Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1768
Ettenheim (Ortenaukreis)

Straßburgisches Amtshaus ("Palais Rohan")

Das Palais Rohan ist heute Sitz der Ettenheimer Stadtverwaltung. Es entstammt der Zeit, als Ettenheim zum Fürstbistum Straßburg gehörte, und war das Verwaltungsgebäude (Amtshaus) der fürstbischöflichen Landesherren. Seinen Namen trägt das Gebäude nach einem der berühmtesten der Straßburger Fürstbischöfe, nämlich nach Louis René Édouard Cardinal de Rohan-Guéméné (25.9.1734 - 16.2.1803), Sohn von Hercule Meriadec de Rohan Prince de Guéméné Duc de Montbazon Comte de Rochefort (13.11.1688 - 21.12.1757) und Louise Gabrielle Julie de Rohan (11.8.1704 - nach dem 11.3.1741), Neffe des Bischofs Louis César, Abt der Abtei Chaise-Dieu, Bischof von Canope, 1759 Koadjutor seines Onkels in Straßburg, 1761 Mitglied der Académie Française, 1772 Botschafter Frankreichs in Wien, 1777 Großalmosenier Frankreichs, 1.6.1778 Kardinal, 11.10.1779 Bischof von Straßburg. Diesem kometenhaften Aufstieg folgte der jähe Absturz, denn er war 1785 in die Halsbandaffäre gegen Marie-Antoinette verwickelt, es folgte seine Verhaftung 15.8.1785, er ging all seiner Staatsämter verlustig, ein Freispruch erfolgte am 31.5.1786, und 1791 ging er aus dem revolutionären Frankreich ins Exil und nahm seine Residenz in Ettenheim, wo er bis 1796 blieb und konterrevolutionäre Politik betrieb. 1796 bis 1801 wurde es ihm so nahe an der Grenze zu heiß, und er verließ die Stadt. 1801 resignierte er nach Verlust der Besitzungen und kam wieder nach Ettenheim zurück, wo er in diesem Anwesen an einer Virusgrippe verstarb.

Abb.: barocke Freitreppe, mit akrobatischer Einlage

Das Haus wurde 1560 unter dem Straßburger Fürstbischof Erasmus Schenk von Limpurg (reg. 1541-27.11.1568) auf älteren Fundamenten erbaut, und daran erinnert das Wappen des Bauherrn an der östlichen Giebelspitze zum Marktplatz hin. Eine barocke Erneuerung fand unter Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg (1663-82) statt, und dabei wurde die doppelläufige Freitreppe an der Nordseite nebst wappengeschmücktem Portal errichtet (die Abb. zeigt das Wappen in nächtlichem Scheinwerferlicht).

Das Wappen von Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg-Heiligenberg (geb. 10.4.1626, 1644 Domherr in Köln, 1650 Obristhofmeister in Kurköln, 1653 Propst von St. Gereon, Domherr in Minden, Straßburg und Lüttich, 1655 Domdechant in Köln, 1660 Domherr zu Speyer, 1663 Dompropst in Köln, 1664 Fürst, 19.1.1663-1.4.82 Fürstbischof von Straßburg, 1664-1.4.1682 Fürstabt der Klöster Murbach und Lüders, 1660 (Wahl)/1668(Bestätigung)-1.4.1682 zusätzlich Fürstabt von Stavelot und Malmedy) ist geviert:

