Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1805
Rheinfelden (Landkreis Lörrach)

Schloß Beuggen (4): Wappensteine aus dem frühen 17. Jh.

Nachdem in den beiden vorangegangenen Kapiteln zur Heraldik an Schloß Beuggen die Wappen des 15. und des 16. Jh. vorgestellt wurden, erfolgt nun der Sprung ins 17. Jahrhundert. Wir beginnen die Wappensuche im Süden des Schlosses, außerhalb der einstigen Befestigungsanlage und jenseits des nun zugeschütteten Wassergrabens. Wenn man am Storchenturm, am ehemaligen Unteren Tor vorbei, der Straße entlang des Rheines nach Süden folgt, stößt man nach rund 100 Metern auf einen die Straße überspannenden Torbogen mit einem gemauerten Hausteinbogen, rheinseitig an eine langgestreckte Abstellhalle voller landwirtschaftlicher Geräte und landseitig an eine weniger lange, aber um so tiefere Scheune stoßend.

An diesem ansonsten völlig schmucklosen Zweckbau befindet sich relativ weit oben ein in das Bruchsteinmauerwerk eingefügter Wappenstein aus Sandstein, der auf 1629 datiert ist. Die stark abgekürzte, hier sinngemäß ergänzte Inschrift lautet: "HANS JACOB VOM STAIN T(EVTONICI). O(RDINIS). L(AND). C(OMTVR). D(ER). B(ALLEI). E(LSASS). V(ND). B(VRGVND). C(OMTVR). Z(V). A(LTSHAVSEN). V(ND). B(EVGGEN)."

Johann Jakob vom Stain war in der Zeit von 1629 bis 1649 Landkomtur. Er ist ein Nachfolger von Johann Kaspar von Stadion in diesem Amt. Das Schwierige ist, daß ohne Tinkturen und Oberwappen die Wappen beider ununterscheidbar sind, denn sie haben das gleiche Schildbild, wenn auch in inversen Farben. Um es noch komplizierter zu machen, waren sie beide vorher auch noch abwechselnd Hauskomture in Beuggen. Hier ist glücklicherweise die inschriftliche Zuweisung eindeutig, ferner verweist die Datierung in seine Amtszeit.

Deutscher Orden vom Stain zum Rechtenstein Landkomtur Johann Jakob vom Stain

Johann Jakob vom Stain führt hier einen gevierten Schild, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzes Kreuz (Deutscher Orden, Landkomture nahmen das Ordenskreuz in den gevierten Schild auf, das Kreuz hier schwebend und mit tatzenförmigen Enden, eine stilistische Weiterentwicklung des bis dahin durchgehend geführten Kreuzes), Feld 2 und 3: in Gold drei schwarze Wolfsangeln (Wolfsanker) übereinander, mit dem Ring nach unten gelegt. Hier wird ein an den oberen und seitlichen Rändern stark eingezogener und symmetrisch an vier Stellen schneckenförmig eingerollter Renaissance-Schild verwendet; ein Oberwappen fehlt. Das wären zwei Helme, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein beiderseits mit einem durchgehenden schwarzen Kreuz belegter silberner Flug (Deutscher Orden), Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken eine gestürzte, mit dem Ring nach oben gelegte schwarze Wolfsangel (Wolfsanker), die Spitzen mit je einem Pfauenstoß (Pfauenwedel, Pfauenfederbusch) besteckt. Das Wappen der vom Stain zum Rechtenstein wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 77 Tafel: 46, Band: Wü Seite: 12 Tafel: 15, BraA Seite: 89 Tafel: 54, SchlA3 Seite: 56 Tafel: 33, dort ist jeweils die Wolfsangel der Helmzier schwarz, ferner im Scheiblersches Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c), Folio 15, dort die Wolfsangel der Helmzier golden.

Position des oben beschriebenen Wappensteines im Grundrißplan.

Ein ganz ähnliches Wappen finden wir, wenn wir, wieder auf dem Hauptgelände des Schlosses, im Uhrzeigersinn um das Neue Schloß und die im Norden angesetzte Kirche herumgehen, es befindet sich an dem dort angebauten niedrigen Nebengebäude der Kirche zwischen dem dritten und dem vierten Fenster von links, einfach weiß gestrichen.

Der Stein ist auf 1609 datiert, und er hat zwei zusammengestellte Schilde, nicht wie im vorherigen Beispiel geviert. Die Inschrift ist auch viel kürzer: "T(EVTONICI). O(RDINIS). H. C. V. S." Wie oben erwähnt, kann das Motiv der drei übereinander angeordneten Wolfsanker (Wolfsangeln) ohne Hinweise zur Tinktur und zum Oberwappen zwei Familien zugeordnet werden, und die Abkürzung des Nachnamens "v. S." kann sowohl von Stadion als auch vom Stain bedeuten. Die Datierung 1609 schließt beide als Landkomtur aus, denn 1601-1626 war Christoph Thumb von Neuburg Landkomtur der Ballei Elsaß-Burgund. Deshalb muß es ein örtlicher Komtur sein. Die Inschrift gibt den eindeutigen Hinweis auf den Vornamen H.C. - Hans (Johann) Caspar und nicht Hans (Johann) Jakob, und in Verbindung mit der Jahreszahl haben wir hier das Wappen von Johann Caspar von Stadion, der in diesem Amt auf Hans Heinrich von Schienen und Strotzburg folgte und seinerseits von Hans Jakob vom Stain abgelöst wurde. Johann Caspar von Stadion wurde später selbst Landkomtur, ist es zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Wappensteines jedoch noch nicht.

