Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1773
Heitersheim (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald)

Johanniterschloß Heitersheim: ehem. Kanzlei

Ebenfalls unter Großprior Philipp Wilhelm Graf von Nesselrode-Reichenstein wurde das spätbarocke Kanzleigebäude erbaut, welches auch Teil der Vorburg ist und rechts neben dem südlichen Torturm steht. Das schmucke, zweistöckige Gebäude mit steilem Mansarddach wurde 1740 errichtet, vermutlich von Baumeister Johann Caspar Bagnato (1696-1757). Dabei wurde der Neubau teilweise auf den ehemaligen Graben gesetzt. Der siebenachsige Bau wird nur durch das Gurtgesims zwischen den beiden Stockwerken gegliedert.

Abb.: Vorburg, spätbarockes Kanzleigebäude von 1740, Seite zur Johanniterstraße.

Auf der gartenseitigen Rückseite befindet sich ein Prunkwappen des fürstlichen Bauherrn, das inhaltlich identisch mit dem am alten Speicher beschriebenen Wappen ist. Die Inschrift lautet: "Von Gottes Gnaden PHilipp Wilhelm des Ritterl(ichen) S(ancti) I(ohannis) O(rdens) Zu Malta, Oberist=Meister in Teutschen Landen des Heil(igen) Röm(ischen) Reichs Fürst zu Heitersheim Herr zu Haimbach Bubicheim und Newenbourg Comandeur Zu FrancKfurt Ihro Röm(ischen) Keys(erlichen) u(nd) Königl(ichen) Cath(olischen) Mayes(tät) WürcKl(icher) Geheimer Rath."

Das Wappen ist geviert: Feld 1 und 4: in Rot ein durchgehendes silbernes Kreuz (Johanniterorden), Feld 2 und 3: erneut geviert mit Herzschild, Feld a und d: in Silber drei aneinanderstoßende, schrägrechts gelegte schwarze Rauten, schrägbalkenweise zusammengestellt (Reichsherrschaft Reichenstein), Feld b und c: in Gold drei aneinanderstoßende, schräglinks gelegte rote Rauten, schräglinksbalkenweise zusammengestellt (Herrschaft Stein / Herrenstein a. d. Sieg), Herzschild: in Rot ein silberner Wechselzinnenbalken (Stammwappen Nesselrode). Der Schild wird von einem achtspitzigen Malteserkreuz unterlegt. Gestalterisch wird es damit ziemlich eng, und die beiden oberen Spitzen drängen sich störend zwischen die drei mittleren Helme.

Das Wappen weist insgesamt fünf Helme auf, wovon drei aus dem Familienwappen sind und zwei sich auf seine Stellung als Großprior und Reichsfürst beziehen: Helm 1 (Mitte): ein Fürstenhut, Helm 2 (rechts innen): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein rotes, achteckiges Schirmbrett, belegt mit einem durchgehenden silbernen Kreuz, an den sieben freien Ecken je ein Pfauenspiegel (Johanniter), Helm (links innen): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender roter Brackenrumpf, der Hals belegt mit einem silbernen Wechselzinnenbalken (Stammwappen Nesselrode), Helm 4 (rechts außen): auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wachsender silberner Rumpf eines "Wildstückes", also einer Hirschkuh, der Hals belegt mit drei aneinanderstoßenden, schrägrechts gelegten schwarzen Rauten, schrägbalkenweise zusammengestellt (Reichsherrschaft Reichenstein), Helm 5 (links außen): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein goldener Flug, beiderseits belegt mit drei aneinanderstoßenden, schrägrechts gelegten roten Rauten, schrägbalkenweise zusammengestellt (Herrschaft Stein / Herrenstein a. d. Sieg).

Zwei goldene Löwen dienen als Schildhalter, und rings um das Wappen sind in der Außenzone viele Trophäen, Harnische, Fahnen, Kanonenrohre, Feldzeichen, Ordensfahnen, Pauken, Trompeten, Schwerter und anderes typisches Kriegsgerät untergebracht. In dieser Hinsicht pflegt der Johanniterorden die gleiche martialische Symbolik wie zeitgleiche Deutschordenswappen.

Eine weitere Darstellung des Wappens des Großpriors Philipp Wilhelm Graf von Nesselrode-Reichenstein befindet sich als Stuckarbeit auf einem Plafond im Ritterhaus, jetzt Sonderschule. Es wird auch mit den fünf Helmen und den beiden Schildhaltern wiedergegeben, aber ohne die Trophäen, dafür in beschwingte Stuck-Ornamentik eingebettet. Philipp Wilhelm Graf von Nesselrode war einer der baufreudigsten Großpriore. Von seiner ebenfalls neu erbauten Fürstenwohnung im südlichen Teil der Kernburg ist jedoch lediglich eine Beschreibung aus dem Jahre 1806 erhalten, denn sie wurde nach 1849 abgerissen, ein Schicksal, welches den Nordostflügel bereits um 1825 ereilt hatte.

Abb.: Vorburg, spätbarockes Kanzleigebäude von 1740, Nordfassade mit Wappen, welches von Allegorien der Fides und der Justitia flankiert wird.

Literatur, Links und Quellen:
Zur Geschichte des Johanniter-Großpriorat Heitersheim, in: Das Markgräflerland, Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur, Jgg. NF 10 (41) Heft 3/4 1979, hrsg. v. d. Arbeitsgemeinschaft Markgräflerland für Geschichte und Landeskunde e. V. und dem Hebelbund Müllheim e. V.
Alfred Graf v. Kageneck, Die Fürsten von Heitersheim, ibid. S. 245-260.
Ingeborg Hecht, Karl Kraus-Mannetstätter, Heitersheim - aus der Geschichte der Malteserstadt, hrsg. Stadt Heitersheim 1972.
Hinweistafeln am jeweiligen Gebäude
Schloßmuseum:
http://www.museum-im-schloss.de/
Schloß Heitersheim:
http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=1614
Herrschaft Heitersheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaft_Heitersheim
Wappen von Nesselrode: Siebmacher Band: GfA Seite: 43 Tafel: 49, Band: OÖ Seite: 758 Tafel: 154-155, Band: NÖ1 Seite: 312 Tafel: 165, Band: Un Seite: 451 Tafel: 332, Band: Bay Seite: 48 Tafel: 49
Wappen von Nesselrode: Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.

Johanniterschloß Heitersheim - Badhaus - ehem. Speichergebäude - Kanzlerhaus

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