Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1791
Niederselters (Landkreis Limburg-Weilburg, Taunus)

Das Rathaus von Niederselters

Niederselters, Heimat des Selterswassers, war einst ein Besitz der Grafschaft Diez. Die Trierer Landesherren hatten großes Interesse an dem Ort und erwarben 1365 die Grund- und Lehensherrschaft, und 1564 fiel die Landeshoheit über den Ort aufgrund des Diezer Vertrages auch an das Hochstift. Der nahe der Grenze zur Landesherrschaft der Nassauer gelegene Ort bekam im Jahre 1789 zum Schutz der Selters-Quelle und zur Sicherung der kurfürstlichen Interessen eine Brunnenwache in Form einer für 25 Mann Besatzung ausgelegten Kaserne. Doch als mit der Säkularisierung das Kurfürstentum Geschichte wurde, kam dieser Ort dennoch an Nassau, was einst das hier stationierte Jägercorps hatte verhindern sollen. Besagte kurtrierische Kaserne in der Brunnenstraße wurde zum Rathaus umgebaut und rückwärtig 1994 durch einen Anbau erweitert. In diesem Gebäude ist heute die Gemeindeverwaltung Selters untergebracht, ferner das Standesamt.

Das eingeschossige Gebäude von klassizistischer Einfachheit hat in der Mitte einen von einem Dreiecksgiebel überhöhten Portikus mit zwei Säulen zwischen zwei eckständigen Pfeilern, und beiderseits dieses baulichen Akzentes je drei Fensterachsen. Bauherr war der letzte Kurfürst auf dem Trierer Bischofsstuhl, Clemens Wenzeslaus von Sachsen (28.9.1739-27.7.1812), Enkel Augusts des Starken. Er war 1763-1768 Fürstbischof von Freising, 1763-1769 Fürstbischof von Regensburg, 1768-1801 Kurfürst und Erzbischof von Trier, und 1768-1803/1812 Fürstbischof von Augsburg. Ferner war er 1768-1794 Fürstabt von Prüm (in Personalunion bis zur Säkularisierung mit Trier verbunden, 1794 Auflösung der Abtei und Vertreibung der Mönche) und 1787-1803 Fürstpropst von Ellwangen. Aus seiner Trierer Zeit gibt es folglich zwei Wappen-Varianten: 1768-1787 ohne Ellwangen und 1787-1803 mit Ellwangen.

Da die Kaserne 1789 erbaut wurde, ist hier gerade schon die zweite, spätere Variante im Dreiecksgiebel zu sehen:

Hier findet man die beiden Komponenten Prüm und Ellwangen in der gemäß ihrer Rangfolge richtigen Anordnung, denn Prüm war Platz 33, Ellwangen jedoch Platz 29 im Reichsfürstenrat. Andersherum werden die beiden Felder bei einem Vergleichwappen in Bad Bertrich dargestellt, denn dort liegt Prüm in Feld 3, und Ellwangen liegt in Feld 4. Hinter dem Schild sind schräggekreuzt Schwert und Krummstab zu sehen, Insignien des fürstbischöflichen Ranges. Die Komposition enthält ferner einen Orden mit einer gestürzten Taube auf dem achtspitzigen Ordenskreuz.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Clemens Wenzeslaus von Sachsen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_Wenzeslaus_von_Sachsen
Franz Xaver Kraus, Clemens Wenceslaus, in: Allgemeine Deutsche Biographie, hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 4 (1876), S. 309–314, online:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Clemens_Wenzeslaus
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Niederselters:
http://de.wikipedia.org/wiki/Niederselters
Niederselters:
http://www.selters-taunus.de/ - http://www.goldenergrund.org/portal/pgg_sehenswert.htm
Ortsgeschichte:
http://www.selters-taunus.de/selters-taunus-im-ueberblick/geschichte

Die Wappen der Fürstbischöfe und Bischöfe von Trier - Teil (1) - Teil (2)
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