Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1650
Straßburg (Kärnten, Österreich)

Burg Straßburg, Bischofsportal

Burg Straßburg in Kärnten war lange Sitz der Bischöfe von Gurk. Die Burg wurde als Höhenburg mit einem ovalen Bering von ca. 80 m Länge und 60 m Breite angelegt (innere Ringmauer), und diese Dimensionen machen sie zu einer der größten Burgen Kärntens. Trotz aller Zerstörungen und Veränderungen sind mehrere aus dem 12. Jh. erhaltene Baugruppen heute noch zu sehen, im Westen der Faulturm oder Bergfried, der zugleich den Hauptzugang absichert, und im Osten die Kapelle nebst Festem Haus als erstem Wohnbau. Der Palas im Süden folgte im 13. Jh. Im 14. und 15. Jh. wurden an der Nordseite zwei Türme erbaut und an die nördliche Ringmauer außen angesetzt, Türme, deren Dimensionen über die reine Wehrfunktion hinausgingen und die Wohnräume enthielten. Etwa zur selben Zeit wurde der Westteil ausgebaut; ein "Kapellenraum" wurde innen an die Ringmauer gebaut. Im 16. Jh. wurde die Burg mit einer bastionsbewehrten äußeren Ringmauer verstärkt und wehrtechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Durch die weiträumige Umfassung entstanden Zwinger und eine Vorburg, die mit Wirtschaftgebäuden versehen wurde, darunter das Stall- und Kastengebäude (nächstes Kapitel).

Im Barock erfolgte eine weitgehende Umgestaltung zu einem repräsentativen Wohnschloß. Eine repräsentative Doppelstiegenanlage wurde an der Innenseite des mittelalterlichen Palas angebaut, Kastengebäude und Westtrakt wurden durch einen Gang miteinander verbunden. Anläßlich der barocken Umgestaltung wurde nicht nur das hier besprochene neue Hauptportal errichtet, sondern der gesamte Innenhof bekam eine zweigeschossige Arkaden-Ummantelung. Hinter den barocken Vorblendungen lugen im Norden noch die spätmittelalterlichen Wohntürme hervor.

Die mächtige südwestliche Zwingmauer der Burg Straßburg stammt vermutlich in dieser Form aus dem 15. Jh. Die eckige Verkröpfung im Grundriß läßt darauf schließen, daß einst hier ein Torturm den Zugang sicherte. Im Barock wurde die Torlösung verändert. Das neue Rundbogenportal wird von zwei Säulen auf hohen Basen flankiert und oben mit einem gesprengten Segmentbogengiebel abgeschlossen, der von einer Figurennische durchbrochen wird.

Die Figur ist eine Apotheose des Bauherrn, Bischof Johann VIII. Kardinal Goess (Bischof von Gurk 1675-1696), in seinem Amtsornat, in der Rechten den Krummstab haltend, in der Linken ein aufgeschlagenes Buch. Eigentlich wirkt die Statue proportional zu klein für die riesige Nische. Dieses Barockportal ist ein Werk des Bildhauers Johannes Payr aus St. Lambrecht; es wurde 1685 nach Plänen von Gabriel Wittini, einem Stukkateur aus Klagenfurt, errichtet.

Die Inschrift des Portals lautet "IOANNES VII. EPVSCOP (Episcopus) PRINCEPS GVPC (Gurcensis) F. F. AO (Anno) 1685". Am Scheitel des Torbogens ist das fürstbischöfliche Wappen angebracht, aus zwei symmetrisch aufeinander bezogenen Kartuschen bestehend. Die optisch linke Kartusche enthält das Wappen des Fürstbistums Gurk, gespalten, vorne in Schwarz ein silbern bewehrter goldener Löwe, hinten geteilt von Rot und Silber.

