Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1754
Ladenburg (Rhein-Neckar-Kreis)

Ladenburger Bischofshof, Treppenturm

Das Schloßgebäude des Bischofshofs, im wesentlichen aus dem 15. und 16. Jh. stammend, wird von einem vorgebauten polygonalen Treppenturm fast in zwei Hälften geteilt. Baulich sind die Trakte rechts und links des Turmes unterschiedlich, der linke hat drei Geschosse, der rechte Teil nur zwei. Auf der Rückseite (Westseite) haben beide Trakte jedoch eine durchgehende Traufhöhe, weil der südliche Teil hier ein Mansarddach hat, welches das zweite Obergeschoß zum Mansardgeschoß macht, was auf der Vorderseite nicht der Fall ist.

Rechts und links des Turmes liegen zwei rundbogige Erdgeschoßeingänge, in nächster Nähe zum Turmportal. Auffällig ist die illusionistische Bemalung des Schlosses nach manieristischer Art, nach alten Vorlagen 1975 restauriert. Man hatte 1964 Reste der alten Farbfassung aus der Zeit um 1620 entdeckt und sich daran orientiert. Facettierte Quadersteine, Pilaster, Gesimse, Sprenggiebel - alles ist illusionistische Malerei an der Schwelle von der Renaissance zum Barock. Solche Fassadendekorationen schufen mit den Mitteln der Malerei eine eigene Scheinwelt in den Wunschformen und galten zugleich als Form der Rezeption antiker Flächengestaltung, denn im "Goldenen Haus" des Nero in Rom gab es ähnliche Wanddekorationen aus der Römerzeit, und im Manierismus war das "der letzte Schrei".

Der auf sechseckigem Grundriß errichtete und nur mit einer Fläche an die Fassade stoßende Turm besitzt nur an seiner Südostseite Fenster, bis auf ein einziges auf der obersten Ebene nach Osten. Der Treppenturm ist wesentlich höher als die von ihm erschlossenen Gebäudetrakte und besitzt insgesamt fünf Ebenen. Socken und Kanten sind mit gemalter, facettierter Quaderung verziert. Zwei schmale Gesimse gliedern den Turm in der Höhe.

 

Auf der bis auf die gemalte Quaderung schmucklosen Ostseite ist ein einzelner gotischer Wappenstein eingemauert, offensichtlich eine Zweitverwendung es Steines, der von einem gotischen Architekturelement überhöht wird. Es handelt sich um das Wappen des Wormser Fürstbischofs Friedrich II. von Domeneck (reg. 1427 bis 1445). Der von einer Inful mit hochfliegenden Bändern überhöhte Wappenschild ist geviert: Feld 1 und 4: in Schwarz ein schräg aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, der Bart nach rechts und außen gekehrt, begleitet von 3:3 bzw. 3:4 goldenen Schindeln (Hochstift Worms), Feld 2 und 3: in Rot eine aufspringende silberne Meerkatze (von Domeneck).

 

Ein besonders prachtvoller Wappenstein befindet sich über dem Turmportal auf der Südostfläche des sechseckigen Turmes. Das Gebälk des Renaissance-Portales weist eine lateinische Inschrift aus: "PRINCIPE VAN GIONVM GVILHELMO SCEPTRA TENENTE SICQVE VOLENTE STRVOR COM(M)ODIORE GRADVS". Vangionum oder ausführlicher Civitas Vangionum ist ein lateinischer Name der Stadt Worms. Also wird hier Wilhelm, Fürst(bischof) von Worms als Bauherr erwähnt.

Darüber befindet sich ein kleiner Aedikula-Aufsatz mit dem fürstbischöflichen Wappen zwischen zwei Säulen und unter einem Dreiecksgiebel. Eine weitere Inschrift unter dem Wappen lautet: "WILHELMVS DEI GRATIA ELECTVS ET CONFIRMATVS EPISCOPVS WORMATIENSIS". Wilhelm von Gottes Gnaden gewählter und bestätigter Bischof von Worms.

Das Wappen von Fürstbischof Wilhelm von Effern (am 17.8.1604 zum Bischof gewählt, aber erst 15.8.1612 geweiht, regierte 1604-1616) ist geviert (vgl. Siebmacher Band: Band: Bi Seite: 118 Tafel: 195): Feld 1 und 4: in Schwarz ein schräg aufwärts gerichteter silberner Schlüssel, theoretisch begleitet von 4:4 goldenen Schindeln, hier jedoch abweichend von 7 (4:3) goldenen gestielten Kleeblättchen (Hochstift Worms), Feld 2 und 3: in Rot über zwei goldenen Balken ein hier schwarzer Turnierkragen (Familienwappen von Effern). Im Siebmacher Band: Band: Bi Seite: 118 Tafel: 195 ist der Turnierkragen golden, und anstelle der Kleeblättchen sind es wie üblich Schindeln, und im Siebmacher Bistümer werden keine Helme angegeben. Im Aschaffenburger Wappenbuch wird für diese Familie der Turnierkragen auch als golden angegeben, ferner findet sich der Hinweis, daß das Wappen auch in verwechselten Farben vorkommt. Bei Tyroff ist der Turnierkragen ebenfalls golden, desgleichen im Rietstap. Zobel gibt zwei Varianten, Effern mit goldenen Balken in rotem Feld, goldenem Turnierkragen und Effern gen. Hall zum Busch mit roten Balken in goldenem Feld mit blauem Turnierkragen. Im Siebmacher Band: OstN Seite: 35 Tafel: 26 findet sich die Beschreibung des Wappens unter "Eff(e)ren" wegen der kurländischen Linie. Die eigentlich rheinisch-westfälische Familie hatte ihren Stammsitz Efferen bei Köln in der Stadt Hürth. Von da ging eine Linie nach Kurland, eine andere Linie in kurpfälzische Dienste. In dieser Quelle wird der Turnierkragen als golden oder blau angegeben, desgleichen bei Fahne.

Dazu werden drei Helme geführt:

In den Ecken des Wappensteines werden die vier namentlich bezeichneten Wappenschilde der Ahnenprobe des Fürstbischofs angegeben:

Literatur, Links und Quellen:
Liste der Bischöfe von Worms: http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bisch%C3%B6fe_von_Worms und http://books.google.de/books?id=A5JEAAAAcAAJ&pg=PA1112&lpg=PA1112&dq=friedrich+von+domneck...........k&f=false
Liste Bischöfe:
http://www.priessdesign.de/dom/Geschichte/bischof1.html
Effern: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 7 Seite 141
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S., Tafel 86.
Anton Fahne, kölnische Geschlechter
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Grundriß Bischofshof:
http://www.bildindex.de/obj20730205.html
Genealogie:
http://www.geneall.net/D/per_page.php?id=1708044
Hinweistafel vor Ort
http://www.badischewanderungen.de/Ladenburg.htm

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