Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1661
Ehrenhausen (Steiermark, Österreich)

Eggenberg-Mausoleum

Der Schloßberg von Ehrenhausen hoch über dem Südufer der Mur bietet ein bemerkenswertes Ensemble: Während ganz oben das unregelmäßige Viereck der Burg innerhalb barock umgearbeiteter Befestigungen thront, befindet sich im Süden derselben ein mit Steinbalustraden eingefriedetes barockes Mausoleum auf einer sich hoch über dem bewaldeten Abhang im Westen erhebenden künstlich angelegten Terrasse, eine großartige Aussicht über das Tal gewährend. Das Mausoleum lebt vor allem von der grandiosen Lage, ist aber selbst von der Grundform her ein schlichter, tonnengewölbter Rechteckbau mit Seitenstreben und mit achteckigem, glockenförmig überkuppeltem Mitteltambour mit zierlicher Laterne als oberem Abschluß, der freilich an seiner Schauseite mit barockem Skulpturenschmuck überladen ist. Insbesondere die Talseite (Westfassade) ist als Schauseite ausgebildet mit zwei gigantischen, mit Sockel 9 m hohen Plastiken antiker Helden als Grabwächter, der im Norden mit geschulterter Keule, die die eigentlich vorgesehenen Obelisken der ursprünglichen Planung ersetzten.

Bauherr dieses 1610 begonnenen und von dem Baumeister Johann Waldter evtl. nach Plänen von Architekt Giovanni Pietro de Promis (1569-1633) errichteten Mausoleums ist Ruprecht von Eggenberg (1546-7.2.1611), Sohn von Christoph von Eggenberg aus der Ehrenhausener Linie und Helene von Fieger. Ruprecht von Eggenberg ist damit der Urenkel des 1481 verstorbenen Hans Eggenberger, dessen Grabplatte an der Stadtkirche von Radkersburg zu sehen ist. Und er ist der Bruder von Bartholomäus von Eggenberg, dessen Epitaph sich in der Pfarrkirche Ehrenhausen befindet. Und er ist ein Vetter von Hans Ulrich von Eggenberg, der das Familienschloß bei Graz erbauen ließ. Ruprecht von Eggenberg, von dem weder Frau noch Kinder überliefert sind, schlug eine militärische Laufbahn ein und diente den Habsburgern an vielen Brandherden der Zeit. In spanischen Diensten kämpfte er unter Alexander Farnese in den Niederlanden gegen die Protestanten, und in österreichischen Diensten kämpfte er im Südosten des Reiches gegen die Türken. In diesem Zusammenhang zählt zu seinen wichtigsten Leistungen 1593 der Sieg über Hassan Pascha in der Schlacht bei Sisak (= Sissek) in Kroatien und 1595 die Eroberung der Festung Petrinia, ebenfalls in Kroatien. Dieser Bezug zu den Türkenkriegen begegnet uns am Mausoleum in Form von männlichen Hermen am Eingang, die eine "türkische" Kopfbedeckung tragen. Die Siege über die Türken zu Lande und zu Wasser werden an den Sockeln dargestellt (u. a. Darstellungen von einer Galeere für die Seeschlacht von Lepanto 1571). Und man sollte auch erwähnen, daß die Baukosten aus der Türkenbeute bestritten werden konnten. In Anerkennung seiner militärischen Leistungen wurde Ruprecht von Eggenberg, der Erzherzoglicher Rat, Hauptmann des Hauptschlosses Graz, Kommandeur der Truppen an der Grenze zu Kroatien und schließlich Generalfeldobrist-Feldzeugmeister war, in den Freiherrenstand erhoben. Dieses Mausoleum ist nicht nur ein persönliches Grabmonument, sondern auch ein programmatisches Symbol des katholischen Glaubens, für Gegenreformation und Kampf gegen den Protestantismus, was seine Eigenständigkeit gegenüber der Grablege in der Pfarrkirche im Ort erklärt. Die Ehrenhausener Linie der Eggenberger, war katholisch, die Grazer Linie hingegen protestantisch. Erst unter Fürst Ulrich von Eggenberg konvertierte die Grazer Linie zum Katholizismus.

