Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1756
Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis)

Ladenburger Bischofshof, diesseits und jenseits der Umfassungsmauer

Im Osten des Bischofshofgeländes ist die historische Umfassungsmauer noch sehr gut erhalten, mit vielen Strebepfeilern zur Kirchstraße hin. Dort befindet sich in die alte Mauer integriert ein künstlerisch und handwerklich hochwertiges Renaissance-Portal, das aber nichts mit den Wormser Fürstbischöfen zu tun hat, sondern vom sog. Cronberger Hof stammt. Zwei Säulen flankieren die mit einem flachen Bogen gewölbte Öffnung, und Rollwerk, Zierbänder und Obelisken schmücken die Portalrahmung.

Der Cronberger Hof hieß früher Bettendorfer Hof und wurde erworben von Hartmut XIII von Cronberg, gest. 3.5.1591, Hofmarschall und Großhofmeister in Kurmainz, Oberamtmann in Höchst und Hofheim. Wir sehen hier das Wappen seines Sohnes, Johann Georg II von Cronberg, geb. 4.2.1561, gest. 9.7.1608, und seiner Ehefrau Anna Margret (Margareta) Kämmerer von Worms gen. von Dalberg (21.6.1568-13.4.1629). Ihrer beider Sohn war übrigens Adam Philipp XI von Cronberg, geb. 1599, gest. 3.8.1634, der 1618 Reichsfreiherr und 1630 Reichsgraf wurde und Regimentskommandeur in bayerischen und kaiserlichen Diensten war. Johann Georg baute den Kronberger Hof weiter aus, und dieses hierhin versetzte Portal gehörte zu den Baumaßnahmen.

Das hier gewendete Wappen der von Cronberg in der Variante des Kronenstammes ist geviert, Feld 1 und 4: in Silber 4 (2:2) blaue Eisenhütlein (silbern-blauer pfahlförmig angeordneter Eisenhutfeh), Feld 2 und 3: Rot, in Feld 2 eine goldene Krone, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein schwarzer Federbusch, auch als eine schwarze Zirbelnuß interpretiert (jedenfalls nicht blau wie die vorhandenen Farbreste nahelegen). Das Wappen kann namentlich Johann Georg II von Cronberg zugeordnet werden.

Das Wappen der Kämmerer von Worms gen. von Dalberg zeigt unter einem mit drei Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt in Blau 6 (3:2:1) silberne Lilien, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein Flug, dessen goldener oberer Teil beiderseits mit drei Spitzen abgeteilt ist, und der ansonsten in Blau beiderseits 6 (3:2:1) silberne Lilien zeigt. Das Wappen kann namentlich Anna Margret (Margareta) von Dalberg zugeordnet werden. Sie war die Tochter von Wolfgang Kämmerer v. Worms gen. v. Dalberg (1536-17.9.1616) und dessen Frau Anna Mühl v. Ulmen (-26.5.1606). Ihre Großeltern väterlicherseits waren Georg Kämmerer v. Worms gen. v. Dalberg (1509/1510-2.10.1561) und dessen Frau Anna v. Flersheim (1511-27.10.1553).

Auch wenn es einmal einen bedeutenden Bischof aus der Familie auf dem Wormser Bischofsstuhl gegeben hat, nämlich Johann von Dalberg (14.8.1455-27-7-1503), 1480 bis 1482 Kanzler der Universität Heidelberg, 1482-1503 Wormser Bischof und bedeutender Humanist, hat dieser nichts mit dem Wappenstein zu tun. Er war der Bruder des Urgroßvaters der Anna Margareta von Dalberg.

 

Abb. links: Prunkportal vom Cronberger Hof, heute als Pforte in der Mauer des Bischofshofs. Abb. rechts: Dieser Stein mit einem bischöflichen Wappen eines Familienmitglieds der von Rodenstein (s. u.), auf der Innenseite der Mauer, links (nördlich) neben dem Portaldurchgang.

In den Grünanlagen auf dem Gelände des Bischofshofes befinden sich mehrere ältere Steine, die nun ohne ihren ursprünglichen baulichen Kontext sind, darunter auch diese Säule, von der das Kapitell von heraldischem Interesse ist. Der Schild ist geviert aus dem Wormser Hochstiftswappen, in Schwarz ein schräg aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, begleitet von 4:3 goldenen, geviertelten Schindeln, in den Feldern 1 und 4, und dem Familienwappen der von Rodenstein in den Feldern 2 und 3, rot-golden einmal gespalten und zweimal geteilt. Da es aus dieser Familie zwei Fürstbischöfe auf dem Wormser Thron gab, nämlich erst Philipp I. von Rodenstein (reg. 1595-21.3.1604), und später Georg Anton von Rodenstein (1629-1652), ist die Zuordnung zu einem der beiden ohne Datierung nicht eindeutig zu treffen.

Gegenüber dem westlichen Eingangsportal zum Bischofshof befindet sich an einem außerhalb gelegenen Gebäude in der Kirchenstraße, dessen Maueranker die Zahl 1766 bilden, als Schlußstein des Bogens der Toreinfahrt ein älteres Wappen des Wormser Fürstbischofs Georg von Schönenberg (Wahl 22.8.1580, gest. 11.8.1595). Sein Wappen (vgl. Siebmacher Band: Band: Bi Seite: 118 Tafel: 196, Familienwappen alleine: Zobel Tafel 302, Gruber S. 122-123, Siebmacher Band: NaA Seite: 37 Tafel: 60) ist geviert: Feld 1 und 4: in Schwarz ein schräg aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, hier begleitet von 4:3 goldenen, geviertelten Schindeln (Hochstift Worms), Feld 2 und 3: in korrekterweise schwarzem Feld (hier falsch tingiert) drei (2:1) silberne Kreuzchen (von Schönenberg).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
M. Müller-Hillebrand: Cronberg, Geschichte eines Rittergeschlechtes und seiner Burg, Verlag Waldemar Kramer Frankfurt 1950, 3. Auflage 1984, ISBN 3-7829-0084-7
Jutta und Wolfgang Ronner: Die Herren von Kronberg an Nahe, Neckar, Rhein und Main, Selbstverlag Wolfgang Ronner 1980, ISBN 3-9800322-0-5
Wolfgang Ronner, Stammtafel der Ritter, Herren und Grafen von Kronberg, Selbstverlag Wolfgang Ronner 1981, ISBN 3-9800322-1-3

Liste der Bischöfe von Worms: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bisch%C3%B6fe_von_Worms und http://books.google.de/books?id=A5JEAAAAcAAJ&pg=PA1112&lpg=PA1112&dq=friedrich+von+domneck...........k&f=false
Liste Bischöfe:
http://www.priessdesign.de/dom/Geschichte/bischof1.html

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