Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1700
Scheinfeld (Mittelfranken)

Scheinfeld, Schloß Schwarzenberg

Schloß Schwarzenberg liegt auf einem Bergsporn hoch über der Stadt Scheinfeld. Erkinger I. von Seinsheim, Stammvater aller Schwarzenberger Linien, hatte eine Burg, die bis dahin im Besitz der Hohenloher war, im Jahre 1421 gekauft. Nur wenig ist noch aus mittelalterlicher Zeit erhalten, weil 1607 ein großer Brand die ganze Anlage vernichtete. Der Wiederaufbau erfolgte unter Wolfgang Jakob Graf zu Schwarzenberg (25.9.1560-1618) im Stil der Renaissance als Wohnschloß, und man ließ dafür sogar den Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl kommen, um Pläne zu erstellen. Die Ausführung seiner Pläne, die sich bis 1618 hinzog, oblag den Nürnbergern Baumeistern Jakob Wolff d. Ä. und seinem Sohn Jakob Wolff d. J. Das Schloß war Sitz der fränkischen Linie, fiel 1588 an die Bayerische Linie und 1646 an die niederländische Linie. Es befindet sich auch heute noch in Familienbesitz.

An der Spitze der Bebauung des Bergspornes steht die weiß-ocker gestrichene Kapelle, im Bild rechts neben dem nadelförmigen roten Türmchen und links neben dem Rondellturm mit angrenzendem Wehrgang, sie wurde 1610-1616 erbaut und vom Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn persönlich eingeweiht. Das Tor im Schwarzen Turm mit der charakteristischen rustikaartigen Bänderung führt in den Innenhof des Hochschlosses, an dessen Südseite sich der einheitlichste und größte zusammenhängene Bautrakt des Schlosses mit zwei Eckerkern und vier Zwerchhausgiebeln befindet. Das Hochschloß wird nach Osten um eine wesentlich größere, dreiflügelige Vorburg mit Verwaltungs- und Wirtschaftsbauten ergänzt.

Das äußere Tor zur Vorburg mit großer Wagendurchfahrt zwischen zwei seitlichen Fußgängerpforten empfängt den Besucher mit zwei gemalten Wappendarstellungen, die sich beide auf wichtige Grafendiplome mit entsprechenden Wappenverbesserungen beziehen.

Das Wappen und seine Entwicklung werden beschrieben im Siebmacher Band: Bö Seite: 204 Tafel: 88-89, Band: FstA Seite: 246 Tafel: 322, Band: Nö2 Seite: 98 Tafel: 45-47, Band: Salz Seite: 61 Tafel: 25, Band: FstM Seite: 24-25 Tafel: 52-56, Band: Sibü Seite: 81-83 Tafel: 34, Band: He Seite: 26 Tafel: 29, Band: Un Seite: 571 Tafel: 407.

Optisch links befindet sich das vermehrte Wappen nach dem Reichsgrafendiplom vom 21.5.1566 für die ausgestorbene fränkische Linie, es ist geviert, Feld 1 und 4: siebenmal silbern-blau gespalten, Feld 2 und 3: in Rot auf schwarzem Dreiberg ein silberner Zinnenturm (Schwarzenberg). Dazu werden zwei Kleinode geführt:

Optisch rechts befindet sich das vermehrte Wappen nach dem Reichsgrafendiplom vom 5.6.1599 für Adolf Frhr. v. Schwarzenberg, Oberst in kurkölnischen, spanischen und kaiserlichen Diensten. Es ist geviert, Feld 1 und 4: siebenmal silbern-blau gespalten, Feld 2 und 3: in Gold ein abgetrennter Türkenkopf mit schwarzem Haarschopf und ebensolchem Schnurrbart, an dessen Auge ein schwarzer Rabe mit goldenem Halsband kratzt (Wappenbesserung als Andenken an den Sieg über die Türken bei Raab = Gyor in Ungarn vom 29.3.1598). Dazu werden drei Kleinode geführt:

