Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1609
Mayen (Landkreis Mayen-Koblenz)

Genoveva-Burg Mayen

Die Genoveva-Burg ist eine ehemalige Kastellburg am südwestlichen Rand der Altstadt von Mayen auf einer Kuppe aus Devonschiefer, direkt am Rand der in Teilen wiederhergestellten, jedoch später als die Burg entstandenen Stadtmauer. Die Kernburg (Oberburg) ist eine von einer dicken mittelalterlichen Ringmauer umschlossene, unregelmäßig siebeneckige Baugruppe mit dem Bergfried (Goloturm) an der südlichen Ecke und drei weiteren Rund- bzw. Halbrundtürmen (früher Schalentürme, später ausgebaut). Der Bergfried (rechts im Bild) hat mit 27,55 m heutiger Höhe (in der Literatur finden sich stark voneinander abweichende Angaben, hier Maße nach Losse) und 10,34 m Basisdurchmesser und einer Mauerstärke von 3,70 m im untersten Geschoß beachtliche Dimensionen. Im Norden lag einst der von zwei Schalentürmen flankierte Palas, der heute schloßartig ausgebaut ist. Nach Süden und Osten grenzt eine weitere Baugruppe (Unterburg) mit Marstall und feldseitigem Torhaus an, aus dem heraus eine 20 m lange Bogenbrücke über den breiten ehemaligen Halsgraben führt, in dem heute die um die Altstadt führende Hauptverkehrsstraße (Boemundring) verläuft. Im Norden und Westen umgibt die Oberburg ein Zwinger, stadtseitig durch einen Batterieturm in der Nähe des Nordwestturmes verstärkt.

Bereits im Mittelalter war die ab 1280 erbaute Genoveva-Burg eine Wehranlage der Trierer Erzbischöfe, Sitz eines Oberamtes und sicherte als Territorialburg deren Interessen an der wichtigen Verbindung Trier-Koblenz durch die Eifel. Die Grenze zum benachbarten Erzbistum Köln war nahe, die Kölner ließen dafür Andernach befestigen. Fast 400 Jahre lang blieb die Landesburg bestehen, ohne ernsthaft beschädigt zu werden. Im 17. Jh. wurde die Burg während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688–1697) jedoch zerstört, 1673 sah sie sich zwar zum ersten Mal von französischen Truppen bedroht, konnte aber noch gerettet werden, jedoch 1689 wurde die Burg von den Truppen des Sonnenkönigs unter General Henri d’Escoubleau de Sourdis angezündet. Ein Wiederaufbau erfolgte erst ab 1701 unter Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck, wobei so viel wie möglich von den alten Strukturen verwendet wurde. Verantwortlich war Philipp Joseph Honorius Ravensteyn, der später kurtrierischer Hofbaumeister wurde. Der alte Palas wurde zeitgemäß im Stil des Barock wiederhergestellt, die Türme wurden geschlossen, und der Goloturm sowie die beiden Türme im Nordwesten und im Nordosten bekamen 1702 welsche Hauben, und danach ging man 1707 an den Ausbau des unteren Burghofes mit Marstall und Torbau. Letzter Bauabschnitt war das barocke Portal, das im Osten der Burg den Zugang zum unteren Burghof von Norden her kontrolliert, dieses wurde 1710 errichtet und trägt das fürstbischöfliche Wappen des Johann Hugo von Orsbeck (reg. 1676-1711), der bereits 1675 Bischof von Speyer und Propst von Weißenburg wurde und 1676 noch Erzbischof und Kurfürst von Trier dazu.

Das Wappen ist wie folgt aufgebaut:

Schwert und Krummstab, hinter der ovalen Kartusche schräggekreuzt, verweisen jeweils auf den Rang eines Fürstbischofs mit geistlicher und weltlicher Macht, in der Mitte dazwischen ein roter, hermelingestulpter Hut mit Reichsapfel mit goldenen Beschlägen und ebensolchem Kreuze, von dem hier ein Arm fehlt, für den Rang eines Kurfürsten.

Die zweite Zerstörung der Genovevaburg fand nach 1803 während der Zeit der französischen Besetzung des Rheinlandes statt, dabei wurde das Amtshaus als Steinbruch verwendet. Es folgten zweckentfremdende Nutzungen der Burgreste als Brauerei und Gasthaus, wobei der Bergfried als Getreidesilo umfunktioniert wurde. 1893 ff. kam es zur nächsten Bautätigkeit zur Zeit des Historismus, und der neue Käufer, Philipp Kohlhaas, ließ die Burg im Stil der Neorenaissance umbauen. Dabei ist der Ausdruck "Wiederherstellung" unangebracht, denn es handelte sich um eine völlige Neuschöpfung des Architekten Hermann Cuno auf alten Mauerzügen, der romantisierenden Phantasie der Zeit entsprechend. In keiner Weise wurde der Neubau des 19. Jh. dem gerecht, was wir unter denkmalpflegerisch einwandfreier Rekonstruktion verstehen, es war vielmehr der Neubau einer Villa auf dem Gelände der ehemaligen Burg. Ein Brand legte 1902 auch diesen Bau in Schutt und Asche, und der nun folgende Neubau unter Arend Scholten 1918 ff. bedeutete einen denkmalpflegerischen Paradigmenwechsel und orientierte sich immerhin erstmalig am Aussehen zur Zeit des 18. Jh. 1938 wurde die Genovevaburg Eigentum der Stadt Mayen. Mittelalterlich sind heute nur noch der Bergfried, Teile der Umfassungsmauern im Westen, Süden und Osten sowie Teile der drei Flankentürme.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
http://de.wikipedia.org/wiki/Genovevaburg
Michael Losse, Hohe Eifel und Ahrtal, 57 Burgen und Schlösser, Theiss Burgenführer, Konrad Theiss-Verlag Stuttgart 2003, ISBN 3-8062-1775-0
Grundriß:
http://www.ms-visucom.de/r30/vc_content/bilder/firma451/msvc_intern/508_23_20051024130532.gif - http://www.burgenwelt.de/genoveva/grneu.htm
Geschichte:
http://www.burgen-und-schloesser.net/rheinland-pfalz/genovevaburg/geschichte.html
Genovevaburg:
http://www.ms-visucom.de/cgi-bin/ebidat.pl?id=616 - http://www.burgenreich.de/burg%20genovevaburg%20info.htm
Burgfestspiele:
http://www.mayen.de/Kultur-und-Maerkte/Burgfestspiele/
F. Hörter, Die kurfürstliche Burg und das Eifeler Landschaftsmuseum, Rheinische Kunststätten 236, Neuss 1983
U. Liessem, Die Burg in Mayen, eine gotische Anlage westlicher Prägung, in: Burgen und Schlösser 1982/2, S. 2-6
U. Liessem, Die Genovevaburg, eine gotische Anlage westlicher Prägung, in: Beiträge zur Heimatgeschichte 7, 1995, S. 29-48

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