Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1664
Riegersburg (Steiermark, Österreich)

Die Riegersburg: Tor zum Hochschloß

Hat man die Vorburg passiert, steht man vor einem weiteren, tiefen, in den anstehenden Basalt gehauenen Halsgraben, hinter dem sich das Hochschloß erhebt, das aus mehreren, um zwei längliche Höfe gruppierten Flügeln besteht. Zuerst sieht man einen massiven Querriegel, der im unteren Teil bis auf eine seitliche Öffnung fensterlos gemauert ist und nur das Portal enthält, und dessen verputzter oberer Teil einen Erker mit Biforenfenster und zwei Reihen Fenster mit roten, mit einem blauen Sparren belegten Läden hat. Über diesem Querriegel erhebt sich ein Tor- bzw. Uhrturm, dessen Original 1799 einem Blitzschlag zum Opfer fiel und der danach in einfacherer Gestalt neu errichtet wurde. Das Hochschloß besaß einst auch einen quadratischen Bergfried aus dem 13. Jh. an der Südostecke, er wurde jedoch beim Ausbau der Burg im 17. Jh. von hohen Gebäuden umbaut, so daß man heute von außen nichts mehr von ihm sehen kann.

Das Zugangstor zum Hauptschloß ist schlichter gestaltet als das zur Vorburg. Die rundbogige Öffnung wird von einem Rustikarechteck eingefaßt, das einen vertieften Falz als Anschlag der hochgezogenen Zugbrücke und zwei Löcher für die Seilrollen hat. Darüber befindet sich zwischen zwei Obelisken die Wappenzone. Das Wappen ist das gleiche wie an der Vorburg, es ist das der Bauherrin Katharina Elisabeth von Wechsler. Wir sehen wiederum zwei Löwen als Schildhalter, diesmal kommen sie dem Wappen näher als an der Vorburg und berühren immerhin die Helmdecke. Die teilweise beschädigte Inschrift unter dem Wappen lautet: "IESVS VND MARIA SEY MIT MIR CATHARINA ELISAWETH FRAV GALLERIN FREYIN GEBO(RENE WEC)HSLERIN FREYIN FRAV ZV STAIN RIEGKHERSPVRG VND LIECHTENEGK(H WITTI)B ANNO 1653". Dieses Tor ist also zeitgleich mit dem der Vorburg entstanden.

Interessant ist, daß Katharina Elisabeth geb. v. Wechsler, aus einer reichen Adelsfamilie aus Radkersburg stammend und ca. 1608 geboren, hier immer nur mit ihrem eigenen väterlichen Wappen auftaucht. Sie nennt sich zwar in beiden Inschriften "Wittib", Witwe, aber dahinter steckt mehr. Denn sie war eine äußerst selbstbewußte und couragierte Frau, die sich von ihren Männern nicht viel sagen ließ und die so gar nicht dem Rollenverständnis einer Burgherrin ihrer Zeit entsprach, welches nicht vorsah, daß eine Frau die Herrschaft und die Befehlsgewalt über eine Burg in eigener Person wahrnahm und ausübte. Das machte entweder zu Lebzeiten der Ehemann, der auch über das gesamte Vermögen der Frau verfügte, oder ein männlicher Vertreter der Familie. Ersterer war jedoch verstorben, und letzteren gab es nicht mehr, denn 1638 ist ihr Bruder Seyfried von Wechsler ohne Nachkommen verstorben, und 1648 ist mit ihrem Onkel Sigmund von Wechsler die Familie im Mannesstamm ausgestorben, was sie zur Alleinerbin der Riegersburg machte. Und diese Rolle gedachte diese starke Frau auch selbst wahrzunehmen und setzte dies auch gegen alle Widerstände unter Bruch der herrschenden Gesellschaftsnormen durch.

Ihre Rolle begann schon damit, daß sie sich bereits in ihrem ersten Ehevertrag das Recht zusichern ließ, über ihr Erbe und ihr Vermögen selbst zu verfügen. Das tat sie auch nach Belieben, sie führte die Burg und die gesamten Geschäftsvorgänge in eigener Regie. Und unter ihrer Ägide wurde der Burgberg mit Wehrmauern, Bastionen, Toren und Gräben zur größten Barockfestung des Landes ausgebaut. Ihr erster Ehemann war dazu alles andere als ein geeigneter Burgherr, sondern ein verschuldetes, unfähiges Subjekt, das in Graz lebte und ständig seine Frau anpumpte, zur Deckung seiner Außenstände Waffen aus der Riegersburger Rüstkammer verkaufte, bis seine Frau genug hatte und 1649 einen Vergleich mit ihm schloß: Er bekam eine Abschlußzahlung, dafür hatte er seiner Frau nicht mehr in die Herrschaft hineinzureden, und ab da war Schluß mit weiteren Zahlungen. Wie recht sie aus heutiger Sicht hatte! Wegen ihres Vordringens in "männliche" Domänen und ihrer Emanzipation in eigener Sache urteilte die Zeit jedoch sehr mißgünstig über Katharina Elisabeth ("die schlimme Liesl"), die im Grunde eine bewundernswert couragierte und starke Frau war und auf der Riegersburg mehr bewegt hat als so mancher Mann vor und nach ihr. Die Mißgunst ihrer Zeitgenossen ging sogar so weit, daß man die Herrschaft Riegersburg als heimgefallenes Lehen anschwärzte. Hinter dieser Intrige steckte ihr eigener Schwiegersohn (vgl. Geschichte zum Pyramidentor). Weiterhin ließ sich Katharina Elisabeth, die leider stets in zeittypischer Nichtwahrnehmung ihrer eigenständigen Persönlichkeit nur die "Gallerin" genannt wird, nichts gefallen, weder von Kirche und Klerus noch von Verwaltern und Schwiegersöhnen, und sie führte zahlreiche Prozesse deswegen, nicht zuletzt zur Sicherung ihrer eigenen Existenz.