Zwei Jahre vor seinem Tod verfaßte er am 31.5.1609 ein Testament, in welchem er genau bestimmte, wer gleich ihm an diesem bevorzugten Platz seine ewige Ruhe finden dürfe: Die Bedingungen waren: 1.) Familienmitglied, 2.) katholisch, 3.) männlich, 4.) Offiziersrang (General oder Obrist). Da der Bauherr bereits 1611 verstarb, als das Mausoleum noch nicht vollendet war, wurde der Bau unter seinem 1615 verstorbenen Neffen Wolfgang von Eggenberg, General-Obrist an der kroatischen Grenze und Sohn von Bartholomäus von Eggenberg und Justine von Breuner, weitergeführt. Dieser liegt übrigens ebenfalls in der Gruft des Mausoleums begraben. Nach dessen Tod und dem Aussterben der Ehrenhausener Linie ruhte der Fortgang der Arbeiten am Mausoleum bis ca. 1680, bis Johann Christian von Eggenberg (7.9.1641-14.12.1710) aus der Grazer (Eggenberger) Linie das Bauwerk vollendete, so daß es 1693 geweiht werden konnte. Entsprechend war die Vollendung Künstlern geprägt, mit denen die Eggenberger schon in Graz gute Erfahrungen gemacht hatten: Andreas Marx (Bildhauer, z. B. die Grabwächterfiguren und die Figur des Hl. Rupert auf dem Dachfirst sind sein Werk), Johann Baptist Carlone (Steinmetz), Joseph Serenio (Stukkateur), Alexander Serenio (Stukkateur), Hans Adam Weissenkircher (Maler, z. B. das Altarbild mit dem Hl. Rupert im Innern ist sein Werk).

Oberhalb des Portales befindet sich das Stammwappen der Eggenberger, in Silber eine goldene Laubkrone zwischen drei (2:1) im Dreipaß gestellten, auf die Krone zufliegenden, goldengekrönten schwarzen Raben, die Krone gemeinsam mit ihren Schnäbeln haltend, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer, auffliegender, eigentlich ebenfalls goldengekrönter Vogel (Rabe oder Adler), vgl. Siebmacher Band: Kro Seite: 221 Tafel: 160, Band: BayA1 Seite: 68 Tafel: 69, Band: NÖ1 Seite: 74 Tafel: 37, Band: Un Seite: 150 Tafel: 118, Band: OÖ Seite: 34 Tafel: 17. Das Wappen wird von einem Lorbeerkranz eingefaßt. Zwei Engel dienen als Schildhalter, wobei ein Detail von besonderem Interesse ist: Der optisch rechte Engel hält in seiner Hand eine hinter dem Schild schräglinks aufgerichtete bosnische Fahne, in der ein Wappenschild mit einem Arm, der einen Handschar (rientalischer Säbel) hält, zu sehen ist. In der österreichisch-ungarischen Zeit 1878-1918 war das Wappen Bosniens in Gold ein aus silbernen Wolken hervorkommender, roter Arm, der einen golden gegrifften, silbernen Handschar hält. Das frühere bosnische Wappen, das 1992-1998 reaktiviert wurde, zeigte in Blau einen silbernen Schrägbalken, von 6 goldenen Lilien begleitet. Das heutige Wappen von Bosnien-Herzegowina ist hingegen golden-blau schräggeteilt mit sieben unten entlang der Teilungslinie gelegten fünfzackigen silbernen Sternen. Dadurch, daß die Fahne nach heraldisch links flattert, sind hier die Inhalte gewendet. Über dem Portal findet sich ferner die Inschrift "POST ONVS HONOS" - nach der Last die Ehre, Hoffnung auf ein ruhmvolles Angedenken für den erfolgreichen Krieger. Übrigens greift das Ortswappen von Ehrenhausen das Wappen der Eggenberger in reduzierter Form auf, denn es zeigt in Silber einen einzelnen, linksgewendeten, schwarzen, golden bewehrten, auffliegenden Adler.

