Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1804
Rheinfelden (Landkreis Lörrach)

Schloß Beuggen (3): Eine Wappensäule aus dem 16. Jh.

Eine heraldisch interessante Säule (vermutlich eine Grenzsäule) befindet sich auf dem durch den Storchenturm führenden Torweg. Die heute in der Mitte des gepflasterten Weges freistehende Säule von quadratischem Querschnitt hat einen schräg angeschliffenen Schaft, dessen eine Seite mit einer Inschrift versehen ist, und ein kopfartiges Oberteil, das auf jeder Seite einen ovalen Rahmen hat, der auf einer Seite eine weitere Inschrift enthält und auf den drei anderen Seiten jeweils ein Wappen.

Von der Inschrift auf dem Schaft kann man noch entziffern: "ICH HANS WERNER VON REISCHACH ...(DEU)TSCH ORD(E)NS LANT COMENTVR DER BALLEI ELSASS VND BVRGVND................" Damit kann das erste der Wappen bereits Johann Werner von Reischach zugeordnet werden, der 1540-1549 als Landkomtur im Amt war, was mit der Datierung der Stele auf 1549 in Einklang steht.

Abb. links: Das Wappen des Landkomturs Johann Werner von Reischach ist geviert; Feld 1 und 4: in Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz (Deutscher Orden), Feld 2 und 3: in Silber Kopf und Hals eines Ebers (Reischach). Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein silberner Flug, beiderseits belegt mit einem durchgehenden schwarzen Kreuz (Deutscher Orden), Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken Kopf und Hals eines schwarzen Ebers (Reischach). Das Familienwappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 23 Tafel: 15, Band: NÖ1 Seite: 375 Tafel: 208, Band: OÖ Seite: 293 Tafel: 78, Band: Pr Seite: 321 Tafel: 375, Band: PrA Seite: 68 Tafel: 50. Für den Eberkopf in der Helmzier wird im Siebmacher meistens die Farbe Schwarz angegeben, aber es sind in den Quellen auch die Farben Silber und Gold zu finden. Im Scheiblerschen Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c), Folio 107, ist der Eberkopf im Schild schwarz mit silbernen Rückenborsten und in der Helmzier genau umgekehrt.

Abb. rechts: Das schlecht erhaltene Wappen des örtlichen Komturs Friedrich von Homburg zeigt in Gold zwei schwarze Hirschstangen (ein schwarzes Hirschgeweih) mit Grind und auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken einen silbernen Flug. Das Wappen findet sich im Scheiblerschen Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod. icon. 312 c), Folio 125, sowie im Alberti S. 347. Im Rietstap wird das Wappen unter Stoffel von Homburg geführt, und als Helmzier wird ein silberner Flug auf einem schwarzen Turnierhut angegeben, so auch in der Züricher Wappenrolle. Die von Homburg waren Stammesgenossen der von Stoffeln.

Die dritte Wappenseite schließlich erinnert zusammen mit einer Inschrift in bemerkenswerter Orthographie ("WIR FERDENANDO VO(N) GOT(T)ES GNADEN R(O)EMISCH(ER) VNGERIS(CHER) VND B(O)EHEMISCH(ER) KING (=KÖNIG) ERCz HERCzI (=ERZHERZOG) ZV (O)ESTER(RE)ICH HER(R) DI(E)S(ES) LANCz (=LANDES) 1549") an den Landesherrn. Gemeint ist hier Ferdinand I. von Habsburg (10.3.1503-25.7.1564), ein Bruder Kaiser Karls V., jener Ferdinand, Sohn von Philipp I. König von Kastilien und Leon (22.6.1478-1506) und dessen Frau Johanna Königin von Kastilien und Aragon (6.11.1479-1555), der eigentlich erst Spanien erben sollte, dann wegen Testamentsänderung dieses aber seinem Bruder Karl überlassen mußte, der 1521 Erzherzog wurde, 24.2.1527 König von Böhmen und 5.11.1527 König von Ungarn, 5.1.1531 Wahl zum römisch-deutschen König, am 11.1. Krönung in Aachen und schließlich - lange nach diesem Grenzstein - 26.2.1558 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Bei der Inschrift fällt auf, daß praktisch alle "G"s auf dem Kopf stehen und sich nur von den "D"s dahingehend unterscheiden, daß erstere den senkrechten Strich in der oberen Hälfte, letztere in der unteren Hälfte haben. Das Wappen ist das der Herzöge und Erzherzöge von Österreich, in Rot ein silberner Balken, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein naturfarbener (grüner) Pfauenstoß. Die Kombination von Landesherr, Landkomtur und örtlichem Komtur, also von allen Personen, die hier etwas mitzureden hatten, tut deutlich kund, wessen Territorium hier beginnt. Ferdinand war 1516 mit Ober- und Niederösterreich abgespeist worden, während sein Bruder Karl das Erbe in Spanien antrat, das Ferdinand zuerst hätte haben sollen. Am 21.4.1521 wurde aufgrund des Teilungsvertrages zu Worms u. a. Vorderösterreich von Karl an Ferdinand übergeben, und dazu gehörte auch Beuggen.