Am Schloß befindet sich das vermehrte fürstliche Wappen nach dem Diplom vom 8.2.1688, und zwar außen am Ostflügel des Hochschlosses. Der Schild ist geviert mit gespaltenem Herzschild, Feld 1: siebenmal silbern-blau gespalten (Seinsheim-Schwarzenberg), Feld 2: silbern-rot mit drei Spitzen (im Spitzenschnitt) geteilt (Grafen von Sulz), Feld 3: in Silber ein schrägrechts gelegter, schwarzer, am oberen Ende rot brennender Ast (Brand) (v. Brandis, aus dem vermehrten Wappen der Grafen von Sulz mit übernommen), Feld 4: in Gold ein abgetrennter Türkenkopf mit schwarzem Haarschopf und ebensolchem Schnurrbart, dessen linkes Auge ein schwarzer Rabe mit goldenem Halsband auskratzt (Wappenbesserung als Andenken an den Sieg über die Türken = Gyor in Ungarn), Herzschild gespalten, rechts in Rot auf schwarzem Dreiberg ein silberner Zinnenturm (Schwarzenberg), links in Blau drei (2:1) goldene Getreidegarben (Landgrafschaft Klettgau). Auf dem Helm rut ein Fürstenhut, um den Schild ist die Kette des Ordens vom Goldenen Vlies gelegt. Dazu werden fünf Helme geführt:

Das Wappen entspricht in Aufbau und Inhalten dem an der katholischen Pfarrkiche von Scheinfeld.

Ein Wappen ganz anderen Aufbaus sehen wir am Turm des Schlosses, dem sog. Schwarzen Turm, der zugleich der höchste Gebäudeteil des Schlosses ist und auch die letzte größere Baumaßnahme. Diese Seite des Turmes weist zur Stadt Scheinfeld hin, das Photo ist daher stark entzerrt. Der von der Kette des Ordens vom Goldenen Vlies umgebene und von einem Fürstenhut bedeckte Schild ist einmal geteilt und zweimal gespalten, Feld 1 und 5: siebenmal silbern-blau gespalten (Seinsheim-Schwarzenberg), Feld 2 und 6: in Rot auf schwarzem Dreiberg ein silberner Zinnenturm (Herrschaft Schwarzenberg), Feld 3 und 4: in Gold ein abgetrennter Türkenkopf mit schwarzem Haarschopf und ebensolchem Schnurrbart, dessen linkes Auge ein schwarzer Rabe mit goldenem Halsband auskratzt (Wappenbesserung als Andenken an den Sieg über die Türken = Gyor in Ungarn). Im Gegensatz zu dem zuvor besprochenen Wappen sind hier alle Inhalte, die man von den Grafen von Sulz geerbt hatte, also Grafschaft Sulz, Landgrafschaft Klettgau und von Brandis, noch nicht vorhanden. In der Tat wurde dieser sog. Schwarze Turm in den Jahren 1672-1674 kurz nach der Erhebung der Familie in den Reichsfürstenstand an der Stelle des alten Bergfriedes der mittelalterlichen Burg errichtet. Man vereinigte daher alle bisherigen Wappenelemente aus den beiden gräflichen Diplomen unter dem neugewonnenen Fürstenhut, aber da die Erbschaft von Sulz erst mit dem Tod des letzten Grafen Johann Ludwig II. (23.10.1626-21.8.1687) erfolgte, konnten diese Inhalte in der Interimszeit noch nicht dargestellt werden.

Literatur, Quellen und Links:
Hinweistafel am Gebäude
Geschichte von Scheinfeld:
http://www.scheinfeld.de/index.php/stadtinfo/geschichte
Liste der Ritter vom Goldenen Vlies:
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Ritter_des_Ordens_vom_Goldenen_Vlies
Schwarzenberg: http://www.coresno.com/aktuell/133-boehmen/2237-lex-schwarzenberg.html
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
GHdA, Fürstliche Häuser XI (1980)
Genealogie Seinsheim:
http://genealogy.euweb.cz/schwarzb/schwarzb1.html
Genealogie Schwarzenberg:
http://genealogy.euweb.cz/schwarzb/schwarzb2.html, http://genealogy.euweb.cz/schwarzb/schwarzb3.html, http://genealogy.euweb.cz/schwarzb/schwarzb4.html, http://genealogy.euweb.cz/schwarzb/schwarzb5.html
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Schlösser und Burgen in Mittelfranken, von Ruth Bach-Damaskinos, Jürgen Schabel, Sabine Kothes. Hofmann Verlag Nürnberg, ISBN 3-87191-186-0

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