Schöler und im Rahrbach sowie im Scheiblerschen Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c), Folio 329, dort mit schwarz-silbern schräggeteiltem Flug, rotem Turnierhut und mit andersfarbigen Decken. 1901 wurde Freiherr Karl Wolfskeel von Reichenberg zu Uettingen in den erblichen Grafenstand erhoben. Der erhöhte Rang wurde daraufhin durch ein zweites „f“ im Namen angedeutet, also „Wolffskeel“ statt „Wolfskeel“.

Die Abb. oben rechts zeigt einen sekundär vermauerten Stein von schlechter Erhaltung, der an seinem neuen Ort auf dem Kopf steht. Zu sehen ist das undatierte Wappen eines Würzburger Fürstbischofs aus dem Hause von Greiffenclau-Vollraths. Das Wappen ist geviert: Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: von Greiffenclau-Vollraths, erneut geviert: Feld a und d: Greiffenclau, silbern-blau geteilt, darüber ein goldenes Glevenrad, Feld b und c: Ippelbrunn, in Schwarz ein silberner Schräglinksbalken, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine (von der Stange aus gesehen) rot-silbern gevierte, schräggestellte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Krummstab und Schwert fehlen, dafür ist ein sehr groß dimensionierter Fürstenhut mit Hermelinaufschlag dargestellt. Die Hintergründe sind sehr verwickelt: 1712 fiel Braunsbach an den Würzburger Fürstbischof als Lehnsherrn zurück, und der ließ die Herrschaft bis 1723 durch einen Amtmann verwalten. Das Domkapitel hatte 1715 Braunsbach dem Fürstbischof Johann Philipp von Greiffenclau (reg. 1699-1719) privat überlassen, der wiederum drei Jahre später seinen Neffen Lothar damit belehnte, und 1719 kam Braunsbach wieder durch einen Tausch an das Hochstift Würzburg zurück. 1723 wurde zurückgetauscht, und 1737 wurde Braunsbach wieder an das Domkapitel verpfändet. Also muß der Stein aus der Zeit 1712-1718 stammen.

Ein weiteres Wappenpaar kann an dem im Winkel zwischen Süd- und Westflügel erbauten runden Treppenturm gefunden werden. Die nach Süden weisende Tür im untersten Geschoß hat unter einem Kielbogen ein auf 1570 datiertes Paar Wappenschilde, heraldisch rechts das Wappen der von Crailsheim (in Schwarz ein goldener Balken), heraldisch links das der von Spieß (in Schwarz ein goldenes Mühlrad; die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-goldenen Decken ein goldenes Mühlrad, oben mit einem schwarzen Hahnenfederbusch besteckt, zu finden im Siebmacher Band: WüA Seite: 64 Tafel: 41). Zur Genealogie vgl. unten beim Wappen am äußeren Tor.

Am Südflügel des Schlosses ist ein weiteres Wappen über der Türumrahmung des Erdgeschosses zu sehen, das ist der Eingang zur ehem. katholischen Schule. Der Schild ist rot-silbern mit drei Spitzen geteilt (sog. Fränkischer Rechen) und gekrönt; das hinter dem Schild schrägrechts gestellte Schwert und der schräglinks gestellte Krummstab weisen es als das Wappen eines geistlichen Fürstentums aus. Der Südflügel wurde hier in den 1780er Jahren repariert, und aus dieser Zeit stammt der Wappenstein. Vergrößerung siehe untere Abb.

Das in das Schloß hineinführende Tor liegt in der südwestlichen Ecke. Der rechteckige Falz rings um das Rundbogentor diente einst als Anschlag für die Zugbrücke, die den Besucher am Ende der steilen Schloßstraße erwartete. Über dem Tor sind noch die vermauerten Schlitze für die beiden Balken zu sehen, an denen die Zugbrücke hochgezogen wurde. Direkt über dem Tor befindet sich ein weiterer rechteckiger Wappenstein mit einem zentralen Vollwappen und vier Schilden in den Ecken. Die Inschrift ist ein Bibelspruch: "Prover. Sal. XVIII. Der Name des Herren ist ein vestes Schlos, der Gerecht laufft dahin und wird beschirmet." Das ist Sprüche 18:10.

