Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1680
Graz (Steiermark, Österreich)

Graz, Trauttmansdorff-Komplex

Der hier beschriebene späthistoristische Gebäudekomplex nahe dem ehemaligen Trauttmansdorff-Palais setzt sich aus drei Gebäudezügen mit neobarocken Fassaden entlang der Straßen Salzamtsgasse (Nr. 2), Burggasse (Nr. 6) und Trauttmansdorffgasse (Nr. 1) zusammen und bildet eine U-förmige, im Innern nach Südwesten offene Bebauung mit einem kuppelbekrönten Eckerker an der Ecke zwischen Burggasse und Salzamtsgasse. Durch Verbindung mehrerer aufgekaufter Stadtpalais schufen die von Trauttmannsdorff eine riesige, sich über mehrere Höfe erstreckende Gesamtanlage und das flächenmäßig größte Palais der Stadt. Die Keimzelle der Anlage wurde 1944 zerstört, und von dem alten Palais Trauttmansdorff existiert nur noch der nördliche vierachsige Bürgergassentrakt. Den heraldischen Spuren der Familie begegnet man aber auch an den genannten Gebäudezügen, die jedoch relativ neu sind, denn sie wurden in neobarockem Stil erst 1902 von Johann Paul Hadt für Max Graf von Trauttmansdorff errichtet.

Abb.: Blick auf die Südostseite (Salzamtsgasse 2)

An allen drei Seiten des Gebäudekomplexes befinden sich über den Rundbogenportalen neobarocke Wappenkartuschen mit dem Trauttmansdorff-Wappen, wie es seit 1563 geführt wurde. Alle Kartuschen sind gleich gearbeitet mit einer grotesken Maske auf der oberen eingerollten Doppelschnecke, darüber einer Laubkrone, mit der gleichen, von einer Perlenleiste eingerahmten Ovalkartusche innerhalb des ornamentalen Rahmens. Das Trauttmansdorff-Wappen ist jeweils geviert mit Herzschild:

 
1. Wappenstein an der Nordwestseite (Trauttmansdorffgasse 1)   2. Wappenstein an der Nordostseite (Burggasse 6)

Nicht dargestellt ist das Oberwappen, das wären drei gekrönte Helme:

3. Wappenstein an der Südostseite (Salzamtsgasse 2)

Die Herren, Freiherren, Grafen und späteren Fürsten von Trauttmansdorff gehören zum steiermärkischen Uradel. Ihr Stammsitz liegt südlich von Feldbach in der Steiermark, südöstlich von Graz. Die gesicherte Stammreihe beginnt mit Herrand von Trauttmansdorff (urkundlich 1308-1324). Sie waren zu Anfang Dienstleute der Ministerialen von Wildon und dann der von Wallsee. Ab dem 16. Jh. nahm die Familie einen rasanten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Aufstieg, die Anzahl der empfangenen Diplome und Standeserhöhungen ist riesig. Zur Entwicklung des Trauttmansdorff-Wappens vgl. Siebmacher Band: Mä Seite: 248 Tafel: 175, Band: FstA Seite: 266 Tafel: 359-360, Band: NÖ Seite: 379 Tafel: 183-186 u.v.a.m., wobei angemerkt sei, daß die verschiedenen Kleinode über die Jahrhunderte hinweg und von Diplom zu Diplom ständigen kleineren Veränderungen und Anpassungen an die zeitgenössische Interpretation ausgesetzt waren:

Das Stammwappen der von Trauttmansdorff ist rot-silbern gespalten mit einer (goldenbebutzten) Rose in verwechselten Farben, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine silbern-rot gespaltene Rose vor einem rot-silbern gespaltenen Hahnenfederbusch.

Die erste Wappenvermehrung mit dem Wappen der Hölzl von Lueg fand am 21.5.1511 für die Brüder Herrand, Nicolaus und Ulrich von Trauttmansdorff statt. Das Wappen der 1455 mit Wolfgang ausgestorbenen Hölzl findet im Siebmacher Band: TirA Seite: 24 Erwähnung ferner im Band: Bö Seite: 208 Tafel: 90 unter Holzler. Das neue Wappen ist geviert:

Zwei Helme:

Die nächste Wappenvermehrung fand 1543 statt, diesmal mit dem Wappen der von Kirchberg (Siebmacher Band: Bö Seite: 208 Tafel: 90, Band: OÖ Seite: 491 Tafel: 115, vgl. auch bei Z. Bartsch). Herrand III. v. Trauttmansdorff (-1467) hatte in erster Ehe Katharina v. Kirchberg geheiratet. Der Begünstigte der Wappenvermehrung war Adam von Trauttmansdorff, niederösterreichischer Zeugmeister, und die Veränderungen wurden vom gesamten Geschlecht übernommen. Der neue Schild ist geviert mit Herzschild:

Drei gekrönte Helme:

Daneben wird im Siebmacher auch eine gevierte Variante beschrieben, welche nur das Stammwappen und Kirchberg enthält: Der Schild ist geviert:

Zwei Helme:

Eine ähnliche Wappendarstellung findet sich auf der Grabplatte des Ernst von Trauttmansdorff um 1517, dort ist allerdings Feld 1 bzw. Feld 4 abweichend nicht rot-silbern, sondern silbern-rot gespalten, Kleinod 1 analog, die Büffelhörner von Helm 2 rechts fünfmal rot-silbern geteilt, links fünfmal silbern-rot. Die Platte zeigt dazu die Wappen seiner beiden Ehefrauen.

