Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1780
Merl (Stadtteil von Zell an der Mosel, Landkreis Cochem-Zell)

Der Springiersbacher Hof in Merl

Der sog. Springiersbacher Hof (Zandtstraße 21 bzw. Hauptstraße 38) ist die größte der Merler Hofanlagen. Er war einst ein Besitz der Zandt von Merl und kam dann durch Verkauf an das Kloster. Auch wenn der Bau heute ein spätbarockes Aussehen hat, ist er im Kern noch mittelalterlich. Das dreigeschossige, zur rückwärtigen Zandtstraße nur zweigeschossige Haus wurde 1767 umgebaut und bekam sein heutiges Aussehen. Zum Gesamtensemble gehören neben dem Putzbau ein Kellereigebäude und ein Garten mit Pavillons sowie ein Neubau an der Hauptstraße.

 

Auf der rückwärtigen Seite zur Zandtstraße hin befindet sich ein auf 1754 datiertes Wappenrelief aus Sandstein für Johann Heinrich von Wassenberg zu sehen, 1728-1758 zweitletzter und zugleich 30. Abt von Springiersbach, in Blau ein goldener, von vier schwebenden goldenen griechischen Kreuzchen bewinkelter Schragen. Hinter dem von einer hier ebenfalls blau-golden angestrichenen Krone überhöhten Schild ragt schräglinks die Krümme eines Abtsstabes heraus, und auf der anderen Seite ist als Gegenstück eine Inful zu sehen, ebenfalls schräg nach außen gestellt. Das Anwesen war nach dem Einbau dieses Wappensteines nicht mehr lange in Klosterbesitz, denn bereits 1802 wurde das bei Bengel gelegene, 1102 gegründete Augustiner-Chorherrenstift, das 1791 auf eigenen Wunsch der Klosterbewohner in ein weltliches Adelsstift umgewandelt wurde, nachdem Klosterregeln in der Praxis keine echte Rolle mehr spielten, unter französischer Herrschaft durch Napoléon Bonaparte aufgelöst, und der ehemalige Klosterbesitz wurde säkularisiert. Seit 1922 ist in den alten Klostergebäuden der Karmeliterorden ansässig.

Das Wappen dieses baufreudigen Abtes begegnet uns noch an mehreren Klosterhöfen der Region, z. B. am Springiersbacher Hof in Pünderich, über dem Hauseingang und mit der Jahreszahl 1741, in schlechter Verfassung und in falschen Farben gefaßt, neben einer beeindruckenden Moselhochwassermarke von 1784, ferner am 1752-1753 erbauten Springiersbacher Hof in der Oberbachstraße 30 in Ediger/Mosel, dort in erheblich besserer Verfassung, in den gleichen Farben wie hier angestrichen und auf 1752 datiert. Letzteres Wappen wurde 2006 originalgetreu restauriert. Ein weiteres Wappen dieses Abtes befindet sich an der Springiersbacher Klostermühle, datiert auf 1731.

Im Siebmacher wird ein Wappen Wassenberg (v. Hoengen gen. Wassenberg, Herkunft: Rheinland, Düren, Bergheim) beschrieben in Band: Pr Seite: 436 Tafel: 478, als blau mit goldenem "Ankerkreuz", das in jedem Winkel von einem goldenen Widerkreuz begleitet ist. Die dazu gegebene Abbildung zeigt jedoch kein Ankerkreuz, sondern einen Schragen wie hier. Die dort angegebenen Widerkreuzchen lassen sich am Originalbefund nicht feststellen. Eine Helmzier wird im Siebmacher nicht beschrieben.

Liste der späten Äbte von Springiersbach:

  • Philipp von Koppenstein (1434-1438)
  • Peter von Kesselstatt (1438-1462)
  • Konrad von Metzenhausen (1462-1493)
  • Johann Print von Horchheim genannt Brohl (1493-1530)
  • Daniel Schilling von Lahnstein (1530-1560)
  • Kaspar von Schutzbar genannt Milchling (1560-1578)
  • Peter Scheid genannt Weschpfennig (1578-1593)
  • Johann Friedrich von Auwach (1593-1621)
  • Johann Eberhard von Deusternau (1621-1638)
  • Hermann von Cortenbach (1638-1657)
  • Franz Wilhelm von Jülicher von Eilen (1657-1688), danach Vakanz
  • Theoderich Werner von Roest genannt Entzenbroch (1695-1711)
  • Johann Balduin von Berg von Dürffendahl (1711-1728)
  • Johann Heinrich von Wassenberg (1728-1758)
  • Karl Kaspar von Holtrop (1758-1789)
  • Literatur, Links und Quellen:
    Siebmachers Wappenbücher
    http://www.moseltouren.de/2-bernkastel-kues-cochem/2-19-merl/index.html
    Springiersbacher Hof in Ediger:
    http://www.ediger-mosel.de/de/wir-ueber-uns/geschichtliches.html
    Kloster Springiersbach:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Springiersbach
    Karmelitenkloster Springiersbach:
    http://www.karmelitenorden.de/klosterspringiersbach.html
    Kloster Springiersbach:
    http://www.moseltouren.de/2-bernkastel-kues-cochem/2-14a-springiersbach/index.html
    Hinweistafel am Gebäude
    Springiersbach:
    http://www.mosel-reisefuehrer.de/springiersbach.htm

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