Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1776
Kobern-Gondorf (Landkreis Mayen-Koblenz)

Burg Gondorf

Fassungslos steht man heute vor der Burg Gondorf. Man kann nicht begreifen, welche absichtlichen, entstellenden Verstümmelungen einer der größten und besterhaltenen Burgkomplexe an der Mosel, Stammhaus eines bedeutenden Adelsgeschlechtes und Fürstenhauses, im 19. und 20. Jh. erfahren hat. Bar jeden Respektes brach man 1876 eine Eisenbahntrasse zwischen Hauptburg und Vorburg durch und trennte beide voneinander. Und als wäre das nicht schon schlimm genug, führte man 1971 die Bundesstraße mitten durch die Hauptburg hindurch, die Obergeschosse der entsprechenden Trakte schweben auf Betonträgern über dem rasenden Verkehr. Zeilenförmige Fragmente des einstigen Schloßkomplexes säumen die heutigen Verkehrsadern in stummer Anklage gegen die erschreckenden Bausünden. Lediglich die Vorburg läßt dem Betrachter noch ein wenig romantische Illusion eines historischen Ensembles, sofern man nicht seitlich um die Ecke schaut. Selbst die Kirche war versetzt worden, um Platz für die Verkehrstrassen zu schaffen.

Die eigentliche ehemalige Hauptburg zieht sich in Südwest-Nordost-Richtung zwischen Bahntrasse und Fluß entlang, und die Vorburg steht westlich davon jenseits der Bahn parallel und etwas nach Südwesten verschoben. Von der Oberburg ist nach den Bausünden des 19. und 20. Jh. nicht viel Sehenswertes verblieben. 1773 verlegte die Familie ihren Wohnsitz nach Blieskastel und 1820 nach Waal. Der Stammsitz an der Mosel, der noch ein bißchen neugotisch verändert worden war, wurde bedeutungslos. Heute beherbergt die Oberburg, das ehemalige Kernschloß, eine Außenstelle des Landeshauptarchivs Koblenz.

Die Vorburg hingegen konnte ihr vom 15. und 16. Jh. geprägtes Erscheinungsbild bewahren, sie geht aber auf ältere, in die neuen Trakte integrierte Bauten zurück. Sie besteht aus drei während unterschiedlicher Bauabschnitte entstandenen Teilen: Der abgewinkelte Nordostflügel ist der jüngste Teil und stammt vom Anfang des 17. Jh. Zwischen zwei Flankierungstürmen liegt der langgestreckte Mittelteil, das ist der älteste Teil; trotz der vielen Umbauten erkennt man noch den ehemaligen Wehrgang über einem Bogenfries. Und im Süden schließen sich dann Verbindungsbau und Rundturm an. Der Torturm ist auf 1527 datiert, und ähnlich lassen sich die angrenzenden Bauteile datieren. Das Tor wurde mit Schlüsselscharten verteidigt, weiterhin sind im zweiten Obergeschoß zwei Kragsteine zu sehen, die einst einen Gußerker trugen. Die Vorburg wurde im 17. Jh. als Wirtschaftshof unter Verlust ihrer Wehrfähigkeit umgebaut.

Am südlichen Turm der Vorburg befindet sich ein auf 1626 datiertes Allianzwappen in einem insgesamt schildförmig zugeschnittenen Wappenstein. Der Turm ist jedoch anders zu datieren, seine Erbauungszeit lag mindestens ein Jahrhundert früher. Vielmehr kündet der Stein von Umbaumaßnahmen unter Hans Kaspar von der Leyen zu Gondorf. Die Schilde lassen sich noch gut erkennen und zuordnen; die Oberwappen sind jedoch verwittert.

