Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1665
Riegersburg (Steiermark, Österreich)

Die Riegersburg: Innenhöfe und Innenräume

Das Hauptschloß ist von schmaler, aber langer Gestalt und erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung. Trotz dieser schmalen Form haben in der Anlage zwei ebenso lange und schmale Innenhöfe Platz. Wenn man das Tor zum Hochschloß durchschreitet, gelangt man zuerst in diesen schmalen, rechterhand von Arkaden gesäumten Hof, an dessen Ende ein weiteres wappengeschmücktes Portal auf den Besucher wartet.

Dies ist das dritte Wechsler-Wappen auf dem Burgberg in gerader Abfolge. Es ist noch schlichter gehalten als die beiden vorherigen, was vor allem auch daran liegt, daß hier die Tür und die Portalrahmung wesentlich kleiner dimensioniert sind und Zugang zu den Wohn- und Repräsentationsräumen im Inneren geben. Hier begegnen uns zwei andere Schildhalter als an den beiden wesentlich repräsentativeren Wappen an den weiter außen gelegenen Toren, hier sind es nämlich Greifen mit Flügeln und gekröntem Adlerkopf mit nach oben lang ausgezogenen Ohren, Gefieder auf der Brust und mit Löwenunterleib und ebensolchen Hinterbeinen. Ein weiterer Unterschied zu den beiden äußeren Wechsler-Wappen ist, daß hier im privateren Bereich auf eine repräsentative Bauinschrift verzichtet wurde.

Das Wappen ist wieder das von Katharina Elisabeth geb. v. Wechsler. Ihr Wappen ist gespalten, rechts in Silber halber, roter, golden gekrönter und bewehrter Adler am Spalt, links in Rot zwei quergelegte (um 90 Grad gedrehte) silberne, dreieckige aufgeschlagene Zelte, mit der Grundlinie am Spalt und mit der Spitze am linken Schildrand. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, rotgekleideter, bärtiger Mannesrumpf mit rotem, pelz- oder hermelingestulptem Hut, der mit zwei Mooskolben besteckt ist (so nach Siebmacher; im Bartsch ist der Hut golden), zwischen einem rechts silbernen, links roten Flug.

Das zweite, aus diesem Innenhof in die Gemächer führende Portal hat kein Wappen, sondern diese Melusine mit zwei Fischschwänzen zwischen zwei jeweils auf einer Volute stehenden Podesten mit Vasen im Stil des Manierismus.

Der zweite, weiter im Norden der Anlage gelegene Innenhof ist etwas größer und weiter und ist an drei Seiten mit dreistöckigen Arkadengängen versehen. Im Innern der musealen Anlage finden sich viele weitere Wappendarstellungen (ohne Abb.). Im sog. Weißen Saal, dem 1658 vollendeten Sommer-Speisezimmer der Katharina Elisabeth von Wechsler, findet sich ihr Wappen und das ihres Ehemannes in der üppigen Stuckdekoration der Supraporten, in weißer Farbfassung mit goldenen Linien. Auch dort sind die Schildhalter des Wechsler-Wappens zwei Greifen.

Wer genau hinsieht, erkennt weiteren heraldischen Schmuck auf den Möbeln, so ist z. B. ein hölzerner Intarsienschrank mit dem Wappen der Freiherren von Stadl (Stadler) ausgestellt, in Schwarz übereinander drei rotbekleidete rechte Arme, an der Unterkante mit mehreren goldenen Knöpfen besetzt, auf dem Helm mit schwarz-roten Decken zwei gekrümmte Arme, an der Außenkante mit mehreren goldenen Knöpfen besetzt, einen silbern-schwarzen Straußenfederbusch emporhaltend, dem dritten Ehemann der Katharina Elisabeth geb. v. Wechsler zuzurechnen. In der gotischen Kapelle, welche um 1400 von den Wallseern erbaut wurde, befindet sich ein barocker Hochaltar aus dem Jahr 1630 mit dem Wappen der v. Ursenbeck.

Zur Information sind in einem Raum alle Wappen in gemalter Form aufgehängt, deren Familien etwas mit dieser Burg zu tun hatten: Da ist das Wappen der Ursenbeck, geviert: Feld 1 und 4: schwarz-golden geteilt (Ursenbeck), Feld 2 und 3: in Rot zwei schräggekreuzte silberne Lilienzepter (Pfaffendorf), zwei gekrönte Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein schwarz-golden geviertes achtspeichiges Rad zwischen einem golden-schwarz übereck geteiltem Paar Büffelhörner zwischen einem schwarz-golden übereck geteilten offenen Flug, Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken drei rote, silbern gestulpte, nach Bartsch jeweils mit den zwei schräggekreuzten silbernen Lilienzeptern belegte Herzogshüte übereinander, der oberste mit sechs abwechselnd roten und silbernen Straußenfedern an der Spitze besteckt. Das ist bayerischer Uradel aus dem Hause Ursenbach. Sie erhielten 1596 das Erblandstabelmeisteramt, 1601 den Freiherrenstand und 1632 den Grafenstand. Das Wappen ging nach ihrem Aussterben an die Massimo, die nun zu Ursenpeck-Massimo wurden und 1698 die Grafenwürde erlangten. Sie legten dem Ursenbeck-Wappen einen Herzschild mit rotem, gekröntem Löwen in Silber auf. Weiterhin finden wir das Wappen der Freiherren von Stadl (Stadler), wie bereits mehrfach beschrieben, desgleichen natürlich das der Wechsler und das der Galler, weiterhin das der Purgstall. Bis jetzt noch nicht besprochen wurde das Wappen der Reichenburger, in Silber ein golden gekrönter, rotgezungter blauer Wolf, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken sitzend ein golden gekrönter, rotgezungter blauer Wolf, und das der Wallseer (vgl. auch Colloredo-Wallsee mit gleichem Wappen), in Schwarz ein silberner Balken, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein Flügel wie der Schild.

