Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1626
Mürlenbach (Landkreis Vulkaneifel, Rheinland-Pfalz)

Die Bertradaburg in Mürlenbach

Auf der westlichen Seite des Kylltales liegt mit der Bertradaburg eine Spornburg vom Kastelltyp auf einer Kuppe über dem Ort Mürlenbach. Nach Norden und Osten hin ist der Verlauf der Ringmauer mit den Wehrtürmen noch gut zu erkennen, nach Westen und Süden hin verlieren sich die mittelalterlichen Mauern in Wohnbauten und nachmittelalterlichen Befestigungen. Die dominanteste Gebäudeeinheit ist die weithin sichtbare und das Kylltal an dieser Stelle beherrschende Doppelturm-Toranlage aus dem vor Ort anstehenden rotbraunen Sandstein, die den Zugang von Westnordwest her kontrolliert. Eigentlich ist es sogar eine Dreiturmgruppe mit einem quadratischen Torturm und zwei runden Flankierungstürmen. Ein weiterer, nach innen offener Rundturm folgt im weiteren Verlauf der Mauer nach Norden, und dort befindet sich ein weiterer, vermutlich im 16. Jh. gebrochener Torzugang mit einem einfachen Rundbogen. Der Nordturm ist nach einem Teileinsturz 1934 vereinfachend wiederaufgebaut worden. Ein dritter Zugang liegt im Westen. Der Grundriß folgt einem unregelmäßigen Sechseck mit Schalentürmen an den Ecken.

1103 wird der Ort Mürlenbach als Besitz der Abtei Prüm erstmals genannt. 1331 wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt und als Besitz der Reichsabtei Prüm genannt, wobei eine frühere Gründung wahrscheinlich ist. Der Ort spielte strategisch durch seine Lage an der Römerstraße Köln-Trier eine Rolle, wobei aber ein bisweilen angeführtes Römerkastell hier bis heute nicht belegt ist, und im Mittelalter war er ein gegen die Landsherren in Trier gerichtetes Bollwerk. Der Name Betradaburg erinnert an die Vorfahren Karls des Großen. Dabei war Betrada die Ältere Karls Urgroßmutter und Stifterin der Abtei Prüm, und Bertrada (Berta) die Jüngere war Ehefrau Pippins und Karls Mutter. Der Zusammenhang zur Burg Mürlenbach ist unbelegte Legende, und auch wenn sich die Legende hartnäckig hält, eine der Bertradas habe hier gelebt oder Karl sei gar hier geboren worden, es läßt sich nichts von diesen phantasievollen Theorien belegen, die sich selbst bei Piper finden lassen. Auch sämtliche Versuche, der Burg ein wesentlich höheres Alter anzudichten, lassen sich nicht belegen, denn was wir sehen, entstammt dem 13. Jh. ff. Gerne halten wir jedoch fest, daß es sich vom Konzept her um eine für die Zeit sehr anspruchsvolle Burganlage handelt.

Die Konstruktion der Burg spricht für eine Entstehung im Laufe des 13. Jh., eventuell unter dem Prümer Abt Heinrich von Schönecken, vielleicht schon früher. 1331 wurde Matthias von Gunnenbrecht Burggraf in Mürlenbach. Mit Erzbischof Balduin von Luxemburg existierten komplizierte Abmachungen bzgl. Öffnung und Sicherheiten, eine politische Gratwanderung zur Wahrung weitestmöglicher Prümer Selbständigkeit. Als "Beschützer" versuchten die Trierer Erzbischöfe immer wieder, nach der Burg zu greifen. 1511 kam es sogar zu einem bewaffneten Konflikt zwischen dem Prümer Abt Robert von Virneburg (1476-1513) und dem Trierer Erzbischof Richard von Greiffenclau, und 1513 wollte der Trierer Fürstbischof den Tod des Prümer Abtes zu einem Handstreich gegen Mürlenbach nutzen, was jedoch gründlich daneben ging, weil der designierte Abt Wilhelm Graf von Manderscheid in weiser Voraussicht schweres Geschütz in die Burg gelegt hatte und zudem noch Hilfstruppen aus Malmedy in die Burg gelegt hatte, denn er war Abt von Stablo und Malmedy, und nach dem Abzug der enttäuschten Trierer verstärkte der neue Abt als Lehnsherr die Burg 1519 durch Verdickung der Mauern und einen zweiten vorgelagerten Bering und durch moderne Rondelle.

