Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1690
Graz (Steiermark, Österreich)

Graz, Schauspielhaus

Das Grazer Schauspielhaus geht zurück auf das 1776 erbaute Ständische Theater. Da dieses eine Einrichtung der steirischen Landstände war, wurde es mit den Wappen der damaligen Ständischen Verordneten geschmückt. Es waren insgesamt jeweils fünf, vier adelige und ein geistlicher, wie man es ebenso am Zeughaus, am Joanneum, am Landhaus etc. findet. 1823 brannte das barocke Ständische Theater ab, und 1823-1825 wurde ein klassizistischer Neubau nach einem Entwurf von Pietro Nobile errichtet mit der Eingangsfront zur Hofgasse mit zweigeschossigen Arkaden und Attika. An der Längsseite zum Freiheitsplatz wurden die aus dem alten Theaterbau geretteten Wappen der landständischen Verordneten von 1777 eingemauert. 1960-1964 erfolgte ein Neubau des Bühnenhauses.

Abb. links: Das Wappen der Grafen Inzaghi ist dreimal geteilt, Feld 1: in Gold ein schwarzer gekrönter Doppeladler, hier mit Kaiserkrone zwischen den Häuptern, eigentlich zwischen zwei blauen Lilien (fehlen hier), Feld 2: in Rot ein silberner, schreitender, doppelschwänziger Löwe, Feld 3: in Silber ein roter, schreitender, doppelschwänziger Löwe, Feld 4: in Gold ein schwarzer, schreitender, doppelschwänziger Löwe. Das Wappen wird beschrieben z. B. im Siebmacher Band: Mä Seite: 290 Tafel: 207. Konkret läßt sich das Wappen Anton Graf von Inzaghi zuordnen.

Abb. rechts: Das Wappen der von Trauttmansdorff, wie es seit 1563 geführt wurde, geviert mit Herzschild: Feld 1: silbern-rot fünfmal schrägrechtsgeteilt (von Castelalt, Castellalt), Feld 2 und 3: in Silber drei übereinandergestellte eingebogene rote Dreiecke (Höltzler, Hölzl von Lueg), Feld 4: von Rot, Silber und Gold halbgespalten und geteilt (Kirchberg), Herzschild: rot-silbern gespalten mit einer Rose in verwechselten Farben (Stammwappen Trauttmansdorff). Konkret läßt sich das Wappen Karl Graf von Trauttmansdorff zuordnen.

Abb. links: Wappen der Ritter von Lendenfeld, geviert, Feld 1 und 4 in Schwarz eine goldene Korngarbe, Feld 2 und 3: rot-silbern gespalten. Die hier nicht dargestellten zugehörigen beiden Kleinode wären: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein auffliegender schwarzer Adler mit drei goldenen Kornähren im Schnabel, Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender Mann in silbern-rot gespaltener Kleidung mit rundem schwarzem Hut, mit der Rechten eine Sichel emporhaltend, die Linke eingestemmt, zwischen zwei rot-silbern übereckgeteilten Büffelhörnern. Das Wappen wird beschrieben bei Kraßler, im GHdA, und im Rietstap (Chevaliers, 15 juillet 1728, éc.: aux 1 et 4 de sa. à une gerbe d'or; aux 2 et 3 parti de gu. et d'arg. Deux cq. cour. C.: 1° une aigle de profil de sa., ess. et cont., tenant en son bec trois épis d'or, l. d'or et de sa., 2° un homme iss. hab. d'un parti d'arg. et de gu., ouvert sur la poitrine, coiffé d'un chapeau de sa., tenant une faucille; entre deux prob., coupées alt. de gu. et d'arg.; l. d'arg. et de gu.). Die aus der Steiermark stammende Familie wurde mit Johann Jacob Lendlmayr, Obersekretär und Syndikus der steiermärkischen Stände, am 15.6./15.7./16.10./29.10.1728 (diverse Daten in der Lit.) von Kaiser Karl VI. in den erbländisch-österreichischen Ritterstand mit dem Prädikat "Edler von Lendenfeld" erhoben. Diese Erhebung war begleitet von einer Wappenbesserung und dem personengebundenen kaiserlichen Ratstitel. Der angestammte Name Lendlmayr ging unter. Konkret läßt sich das Wappen Joseph Edler von Lendenfeld zuordnen.