Ein Außenseiter fand hier neben den beiden Eggenberger Kriegern Ruprecht von Eggenberg und Wolfgang von Eggenberg ebenfalls seine letzte Ruhe: Er war weder Familienmitglied noch Offizier, weder General noch Obrist. Im Gegenteil, er war alles andere als ein Soldat, denn ein Erzbischof hat eher das 5. Gebot als Richtschnur. Aber immerhin war er, um zumindest zwei Bedingungen zu erfüllen, männlich und katholisch. Dr. Theodor Kohn (22.3.1845-3.12.1915), Erzbischof von Olmütz (1892 (Wahl) bzw. 1893 (päpstliche Bestätigung) - 1904 (Resignation)), besaß Schloß Ehrenhausen von 1904 bis 1915. Und er ließ sich ebenfalls in diesem Mausoleum bestatten; in der Gruft ruht er in einem dreifachen Sarg aus den Materialien Glas, Metall und Marmor. Die Außendekoration wurde 1915 an der Nordseite um einen in Paris gefertigten trauernden Marmorengel mit Wappen ergänzt. Das Wappen ist geviert mit Herzschild. Hauptschild (Hochstift Olmütz): Feld 1 und 4: geteilt, oben in Rot vier silberne Spitzen, unten in Rot drei silberne Spitzen, Feld 2 und 3: in Gold ein rotgezungter schwarzer Adler mit einem goldenen sechsstrahligen Stern auf der Brust, Herzschild (persönliches Wappen Kohn): in Blau auf silbernem Wellenschildfuß ein goldener Nachen mit silbernem Rahsegel, im rechten Obereck von einem goldenen Stern begleitet. Ganz und gar ungewöhnlich ist die Behandlung des Oberwappens: Über dem Schild ruht ein Galero mit je 10 Fiocchi in vier Reihen zu beiden Seiten, das ist soweit korrekt und angemessen. An die beiden oberen Ecken des Schildes sind zusätzlich eine Bischofsmütze und eine Krone jeweils schräg nach außen angesetzt. Dr. Theodor Kohn vermachte das Mausoleum dem Bundesland Steiermark. Das Schloß hingegen blieb in Privatbesitz und kam an die Freiherren von Salvi; heute gehört es Frau Ingrid Csicsaky.

Literatur, Links und Quellen:
Peter Stauder, historisches Ehrenhausen: http://www.ehrenhausen.at/Historisches-Ehrenhausen.5.0.html
Genealogie der Eggenberger:
http://genealogy.euweb.cz/bohemia/eggenbg.html
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Walther Ernst Heydendorff, Die Fürsten und Freiherren zu Eggenberg und ihre Vorfahren, Verlag Styria, Graz 1965.
Schloß Ehrenhausen: http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Ehrenhausen
Siebmachers Wappenbücher
Michael Pfandl, Ewiger Ruhm und Gedechnuss, Sepulkral- und Memorialbauten der frühen Neuzeit in den mitteleuropäischen Ländern der Habsburger, Diplomarbeit, Wien 2008, S. 49-53, online:
http://othes.univie.ac.at/1793/1/2008-09-01_8904763.pdf
Ruprecht von Eggenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_von_Eggenberg
Karl Johann Casimir von Landmann,  Ruprecht Freiherr von Eggenberg, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 666 f., online:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Eggenberg,_Ruprecht_Freiherr_von
Mausoleum Ehrenhausen:
http://www.austria-lexikon.at/af/Wissenssammlungen/......%28Ruprecht_von_Ehrenhausen%29
Theodor Kohn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Kohn
Huber, Theodor Kohn, in: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Band 4, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1969, S. 67, online:
http://www.biographien.ac.at/oebl_4/67.pdf
Wappen von Olmütz: Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, S. 412
Horst Schweigert, Die Pfarrkirche und das Eggenberger Mausoleum in Ehrenhausen, Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 294, Verlag St. Peter Salzburg, 1. Auflage 1996.

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