Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1658
Bad Radkersburg (Steiermark, Österreich)

Pfarrkirche Bad Radkersburg: Hans Eggenberger

Diese an der Außenseite der Radkersburger kath. Stadtpfarrkirche Hl. Johannes der Täufer angebrachte, stark abgenutzte Grabplatte erinnert an den 1481 verstorbenen Hans Eggenberger (Inschrift: "hanns eckenperger"), Bürger von Radkersburg (Inschrift: "purger v Ratkerspurg") und Begründer der Radkersburger und Ehrenhausener Linie des Geschlechts. Er war der Sohn von Ulrich Eggenberger (urkdl. 6.2.1432, gest. 22.5.1448), Kaufmann in Radkersburg, Ratsbürger und 1432 Stadtrichter in Graz, und dessen Frau Barbara Giebinger (auch: Giebig, Tochter des Hubmeisters Thomas Giebinger). Der Bruder von Hans, der 1493 verstorbene Balthasar Eggenberger, Bürger und Münzmeister von Graz, heiratete zuerst Radegunde Seidenater und danach Barbara von Pain und wurde nach Kauf des Orthofes westlich von Graz im Jahre 1463 zum Begründer der Eggenberger Linie, von der sich wiederum die Augsburger Linie abspaltete. Balthasar erbaute 1490 ff. die Burg Eggenberg. Sein in Radkersburg gebliebener Bruder Hans Eggenberger war mit Kunigunde von Polheim vermählt.

Hier also findet sich ein frühes heraldisches Zeugnis der Familie, die dem Bauernstand aus der Umgebung von Graz entstammte und über Handel mit Wein den Aufstieg in das Bürgertum bzw. Patriziertum in Graz und Radkersburg schaffte und später einen kometenhaften Aufstieg in den Fürstenstand nahm, und die für ihren Reichtum ähnlich legendär wurde wie die Augsburger Fugger. Zugleich ist diese Grabplatte eines der frühesten Zeugnisse für das Familienwappen, denn zuerst taucht es bei seinem Bruder Balthasar im 15. Jh. auf.

Das Wappen der Familie Eggenberg zeigt in Silber eine goldene Laubkrone zwischen drei (2:1) im Dreipaß gestellten, auf die Krone zufliegenden, goldengekrönten schwarzen Raben (Vögeln, Adlern), die Krone gemeinsam mit ihren Schnäbeln haltend. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer, auffliegender, goldengekrönter Rabe (Vogel, Adler). Das Wappen wird bei Z. Bartsch abgebildet, ferner wird es im Siebmacher Band: Kro Seite: 221 Tafel: 160, Band: BayA1 Seite: 68 Tafel: 69, Band: NÖ1 Seite: 74 Tafel: 37, Band: Un Seite: 150 Tafel: 118 beschrieben, das vermehrte Wappen in Siebmacher Band: OÖ Seite: 34 Tafel: 17. Interessant ist an dieser spätgotischen Darstellung, daß die Helmzier gegenüber der Blickrichtung des Helmes verdreht ist, eine Situation, die normalerweise einen Helm im Halbprofil auf geneigtem Schild vorteilhafter aussehen läßt. Hier wird das durch die Symmetrie der beiden Flügel kompensiert. Gestalterisch ist ferner die Schildform hervorhebenswert mit den beidseitigen Einbuchtungen und den im gleichen Winkel wie die Flügel des Kleinods schräg nach oben ausgezogenen oberen Schildecken.

Detailaufnahme des Schildes. Trotz der starken Abnutzung der früher auf dem Boden liegenden und von zahlreichen Menschen begangenen Marmorplatte ist das markante Schildbild in flachem Streiflicht gut zu erkennen.

Literatur, Links und Quellen:
Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber, Moritz Hermann Eduard Meier, Hermann Brockhaus, Johann Georg Heinrich Hassel, A. G. Müller, August Leskien, Allgemeine Encyklopadie der Wissenschaften und Künste, in alphabetischer Folge. Section 1, A - G ; Theil 31, Eckmuhl - Ehstland - http://books.google.de/books?id=bQxJAAAAcAAJ S. 201 - dort wird die Ehrenhausener Linie auf Andreas, Sohn von Hans, zurückgeführt
Carl Schmutz, Historisch-topographisches Lexicon von Steyermark, Band 1,
http://http://books.google.de/books?id=RFwxAQAAIAAJ S. 290
Eggenberg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Eggenberg_%28Adelsgeschlecht%29
Barbara Kaiser, Schloß Eggenberg, Steiermärkisches Landesmuseum Joanneum, Veröffentlichungen der Abteilung Schloß Eggenberg Nr. 7, Graz 1994 - dort wird die Ehrenhausener Linie auf Hans zurückgeführt
Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 17 Tafel 122
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Bände Niederösterreich und Oberösterreich, Bayern und Ungarn.
Genealogie der Eggenberger:
http://en.wikipedia.org/wiki/House_of_Eggenberg
Eggenberger:
http://www.coresno.com/aktuell/61-kategorie-beitraege/3450-lex-eggenberg.html
Eggenberger:
http://www.museum-joanneum.at/en/schloss_eggenberg/the_eggenberg_family - http://www.museum-joanneum.at/en/schloss_eggenberg/the_eggenberg_family/family_history - Stammtafel: http://www.museum-joanneum.at/upload/file/Stammtafel_Eggenberg_2011_06.pdf
Genealogie der Eggenberger:
http://genealogy.euweb.cz/bohemia/eggenbg.html
Walther Ernst Heydendorff, Die Fürsten und Freiherren zu Eggenberg und ihre Vorfahren, Verlag Styria, 1965

Pfarrkirche, Christoph Welzer

Die Wappen der Freiherren und Fürsten von Eggenberg

Ortsregister - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright / Urheberrecht Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2012
Impressum
Bestandteil von
www.dr-bernhard-peter.de und www.heraldik-leitfaden.de