Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1786
Trier: Heraldik in Deutschlands ältester Stadt

Das Domvikariat

Das Trierer Domvikariat (Hinter dem Dom 6) grenzt südlich an die Kilianskapelle (rechts im Bild angeschnitten) an und gehört zu den außen an den Kreuzgang angesetzten Nebengebäuden. Von dem kleinen Vorbau wird der Bereich durch eine hohe Mauer mit eingesetztem Barockportal abgetrennt. Dieses Anwesen war früher die Kurie Warsberg (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Kurie in der Dominikanerstraße 7, und auch nicht mit dem sog. Warsberger Hof in der Dietrichstraße 42), und davon zeugt noch die von zwei Säulen flankierte Toreinfahrt in barocken Formen. Das Portal selbst ist nicht original, aber der Aufsatz mit dem Wappen. Unter Verwendung des alten Portalaufsatzes wurde das Portal im frühen 20. Jh. völlig neu aufgemauert als Kopie der alten Toreinfahrt.

Der originale Aufsatz zeigt zwischen zwei Voluten und zwei widersehenden Schwänen als Schildhaltern ein gekröntes Wappen der Familie von Warsberg, in Schwarz ein silberner, golden gekrönter Löwe, golden (oder rot) bewehrt und gezungt, hier doppelschwänzig ausgeführt. Die zugehörige, aber hier nicht wiedergegebene Helmzier wäre der Löwe sitzend oder wachsend zwischen einem schwarzen oder (silbern-schwarzen) Flug zu schwarz-silbernen Helmdecken. Das Wappen wird beschrieben im Gruber, bei Zobel auf Tafel 359 und im Siebmacher Band: Lot Seite: 43 Tafel: 29, Band: Bad Seite: 26 Tafel: 17, Band: Pr Seite: 69 Tafel: 90. Lange Zeit war dieses Portal vollständig efeuumwachsen, so daß man nichts erkennen konnte, anläßlich einer Renovierung wurde der Wappenstein wieder freigelegt, und jetzt kommt auch wieder die Eleganz der drei Zieraufsätze zur Geltung.

Im Innern des Domvikariates gibt es noch mehr heraldische Spuren der von Warsberg. Im 1698 vom Domdechanten Damian Ernst von Warsberg eingerichteten Sitzungszimmer gibt es eine Ahnenprobe mit den Wappen v. Warsberg, v. Rollingen / de Raville, von Metternich und von der Leyen. In einem weiteren Zimmer befindet sich ein heraldisch hochinteressanter Kamin, dessen Kaminplatte die gleichen Wappen der vier Großeltern des Domdechanten zeigt und dessen Kaminmantel ein großes Warsberg-Wappen ziert. Das Warsberg-Wappen taucht weiterhin noch in einer Stuckdecke auf. Das Gebäude ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich.

Das Domvikariat selbst ist ein Bau aus dem 17. Jh. Der auf gotischen Kellerfundamenten errichtete Barockbau, ursprünglich zweigeschossig, dient seit 1803 als Generalvikariat. 1914 ff. erfolgten Umbauten und eine Aufstockung; kriegsbedingte Zerstörungen wurden 1952 beseitigt, wobei die Wiederherstellung vereinfachend erfolgte, so daß der siebenachsige Traufbau heute außen unspektakulär wirkt, bis auf das Portal in der Mittelachse. Dieses Portal zeigt das Wappen des Domkapitels Trier, in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, belegt in der Mitte mit einem aus Wolken im Schildfuß hervorwachsenden Petrus, mit der rechten Hand ein Buch tragend, in der Linken einen goldenen Schlüssel haltend. Es finden sich andernorts auch Darstellungen, bei denen die Attribute jeweils auf der anderen Seite dargestellt werden.

Dieses Prunkportal ist nicht an originaler Stelle, denn historisch war das ja ein Warsberg-Anwesen. Vielmehr wurde das Rokoko-Portal, das von 1774 stammt, vom Hauptgebäude der Banthuskurie genommen und hierher versetzt, als letzteres 1949/1950 abgebrochen wurde. Unter dem Wappen des Portales befindet sich ein Chronogramm: HAEC DOMVS BEATI BANTI STAT SVB TVTELA SANCTI PETRI RENOVATA = C + D + M + V + I + I + V + V + L + C + I + I + V = 100 + 500 + 1000 + 5 + 1 + 1 + 5 + 5 + 50 + 100 + 1 + 1 + 5 = 1774. Die Inschrift verweist zugleich auf die eigentliche Herkunft des versetzten Portales.