Die Verwandtschaft zum Salzburger Wappen ist unverkennbar, denn Gurk war ein Eigenbistum des Fürstbistums Salzburg. Wie beim Wappen des Fürstbistums Lavant entstand das Wappen des Salzburger Eigenbistums Gurk durch Abänderung des Wappens des Hochstifts Salzburg, in diesem Fall durch Invertierung der Farben in der heraldisch rechten Schildhälfte und durch Weglassung einer Teilungslinie in der heraldisch linken Schildhälfte, wodurch aus ursprünglich einem silbernen Balken in Rot nun eine rot-silberne Teilung wurde. Das Salzburger Eigenbistum Lavant wählte einen anderen Weg der Ableitung vom Salzburger Wappen: Aus der Spaltung wurde eine Schrägteilung, oben der schwarze Löwe in Gold wie bei Salzburg rechts, unten ein silberner Schräglinksbalken in Rot, also auch hier zwei Variationen des Vorbildes. Dieses Gurker Wappen ist unter Bischof Johann (1360-64) erstmals nachzuweisen. Ein auf den 11.1.1305 datierter Wappenbrief ist eine nachträgliche Fälschung aus dem Zusammenhang der Bemühungen der Gurker Bischöfe, sich durch gefälschte Unterlagen vom Mutterbistum Salzburg zu lösen.

Die optisch rechte, ovale Kartusche enthält hingegen das persönliche Familienwappen des Bauherrn, Fürstbischof Johann von Goess: Hauptschild geviert, Feld 1 und 4: in Blau eine gekrönte goldene Säule, Feld 2 und 3: in Rot ein golden gekrönter, silberner Löwe mit doppeltem Schwanz, Herzschild: in Gold ein golden bewehrter, schwarzer Doppeladler, zwischen den Köpfen eine goldene Kaiserkrone mit abfliegenden blauen Bändern, auf der Brust ein Schildchen mit dem schwarzen Namenszug „FII" (für Kaiser Ferdinand II, der der Familie das vermehrte Wappen unter vollständigem Ersatz des zuvor geführten Stammwappens verliehen hat). Hier ist der Namenszug in einem Brustschildchen; beim Familienwappen taucht er auch in goldenen Lettern ohne Schildchen direkt auf der Brust des Adlers auf. Auf ein Oberwappen wurde verzichtet. Alternativ zu dieser Anordnung wäre die Lösung mit einem Schildhaupt nach Salzburger Vorbild möglich gewesen; in dieser Form wird das Wappen im Gatz geführt, desgleichen im Siebmacher Band Bistümer. Daß die Originale formenreicher sind als die Literatur, erweist sich hier wieder einmal von neuem. Über den beiden ovalen Schilden schwebt ein Galero mit je 6 Fiocchi zu beiden Seiten in drei Reihen.

Die Familie Goess ist in das Habsburgerreich zugewandert und gehörte ursprünglich zum Brüsseler Patriziat. Sie nannten sich zuvor Goossens oder Goessen des Stammes Leeuw. Bevor die Familie jedoch in die Spanischen Niederlande kam, hatte sie ihre Wurzeln in Portugal, und die nannte sich zuvor de Troch, niederländisch de Trooch. Der mütterliche Name Goess wurde durch Johann de Troch a Goessen (1611-19.10.1696), Sohn von Peter de Troch (-17.1.1664) und Franziska Goessen (1585-2.8.1680), hinzugenommen und schließlich in verschiedenen Schreibweisen alleine geführt. Die Familie erlangte den Freiherrenstand am 1.1.1638, und den Reichsfreiherrenstand am 18.4.1654 zu Regensburg, und zwar war der Begünstigte eben dieser Johann de Trooch von Goessen, geb. 1611 in den Spanischen Niederlanden, Offizier, Diplomat, 1639 kaiserlicher Reichshofrat, der danach Fürstbischof von Gurk und Kardinal wurde und dieses Portal erbauen ließ. Als er 1675 zum Fürstbischof bestimmt wurde, war er übrigens noch Laie, und eilig holte er die Priesterweihe nach zwei Monaten nach, und die Weihe zum Bischof erfolgte im Jahr drauf. Der Reichsfreiherrenstand wurde am 2.6.1672/12.7.1672 auf die Brüder David Franz Freiherr de Trooch von Goess und Johann Peter de Gheteren, zugleich Neffen und Adoptivsöhne des Gurker Fürstbischofs, Söhne seiner Schwester Elisabeth de Trooch, ausgedehnt. Der Reichsgrafenstand wurde Johann Peter Graf v. Goess Freiherr zu Karlsberg u. Moosburg (23.3.1667-13.3.1716), kaiserlicher Gesandter und Minister, 1712-1716 Landeshauptmann von Kärnten, am 2.8.1693 zu Wien verliehen.

