Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1608
Weesenstein (Gemeinde Müglitztal, Ost-Erzgebirge)

Schloß Weesenstein

Im engen Müglitztal im Erzgebirge liegt Schloß Weesenstein, ca. 7 km südöstlich von Pirna, effektvoll eingebettet in die Landschaft und von sehr malerischer Wirkung, wenn man um die Ecke biegt und sich dieses Schloß auf schroffem Felsen vor einem auftürmt, durch seine illusionistische Fassadenmalerei und die vielen großen Fenster einladend-wohnlich und durch Lage und wehrhafte Mauern unzugänglich-abweisend zugleich, bestens restauriert und mit vielfarbigen Pastelltönen eine ganze Landschaft an unterschiedlicher Herrschaftsarchitektur bildend. Geschickt wurde eine in das Tal reichende Bergzunge mit einer Burg umbaut, und diese Burg wandelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem Schloß, das den ganzen Berg mit Gebäuden aus verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Stilen umschließt, wobei die ältesten Teile wie etwa der Bergfried ganz oben zu finden sind und die jüngsten Bauteile wie die Orangerie ganz unten.

Die an einer alten Heer- und Handelsstraße gelegene Burg war im Mittelalter zuerst Eigentum der Burggrafen von Dohna (erste Erwähnung der Burg 1318), war damit Bestandteil der reichsunmittelbaren Burggrafschaft, kam dann aber nach dem Fall von Dohna und Kuckuckstein (Liebstadt) während der Dohnaschen Fehde (1389-1402) mit den größten Teil der linkselbischen burggräflichen Gebiete in den Besitz der Markgrafen und 1459 im Vertrag von Eger als Erbe der Krone von Böhmen an Kursachsen. Als Lehen und als Lohn für die Unterstützung während dieser Fehde wurde es 1406 an Günther von Bünau gegeben, einem treuen Vasallen und Heerführer der Markgrafen, womit eine dreihundertsechsundsechzigjährige Geschichte dieser Familie auf Weesenstein begann, und unter den von Bünau wandelte sich die Burg zum wohnlichen Schloß. Formal erlosch die böhmische Oberlehenshoheit jedoch erst mit dem Ende des HRR. Nach dem durch wirtschaftlich schwierige Verhältnisse erzwungenen Verkauf kam Weesenstein, das einstige administrative Zentrum des sächsischen Bünau-Gebietes, 1772 vom letzten Bünau auf Weesenstein, Rudolf VI., dem einzigen Sohn von Rudolf V. von Bünau aus der jüngeren Lauensteiner Linie und von Henrica Helena Vitzthum von Eckstädt, an die von Uckermann, dann 1830 an das sächsische Königshaus (König Anton von Sachsen, danach Johann von Sachsen, des Ersteren Neffe, danach Prinz Johann Georg), 1917 wurde Schloß Weesenstein an bürgerliche Besitzer verkauft (Alwin Bauer), kam dann 1933 an den Landesverein Sächsischer Heimatschutz, dann an die Gemeinde, schließlich an das Land Sachsen bzw. den Freistaat Sachsen, dem es auch aktuell gehört und der im Schloß ein Museum unterhält.

Die Hauptrichtung der Baugruppe ist von Nordwesten nach Südosten, und im Südosten liegt der einzige Zugang zum Burgfelsen, durch einen von einer Brücke überspannten Graben vom dahinterliegenden, an drei Seiten von Gebäuden umstandenen, rechteckigen Hof der Vorburg (Abb. unten) abgesetzt, die auf dem Abhang eines zweiten Berges mit symmetrischen Gebäuden errichtet wurde.

Im Westen und Südwesten liegen am Grunde des Tales die formalen Gärten im Stile des Barocks, angrenzend ein Landschaftspark. Eine geschickte Ausnutzung des Geländes ließ so eines der architektonisch eigentümlichsten Schlösser Sachsens entstehen, denn es wurde quasi von oben nach unten errichtet, und jede Erweiterung und Vergrößerung wurde außen entsprechend tiefer am Felsen angebaut, so daß es insgesamt acht Stockwerke hat und die einzelnen Bauphasen sich wie Jahresringe eines Baumes um den Felsen legen. Zu den wohnlichen Räumen des 16. und 17. Jh. steigt man von den Burghöfen herab statt hinauf, einer der ältesten Räume, der sog. Mönchsboden, liegt im achten Stock, eine Gruppe von ebenfalls sehr alten Räumen, die gewachsenen Fels als Fußboden haben, liegt im sechsten Stock, und die Ställe liegen von außen gesehen im dritten Stock, die Kellereien sogar im fünften, beide über dem Salon. Der klassizistische Wintergarten schließlich liegt ganz unten oberhalb der formalen Gärten.