Heraldisch rechts: Wappen der von der Leyen, in Blau ein silberner Pfahl. Die hier verwitterte Helmzier wäre zu blau-silbernen Decken ein silberner Brackenrumpf mit goldenem Halsband zwischen einem mit silbernen Lindenblättern bestreutem blauen Flug. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: FstC Seite: 146 Tafel: 219, im Gruber und bei Zobel. Das erstmals 1319 mit Werner und Sibrecht de rupe in Guntravia auftretende und sich später nach der in die Mosel ragenden Felszunge (de Petra = von der Leyen, Ley = Fels) nennende Adelsgeschlecht bestand aus einer Rheingauer Linie, die mit Johann Wolf von der Leyen, kurmainzischer Amtmann, 1625 erlosch, und aus einer Olbrücker Linie, die zwei Äste herausbildete, die beide 1653 den Reichsfreiherrenstand erhielten, einen Ast zu Saffig, Gondorf und Nickenich, der 1714 mit Heinrich Ferdinand von der Leyen, Chorbischof zu Trier und Dompropst von Mainz, erlosch, und einen Ast zu Adendorf, der heute noch blüht. Am 22.11.1711 erlangte Carl Caspar von der Leyen den Reichsgrafenstand, 1716 wurde er Mitglied des erbländischen österreichischen Grafenstandes, und der Familie wurde in der Rheinbundakte 1806 der Fürstenstand zuerkannt. Das fürstliche Wappen war hinsichtlich des Schildes immer noch identisch mit dem Stammwappen, ohne die sonst üblichen Vermehrungen. Nur die Prunkstücke waren dem Fürstenstand angemessen.
Heraldisch links: Wappen der von Metternich, in Silber drei (2:1) schwarze Jakobsmuscheln (Pilgermuscheln). Die hier verwitterte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein silberner Schwanenrumpf (Kopf und Hals) mit rotem Schnabel auf gekröntem Helm. Der Rücken des Halses kann kammartig gestaltet sein und mit schwarzen Federbüscheln besteckt - es finden sich Beispiele mit und ohne. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: FstA Seite: 169 Tafel: 194, Band: Mä Seite: 79 Tafel: 61, Band: Bö Seite: 197 Tafel: 85, Band: FstM Seite: 19 Tafel: 38, Band: NÖ1 Seite: 298 Tafel: 157 und Band: BraA Seite: 60 Tafel: 53, im Gruber, im Zobel Tafel 224, ferner im Loutsch S. 573.

Diese Wappenkombination paßt zu Hans Kaspar von der Leyen zu Gondorf (1592-19.1.1640), Sohn von Georg IV. von der Leyen zu Saffig und Katharina Gräfin zu Eltz, und zu seiner ersten Frau, Katharina v. Metternich, Tochter von Hans Dietrich von Metternich und Anna Frey von Dehrn (-1625). Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Hans Kaspar von der Leyen in zweiter Ehe Anna Margarethe von dem Bongart (-1646). Aus seiner ersten Ehe entsprossen zwei Kinder, Anna Katharina von der Leyen zu Gondorf (1.7.1619-12.3.1658) und Lothar Damian von der Leyen zu Gondorf (geb. 8.9.1620), und aus der zweiten Ehe entsprossen sieben Kinder, Anna Juliane von der Leyen zu Gondorf (8.9.1631-1650), Jutta Antoinette von der Leyen zu Gondorf (10.3.1633-18.8.1703), Maria Ursula von der Leyen zu Gondorf (-1646), Eva Cordula von der Leyen zu Gondorf (-10.11.1684), Johann Emmerich Kaspar von der Leyen zu Gondorf (1637-1640), Lothar Ferdinand Freiherr von der Leyen zu Bongart (2.10.1638-1669) und Johann Heinrich von der Leyen zu Gondorf (27.9.1639-5.3.1640). In der nächsten Verwandtschaft gab es übrigens eine zweite Verbindung zwischen dem Haus von der Leyen und dem Haus Metternich, denn Hans Georg von der Leyen zu Saffig (-1633) hatte Anna Maria Margarethe v. Metternich (-6.7.1675) geheiratet.

Das heutige Gemeindewappen von Kobern-Gondorf bewahrt die Erinnerung an die Herren von der Leyen, denn es ist durch eine eingebogene Spitze in drei Felder geteilt, Feld 1: in Blau ein silberner Pfahl (Wappen der von der Leyen für den Ortsteil Gondorf), Feld 2: in Silber ein schwarzer Adler (aus dem Wappen der von Kobern für den Ortsteil Kobern), Feld 3: in Silber eine rote Burgsilhouette (Ortsbezug, zwei Burgen im Ort), überhöht von einem silbernen Schildchen mit durchgehendem rotem Kreuz (Kurtrier).

Literatur, Links und Quellen:
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Genealogien:
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Siebmachers Wappenbücher
Stammbäume:
http://fabpedigree.com/s002/f689137.htm und http://fabpedigree.com/s004/f378274.htm sowie http://fabpedigree.com/s067/f010262.htm
Gerhart Nebinger: "von der Leyen", in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 431-432, online: http://www.deutsche-biographie.de/sfz124145.html
von der Leyen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Leyen_%28Adelsgeschlecht%29
Einzelne Biographien:
http://www.saarland-biografien.de/Leyen-Karl-Kaspar-IV-von-der - http://www.saarland-biografien.de/Leyen-Hugo-Ernst-von-der
Alexander Thon, Stefan Ulrich, Von den Schauern der Vorwelt umgeben - Burgen und Schlösser an de Mosel, Schnell & Steiner Verlag, 1. Auflage 2007, ISBN 978-3-7954-1926-4

Kirche Gondorf, Grabstein

Die Wappen der Grafen und Fürsten von Metternich

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