Abb. rechts: Dieses Wappen zeigt einen Sparren, möglicherweise und naheliegend von Herberstein, diese führten in Rot einen silbernen Sparren. Konkret läßt sich das Wappen dem 1765-1781 amtierenden Landeshauptmann Karl Leopold Graf von Herberstein zuordnen.

 

Das fünfte Wappen ist das des geistlichen landständischen Verordneten von 1777, Johann Anton de Angelis, Propst von Stainz, der 1748-1782 amtierte. Unter einem Puttenkopf mit Inful, hinter dem ein Krummstab schräggestellt ist, sind zwei ovale Wappenkartuschen zusammengestellt, heraldisch rechts das Wappen der Propstei Stainz, ein aufrechtes, gestieltes Blatt, genauer in Rot ein silbernes Seeblatt (vgl. bei Z. Bartsch, dort ungestielt und geformt wie ein gestürztes Herz, vgl. auch Siebmacher Band: Klö Seite: 29 Tafel: 52), das von den Wildoniern (Leuthold und Agnes von Wildon gründeten im Jahre 1229 das Kloster Stainz, Wappen vgl. Siebmacher Band: NÖ2 Seite: 361 Tafel: 169) übernommen worden war, heraldisch links geteilt, oben ein aus der Teilung wachsender, sich mit den Händen auf ihr aufstützender Engel mit Flügeln, unten eine lilienähnliche Figur, das persönliche Wappen des letzten vor der Auflösung amtierenden Propstes Johann Anton de Angelis aus einer ortsansässigen, aber eigentlich aus Italien stammenden Familie, der das Haus am Eck (heute Eckwirt) gehörte. Der Engel ist eine Anspielung auf seinen Familiennamen. 1785 wurde das Kloster aufgelassen.

Literatur, Quellen und Links:
Schauspielhaus: http://www.grazerbe.at/index.php?title=Hofgasse_11
Josef Kraßler: Steirischer Wappenschlüssel, Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives Graz Nr. 6, 1968, 349 S.
Genealogisches Handbuch des deutschen Adels
Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser Österreichs Bd. 2 (1906/07), S. 234-237.
ein herzliches Dankeschön an Frhr. v. Recum, an Herrn. A. Gumpp und an Herrn A. Lenz für wertvolle Hinweise
Lendenfeld:
http://www.coresno.com/aktuell/61-kategorie-beitraege/3246-lex-lendenfeld.html
Trauttmansdorff:
http://www.coresno.com/aktuell/61-kategorie-beitraege/3259-lex-trauttmansdorf-weinsberg.html
Trauttmansdorff: GHdA-Adelslexikon Bd. 14 (131), 2003, S. 509-513.
Schauspielhaus Graz:
http://www.schauspielhaus-graz.com/
Sigrid Rahm, Stadtführer Graz, Styria, 2010, ISBN: 978-3-222-13110-3
Inzaghi:
http://www.andreacavallari.it/Comaschi/ComaschiInzaghi.htm
Lendenfeld: Brünner Adel, Taschenbuch XI, 1886
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Dr. G. P. Obersteiner vom Steiermärkischen Landesarchiv für wertvolle Hinweise und die Namen der Verordneten.
Landeshauptmänner der Steiermark:
http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/ziel/2597839/DE/
Wappen Stainz: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 124 Tafel 16
Kloster Stainz:
http://www.austria-lexikon.at/af/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schl%C3%B6sser/Steiermark/Stainz
Geschichte von Stainz:
http://www.stainz.at/Chronik.98.0.html

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