Interessanterweise werden hier entgegen den Literaturbeschreibungen (Siebmacher, Gatz) die Elemente des Feldes 3 noch einmal in ein Schildchen gesetzt, und außerdem dem Adler in Feld 2 noch einmal auf die Brust gelegt. Nach der Literatur enthält Feld 2 nur den Adler ohne Brustschild, und normalerweise ist das Feld 3 einfach geviert mit den beschriebenen Inhalten. Feld 1 ist das ursprüngliche Wappen des Hochstiftes Straßburg. In Feld 2 ist die Darstellung eher ein einfacher Wolkenschnitt als ein Doppelwolkenschnitt, wie er sonst in fürstenbergischen Wappen verwendet wird, hier vermutlich ein technisches Zugeständnis an die Kleinheit der Details. Feld 4 mit der Landgrafschaft im Unterelsaß ist fester Bestandteil des Straßburger Hochstiftwappens, weil sie 1359/62 an das Hochstift kam, und dieses Feld wird im 17. und 18. Jh. geführt, um sich vom mit Feld 1 identischen Wappen des Hochstifts Regensburg abzugrenzen. Heute wird das historische Wappenbild wie in Feld 4 vom französischen Département Bas-Rhin geführt. Im Gegensatz dazu hatte das Oberelsaß, das heutige Département Haut-Rhin, in Rot den goldenen Schrägbalken mit den sechs nach der Figur gelegten goldenen Kronen, die unteren gestürzt. Das Elsaß insgesamt (Région Alsace) führt heute eine Kombination aus den beiden departementalen Einzelwappen, in Rot ein silberner Schrägbalken, beiderseits besetzt mit einer Rautenkranzleiste und mit sechs nach der Figur gelegten goldenen Kronen, die unteren gestürzt.

Das Oberwappen zeigt insgesamt fünf Helme:

Hinter dem Wappen sieht man ferner schrägrechts den fürstbischöflichen Krummstab und schräglinks das fürstbischöfliche Schwert.

Franz Egon von Fürstenberg-Heiligenberg betrieb zur Sicherung seines eigenen Bischofsstuhles eine sehr frankreichfreundliche Politik und war nicht unbeteiligt an der Angliederung Straßburgs an Frankreich im Rahmen dessen Réunionspolitik. Durch des Bischofs entgegenkommende Politik konnte sich Ludwig XIV Straßburgs 1681 mitten im Frieden durch Besetzung bemächtigen, was im Frieden von Rijswijk 1697 als Tatsache bestätigt wurde.

Fürstbischof Franz Egon von Fürstenberg blieb nicht der einzige Fürstbischof auf dem Straßburger Bischofsstuhl. Er wurde von seinem Bruder nachgefolgt, Wilhelm Egon Fürst von Fürstenberg (1682-10.4.1704). Dieser nahm in sein Wappen (ohne Abb.) weitere Elemente auf, die es von dem hier repräsentierten Vorgänger unterscheiden:

Nach diesen beiden kam das Fürstbistum Straßburg in die Hände der Rohan; vier Fürstbischöfe dieser Familie folgten nun aufeinander, bis der letzte dieser Reihe, zugleich der letzte Straßburger Fürstbischof überhaupt, hier in Ettenheim Zuflucht suchte, womit sich der Bogen wieder zum eingangs erwähnten Louis René Édouard Cardinal de Rohan-Guéméné spannt.

Literatur, Links und Quellen:
Hinweistafel am Gebäude
Siebmacher Band Bistümer
Ettenheim:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ettenheim und http://www.ettenheim.de/
Rundgang Ettenheim: http://www.ettenheim.de/dynasite.cfm?dsmid=639
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Wappen der Bischöfe von Straßburg:
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9, S. 558 und 562.
Louis René Édouard Cardinal de Rohan-Guéméné:
http://de.wikipedia.org/wiki/Louis_Ren%C3%A9_%C3%89douard_de_Rohan-Gu%C3%A9m%C3%A9n%C3%A9 - http://www.ettenheim.de/dynasite.cfm?dsmid=240 - http://www.academie-francaise.fr/immortels/base/academiciens/fiche.asp?param=232
Franz Egon von Fürstenberg-Heiligenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Egon_von_F%C3%BCrstenberg-Heiligenberg - http://www.saarland-biografien.de/Fuerstenberg-Franz-Egon-von
Leonhard Ennen, Franz Egon und Wilhelm Egon von Fürstenberg, Bischöfe zu Straßburg, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 7, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 297–306, online:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Franz_Egon_%28Bischof_von_Stra%C3%9Fburg%29
Wilhelm Egon Fürst von Fürstenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Egon_von_F%C3%BCrstenberg-Heiligenberg - http://www.saarland-biografien.de/Fuerstenberg-Wilhelm-Egon-von
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 137

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