Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1669
Seckau (Steiermark, Österreich)

Abtei Seckau, Habsburger-Mausoleum

Eine erhebliche Aufwertung erfuhr die Abtei Seckau in der Zeit der Gegenreformation unter Karl II. Erzherzog v. Innerösterreich (3.6.1540-10.7.1590) und dessen Sohn Ferdinand II. Erzherzog v. Innerösterreich und späterer Kaiser (9.7.1578-15.2.1637). Erzherzog Karl II. ließ kurz vor seinem Tod den Kreuzgang des Stiftes erbauen, den seit langer Zeit wieder ersten kirchlichen Bau in der Steiermark, und er ließ in zwei abgetrennten Jochen des Seitenschiffes der Stiftskirche das Habsburgermausoleum errichten, wobei der Mausoleumsbereich gegenüber dem Kirchenbereich um fünf Stufen erhöht und durch eine durchbrochene Schrankenarchitektur abgetrennt ist. Das Habsburgermausoleum in Seckau ist das bedeutendste Grabmal an der Wende vom 16. zum 17. Jh. in der Steiermark und eines der kunsthistorisch wichtigsten Denkmäler Österreichs an der Schwelle vom Manierismus zum Frühbarock und zugleich das bedeutendste italienisch beeinflußte Kunstwerk dieser Zeit in der Steiermark. Es ist in stilistischer und technischer Hinsicht einer der qualitativ hochwertigsten "Kunstimporte" und eine der wichtigsten Kunstschöpfungen des Grazer Hofes. Karls Sohn Ferdinand II. setzte den Trend der Zeit fort, indem er ab 1625 den westlichen Teil der Stiftsgebäude neu ausbauen ließ. Das Stift Seckau wurde in der Steiermark zu einem architektonischen Symbol der Gegenreformation, und die nüchterne, strenge Gliederung der Gebäude, die gleichförmige Reihung von Fenster-Elementen an dem langgestreckten Gebäude, die kasernenartige Konzeption erinnern nicht umsonst an den Escorial seines nahen Verwandten Philipp II. von Spanien, Cousin von Erzherzog Karl II. und Großonkel von Ferdinand II. Zur Übersicht die Genealogie:

Der Geist der Zeit und das Wiedererstarken des Katholizismus brachte es mit sich, daß man den Stiften und Klöstern wieder erhöhte Aufmerksamkeit zukommen ließ und sie prächtig ausbaute. Und Ferdinand II., kompromißloser Verfechter der Gegenreformation, baute nicht nur in Seckau, sondern auch die Jesuitenkirche in Wien (1627–1631) und sein Mausoleum in Graz.

Zurück zu Seckau und dem Mausoleum seines Vaters: Es erinnert an insgesamt neun Familienmitglieder der Habsburger, die hier fett in der Genealogie hervorgehoben sind, wobei außer Erzherzog Karl II. die anderen Familienmitglieder in der Regel jung verstorbene und unbedeutende Kinder sind, nur Maximilian Ernst wurde 33 Jahre alt, aber auch er war als Landkomtur des Deutschen Ordens ohne dynastische Relevanz:

Der 1587-1611 in frühbarockem Stil gestaltete Raum ist ein starker Kontrast zu dem romanischen Kirchenbau, denn der mit reichem Stuck und bildlichen sowie plastischen Kunstwerken überladene Raum ist in oberitalienischem Stil ausgestattet und wurde auch von Künstlern dieser Provenienz gestaltet. Der weiße Marmor dominiert den Gesamteindruck. Wichtige an der Gestaltung des Mausoleums beteiligte Künstler waren Alessandro de Verda, unter dem das Mausoleum begonnen wurde und auf den das Gesamtkonzept zurückgeht, und nach ihm Sebastian Carlone, erst de Verdas Mitarbeiter und nach dessen Abberufung Alleinverantwortlicher, der das Mausoleum mit verändertem Konzept vollendete, und auf den die synergistische Mischung der verschiedenen Materialien und Kunstwerkstypen zurückgeht. Auch der Künstler Giovanni Antonio Verda, Bruder des Obengenannten, war an dem Bau beteiligt, allerdings nur mit untergeordneten Arbeiten wie Marmorlieferung und Steinschneidearbeiten. Der in dem Raum in Fensternähe aufgestellte Doppelkenotaph, der von Alessandro de Verda begonnen und von Sebastian Carlone vollendet wurde, ist mit den Portraitfiguren des Paares geschmückt und aus polychromem Marmor gefertigt. Er enthält nicht die sterblichen Überreste von Karl II. Erzherzog v. Innerösterreich, diese sind in einem Zinnsarg in der Gruft unter dem Boden.