Deutscher Orden örtlicher Komtur
Johann Caspar von Stadion
späterer Landkomtur
Johann Caspar von Stadion

Das Familienwappen der von Stadion zeigt in Schwarz drei goldene Wolfsangeln (Wolfsanker) übereinander, mit dem Ring nach unten gelegt. Ein Oberwappen fehlt, das wäre auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken auf einem schwarz-goldenen Kissen eine goldene Wolfsangel (Wolfsanker), mit dem Ring nach oben, darin ein Pfauenstoß. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Wü Seite: 4 Tafel: 4, Band: Gf Seite: 51-52 Tafel: 93-94, Band: Mä Seite: 145 Tafel: 106, im Alberti S. 752, ferner im Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 79 Seite 112, 78.

Position des oben beschriebenen Wappensteines im Grundrißplan.

Ein ganz ähnlicher Wappenstein befindet sich am Gebäude der ehemaligen Mühle. Dieser Bau befindet sich an der rheinseitigen Sekante des Schloßhalbrunds zwischen ehemaligem Pfarrhaus im Norden und Storchenturm im Süden. Angetrieben wurde das Mühlrad einst durch einen Bach, der seinen Weg durch das Schloßgelände nahm und dessen Bett teilweise noch zu sehen ist. Heute wird das Gebäude von der Schule für Erziehungshilfe genutzt. Das asymmetrisch eingesetzte Portal zwischen links vier und rechts zwei Fensterachsen wird von dem auf 1614 datierten Wappenstein überhöht.

Die Inschrift lautet "H(ANS). C(ASPAR). V(ON). S(TADION). T(EVTONICI). O(RDINIS)." Wie im vorherigen Wappenstein handelt es sich um den örtlichen Komtur Johann Caspar von Stadion, und es gelten die zuvor getroffenen Tingierungszuweisungen. 1614 - zu diesem Zeitpunkt hat der 47 Jahre alte Deutschordenskomtur Johann Caspar von Stadion (21.12.1567-21.11.1641), Sohn von Ullrich von Stadion aus der elsässischen Linie des Geschlechts und dessen Ehefrau Apollonia von Nanckenreuth, noch Einiges vor sich. Nach seinem Ordensbeitritt 1594 wurde er zuerst 1606 in Freiburg Komtur, dann kam er nach Beuggen, wo er 1609-1628 die Kommende verwaltete, und aus diesem Zeitfenster stammen dieser Stein und ebenso der zuvor vorgestellte, und danach wurde Johann Caspar Landkomtur der Ballei Elsaß-Burgund mit Sitz in Altshausen und Hochmeister des Deutschen Ordens 1625-1627 in Bad Mergentheim. Daneben machte er politisch Karriere, denn er ging an den Hof von Kaiser Maximilian III. und stieg dort auf zum Oberstkämmerer und Obersthofmeister. 1619 wurde er unter Kaiser Ferdinand II. Mitglied des obersten Hofkriegsrat, schließlich dessen Präsident, und außerdem wurde er 1622 Geheimer Rat von Kaiser Ferdinand II. Mit Ferdinand III. gemeinsam kämpfte er im 30jährigen Krieg gegen die schwedischen Truppen bei Nördlingen 1634. Der ewige Kämpfer starb 1641 in Thüringen im Feldlager.

Position des oben beschriebenen Wappensteines im Grundrißplan.

Literatur, Links und Quellen:
Schloßführer: http://www.freunde-schloss-beuggen.de/Dokumente/buch3klein.pdf
Klöster in Baden: Deutschordenskommende Beuggen:
http://www.kloester-bw.de/kloster1.php?nr=497
Schloß Beuggen:
http://www.schloss-beuggen.de/
Rundgang:
http://www.schloss-beuggen.de/rundgang/rundgang.php
Kurze Geschichte von Schloß Beuggen:
http://www.freunde-schloss-beuggen.de/Dokumente/KurzgeschichteBeuggens.pdf
Institutionen in Schloß Beuggen:
http://www.freunde-schloss-beuggen.de/institutionen.html
Geschichte von Schloß Beuggen:
http://www.schloss-beuggen.de/geschichte/geschichte.htm
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 420-421
Freunde Schloß Beuggen e.V.
http://www.freunde-schloss-beuggen.de/
Schloß Beuggen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Beuggen
Deutschordensballei Schwaben-Elsaß-Burgund:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschordensballei_Schwaben-Elsass-Burgund
Liste der Landkomture:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Landkomture_der_Ballei_Elsass-Burgund
Johann Caspar von Stadion:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Kaspar_von_Stadion
Carl von Duncker, Johann Caspar von Stadion, In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Band 35, Duncker & Humblot, Leipzig 1893, S. 368-371, online: de.wikisource.org/wiki/ADB:Stadion,_Johann_Kaspar_von
Johann Caspar von Stadion:
http://www.schloesser-magazin.de/de/schloss-kapfenburg/Beruehmte-Personen/239107.html
J. Siebmachers Grosses Wappenbuch Band E. Württembergisches Adels- und Wappenbuch. Im Auftrage des Württembergischen Altertumsvereins begonnen von Otto v. Alberti, Bauer & Raspe 1975 (Reprint), 1112 Texts. mit 4132 Wappen + 122 S. Figurenverzeichnis.
Siebmachers Wappenbücher
Scheiblersches Wappenbuch

Schloß Beuggen (1): Wappensteine aus dem 15. Jh. - Schloß Beuggen (2): Wappensteine aus dem 16. Jh. - Schloß Beuggen (3): Wappenstele aus dem 16. Jh. - Schloß Beuggen (5): Wappensteine aus dem 17. Jh. - Schloß Beuggen (6): Wappensteine aus dem 18. Jh. - Schloß Beuggen (7): Wappendarstellungen in der Kirche

Wolfsangel, Wolfsanker und Doppelhaken
Wappen des Deutschen Ordens

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2012
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de