Doch die Zeit lief gegen Prüm. 1576 kam die Burg mit dem Ort Mürlenbach unter Jakob III. von Eltz (reg. 1567-1581) an die Trierer Fürstbischöfe, die wie oben beschrieben schon lange versucht hatten, diese Burg unter Kontrolle zu bringen. Und das, weil die ganze Abtei Prüm an die Trierer Fürstbischöfe fiel, mit all ihren Besitzungen, und quasi im Erzbistum Trier aufging, und nun der Trierer Fürstbischof in Personalunion Abt von Prüm war.

Der Wappenstein, der sekundär in das an die Doppelturm-Toranlage im Süden anschließende Wohnhaus (Nordfront des ehemaligen Palas) eingelassen ist, ist auf 1598 datiert und bildete einst den Schlußstein eines Torbogens, der die Zeiten nicht überdauert hat, entweder von einem Bau im Schloßhof oder von einem ehemaligen Türdurchgang in den Wohntrakten. Er zeigt das Wappen des Trierer Fürstbischofs Johann VII. von Schönenberg (reg. 1581-1599) in einfacher Form, geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein durchgehendes rotes Kreuz (Hochstift Trier, Kurtrier), Feld 2 und 3: in Schwarz drei (2:1) silberne Tatzenkreuze, Stammwappen von Schönenberg. Das Prümer Lamm ist hier nicht vertreten, obwohl es berechtigt gewesen wäre und in repräsentativeren Wappen dieses Bischofs auch vorkommt. Dieser Stein ist Zeuge davon, daß Johann VII. von Schönenberg die Bertradaburg weiter ausbauen ließ.

Nach der Besetzung durch französische Truppen und der Säkularisierung kam die mittlerweile zerfallene Burg, kurzerhand zum französischen Nationaleigentum erklärt, 1804 durch Verkauf in Privatbesitz (u. a. Landgerichtsrat Veling zu Aachen), wobei 1875 der ehemalige Palas vom Brauereibesitzer Kersten zu einem Brauhaus ausgebaut wurde. Leider wurde noch im 19. Jh. ein Westturm gesprengt, um den ehemaligen Graben zwecks Bau einer Straße aufzufüllen. Seit 1804 ist der Wohnbereich im Westen und Süden mit den Rondellen (westliche zwei Drittel der Burg) in privater Hand, die prachtvolle Doppelturm-Toranlage mit der nördlich angrenzenden Ringmauer (östliches Drittel der Burg) seit 1889 jedoch Staatsbesitz (seit 1970 staatliche Schlösserverwaltung). Diese einst 30 m hohe Doppelturm-Toranlage, die kunsthistorisch in einem Atemzug mit der der Kasselburg oder der der Burg Welschbillig zu nennen ist, zerfiel seit dem 17. Jh. und war in sehr ruinösem Zustand. Von außen gesehen war der linke Turm noch in guter Höhe erhalten, der rechte jedoch in den oberen Bereichen stark zerfallen, und das im Grundriß quadratische Zwischengebäude mit der auf einem Spitzbogen ruhenden äußeren Blende unterhalb des dritten Obergeschosses war stark beschädigt. 1990-1993 wurde der Bereich komplett aufgebaut, der Zwischenbereich neu aufgemauert und wieder mit einem Gewölbe versehen, die Türme auf die ursprüngliche Höhe gebracht und mit Kegeldächern abgedeckt, und danach wurde die angrenzende Wehrmauer, weiterhin das Südwestrondell aus dem 16. Jh. restauriert. Seit 1977 gehörte der private Teil der Burg Prof. Klaus Tiepelmann, Mitglied der Deutschen Burgenvereinigung und der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung, unter dessen Ägide die Wiederherstellung stattfand. In dem privat bewirtschafteten Teil der Burg können heute übrigens Ferienwohnungen gemietet werden.

Literatur, Links und Quellen:
Hinweistafel vor Ort
Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Kreis Prüm, 1927, S. 103 ff.
http://www.bertradaburg.de/burg.htm und http://www.bertradaburg.de/prospekt_burg.pdf
Michael Losse, die Bertradaburg in Mürlenbach, Jahrbuch Daun:
http://www.jahrbuch-daun.de/VT/hjb2000/hjb2000.76.htm
Michael Losse,
Burgenporträt: Die Bertradaburg in Mürlenbach an der Kyll. In: Burgen und Schlösser. Zeitschrift der Deutschen Burgenvereinigung e.V. für Burgenkunde und Denkmalpflege, 38. Jg., 1997/11, S. 74-89.
Michael Losse, Hohe Eifel und Ahrtal, 57 Burgen und Schlösser, Theiss Burgenführer, Konrad Theiss-Verlag Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1775-0

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