 

Das zentrale Vollwappen ist das der von Crailsheim, in Schwarz ein goldener Balken, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken zwischen zwei schwarzen, je mit einem goldenen Balken belegten Büffelhörnern ein auf die Spitze gestelltes, quadratisches, rotes Kissen mit goldenen Troddeln an den freien Enden. Der gleiche Inhalt ist auch im ersten Schild der Ahnenprobe heraldisch rechts oben zu finden. Bei dem Stein handelt es sich um das Wappen von Sebastian d. Ä. von Crailsheim zu Morstein und Braunsbach, gest. 1538. Er war der Stifter der Morsteiner Nebenlinie, während sein Bruder Wilhelm d. J. von Crailsheim die Hornberger Linie fortführte und sein anderer Bruder Caspar v. Crailsheim zu Erckenbrechtshausen saß. Alle drei waren die Söhne von Wilhelm d. Ä. von Crailsheim zu Hornberg, Morstein, Erckenbrechtshausen und Braunsbach, der die Hornberger Linie weiterführte und 1515 verstarb. Wilhelm d. Ä. war kurfürstlich-würzburgischer Amtmann zu Jagstburg.

Heraldisch oben links ist der Schild der von Spieß zu sehen, in Schwarz ein goldenes Mühlrad (wie oben beschrieben). Der vierte Schild unten links zeigt das Wappen der Herren von Sternenfels, in Silber über einem blauen Stufengiebel ein siebenstrahliger roter Stern. Das hier nicht dargestellte Kleinod wäre der blaue Stufengiebel, darüber der siebenstrahlige rote Stern, Helmdecken blau-silbern. Man beachte das heraldisch seltene Vorkommen einer Siebenzähligkeit. Der Stern ist so gestellt, daß eine Spitze senkrecht nach unten zeigt und oben in der Mitte ein Zwischenraum ist, daher kann man ganz korrekt auch von einem gestürzten, siebenstrahligen Stern sprechen. Die Beschreibung erfolgt im Siebmacher Band: Bad Seite: 78 Tafel: 46, Wü Seite: 12 Tafel: 15. Das Wappen wird auch im Wappenbuch des Nikolaus Bertschi mit dem Stufengiebel abgebildet, dort ist der Stern aber abweichend nur sechsstrahlig, das Feld ist blau, Stufengiebel und Stern sind silbern. Hupp bildet in seinem Münchner Kalender den Stern auch nur sechsstrahlig ab, aber immerhin in den korrekten Farben. In einem Wappenbuch des Abtes Ulrich in St. Gallen wird als Helmzier abweichend ein wachsender Frauenrumpf abgebildet.

Diese beiden Wappen stehen für die Eltern der Anna Spieß von Braunsbach; ihre Mutter war aus dem Hause der von Sternenfels. Sebastian d. Ä. von Crailsheim war vermählt mit Anna Spieß von Braunsbach, gest. 1566. Die Spieß waren ebenfalls Besitzer von Braunsbach, denn im Jahre 1471 hatte Schweicker Göler Braunsbach an Konrad Spieß aus Schwäbisch Hall verkauft, und in der Familie blieb Braunsbach bis zum Tod des letzten Spieß, Heinrich, Bruder der Anna Spieß, der 1540 zu seiner verwitweten Schwester nach Braunsbach zog und hier am 31.10.1549 starb. Über Anna von Spieß war Braunsbach also an die von Crailsheim gekommen, die Schloß und Kirche erneuerten. Die Söhne von Sebastian und Anna erbten Braunsbach dann 1549 von ihrem Onkel Heinrich Spieß.

Es bleibt der Schild heraldisch unten rechts, auf dem ein Pfahl zu sehen ist (ungeklärt, Hinweise willkommen, nicht zu den Angaben bei Biedermann passend).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Genealogie Crailsheim: Geschlechts-Register der Reichs-Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken, löblichen Orts Steigerwald
http://books.google.de/books?id=5tJDAAAAcAAJ
Braunsbach:
http://www.pro-region.de/web/de/home/ueberdieregion/staedteundgemeinden/braunsbachburgen.html
Schloß Braunsbach:
http://www.burgen-und-schloesser.net/baden-wuerttemberg/schloss-braunsbach/geschichte.html
Hohenloher Kultursommer:
http://www.hohenloher-kultursommer.de/index.php?id=31&publish[id]=600929&publish[data][letter]=B&publish[data][fulltext]=
Julius Hartmann und Eduard Paulus d. J., Beschreibung des Oberamts Künzelsau, hrsg. vom königlichen statistisch-topographischen Bureau, Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1883, online:
http://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_K%C3%BCnzelsau/Kapitel_B_9
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 73

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