Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1707
Mitwitz (Oberfranken, Landkreis Kronach)

Mitwitz, Oberes Schloß

In der Nähe der Pfarrkirche von Mitwitz liegt das sog. Obere Schloß. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Walmdachbau, der aufgrund vieler Umgestaltungen heute nicht mehr zeigt, daß die Wurzeln dieses Gebäudes im Spätmittelalter liegen und es einst Wehrcharakter hatte. Hans Veit von Würtzburg kaufte das obere Schloß im Jahre 1594. Im 30jährigen Krieg wurde das Gebäude durch die Überfälle der Kronacher in Mitleidenschaft gezogen und niedergebrannt, und von der alten Bausubstanz wurden nur die Gewölbe im Erdgeschoß beim Wiederaufbau übernommen. Der spätbarocke Neubau erfolgte im Jahre 1713-1715 durch Carlo Domenico Lucchese, und das erklärt das Flair einer italienischen Villa, welches das Anwesen ausstrahlt, mit seiner Symmetrie, mit dem großen Balkon auf vier Säulen, mit der durch zusätzliche Gliederung und Verdichtung der Fensterstellung und einem Attikaaufsatz dezent hervorgehobenen Mitte und den Seitenteilen des Gebäudes, deren beiden Obergeschosse nicht durch Gliederungen voneinander getrennt sind.

Johann Ludwig Freiherr von Würtzburg (4.10.1688-26.1.1751) zog wegen Differenzen mit seinen beiden älteren Brüdern, Johann Veit von Würtzburg (19.10.1674-9.5.1756) und Georg Heinrich Wilhelm von Würtzburg (10.7.1679-21.3.1724), aus dem Wasserschloß in der Niederung aus und richtete sich das Anwesen hier oben im Dorf wieder her. Das 19. Jh. brachte um 1878 weitere Veränderungen, Um- und Anbauten, als Freiherr Ludwig Veit von Würtzburg (24.9.1845-11.1.1922, letzter im Mannesstamm) und seine Frau Regina Charikla Philon (26.10.1855-4.1.1919) hier wohnten. Die Besitzgeschichte verlief parallel zu der des Wasserschlosses, das Anwesen blieb bis 1922 in Besitz der Freiherren von Würtzburg und kam danach an die Freiherren von Cramer-Klett, die es als Sommerresidenz nutzten. Das Schloß ist in Privatbesitz und nicht zu besichtigen.

 

Am Eingang befindet sich das Wappen der von Würtzburg auf einem von einem Löwen gehaltenen Schild auf dem Torpfosten (Abb. links). Ein Allianzwappen befindet sich im Dachaufsatz des Gebäudes (Abb. rechts), heraldisch rechts das Wappen der von Würtzburg (in Gold das Brustbild eines bärtigen Mannes, hier aus Courtoisie linksgewendet, schwarz gewandet mit silbernem Kragenaufschlag, auf dem Kopf eine spitze, nach hinten umgebogene schwarze Mütze mit silbernem Aufschlag, an der Spitze ein roter sechszackiger Stern, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein Stoß Pfauenfedern, außen je zwei besonders tingierte umgebogene Straußenfedern, rechts gold und schwarz, links schwarz und golden), heraldisch links das Wappen der von Künsberg (in Blau eine silberne, eingebogene Spitze, auf dem Helm mit meist rot-silbernen Decken ein silbern gestulpter, roter Hut, aus dem zwei rote Büffelhörner wachsen, hier ohne Kugeln in den Mündungen).

Damit kann der Stein konkret einem Ehepaar zugeordnet werden: Johann Ludwig Freiherr von Würtzburg (4.10.1688-26.1.1751), Sohn von Freiherr Hans Veit IV. von Würtzburg (21.12.1638- 7.4.1703) und Maria Cordula von Redwitz-Wildenroth (-7.2.1696), hatte in erster Ehe am 27.2.1713 Freiin Sophie Christine von Künsberg zu Hain (1689-23.7.1715) geheiratet, die Tochter von Georg Adam von Künsberg zu Hain (1663-1713) und Anna Rosina Marschalk von Ebneth. Da seine erste Gemahlin 1715 verstarb und er am 21.6.1717 in zweiter Ehe Freifrau Magdalena Barbara von Schilling auf Hassenberg (1703-1780) heiratete, kann dieser Wappenstein auf den Zeitrahmen 1713-1715 datiert werden.

Literatur, Quellen und Links:
Dr. Wilhelm Hotzelt, Familiengeschichte der von Würtzburg
Stammbäume: Genealogische Seite über die von Würtzburg von Philipp Clarin:
www.von-wuertzburg.de
Hinweistafel am Objekt
Schlösser und Burgen in Oberfranken, von Ruth Bach-Damaskinos, Peter Borowitz. Hofmann Verlag Nürnberg, ISBN 3-87191-212-3, S. 95.

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