Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1640
Trier: Im Schatten der glanzvollen Kurfürsten

Sternstraße 6

Die Sternstraße verbindet zwei wichtige Plätze und Denkmalbereiche in Trier, den Hauptmarkt im Westen und den Domfreihof im Osten. Historisch verbindet diese kleine, enge Straße jedoch mehr als nur zwei Plätze, nämlich Bürgerstadt auf der einen und Bischofsbereich auf der anderen Seite. Denn hier endete die ovale, einst mit einer unter Erzbischof Ludolf errichteten Mauer umgrenzte Domfreiheit, die Domimmunität mit eigener Gerichtsbarkeit, und einst trennte hier ein Torbau beide Bereiche voneinander ab. Diese als Gegenpol zur Marktstadt auch Domstadt oder Domburg genannte Zone läßt sich heute noch im Straßenverlauf verfolgen, sie wird im Uhrzeigersinn begrenzt von der Palaststraße, der Grabenstraße, der östlichen Seite des Hauptmarktes und dem südöstlichen Teil der Simeonstraße im Westen, der Glockenstraße und der Flanderstraße, dann zog sie sich bis zur Schellenmauer im Osten, dann nach Süden bis zur Mustorstraße, um dann über die Sträßchen An der Meerkatz und Am Breitenstein wieder den Anschluß an den Ausgangspunkt zu finden. An diesem längst verschwundenen Torbau der Domfreiheit befanden sich zwei Wappensteine, die beim Abriß gerettet und in die Fassade eines späthistoristischen Bürgerhauses von 1897 integriert wurden. Das viergeschossige Gebäude mit Mansarddach und verklinkerter Fassade mit neobarocken Schmuckelementen aus Sandstein hat unten ein Ladenlokal und oben Wohnungen; es wurde für einen Gastwirt erbaut. Früher gab es mehrere solcher Torbauten, erst waren es richtige Tore, die verschlossen wurden, später im 16. Jh. wurde der Übergang in den Dombezirk nur noch mit unter den Bögen gespannten Ketten markiert. Auf einer Zeichnung von Gerhard Nauen aus dem Jahr 1571 sind insgesamt acht solcher Tore zu erkennen. Die meisten der Immunitätsbögen wurden 1798 abgebrochen, wobei zwei bereits früher durch barocke Lösungen ersetzt worden waren. In der Liebfrauenstraße überspannt auch heute noch ein flacher Bogen die Straße zur Markierung des Übergangs in die Domimmunität.

 

Der optisch linke der beiden etwa gleich großen und undatierten Wappensteine zeigt das Wappen des Domkapitels Trier, in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz, belegt in der Mitte mit einem aus Wolken hervorwachsenden Petrus, in der rechten Hand einen Schlüssel haltend, den Bart nach oben und rechts gerichtet, in der Linken ein Buch vor die Brust haltend. Weitere Beispiele für dieses Wappen finden sich an der Kanzel im Trierer Dom, an den rückwärtigen Gebäuden des Dom-Kreuzganges, an einem Wohnhaus in Pfalzel etc. Der optisch rechte Wappenstein gehört zu Fürstbischof Richard von Greiffenclau zu Vollraths (reg. 1511-1531). Der Schild ist vom Hochstift Trier und vom Stammwappen geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz (Hochstift Trier, Kurtrier), Feld 2 und 3: silbern-blau geteilt, belegt mit einer goldenen Lilienhaspel (Stammwappen Greiffenclau). Auf ein Oberwappen wurde verzichtet. Der Wappenschild des Domkapitels wird von Zierbändern begleitet; der des Bischofs von einem vierteiligen, geschweiften Lorbeerkranz.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.1, Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege: Stadt Trier, Altstadt, bearbeitet von Patrick Ostermann, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 2001, ISBN 3-88462-171-8, S. 350, S. 74.
Winfried Weber, Der Domfreihof - die Geschichte eines Platzes, Schriftenreihe des Trier Forums für sinnvolles Bewahren, behutsame Erneuerung und Entwicklung der Stadt und ihres Umlandes e.V., Band 4, hrsg. von Johannes Michael Nebe, Selbstverlag des Trier Forums e.V. Trier 1994.

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