Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1671
Seckau (Steiermark, Österreich)

Abtei Seckau, Pranckh-Grabplatten

Seckau war die Grablege derer von Pranckh (Prankh, Prank). Es existieren zwei spätgotische Rotmarmor-Grabplatten, eine für den Edlen Johannes Pranckher von Pranckh, gest. 1450, die andere für den Edlen Ernst Pranckher von Pranckh. Beide Grabplatten zeigen das Stammwappen der Familie, in Rot zwei silberne Gegenzinnenbalken, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, rechts rot, links silbern, außen mit einem farbverwechselten Kamm. Das Wappen wird bei Zacharias Bartsch abgebildet (dort in der vermehrten Form und mit kleinen Federbüscheln am Kamm der Helmzier) und im Siebmacher Band: Bay Seite: 51 Tafel: 52, Band: Salz Seite: 51 Tafel: 21, Band: NÖ1 Seite: 358 Tafel: 196, Band: OÖ Seite: 263 Tafel: 71 beschrieben.

Das vermehrte Wappen ist geviert (Tinkturen nach Bartsch und Siebmacher): Feld 1 und 4: in Rot zwei silberne Gegenzinnenbalken (Pranckh), Feld 2 und 3: in Rot drei schräggestellte silberne Pfeilspitzen (Lanzenspitzen, Sauspieße) (Puchs), zwei gekrönte Helme: Helm 1 (rechts): Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, rechts rot, links silbern, außen mit einem farbverwechselten Kamm mit kleinen schwarzen Federbüscheln. Helm 2 (links): Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Flügel oder ein geschlossener Flug, mit drei schräggestellten silbernen Pfeilspitzen (Lanzenspitzen, Sauspieße) belegt (Puchs). Ein solches vermehrtes Wappen begegnet uns in der Kirche auf mehreren Totenschilden an der Westwand, wobei allerdings jeweils beide Hörner rot und beide Kämme silbern sind. Friedrich Pranckher von Pranckh hatte die Erbtochter Anna von Puchs, Tochter von Ortolph von Puchs, geheiratet, und mit Diplom von Kaiser Ferdinand II. vom 2.8.1628 wurden beide Wappen vereinigt. Er erbte dabei wohl auch die Besitzungen der Puchs in der Steiermark und in Kärnten.

Abb.: Grabplatte für Johannes Pranckher von Pranckh, gest. 1450: "Anno dm m cccc l die ..... obiit nobilis Johannes Prankher de Prankh.......", rechts das Kleinod im Detail.

Die Familie der Ritter von Pranckh stammt aus dem Raum Judenburg in der Obersteiermark. Ihr Stammsitz liegt in Prankh bei St. Marein bei Knittelfeld. 1135 wird erstmals ein Familienmitglied urkundlich erwähnt, der Anlaß war eine Stiftung an Admont, die Wolfkerus de Branka bezeugte. Sie waren Ritter der Herren von Waldeck-Feistritz, die Seckau gestiftet hatten, was die enge Beziehung der Familie von Pranckh zu Seckau erklärt: Sie stellten mehrere Pröpste des Stiftes, Arnold von Pranckh (Propst ab 1250, gest. 1256), Ortolf von Pranckh (Propst ab 1260, gest. 26.12.1289, verantwortlich für Klosterneubau und Renovierung der Stiftskirche, ältester erhaltener Grabstein eines Propstes im Kloster) und Ulrich II. von Pranckh (Propst ab 1325, gest. 1333). Und die Familie hatte in Seckau ihr Erbbegräbnis, was wir heute an den hier abgebildeten Grabplatten und an den an der Westwand aufgehängten Totenschilden nachvollziehen können. Als gesicherter Stammvater der heute noch blühenden Familie gilt Ulrich, gest. 1416/20. Im 15. Jh. teilte sich die Familie in mehrere Linien. 1628 erlangte die Familie den Freiherrenstand (s.o.), und am 28.6.1719 erlangten Jörg (Georg) Wilhelm und Ferdinand Joseph Freiherr von Pranckh unter Kaiser Karl VI. den Grafenstand, wobei die gräflichen Linien mittlerweile alle wieder erloschen sind. Von Ruprecht von Pranckh, gest. 1575, stammt die heute noch blühende Linie ab. Der Besitz der von Pranckh lag hauptsächlich im oberen Murtal, dazu gehörten die Herrschaft Pranck selbst natürlich, die ererbte Herrschaft Puchs, Poppendorf, Plankenwart, Gutenhag, Frondsberg, Siegersdorf, Reifenstein, Eppenstein, Adelsbühel, Rachau, Grabenhof bei Graz, Grubhof bei Judenburg, Goppelsbach, Kohlsberg, Kogelhof bei Murau u.v.a.m.