Das Wappen ist das von Katharina Elisabeth geb. v. Wechsler. Ihr väterliches Wappen, welches sie anstelle desjenigen ihrer insgesamt drei nacheinander folgenden Ehemänner führt, ist gespalten, rechts in Silber halber, roter, golden gekrönter und bewehrter Adler am Spalt, links in Rot zwei quergelegte (um 90 Grad gedrehte) silberne, dreieckige aufgeschlagene Zelte, mit der Grundlinie am Spalt und mit der Spitze am linken Schildrand. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, rotgekleideter, bärtiger Mannesrumpf mit rotem, pelz- oder hermelingestulptem Hut, der mit zwei Mooskolben besteckt ist (so nach Siebmacher; im Bartsch ist der Hut golden), zwischen einem rechts silbernen, links roten Flug.

Katharina Elisabeth von Wechsler war dreimal verheiratet. Ihr erster, 1630 geehelichter Mann war Hans Wilhelm Freiherr von Galler. Sein Stammwappen, das als Allianzwappen mit ihrem eigenen, väterlichen hätte geführt werden können, zeigte in Schwarz einen goldenen Schrägbalken, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein Adlerflug oder ein Adlerflügel wie der Schild (Bartsch, Siebmacher Band: Krai Seite: 9 Tafel: 7, Band: Kro Seite: 222 Tafel: 161, Band: Mä Seite: 288 Tafel: 205, Band: NÖ1 Seite: 113 Tafel: 55). Dieser erste Ehemann war Präsident des innerösterreichischen Hofkriegsrates. Nach diesem ersten Ehemann hat die Burgherrin auch den volkstümlichen Namen "die Gallerin". Die selbstbewußte und durchsetzungsfähige "Gallerin" führte als Witwe aber stets nur ihr eigenes Wechsler-Wappen über den Toren der von ihr ausgebauten Burg. Eine Ausnahme ist der sog. Weiße Saal, 1658 fertiggestellt, in dessen Stuckverzierungen über den Türen auf der einen Seite das Wechsler-Wappen eingearbeitet ist; auf der anderen Seite ist ein gespaltenes Wappen zu sehen, rechts ein gekrönter, doppelschwänziger Löwe mit drei Blumen in der rechten Vorderpranke, links ein Schrägbalken.

Ihr zweiter, 1660 geehelichter Mann war Detlef(f) Freiherr von Capell (Capeller; Kapell), ein österreichischer Oberst, der nur vier Jahre später am 1.8.1664 in der Schlacht bei Mogersdorf-Szentgotthart (St. Gotthard) im österreichischen Burgenland fiel. Wenigstens war das österreichische Heer dabei gegen die Türken siegreich. Das Wappen der niederösterreichischen Familie von Capell wäre fünfmal rot-silbern im Bogenschnitt schrägrechts geteilt gewesen.

Der dritte Ehemann, den die "Gallerin" 1665 heiratete, war Hans Rudolf Freiherr von Stadl (Stadler). Sein Wappen, das ebenfalls als Allianzwappen mit ihrem eigenen Wechsler-Wappen hätte geführt werden können, zeigte in Schwarz übereinander drei rotbekleidete rechte Arme, an der Unterkante mit mehreren goldenen Knöpfen besetzt, auf dem Helm mit schwarz-roten Decken zwei gekrümmte Arme, an der Außenkante mit mehreren goldenen Knöpfen besetzt, einen silbernen (Bartsch) oder schwarzen (Burgmuseum) Straußenfederbusch emporhaltend (Bartsch, Siebmacher Band: NÖ2 Seite: 190 Tafel: 78, dort auch vermehrte Wappen). Diese dritte Ehe war ein Fiasko und mündete in eine von Katharina Elisabeth betriebene Scheidung, zu damaligen Zeiten ein Akt ungeheuren Mutes und Selbstbewußtseins. Da sie insgesamt 37 Gründe für eine Scheidung anführte, muß die Ehe wahrlich ein Horror für beide gewesen sein.

Literatur, Links und Quellen:
Gerald Schöpfer, Riegersburg - die stärkste Festung der Christenheit, Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Karl-Franzens-Universität Graz, Graz/Riegersburg 2003, ISBN: 3-901674-12-8
Riegersburg:
http://www.austria-lexikon.at/af/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schlösser/Steiermark/Riegersburg
Riegersburg:
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Riegersburg%20%28Steiermark%29
Riegersburg:
http://www.veste-riegersburg.at/
Wappen Galler: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 25 Tafel 55
Wappen Galler: Siebmacher Band: Krai Seite: 9 Tafel: 7, Band: Kro Seite: 222 Tafel: 161, Band: Mä Seite: 288 Tafel: 205, Band: NÖ1 Seite: 113 Tafel: 55
Wappen Stadl: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Seite 122 Tafel 44
Wappen Stadl: Siebmacher Band: NÖ2 Seite: 190 Tafel: 78.
Katharina Elisabeth von Galler:
http://de.wikipedia.org/wiki/Katharina_Elisabeth_Freifrau_von_Galler
Informationstafeln im Burgmuseum

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