Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1647
Stubenberg am See (Steiermark, Österreich)

Pfarrkirche von Stubenberg am See:
Grabplatte für Hanns Drechsler auf Neuhaus

Eine der besten und künstlerisch interessantesten Wappendarstellungen an der Pfarrkirche von Stubenberg befindet sich auf der Südseite der Kirche ganz links, es handelt sich um die spätgotische Grabplatte für Hanns Drechsler ("Drächsler") auf Neuhaus, gest. 1454, und seine Ehefrau Margarethe. Bei diffusem Tageslicht kommt die künstlerische Feinheit der behauenen Rotmarmorplatte kaum zur Geltung (links Abb.), besonders gut treten die Konturen bei abendlicher Scheinwerferbeleuchtung der angestrahlten Kirche hervor (rechte Abb.).

   

Diese künstlerisch herausragende Platte, dem Bildhauer Hans Eybenstock aus Salzburg zugeschrieben, diente umgedreht von ca. 1760-1861 im Innenraum als Altarstufe. Als man die Qualität des Reliefs erkannte, mauerte man die Platte auf der südlichen Außenwand ein. Es fallen die typischen schlanken, gestreckten und eleganten spätgotischen Proportionen des unter einem zeittypischen Schulterbogen in die Rechteckform eingepaßten Wappens auf.

Hanns Drechsler (oder Drachsler), an den hier erinnert wird, hatte einst die Burg Stubenberg zu Lehen. Das von den Herren von Stubenberg errichtete Schloß diente nur kurze Zeit als Hauptsitz der Familie, danach wurde die Burg als Lehen im 14. Jh. an die Familie Drechsler gegeben, die aber teilweise auf Neuhaus wohnten. Ritter Hanns Drechsler, früherer stubenbergischer Verwalter auf Kapfenberg, wird 1455 auf Burg Neuhaus erwähnt. Unter Sigmund Drechsler, der Neuhaus 1506 bekam, brannte die Burg im Jahre 1541 nieder, wurde aber von Bernhard Drechsler, dessen Wappen man über dem Tor dort sehen kann, in der heute erkennbaren Form wiederaufgebaut. Die Familie Drechsler (Drachsler) ließ um 1581 das Schloß Stubenberg im Stile der Renaissance umbauen und in die heutige Form bringen. Schloß und Ländereien Stubenberg blieben bis 1632 im Besitz der Nachfahren, dann kam es durch Verkauf an Georg Ernst von Herberstein. Die nächsten Eigentümer von Stubenberg waren die Familien von Paar und Maschwander. 1655 wurde Stubenberg von Johann Maximilian Graf Herberstein erworben, 1815 von den Grafen von Wurmbrand-Stuppach.

 

Das hier komplett gewendete Wappen der Drechsler (auch: Drachsler, Bartsch "Dräxsler") zeigt in Silber einen roten Schräglinksbalken, daraus nach oben und unten je eine rote Rose mit beblättertem Stiel hervorwachsend. Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar silberner Büffelhörner, jeweils belegt mit einem roten Schräglinksbalken, daraus hervorwachsend je eine rote Rose, die Mündungen der Büffelhörner mit je drei Straußenfedern besteckt.

Im Bartsch wird die Helmzier etwas anders dargestellt, dort wächst die Rose am rechten Horn nach oben und am linken Horn nach unten und hat jeweils einen beblätterten Stiel, ferner sind die Mündungen mit Pfauenfedern (nicht umknickend, mit Spiegel) und nicht mit Straußenfedern (umknickend, ohne Spiegel) besteckt. Im Siebmacher ist das Wappen nicht enthalten, aber im steirischen Wappenschlüssel S. 201.

Man sieht hier auch gut das Prinzip der gewendeten Darstellung: Der Schild wird gespiegelt, so daß der Schrägbalken in die Gegenrichtung läuft und von schräglinks auf schrägrechts gespiegelt wird, während die Helmzier nicht gespiegelt wird, sondern je nach Motiv ggf. gedreht wird; der Balken auf den Büffelhörnern verändert seine Richtung daher nicht.

Details: Rose der Helmzier und Helmkrone.

Literatur, Links und Quellen:
Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 16 Tafel 106
Josef Kraßler: Steirischer Wappenschlüssel, Veröffentlichungen des Steiermärkischen Landesarchives Graz Nr. 6, 1968, 349 S.
Schloß Stubenberg:
http://www.von-wurmbrand-stuppach.com/schlösser/stubenberg/
Dr. Frank Schleicher, Geschichte von Schloß Stubenberg:
www.von-wurmbrand-stuppach.com/app/download/2748753220/Geschichte_Stubenberg.pdf
Burg Neuhaus bei Stubenberg:
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Neuhaus (bei Stubenberg)
Burg Neuhaus bei Stubenberg:
http://www.von-wurmbrand-stuppach.com/schlösser/neuhaus/
Schloß Stubenberg:
http://www.burgen-austria.com/Archiv.asp?Artikel=Stubenberg

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