Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1655
Hartberg (Steiermark, Österreich)

Schloß Hartberg (Schloß Paar)

An der Nordwestecke der Altstadt kommt man an den Zugang zum Schloßareal. Am Ende der Herrengasse befindet sich das wappengeschmückte Tor zum Park. Das heutige Schloß zeigt durch das Nebeneinander verschiedenster Stile und Bauelemente deutlich, daß es das Werk vieler Epochen vom Mittelalter bis zur Moderne ist. Ursprung der Anlage war eine hochmittelalterliche Burg zur Grenzsicherung der Oststeiermark, die bereits 1147 Erwähnung findet. Aus dieser Zeit hat sich der Palas mit Spitzbogentor und mit drei Geschossen erhalten, insbesondere im nördlichen Teil erkennt man noch mittelalterliches Gemäuer. Der einstige Bergfried ist nur noch als Fundament nachweisbar.

Die Besitzverhältnisse waren im Laufe der Hartberger Geschichte kompliziert und häufig wechselnd, meist durch Eroberungen und andere Krisen ausgelöst. Im 15. Jh. folgten aufeinander Albrecht, Hans und Jörg von Neuberg seit 1436, Andreas Baumkircher seit 1469, Wilhelm Baumkircher seit 1487, Maximilian I seit 1490, danach Ferdinand I, Siegmund von Dietrichstein seit 1529. Diese ganzen Herren sollen hier nicht vertieft werden, zumal die heraldischen Elemente auf den nun 1571 folgenden Burgherrn verweisen: Johann Baptist von Paar, Hofpost- und Quartiermeister, übernahm damals die Burg als Pfand und baute sie 1576 bis 1584 im Renaissancestil zu einem behaglichen Wohnschloß um. Aus dieser Zeit stammen der große Rittersaal, das Biforenfenster am Palas, weitere Gebäude etc.

Auf Johann Baptist von Paar und seine Frau Afra geb. v. Haim verweisen Inschrift und Wappen am Parktor zur Herrengasse, auch wenn angemerkt werden muß, daß das nicht der Originalkontext ist, denn die Inschriftentafel unter der Jahreszahl 1589, die folgende Zeilen trägt: "JO(HANN) BAPTISTA V(ON) PARR FVR(STLICHER) DVR(LAUCHT) ERZHORZOG CARLS ZV OSTER(REICH) 1584 REYCHNDRATH (?) AFRA V(ON) P(AAR) G(EBORENE) V(ON) HAIM ZVM REICHENSTAIN SEIN GEMAHEL", stammt aus der ehemaligen, mittlerweile abgerissenen Schloßkapelle.

Afra Sidonia v. Haim war seine erste Frau, nach ihr ging Johann Baptist von Paar am 6.5.1590 in Leibnitz noch eine Verbindung mit Demutha v. Gleinitz ein. Die Kinder aus erster Ehe waren: Johann Friedrich Freiherr v. Paar, Anna v. Paar, Maria v. Paar, Rudolph Balthasar Freiherr v. Paar, Johann Christoph Graf Paar (-1636), Camilla v. Paar und Katharina v. Paar. Aus zweiter Ehe entstammte Vespasian Freiherr v. Paar.

Zwei nach innen gewendete Löwen halten jeweils einen Wappenschild. Optisch links, heraldisch rechts befindet sich der von Johann Baptist von Paar. Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: geteilt, oben in Silber ein schreitender roter Stier, unten von Gold und Blau (oder umgekehrt) fünfmal schräggeteilt, Feld 2 und 3: in Gold ein schwarzer, gekrönter Adler. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Un Seite: 470 Tafel: 344, Band: FstA Seite: 212 Tafel: 267-269, Band: Mä Seite: 94 Tafel: 73, Band: Bö Seite: 198 Tafel: 86, Band: NÖ1 Seite: 325 Tafel: 172. Die weitere Diskussion der Wappenentwicklung wurde anläßlich der Hartberger Mariensäule geführt.

Optisch rechts, heraldisch links befindet sich der Wappenschild von Afra Sidonia von Haim (Haym, Haimb, Haymb). Er ist geviert (Tinkturen nach Bartsch): Feld 1 und 4: in Silber ein von rechts aus einer blauen Wolke hervorkommender geharnischter Arm, der einen mit silberner Kette an der Unterarmschiene befestigten silbernen Pusikan (Streitkolben) in der Hand hält (Stammwappen Haim), Feld 2 und 3: in Schwarz ein aufspringender goldener Bär (Perner von Schachen, Perner von Rauhenschachen). Nicht dargestellt wird das Oberwappen, das wären (nach Bartsch) zwei gekrönte Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken sechs Straußenfedern, abwechselnd silbern und blau (Stammkleinod Haim), Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender goldener Bär (Perner von Rauhenschachen). Das Wappen wird weiterhin im Siebmacher wiedergegeben, Band: OÖ Seite: 86 Tafel: 31, Band NÖ1 Seite: 158 Tafel: 75-76, Band: OÖ Seite: 740 Tafel: 147-148. Variationsbreite in der Literatur: Pusikan und Kette werden darin auch als golden beschrieben, für das Stammkleinod werden auch nur 4 Straußenfedern angegeben. In den meisten Literatur-Darstellungen geht die Kette des Pusikans bis zum Ellenbogenblech.

Christoph Haimer, Sohn von Hanns Haimer und Felicitas Hufnagl, bekam am 14.5.1551 zu Wien von Ferdinand eine Wappenvermehrung mit dem Wappen der Perner von Rauhenschachen, die zuvor mit Christoph Haimers Schwager, Christoph Perner von Schachen, ausgestorben waren.