Abb.: Grabplatte für Ernst Pranckher von Pranckh: "Hie leit begrabn der edel und vest Ernst Prancker von Pranck der gestorbn ist anno dm m cccc .......", rechts das Kleinod mit den herrlich dynamisch und züngelnden Flammen gleich geformten Kämmen im Detail.

Eine weitere Wappenvermehrung gab es übrigens für Hans Christoph von Pranckh, der am 11.8.1628 in den Freiherrenstand erhoben wurde, denn er bekam über seine Gemahlin das Wappen der von Kohlaus (Colaus). Dieses dritte Wappen ist geviert mit dem Stammwappen als Herzschild, also Feld 1 und 4: in Rot drei schräggestellte silberne Pfeilspitzen (Lanzenspitzen, Sauspieße) (Puchs), Feld 2 und 3: von Rot und Silber schräglinks geteilt (Kohlaus), Herzschild: in Rot zwei silberne Gegenzinnenbalken (Pranckh-Stammwappen), drei gekrönte Helme mit durchgängig rot-silbernen Decken: Helm 1 (Mitte): zwei silbern-rot übereck geteilte Büffelhörner, Helm 1 (rechts): ein roter Flügel oder ein ebensolcher geschlossener Flug, mit drei schräggestellten silbernen Pfeilspitzen (Lanzenspitzen, Sauspieße) belegt (Puchs), Helm 3 (links): drei Straußenfedern rot-silber-rot.

Übrigens hing einst hier in Seckau über einem Totenschild der Familie der heute in der Waffensammlung im Kunsthistorischen Museum Wien aufbewahrte, aus fünf vernieteten Eisenplatten zusammengefügte und oben konisch auslaufende "Pranckher Helm", einer der wenigen Originalhelme aus mittelalterlicher Zeit (Mitte 14. Jh., 5.36 kg schwer). Interessant ist neben dem Kleinod des Funeralhelmes mit den beiden Büffelhörnern aus gepreßtem und mit Leinen und Kreidegrund überzogenem Leder und dem jeweiligen gezähnten Kamm außen eine ca. 7 mm dicke Verstärkungsplatte vor der linken und der halben rechten Wange, was beides auf eine Nutzung im Turnier hindeutet. Bis 1878 hing der authentische Helm noch in der Kirche von Seckau, dann kam er nach Wien.

Literatur, Links und Quellen:
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Harald Berger, Abteiverwaltung Seckau, für die Erlaubnis zum Veröffentlichen der Innenaufnahmen
Wappen Pranckh: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 89 Tafel 57
Wappen Pranckh: Siebmacher Band: Bay Seite: 51 Tafel: 52, Band: Salz Seite: 51 Tafel: 21, Band: NÖ1 Seite: 358 Tafel: 196, Band: OÖ Seite: 263 Tafel: 71
Familie Pranckh:
http://austroarchiv.com/joomla/user_upload/bluehende_geschlechter_des_oesterr_uradels.pdf - http://www.coresno.com/pdf/lanjus_oesterrischer-uradel.pdf
Pranker Helm:
http://www.h-u-m-rueegg.li/helmzier2.htm und http://wwwg.uni-klu.ac.at/kultdoku/kataloge/21/html/1913.htm
Pranker Helm: Gotik in der Steiermark. Katalog der Steirischen Landesausstellung im Stift St. Lambrecht vom 28. Mai bis 8. Oktober 1978. Veranstaltet vom Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung. Redigiert von Elisabeth Langer. - Graz: Kulturreferat der Steiermärkischen Landesregierung 1978. 344, 112. 8°. Objekt-Nr.: 312, S. 334.
Pranckh:
http://wwwg.uni-klu.ac.at/kultdoku/kataloge/21/html/1898.htm
Pranckh: Carl Schmutz, Historisch-topographisches Lexicon von Steyermark, Band 3,
http://books.google.de/books?id=2EbJmfMBXR4C&pg=PA204&lpg=....f=false

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