Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1620
Hildesheim (Niedersachsen)

Hildesheim, historischer Giebel am Domhof 30

Auf der Nordseite des Domhofs steht als Gebäudefragment ein einzelner Giebel ohne Haus dahinter, eigentlich wurde er nur wiedererrichtet als Träger dieses kuriosen Wappensteines, der sich heute über einer Durchgangspforte mit Metallgitter in der ansonsten fensterlosen Giebelwand befindet. Die Inschrift des Steines lautet: "GODEFRIDUIS CONRADUS A BOCHOLTZ EX STORMEDE ET HENNEKERODE CATHEDRALIUM ECCLAESIARUM HILDESIENSIS ET PADERBORNENSIS CANONICUS CAPITULARIS, DIACONUS, ARCHIDIACONUS IN BARUM, SATRAPA PEINENSIS CURIAM VETUSTATE COLLAPSAM RESTITUIT ET AMPLIAVIT ANNO MDCCL" - Gottfried Konrad von Bocholtz aus Stormede und Henneckerode, Kapitularkanoniker und Diakon der Dome (Kathedralkirchen) von Hildesheim und Paderborn, Archidiakon von Barum, Statthalter in Peine, hat die altersbedingt zusammengebrochene Kurie im Jahr 1750 wiederhergestellt und erweitert. Die Jahreszahl 1750 erklärt den Schock, der uns beim Anblick des Wappens erfaßt, stilistisch wie inhaltlich. Die in undefinierbare konvexe und konkave Rundungen aufgelöste Schildform wird von hinter und unter dem Schild hervorkommendem Zierrat aus Palmwedeln und blattartigem Elementen eingefaßt, dafür entfällt die Helmdecke komplett, und das Kleinod erscheint 90 Grad gegenüber der Blickrichtung des gekrönten Helmes verdreht, zudem sind beide unterproportioniert.

Statt des richtigen Wappens der niederrheinischen Adelsfamilie von Bocholtz (Siebmacher Band Old Seite: 2 Tafel: 1 sowie Band Pr Seite: 3 Tafel: 4, ferner bei Max v. Spießen im Westfälischen Wappenbuch), mit in Grün drei (2:1) silbernen Leopardenköpfen (bzw. hersehenden Löwenmasken), sehen wir hier hersehende, menschenähnliche, bärtige Antlitze mit hoher Stirn und menschlicher Nasen- und Augenpartie in Abwandlung des eigentlichen Motivs, zwar in gleicher Anordnung, doch eine ganz unglückliche Darstellung. Nur die Mundpartie erinnert noch ein wenig an Lefzen. Die Helmzier, ein sitzender silberner Schwan zu grün-silbernen Helmdecken, kann man hingegen wiedererkennen.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Sonnenaufnahme:
http://wiki-de.genealogy.net/Datei:D-31134-Domhof-Historischer-Giebel.jpg
Wappen in Hildesheim:
http://wiki-de.genealogy.net/Stadtgebiet_Hildesheim
Wappen im Domhof:
http://wiki-de.genealogy.net/Wappen_in_Hildesheim_-_Domhof
Christine Wulf, DI 58 / Nr. 216, Domhof 30 (no. 1217/18), in:
www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di058g010k0021605 http://www.inschriften.net/hildesheim/inschrift/nr/di058-0216.html
von Bocholtz: Otto Hupp, Münchener Kalender 1928, Verlagsanstalt München/Regensburg 1928.
von Bocholtz: Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983, Tafel 36 Seite 48
Hans-Peter Dege, ein heraldischer Spaziergang durch Hildesheim, Teil 2: Von St. Michael bis zur Hohen Domkirche St. Marien (Dom), Kleeblatt, Vereinsmitteilungen Nr. 1, 2010, S. 16-25.

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