Diese Geschlechter haben auf folgende Weise mit der Riegersburg zu tun: 1249 starb Luithold aus dem Geschlecht der Riegersburg-Wildonier ohne männlichen Erben, und die Herrschaft kam an die Kuenringer, welche die Burg 1299 an Ulrich von Wallsee-Graz verkauften. Diese steirische Linie der Wallseer starb 1363 aus und wurde von der Linie Wallsee-Enns aus Oberösterreich beerbt. In der Wallseer Fehde mußte die Riegersburg 1412 kapitulieren. Das war aber das letzte Mal in der Geschichte der Riegersburg, seit 1412 kam es nie mehr zu einer Belagerung der Burg selbst - die Umgebung wurde freilich immer mal wieder verwüstet. 1417 erhielten die Wallseer ihre Burg zurück. 1479 kam die Riegersburg, mittlerweile ein heimgefallenes Lehen, durch Neuvergabe durch Kaiser Friedrich III an Reinprecht von Reichenburg, ein Söldnerführer und oberster Feldhauptmann in Kaiser Maximilians Diensten. 1571 kam die Riegersburg in Folge einer Heirat an Erasmus Freiherr von Stadl und seine Frau Barbara, die das Hochschloß erheblich ausbauten. 1618 verkaufte er wegen Verschuldung die Burg für die stattliche Summe von 115000 Gulden an den reichen Georg Christoph von Ursenbeck. Und schließlich kam die Riegersburg aufgrund einer Heirat 1637 an Seyfried von Wechsler aus Radkersburg. Und 1672 ging das Eigentum an der Riegersburg nach dem Tod von Katharina Elisabeth von Wechsler über den Mann ihrer einzigen Tochter aus erster Ehe an die Familie von Purgstall über.

Ein heraldisches Prunkstück, obwohl ein Werk des Historismus, ist ein grüner, vergoldeter Kachelofen in einem der musealen Säle (sog. "Breites Zimmer"), mit dem Wappen der Fürsten von Liechtenstein auf der Schauseite des Ofenkörpers. Das mit Wappenmantel, Fürstenhut und Orden vom Goldenen Vlies dekorierte Wappen ist geviert mit eingepfropfter Spitze und Herzschild, Feld 1: in Gold ein gekrönter und goldenbewehrter schwarzer Adler mit silberner, mit einem Kreuzchen in der Höhlung besteckter Mondsichel auf der Brust (Schlesien), Feld 2: von Gold und Schwarz siebenmal (am Ofen nur 5x) geteilt, überdeckt von einem grünen, schrägrechten, eigentlich gebogenen, hier geraden Rautenkranz (Chuenring, Kuenring, seit 1620), Feld 3: rot-silbern gespalten (Herzogtum Troppau in Schlesien, seit 1614, Fürst Karl I. von Liechtenstein hatte 1614 vom Kaiser das Herzogtum Troppau verliehen bekommen, hier fälschlicherweise rot-golden gespalten), Feld 4: in Gold ein gekrönter, golden bewehrter, schwarzer Jungfrauenadler mit silbernem Kopf (für Ostfriesland bzw. Rietberg, Verbindung 1604), eingepfropfte Spitze: in Blau ein goldenes Jagdhorn (Hifthorn) mit goldenem Band (Herzogtum Jägerndorf in Schlesien, seit 1623, war ein Geschenk des Kaisers an Karl I. von Liechtenstein), Herzschild: golden-rot geteilt (Stammwappen der Fürsten von Liechtenstein). Auf Podesten stehende Keramik-Geharnischte halten weitere Wappenschilde mit dem Liechtensteiner Wappen, und ein letztes findet sich oben auf der Spitze des Ofens. Ein weiteres Liechtenstein-Wappen begegnet uns in den Räumen als farbig gefaßte Holzschnitzerei.

Die Liechtensteiner kamen folgendermaßen in den Besitz der Burg: Im 19. Jh. wurden die Besitzverhältnisse der Riegersburg richtig kompliziert. 1817 teilte sich nach dem Tod von Wenzel Raphael von Purgstall eine Erbengemeinschaft von 17 Personen den Besitz, so daß es zu einer Versteigerung kam. Feldmarschall Johannes I. Fürst von Liechtenstein ersteigerte Burg und Herrschaft am 28.10.1822 für 150000 Gulden, und seitdem ist die Burg ununterbrochen in Familienbesitz der Fürsten von Liechtenstein.

Literatur, Links und Quellen:
Gerald Schöpfer, Riegersburg - die stärkste Festung der Christenheit, Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Graz/Riegersburg 2003, ISBN: 3-901674-12-8
Riegersburg:
http://www.austria-lexikon.at/af/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schlösser/Steiermark/Riegersburg
Riegersburg:
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Riegersburg%20%28Steiermark%29
Riegersburg:
http://www.veste-riegersburg.at/
Wappen Ursenbeck: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 148 Tafel 84
Wappen Ursenbeck: Siebmacher Band: NÖ2 Seite: 445 Tafel: 210-212, Band: Gö Seite: 31, Band: Krai Seite: 20 Tafel: 20, Band: BayA1 Seite: 189 Tafel: 191
Wappen Reichenburger: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Seite 100 Tafel 40
Wappen Reichenburger: Siebmacher Band: OÖ Seite: 631 Tafel: 128

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