Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1617
Hildesheim (Niedersachsen)

Hildesheim, Domhof 22

Das Anwesen im Domhof Nr. 22 ist die ehemalige Kurie Schorlemer, eines der früher rings um den Dom bestehenden Domherrenhäuser. Sie ist benannt nach dem Erbauer und Besitzer, Franz Wilhelm von Schorlemer zu Overhagen, Domkapitular zu Hildesheim und Drost zu Steinbrück und Schladen. Am 22.03.1945 wurde das Anwesen zusammen mit fast allen anderen Bauten rings um den Dom zerstört; der Wiederaufbau erfolgte stark vereinfachend, genau wie bei den angrenzenden Häusern. Über dem mit einem Gitter verschlossenen gemauerten Torbogen in der unverputzten hohen Kurienmauer befindet sich der alte Wappenstein des Bauherrn, der in jüngster Zeit farbig neu gefaßt wurde.

Zwei Löwen, deren Schwänze je einmal kreisförmig verschlungen sind, halten ein Allianzwappen aus zwei namentlich zugeordneten Schilden, die gemeinsam von einer Krone überhöht werden. Oben ist der Stein auf 1698 datiert. Zur heraldisch Rechten befindet sich das Wappen der von Schorlemer, in der aktuellen Farbfassung in Rot ein silberner Wechselzinnenschrägbalken, eigentlich schrägrechts, hier aus Courtoisie gewendet. Die hier nicht dargestellte Helmzier wären auf dem Helm mit rot-silbernen Decken drei goldene Tarsten (Schalmeien, Spickel, Tuben - je nach Quelle), oben je mit fünf grünen "Schilfblättern" (so nach dem Westfälischen Wappenbuch) oder schwarzen Hahnenfedern (so nach dem Siebmacher, vermutlich sind grüne oder schwarze Hahnenfedern die korrekte Interpretation, zumal schwarze in natura auch grünlich schillern können) besteckt. Otto Hupp zeichnet sie silbern mit goldenen Beschlägen und schwarzen Hahnenfedern. Das Wappen wird beschrieben im Westfälischen Wappenbuch, ferner im Siebmacher Band: Ost Seite: 414 Tafel: 161, Band: Pr Seite: 365 Tafel: 415, Band: PrA Seite: 82 Tafel: 61, weiterhin im Alten Siebmacher von 1605 und im Münchner Kalender 1927. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Varianten des Wappens dieses westfälischen Geschlechtes, die andere Variante mit invertierten Farben: Die im 18. Jh. ausgestorbene Linie zu Overhagen führte nach dem Westfälischen Wappenbuch in Silber einen roten, schrägrechten Wechselzinnenbalken, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken drei silberne Tarsten (Schalmeien). Die jetzt noch blühende Linie der Freiherren von Schorlemer führt den Schild jedenfalls rot und den Balken silbern, desgleichen die Objekte der Helmzier mit goldenen Halterungen und grünen oder schwarzen Hahnenfedern. Die Inschrift unter dem Wappen lautet: "FRANCISCUS WILHELM A SCHORLEMER EX OBERHAGEN CATHED(RALIS) ECCLES(IAE) HILD(ESIMENSIS) CANON(ICUS) POSUIT".

Das zweite Wappen ist das der Familie von Lansberg (= von Landsberg), es zeigt in Gold einen roten, silbern schräggegitterten Balken (ein roter Balken mit silbernem Schräggitter). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre nach dem Westfälischen Wappenbuch je nach Variante oder Linie auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein roter Fuchs zwischen zwei je nach Quelle grünen oder rot-goldenen Palmzweigen oder auch silbernen Flügeln oder ein goldener wachsender rotgezungter Fuchskopf, auf dem Hals belegt mit einem silbern schräggegitterten roten Balken.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Beschreibung des unrenovierten Zustandes:
http://wiki-de.genealogy.net/Datei:D-31134-Domhof-23.jpg
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Otto Hupp, Münchener Kalender 1927, München/Regensburg 1927.
Wappen in Hildesheim:
http://wiki-de.genealogy.net/Stadtgebiet_Hildesheim
Wappen im Domhof:
http://wiki-de.genealogy.net/Wappen_in_Hildesheim_-_Domhof
Hans-Peter Dege, ein heraldischer Spaziergang durch Hildesheim, Teil 2: Von St. Michael bis zur Hohen Domkirche St. Marien (Dom), Kleeblatt, Vereinsmitteilungen Nr. 1, 2010, S. 16-25.

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