Die dritte Wappenvermehrung fand am 10.5.1563 statt, als Leopold, Franz, Dietrich und Carl von Trauttmansdorff zu Freyenthurn aus der Linie Neuberg den Tiroler Freiherrenstand unter Namen- und Wappenvereinigung mit den mit Franz von Castellalt erloschenen von Castellalt (Siebmacher Band: Bö Seite: 208 Tafel: 90, Band: TirA Seite: 21) als "Herr und Freiherr von Trautmansdorf zu Freyenthurn und Castellalt" erhielten. Hintergrund ist eine Ehe zwischen Nikolaus II. v. Trauttmansdorff und Dorothea v. Castelalt, die zu dieser Erbschaft führte. Das kombinierte Wappen entspricht dem am Palais Trauttmannsdorff in Graz plastisch dargestellten. Neu ist Feld 1, von Silber und Rot fünfmal schrägrechtsgeteilt (von Castelalt, Castellalt), zu dem ein weiterer Helm hinzukommt, wodurch die Kleinode von Hölzl und Kirchberg zusammenrücken zu einer kombinierten Helmzier.

Eine Tingierungsvariante für dieses Wappen findet sich in der Kleinen Wappenmatrik der Steirischen Landstände: Feld 1 des Hauptschildes ist rot-silbern fünfmal schrägrechtsgeteilt, der Mannesrumpf auf Helm 2 (rechts) ist ohne silberne Aufschläge zwischen zwei silbern-rot mehrmals schrägeinwärts geteilten Büffelhörnern, und Helm 3 (links) trägt einen wachsenden, nackten Mannesrumpf mit spitzen Ohren wie ein Faun zwischen zwei Büffelhörnern, das rechte rot-silbern mehrfach schräggeteilt, das linke golden.

Das nächste, wiederum vermehrte Wappen kommt am 12.1.1805 in Gebrauch. Hintergrund ist, daß die Familie am 6.1.1805 die reichsunmittelbare Herrschaft Umpfenbach in Unterfranken erwarb und diese kurz darauf zur gefürsteten Reichsgrafschaft erhoben wurde. Die Herrschaft war zwar winzig und wurde dazu noch bereits 1812 wieder verkauft, doch brachte sie dem Inhaber den Reichsfürstenstand in Primogenitur, den Titel "Hochgeboren" und eine Wappenbesserung ein. Der neue Schild ist der alte, außer daß der Herzschild fürstlich gekrönt ist:

Vier Helme:

Dazu Prunkstücke: Schildhalter rechts ein goldenbewehrter, schwarzer Adler, links ein silberner Löwe, beide widersehend; Fürstenkrone, Wappenmantel.

Eine letzte Wappenverbesserung gab es am 10.5.1805, als die Linie Kirchberg im Ast Totzenbach und im Zweig Gleichenberg, Haus Bischofteinitz, den Böhmischen Fürstenstand in der Primogenitur erhielt. Der Schild ist der gleiche wie der vom 12.1.1805, aber es gibt einen weiteren Helm:

Dazu Prunkstücke: Schildhalter rechts ein goldenbewehrter, schwarzer, gekrönter Adler, links ein gekrönter silberner Löwe, beide widersehend; Fürstenkrone, Wappenmantel.

Literatur, Quellen und Links:
Siebmachers Wappenbücher wie oben angegeben
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Herwig Ebner, Burgen und Schlösser Graz, Leibnitz, Weststeiermark, 1967, 204 Seiten, ISBN-10: 3850300285, ISBN-13: 978-3850300285
Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Graz, von Horst Schweigert, Verlag Schroll, Wien 1979
Die Kunstdenkmäler der Stadt Graz, die Profanbauten des 1. Bezirkes (Altstadt), 1997, 712 Seiten, Verlag: F. Berger, ISBN-10: 3850284379, ISBN-13: 978-3850284370
Trauttmansdorff:
http://www.coresno.com/aktuell/61-kategorie-beitraege/3259-lex-trauttmansdorf-weinsberg.html
Trauttmansdorff: GHdA-Adelslexikon Bd. 14 (131), 2003, S. 509-513.
Franz Gall, Österreichische Wappenkunde: Handbuch der Wappenwissenschaft, 3. Auflage, Böhlau Verlag, Wien 1996, ISBN 3-205-98646-6
Trauttmansdorff: in: Friedrich Lanjus, die blühenden Geschlechter des österreichischen Uradels, online:
http://www.coresno.com/pdf/lanjus_oesterrischer-uradel.pdf S. 59, Nr. 48.
Palais Trauttmansdorff:
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Graz%20-%20Palais%20Trauttmansdorff
Palais Trauttmansdorff:
http://de.wikipedia.org/wiki/Palais_Trauttmansdorff_%28Graz%29
Burggasse 6:
http://www.grazerbe.at/index.php?title=Burggasse_6
ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise an Dr. Egon Frhr. v. Ellrichshausen

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