Was hier an ein und demselben Objekt so friedlich vereint scheint, spiegelt nicht unbedingt die historische Realität wider. Tatsächlich war die habsburgisch-vorderösterreichische Oberhoheit über immerhin drei wichtige Kommenden, Beuggen, Mülhausen und Freiburg, für den Deutschen Orden nur schwer zu akzeptieren. Und im 16. und 17. Jh. versuchte man seitens des Ordens immer wieder, die habsburgische Oberhoheit über die Ordensterritorien loszuwerden, vergeblich. So steht diese Kombination auch für eine politische Schicksalsgemeinschaft, die sich einige Beteiligte gerne anders gewünscht hätten.

Position des oben beschriebenen Wappensteines im Grundrißplan.

Eine ganz analoge Wappenkombination kann man im rheinseitigen Erker des alten Hochschlosses sehen: Auch dort sind der Landesherr Ferdinand Erzherzog von Österreich, Landkomtur Johann Werner von Reischach, Komtur Friedrich von Homburg und zusätzlich noch Sigmund von Hornstein als Komtur der Mainau mit ihren Wappen vereint.

Literatur, Links und Quellen:
Schloßführer: http://www.freunde-schloss-beuggen.de/Dokumente/buch3klein.pdf
Klöster in Baden: Deutschordenskommende Beuggen:
http://www.kloester-bw.de/kloster1.php?nr=497
Schloß Beuggen:
http://www.schloss-beuggen.de/
Rundgang:
http://www.schloss-beuggen.de/rundgang/rundgang.php
Kurze Geschichte von Schloß Beuggen:
http://www.freunde-schloss-beuggen.de/Dokumente/KurzgeschichteBeuggens.pdf
Institutionen in Schloß Beuggen:
http://www.freunde-schloss-beuggen.de/institutionen.html
Geschichte von Schloß Beuggen:
http://www.schloss-beuggen.de/geschichte/geschichte.htm
Freunde Schloß Beuggen e.V.
http://www.freunde-schloss-beuggen.de/
Schloß Beuggen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Beuggen
Deutschordensballei Schwaben-Elsaß-Burgund:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutschordensballei_Schwaben-Elsass-Burgund
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 420-421
Liste der Landkomture:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Landkomture_der_Ballei_Elsass-Burgund
von Reischach:
http://de.wikipedia.org/wiki/Reischach_%28Adelsgeschlecht%29
Ferdinand I.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_I._%28HRR%29
Ferdinand I.
http://geschichte.landesmuseum.net/personen/personendetail.asp?id=1759906472
Ferdinand I.
http://resikom.adw-goettingen.gwdg.de/artikel.php?ArtikelID=52
J. Siebmachers Grosses Wappenbuch Band E. Württembergisches Adels- und Wappenbuch. Im Auftrage des Württembergischen Altertumsvereins begonnen von Otto v. Alberti, Bauer & Raspe 1975 (Reprint), 1112 Texts. mit 4132 Wappen + 122 S. Figurenverzeichnis.
Siebmachers Wappenbücher
Scheiblersches Wappenbuch

Schloß Beuggen (1): Wappensteine aus dem 15. Jh. - Schloß Beuggen (2): Wappensteine aus dem 16. Jh. - Schloß Beuggen (4): Wappensteine aus dem frühen 17. Jh. - Schloß Beuggen (5): Wappensteine aus dem 17. Jh. - Schloß Beuggen (6): Wappensteine aus dem 18. Jh. - Schloß Beuggen (7): Wappendarstellungen in der Kirche

Wappen des Deutschen Ordens

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2012
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de