Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1644
Friesach (Kärnten, Österreich)

Das Kanonikatshaus in Friesach

Das sog. Kanonikatshaus ist ein ehemaliger Pfarrhof von 1658. In die ansonsten schmucklose Nordwest-Fassade ist zwischen erstem und zweitem Obergeschoß über einem Doppelrundbogenfenster ein Wappen des Salzburger Fürstbischofs Max Gandolph von Kuenburg eingelassen. Im Bild der Seitenflügel, Ansicht von Süden.

Die Inschrift unter dem Wappen lautet: "MAXIMILIANVS GANDOLPHVS DEI GRATIA ARCHIEPISCOPVS SALISBVRGENSIS SANCTAE SEDIS APOSTOLICAE LEGATVS NATVS COMES DE KÜENBVRG HAS AEDES FVNDITVS AEDIFICAVIT ANNO DOMINI MDCLXXIIII". - Maximilian Gandolph von Gottes Gnaden Erzbischof von Salzburg und Legat des heiligen apostolischen Stuhles geborener Graf von Kuenburg hat dieses Gebäude gegründet und erbaut im Jahre des Herrn 1674. Der ehemalige Chorherrenhof, Salzburger Platz 1, wird heute als Wohnhaus genutzt.

Das Wappen des 1668-1687 regierenden Salzburger Fürstbischofs Maximilian Gandolph Graf von Kuenburg (30.10.1622-3.5.1687), dem dritten Familienmitglied auf dem Salzburger Bischofsstuhl (nach Michael von Kuenburg und Georg von Kuenburg), ist unter einem Schildhaupt geviert:

Hinter dem Schild steht senkrecht ein Kleeblattkreuz, Krummstab und Schwert fehlen, darüber schwebt ein Galero mit 2x6 Fiocchi in drei Reihen. Der Fürstbischof begann seine geistliche Karriere 1644 als Kanoniker; drei Jahre später wurde er Domherr. 1654 wurde er Präsident des Salzburger Konsistoriums. 1654-1664 war er Fürstbischof von Lavant, ferner Generalvikar für Ober- und Unterkärnten. Seinen nächsten Posten als Bischof bekam er in Seckau, 1664-1665 als Administrator des Bistums und 1665-1668 als Fürstbischof von Seckau und Generalvikar für die Steiermark und den Neustädter Distrikt. Schließlich wurde er am 30.7.1668 zum Salzburger Fürsterzbischof gewählt, und am 16.2.1686 wurde er Kardinal. Kaiser Leopold I. erhob ihn 1665 in den Reichs- und erbländischen Grafenstand.

Zum Familienwappen der zum Kärntner Uradel gehörenden von Kuenburg gehören folgende zwei gekrönte Helme:

Die Familie erhielt am 1.6.1600 in der älteren Linie zu Prunnsee den österreichischen und 1612/1.8.1613 den Reichsfreiherrenstand für die Linie zu Prunnsee und für die zu Ungersbach, am 2.9.1665 den Reichsgrafenstand für beide Linien. Die von Kuenburg waren Freiherren von Künegg. Seit 1669 sind sie Erbmundschenken des Hochstifts Salzburg. Die Linie zu Prunnsee blieb in der Steiermark und in Kärnten, während sich die jüngere Linie zu Ungersbach nach Böhmen und Mähren, Salzburg und Schlesien ausbreitete.

Das Wappen der von Steyerberg entstammt einer ehelichen Verbindung mit dieser Familie (Friedrich von Kuenburg und Magdalena von Steyerberg) und wurde 1468 in das vermehrte Wappen aufgenommen. Dazu folgende Abstammung des Fürstbischofs:

Das Wappen der von Kuenburg wird im Bartsch abgebildet, im Tyroff Bayern, im Tyroff österreichische Fürsten und Grafen, im Tyroff höherer Adel der deutschen Bundesstaaten, im Tyroff österreichische Monarchie, sowie im Siebmacher Band: Mä Seite: 65 Tafel: 50, Band: NÖ1 Seite: 250 Tafel: 129, Band: Bay Seite: 14 Tafel: 7, Band: Bö Seite: 138 Tafel: 66, Band: Gö Seite: 28, Band: Krai Seite: 11 Tafel: 10, Band: Kä Seite: 37 Tafel: 4, Band: Salz Seite: 30 Tafel: 12, Band: ÖSchl Seite: 38 Tafel: 20 beschrieben.

Literatur, Links und Quellen:
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, S. 500
Siebmacher, Band Bistümer
Tyroffsche Wappenbücher, Bayern, österreichische Fürsten und Grafen, höherer Adel der deutschen Bundesstaaten, österreichische Monarchie
Zacharias Bartsch, Steiermärkisches Wappenbuch (1567), Facsimile-Ausgabe mit historischen und heraldischen Anmerkungen von Dr. Josef v. Zahn und Heraldische Besprechung von Alfred Ritter Anthony v. Siegenfeld, Graz u. Leipzig, Ulrich Mosers Buchhandlung (J. Meyerhoff) 1893, Seite 62 Tafel 107
Christoph Brandhuber, Max Gandolf von Kuenburg, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band 26, Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8, Sp. 812–823
http://www.bautz.de/bbkl/k/kuenburg_m_g.shtml
Max Gandolph von Kuenburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Gandolf_von_Kuenburg
Max Gandolph von Kuenburg:
http://www.salzburgcoins.at/Landesfuersten/html/L11_gandolph.htm
Max Gandolph von Kuenburg:
http://www.salzburg.com/wiki/index.php/Maximilian_Gandolph_Graf_von_Kuenburg
Familie Kuenburg:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kuenburg
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Verzeichnis der Bischöfe und Erzbischöfe in Salzburg bis 1900 http://www.ubs.sbg.ac.at/sosa/erzbischoefe.htm
Kleine Salzburgische Chronik, nach 1624
http://www.ubs.sbg.ac.at/sosa/handschriften/MI104/MI104.htm

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