Das Familienwappen der Grafen von Goess wird u. a. im Siebmacher Band: Dal Seite: 139 Tafel: 63 beschrieben, ferner in den Bänden Krain, Dalmatien, Kärnten etc. Zum Familienwappen gehören drei gekrönte Helme: Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein golden bewehrter, schwarzer, gekrönter Doppeladler, auf der Brust den goldenen Namenszug „FII" (Kaiser Ferdinand II), Helm 2 (rechts): auf dem Helm mit blau-goldenen Decken eine gekrönte goldene Säule, Helm 3 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender, golden gekrönter, silberner Löwe mit doppeltem Schwanz. Zwei goldene, rotgezungte Löwen dienen als Schildhalter.

Fürstbischof Johann von Goess, von 1675 (Ernennung 30.10.) bzw. 1676 (Weihe) bis 1696 Fürstbischof von Gurk und ab dem 2.9.1686 Kardinal mit der Titelkirche San Pietro in Montorio, führte als Letzter von den Gurker Bischöfen auf Straßburg größere Bauarbeiten durch.

Das nächste Jahrhundert sah eine schwere Beschädigung der Burg durch ein Erdbeben 1767 und danach die Verlegung des Bischofssitzes, erst nach Pöckstein, dann nach Klagenfurt. Danach setzte der endgültige Niedergang der Burg ein, 1858 zerstörte ein durch Blitzschlag ausgelöster Brand die Dächer, und mangels finanzieller Mittel wurde es nicht repariert. 1904 folgte ein weiterer Brand. 1910 und 1915 stürzte als Folge der Schäden der mittelalterliche Palas im Süden den Hang herunter. Die verarmte Bevölkerung holte sich an Steinen, was man gebrauchen konnte, und die Bausubstanz wurde weiter dezimiert. Die Arkaden waren teilweise schon eingestürzt. Erst im 20. Jh. begann man mit der Sicherung und Wiederherstellung des Verbliebenen, nachdem 1954 die Durchführung eines aus Sicherheitsgründen erlassenen Demolierungsbescheides gerade noch abgewendet werden konnte. 1955 wurde der Verein der "Freunde der Straßburg" gegründet. Ende des 20. Jh. folgte die Restaurierung der Gebäude und ihre Wiederherstellung zur Nutzung als Museumsräume.

Position des besprochenen Wappensteines im Grundriß

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, S. 188 ff.
Hinweistafeln an Burg Straßburg
Grundriß in: Dehio, Kärnten, S. 686, Bodo Ebhardt I, Abb. 670, Kohla, S. 312, Tafeln vor Ort, ferner in: Friedrich-Wilhelm Krahe: Burgen des Deutschen Mittelalters, Grundriß-Lexikon, Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-219-4
Familie Goess:
http://www.coresno.com/aktuell/133-boehmen/3082-lex-goes.html
Familie Goess:
http://de.wikipedia.org/wiki/Go%C3%ABss_%28Adelsgeschlecht%29
Heinrich von Zeißberg: Goëß, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 323-326, online:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Go%C3%AB%C3%9F
Johann Zeno Graf Goëß: Göeß, in: Neue Deutsche Biographie, Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, S. 543 f., online
http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0001/bsb00016322/i...o=&seite=560
Johann von Goess:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_von_Go%C3%ABss
Bistum Gurk:
http://www.bistum-gurk.at/Strassburg/Geschichte/geschichte.htm

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