Eine Standeserhöhung erfolgte am 8.1.1582 für Hanns von Haimb zum Reichenstein, niederösterreichischer Regimentsrat, sowie für dessen Brüder Georg, Stephan und Christoph, allesamt Söhne des zuvor erwähnten Christoph Haimer, zu Wien durch Kaiser Rudolph II.; sie erlangten den Reichs- und den erbländischen Freiherrenstand. Diese Erhöhung erfolgte "sine armis", also ohne darin erwähnte Wappenbesserung. Dennoch führten die Haim seitdem ein weiteres Feld für die Reuter von Reitenau, das bereits schon die Perner von Rauhenschachen in ihr vermehrtes Wappen aufgenommen hatten, und einen zusätzlichen Helm.

Dieses spätere, freiherrliche, erheblich "gebesserte" Wappen ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in dreimal silbern-schwarz geteiltem Feld einwärts ein goldener Bär ("verbessertes" Wappen Perner), Feld 2 und 3: silbern mit vier blauen Balken, darüber pfahlweise ein goldenes Zepter zwischen zwei goldenen, voneinander abgekehrten Adlerköpfen mit Hals (stark verändertes Wappen Reuter), Herzschild: in Silber ein von rechts aus einer Wolke hervorkommender geharnischter Arm, der einen mit einer Kette an der Unterarmschiene befestigten Pusikan (Streitkolben) in der Hand hält (Stammwappen Haim). Drei gekrönte Helme, Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit blau-silbernen oder rechts schwarz-goldenen, links blau-silbernen Decken mehrere (4-7) Straußenfedern, abwechselnd silbern und blau (Stammkleinod Haim), Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender goldener Bär zwischen einem dreimal silbern-schwarz geteiltem Flug (erweitertes Kleinod Perner), Helm 3 (links): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein goldenes Zepter zwischen einem silbernen, mit 4 blauen Balken belegten und beiderseits mit einem abgewandten goldenen Adlerkopf mit Hals belegten Flug (erweitertes Kleinod Reuter). Dabei sind es insgesamt der "Besserungen" etwas zu viel, nicht nur sind einige der Stammwappen kaum wiederzuerkennen, sondern das Gesamtbild wirkt sehr unübersichtlich und unklar. Von diesen Entwicklungen ist hier am Tor jedoch noch nichts zu sehen.

Zurück zu den Freiherren von Paar: 1624 wurde das Schloß unter Rudolf Freiherr von Paar, Kämmerer und Generaloberst sowie Geheimrat, bisher nur ein Pfand, echtes Eigentum der Familie. Auch wenn das Anwesen jahrhundertelang von der Familie von Paar bewohnt wurde, kam es schon bald nach dem Eigentumsübergang zu einem Intermezzo: Wirtschaftliche Turbulenzen führten 1634 zur Pfändung der Herrschaft, wobei Hans Albrecht von Herberstein, 1641 Karl Graf von Saurau und 1682 Georg Adam Graf von Lengheim aufeinander folgten. Diesem sind wir bereits in einem anderen Kapitel als Erbauer des unweit des hier besprochenen Tores gelegenen Hofes begegnet. Im 17. Jh. wurden die zweistöckigen Arkaden des Ostflügels erbaut. 132 Jahre nach dem Verlust des Eigentums, nämlich 1756, kaufte die Familie von Paar ihren alten Besitz schließlich zurück; sie residierten aber nicht mehr hier, sondern in Wien. Seit 1981 ist die Stadt Hartberg Eigentümerin des Schlosses, und sie nutzt es nach der Renovierung für kulturelle und sonstige Veranstaltungen sowie als Bildungszentrum. Wie die Dekoration im zweiten Bild zeigt, kann das Schloß auch für Hochzeiten gebucht werden. Aus dem 20. Jh. stammt die Verglasung der zweistöckigen Pfeiler- bzw. Säulen-Arkadengänge.

Literatur, Links und Quellen:
Paar: http://www.coresno.com/aktuell/133-boehmen/2353-lex-paar.html
Paar:
http://de.wikipedia.org/wiki/Paar_%28Adelsgeschlecht%29
Paar, Haim und Talmberg in Hartberg:
http://books.google.de/books?id=TDo-AAAAcAAJ.....e
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Hartberg, Schloß Paar: http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Hartberg%20-%20Schloss%20Paar
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Bände Fürsten und Krain, Niederösterreich und Oberösterreich
Gerhard Stenzel, Lothar Beckel, Von Schloß zu Schloß in Österreich, Verlag Kremayr und Scheriau, 1987, ISBN-13: 978-3218002882, ISBN-10: 3218002885
Christian Steeb, Birgit Strimitzer, Günter Auferbauer, Die Schlösserstraße - ein kulturhistorischer Reiseführer, 1996, ISBN-13: 9783222124648, ISBN-10: 3222124647
Georg Clam Martinic, Österreichisches Burgenlexikon, Burgen und Ruinen, Ansitze, Schlösser und Palais, 1992, ISBN-13: 978-3852145594, ISBN-10: 3852145597
Johann Baptist von Paar:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Baptist_von_Paar
Haim: Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 34 Tafel 98
Schloß Hartb
erg: http://www.burgenkunde.at/steiermark/hartberg/hartberg.htm - http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Hartberg - http://www.schloesserstrasse.com/die-schloesser/schloss-hartberg/schloss-hartberg.html - http://www.austria-lexikon.at/af/Wissenssammlungen/Burgen_und_Schl%C3%B6sser/Steiermark/Hartberg,_Schloss

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