Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1774
Heitersheim (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald)

Johanniterschloß Heitersheim: Kanzlerhaus

Das sog. Kanzlerhaus befindet sich in der Straße Schloßbuck südwestlich des Johanniterschlosses. Es handelt sich um einen zweigeschossigen Steinbau mit Gewölbekeller und Walmdach. Das Haus wurde als Dienstwohnsitz der Kanzler (Verwaltungschefs) des Fürstentums Heitersheim unter Fürst und Großprior Philipp Wilhelm von Nesselrode und Reichenstein errichtet, der 1828 bis 1752 Großprior des Johanniterordens war und auf der anderen Seite der Johanniterstraße im Schloß residierte.

Der Wappenstein des Bauherrn Fürst Philipp Wilhelm von Nesselrode und Reichenstein ist auf 1730 datiert und geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein durchgehendes silbernes Kreuz (Johanniterorden), Feld 2 und 3 (Soll-Zustand, nicht Ist-Zustand): erneut geviert mit Herzschild, Feld a und d: in Silber drei aneinanderstoßende, schrägrechts gelegte schwarze Rauten, schrägbalkenweise zusammengestellt (Reichsherrschaft Reichenstein), Feld b und c: in Gold drei aneinanderstoßende, schräglinks gelegte rote Rauten, schräglinksbalkenweise zusammengestellt (Herrschaft Stein / Herrenstein a. d. Sieg), Herzschild: in Rot ein silberner Wechselzinnenbalken (Stammwappen Nesselrode). Die Tingierung der Felder 2 und 3 ist hier in weiten Teilen fehlerhaft vereinfacht. Der Schild wird von einem achtspitzigen Malteserkreuz unterlegt und von einem Fürstenhut überhöht. Helme fehlen in dieser Darstellung im Gegensatz zu denen am Kanzleihaus und am ehemaligen Speicher ganz.

Der an der Nordwestseite angebaute, sich nach Nordosten ziehende Trakt ist ein Anbau vom Ende des 19. Jh. Das Haus und der angrenzende Garten erlangten unter dem letzten Kanzler des Malteserordens, Josef Albrecht von Ittner, der hier 1786-1806 wohnte, Berühmtheit als Dichter-, Philosophen- und Gelehrtentreffpunkt, u. a. für Johann Georg Jacobi und Johann Peter Hebel. Nicht umsonst wird ein Teil des Gartens "Poetenwinkel" genannt. 1806 kam das Ende des Fürstentums Heitersheim, denn mit der Neuordnung kam der Ordenssitz an das Haus Baden, und das Kanzlerhaus wurde von 1808 bis 1819/20 Wohnsitz des badischen Oberamtmannes. Danach wurde das Anwesen an Privatleute verkauft, erst 1822 an den Hofgerichtsadvokaten Hölzlin in Freiburg, 1882 an die Familie Kaltenbach.

Literatur, Links und Quellen:
Zur Geschichte des Johanniter-Großpriorat Heitersheim, in: Das Markgräflerland, Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, Jgg. NF 10 (41) Heft 3/4 1979, hrsg. v. d. Arbeitsgemeinschaft Markgräflerland für Geschichte und Landeskunde e. V. und dem Hebelbund Müllheim e. V.
Alfred Graf v. Kageneck, Die Fürsten von Heitersheim, ibid. S. 245-260.
Ingeborg Hecht, Karl Kraus-Mannetstätter, Heitersheim - aus der Geschichte der Malteserstadt, hrsg. Stadt Heitersheim 1972.
Hinweistafeln am jeweiligen Gebäude
Schloßmuseum:
http://www.museum-im-schloss.de/
Herrschaft Heitersheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaft_Heitersheim
Wappen von Nesselrode: Siebmacher Band: GfA Seite: 43 Tafel: 49, Band: OÖ Seite: 758 Tafel: 154-155, Band: NÖ1 Seite: 312 Tafel: 165, Band: Un Seite: 451 Tafel: 332, Band: Bay Seite: 48 Tafel: 49
Wappen von Nesselrode: Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.

Johanniterschloß Heitersheim - Badhaus - ehem. Speichergebäude - Kanzlei/Museum

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