An der Stirnseite befindet sich das Wappen von Karl II. Erzherzog v. Innerösterreich (3.6.1540-10.7.1590) in ovaler Kartusche, eingefaßt von der abwechselnd aus Feuerstählen und funkensprühenden Steinen bestehenden Kette des Ordens vom goldenen Vlies, wobei allerdings das abhängende Widderfell erst außerhalb des die Ordenskette umgebenden Schriftbandes zu finden ist. Auf der Rückseite des Kenotaphs befindet sich das Wappen der Wittelsbacher (ohne Abbildung). Den Sockel umgeben weitere Wappenschilde.

Der Schild ist gespalten und dreimal geteilt, mit eingepfropfter Spitze und mit geviertem, erhöht positioniertem Herzschild. Dadurch ergeben sich im Hauptschild 9 Hauptfelder, die fast alle noch einmal unterteilt sind, und im Herzschild vier Felder. Die ersten beiden Reihen enthalten die Königreiche der Habsburger; der Herzschild und die restlichen Reihen die Herzogtümer und Grafschaften der habsburgischen Kronländer. Die Diskussion der Inhalte erfolgt reihenweise:

1. Reihe (Feld 1 und 2):

2. Reihe (Feld 3 und 4):

Herzschild: Geviert,

3. Reihe (Feld 5 und 6):

4. Reihe (Feld 7 und 8 sowie eingepfropfte Spitze):

Im 1604 angefertigten, abtrennenden Gitter aus vergoldetem Schmiedeeisen, gefertigt von Sebastian Schreinlechner, befindet sich eine weitaus weniger kunstvolle Darstellung des gleichen Wappens in farbig bemalter Fassung. Auf marginale Unterschiede soll dennoch verwiesen werden: Der Bord im Feld Burgund ist hier zu sehen, wie er sein soll, ferner ist hier die Anzahl der Balken bei Sanneck/Cilli korrekt, und die eingebogene Spitze für Granada ist hier zwischen Aragon und Sizilien, nicht nur innerhalb Aragon.

Literatur, Links und Quellen:
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Harald Berger, Abteiverwaltung Seckau, für die Erlaubnis zum Veröffentlichen der Innenaufnahmen
Abtei Seckau:
http://www.abtei-seckau.at/
Benno Roth, Das Habsburger-Mausoleum in der Seckauer Basilika, Selbstverlag, 1958, 82 S.
Franz Gall, Österreichische Wappenkunde: Handbuch der Wappenwissenschaft, 3. Auflage, Böhlau Verlag, Wien 1996, ISBN 3-205-98646-6
Hugo Gerhard Ströhl, österreichisch-ungarische Wappenrolle, Reprint der Ausgabe von 1900, als Anhang die Staatswappen bis 1918, kommentiert von Michael Göbl, Edition Winkler-Hermaden 2010, ISBN 978-3-9502845-1-5
Felix Stieve, Karl II. (Erzherzog von Österreich), in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 15, Duncker & Humblot, Leipzig 1882, S. 318–322, online: http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Karl_II._%28Erzherzog_von_%C3%96sterreich%29  
Constantin von Wurzbach, Habsburg, Karl II. von Steiermark, in: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich.  Band 6. Verlag L. C. Zamarski, Wien 1856–1891, S. 358–360, online:
http://de.wikisource.org/wiki/BLK%C3%96:Habsburg,_Karl_II._von_Steiermark
Abtei Seckau: http://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Seckau
http://www.planet-vienna.com/habsburger/bios/karl_II/karl_II.htm
http://text.habsburger.net/module/die-grossen-gegenreformatoren-karl-ii.-von-inneroesterreich-und-ferdinand-ii
Alexander de Verda:
http://www.uibk.ac.at/aia/verda_alexander.html
Sebastian Carlone:
http://www.uibk.ac.at/aia/carlone_sebastian.html
Johann Anton Verda:
http://www.uibk.ac.at/aia/verda_johann%20anton.html
Karl II:
http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_II._%28Inner%C3%B6sterreich%29 - http://www.planet-vienna.com/habsburger/bios/karl_II/karl_II.htm
Ferdinand II:
http://www.planet-vienna.com/habsburger/bios/ferdinand_II/ferdinand_II.htm

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