Von der ehemaligen Banthuskurie ist nur noch die unter Domdechant Franz Karl Ludwig Freiherr Boos zu Waldeck 1774 umgebaute Kapelle erhalten, die heute als Hauskapelle des Generalvikariats dient. Übrigens ist an der Banthus-Kapelle ein weiteres Chronogramm in der Bauinschrift verborgen: GRATIOSVS DECANVS LIBER BARO A BOOS ME ITA RENOVARI CVRAT = I + V + D + C + V + L + I + M + I + V + I + C + V = 1 + 5 + 500 + 100 + 5 + 50 + 1 + 1000 + 1 + 5 + 1 + 100 + 5 = ebenfalls 1774.

Das Amt für kirchliche Denkmalpflege

Auf dem Gelände Hinter dem Dom 6 befinden sich etliche weitere Gebäude der kirchlichen Verwaltung. Das sog. Antoniushaus ist Sitz der kirchlichen Denkmalpflege (Gebäude C). Dieses Haus ist ein Konstrukt aus der Mitte des 20. Jh.: Es soll die Rekonstruktion einer romanischen Domkurie darstellen, die 1959 unter Verwendung von Spolien errichtet wurden. Das Gebäude enthält viele aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissene Wappensteine, die so zwar überlebt haben, aber ein anachronistisches und künstliches Ensemble bilden.

Über der Eingangstür des Seitenflügels ist das barocke Wappen des Domkapitels wie oben beschrieben zu sehen. Das Kreuz ist noch gut zu erkennen, ebenso der Griff des Schlüssels, doch weite Teile der Petrusfigur sind verlorengegangen.

Über den Fenstern des ersten Obergeschosses sind zwei Wappensteine eingemauert, von denen der in der linken Abbildung als Wappen Eltz identifiziert werden kann (geteilt, oben ein aus der Teilung wachsender Löwe), das in der rechten Abbildung mit den drei (2:1) Adlern noch seiner Zuordnung harrt.

Rechts hinter dem Antoniushaus steht an der Gartenmauer ein Grabstein für Johannes Wilhelm Ludwig Hagen zur Motten (1673-12.6.1750), Sohn von Johann Heinrich II. von Hagen zur Motten (-1716) und Juliane Felicitas von Löwenstein-Randeck (-1714), der im Alter von 77 Jahren starb ("Annorum LXXVII"). Er war Herr zu "Büschfelt Valle Nalbachensi Heidersdorff Hellenhausen et Duppenweiller". Er vollendete 1709 das barocke Familienschloß La Motte in Lebach. 1711 wurde er mit Bechtolsheim belehnt, ferner mit einem Anteil am Nalbacher Tal, welches 1718 reichsunmittelbar wurde, 1718 kaufte er Haustadt, Honzrath und Düppenweiler, und 1719 wurde er mit Lebach, Michelbach, Bartenbach und Büschfeld belehnt sowie mit dem Sitz der Familie, dem genannten "La Motte".

Sein Wappen zeigt in Gold einen roten Balken, begleitet von oben 9 (5:4) und unten 6 (3:2:1) roten Schindeln (eine ist beschädigt). Das Oberwappen fehlt, die Helmzier wäre ein goldener offener Flug, beiderseits belegt mit einem roten Balken, begleitet von den gleichen Schindeln wie im Schild. Helmdecken rot-golden. Stattdessen ist hier eine große Laubkrone zu sehen.

Seine Position am Trierer Hof unter den Kurfürsten war die eines Marschalls und Oberhofmeisters sowie die eines Generalgesandten, er war seit 1706 kurtrierischer Amtmann zu Manderscheid, außerdem war er kaiserlicher Reichshofrat. Die Inschrift bezeichnet ihn als "Regis Poloniae et Electoris Saxoniae Consiliarius intimus status", denn ab 1711 war er Wirklicher Geheimer Rat des Königs von Polen und Kurfürsten zu Sachsen. Johannes Wilhelm Ludwig Hagen zur Motten wurde freilich nicht hier im Hinterhof bestattet, sondern in der Trierer Liebfrauenkirche. Die Inschrift nennt ferner seine Frau Maria Anna Charlotte Freiin von Eltz-Rottendorf (1684-1753), welche er am 20.7.1706 in Koblenz geheiratet hatte.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.1, Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege: Stadt Trier, Altstadt, bearbeitet von Patrick Ostermann, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 2001, ISBN 3-88462-171-8, S. 108-111, S. 256.
Banthuskurie:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=17510
Rokokoportal:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=17508
Portal zum Gelände:
http://www.roscheiderhof.de/kulturdb/client/einObjekt.php?id=17484
Johannes Naumann, Die Freiherren von Hagen zur Motten, Blieskastel 2000, S. 233-247, http://www.saarland-biografien.de/Hagen-zur-Motten-Johann-Wilhelm-Ludwig-von

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