Die Schloßanlage enthält drei Höfe, im Südosten befindet sich hinter den schiefergedeckten niedrigeren Flügeln des Torhauses (Abb. oben) und der rechts und links angrenzenden Gebäude ein trapezförmiger Hof (1. Schloßhof). Durch einen schmalen Gang bzw. Zwinger westlich der Schloßkirche gelangt man in einen hinteren Burghof (Brauhof, 2. Schloßhof) am nordwestlichen Ende, der von der Schoßbrauerei, dem Bankettsaal und der Schloßküche umgeben ist, und der dritte Hof (Kirchhof, 3. Schloßhof) östlich der protestantischen Schloßkirche bildet das Zentrum der höher gelegenen zentralen, ziegelgedeckten Baugruppe rings um den ehemaligen Bergfried, der als ältester Teil das gesamte Ensemble überragt. Sein Fuß wurzelt im gewachsenen Felsen. Gegen Ende des 16. Jh. wurde er mit drei Glocken ausgestattet (die zum Teil wappengeschmückt sind). Im Tal steht östlich des Burgberges noch die Schloßmühle und rundet das malerische Ensemble ab. Das Torhaus mit dem Hauptportal (Abb. unten) hat den schönsten architektonischen Schmuck von allen Teilen des Schlosses. Es ist auf 1575 datiert, wurde aber 1772 unter den von Uckermann restauriert und noch einmal Ende des 20. Jh. Die von Uckermann waren es auch, die den alten Zugang durch eine feste Steinbrücke mit zierlicher Balustrade ersetzten und den barocken Garten anlegten.

Insgesamt sechs Vollwappen befinden sich an dem Portal, zwei in der Mitte über dem Torbogen, gerahmt von einer Scheinarchitektur mit Dreiecksgiebel, rechts und links flankiert und voneinander getrennt von je einer kannelierten und mit einem ionischen Kapitell abgeschlossenen Wandvorlage. Diese beiden mittleren sind die größten Wappendarstellungen des Ensembles, und hier ist auch die Jahreszahl 1575 angebracht. Zwei kleinere Wappen flankieren diesen Mittelteil, und wiederum zwei weitere sind in den Bogenzwickeln darunter. Alle drei Wappenpaare zusammen stellen die Stammfolge der Bewohner dar von den Großeltern oben in der Mitte, den Eltern außen daneben bis zum zur Bauzeit aktuellen Schloßherrn in den Bogenzwickeln. So sieht man optisch links dreimal das gleiche Wappen und optisch rechts die jeweils unterschiedlichen Familien entstammenden angeheirateten Ehefrauen. Rechts und links des reich profilierten und verzierten Bogens befindet sich eine Pilasterstellung als äußerer Rahmen.

In der Mitte optisch links steht das Wappen für Rudolph II. von Bünau, "den Tetschener", auf Weesenstein, Brandis und Lauenstein (1465-1540), Ritter 1500, herzoglich sächsischer Amtmann zu Radeberg 1495, zu Schellenberg 1497, Hofmeister Herzog Heinrichs 1506, Rat und Hofmeister Herzog Georgs 1527. Für Rudolph II. wird in der Literatur als Todesdatum entweder 1543 oder auch 1544 angegeben. In Luthers Tischreden (Weimarer Ausgabe, Bd. IV, S. 189, Nr. 4944) wird jedoch sein Ableben schon für das Jahr 1540 verzeichnet, deshalb wird hier 1540 angegeben. Rudolph II. siedelte 1534 ins böhmische Tetschen über, nachdem er diese umfangreiche Herrschaft gekauft hatte, und begründete eine neue böhmische Bünau-Linie. Sein Schloß in Tetschen ließ er 1539 mit aufwendigen Fresken aus der Cranach-Schule schmücken. Weesenstein übergab er seinem Sohn Heinrich d. Ä. (1504-1570).

Das Wappen der meißnischen, lange Zeit in den Stiften Naumburg und Zeitz begüterten, weit verzweigten, in Sachsen und auch in Böhmen verbreiteten von Bünau ist geviert, Feld 1 rot-silbern gespalten, Feld 4 silbern-rot gespalten (hier in allen drei Darstellungen, so auch am Portal der Vorburg von Schloß Lauenstein, daneben existiert noch eine zweite Variante mit beiden Feldern in rot-silberner Spaltung z. B. im Alten Siebmacher, am Turm und am zweiten Portal von Schloß Lauenstein oder über der Kirchentür in Geising, sowie eine dritte Variante z. B. im Wappenbuch des Heiligen Römischen Reiches - BSB Cod.icon. 390 Nürnberg um 1554 - 1568, wo die Felder 1 und 4 beide silbern-rot gespalten sind), Feld 2 und 3: in Rot der Kopf eines goldenen Löwen vorwärts gekehrt (Leopardenkopf, Pardelkopf), im Rachen an der mittleren Blattspitze eine goldene Lilie haltend (in den meisten Darstellungen vorhanden, fehlt aber auch manchmal). Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein rechts roter, links silberner Flug, Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein roter Turnierhut, in dessen silbernem Stulp zwei goldengeschäftete grüne Pfauenwedel stecken (Siebmacher Band: PrGfN Seite: 31 Tafel: 23, Band: Bö Seite: 218 Tafel: 94, Band: AnhA Seite: 12 Tafel: 6, Band: MeA Seite: 20 Tafel: 10, Band: Wü Seite: 6 Tafel: 7, Band: Pr Seite: 103 Tafel: 135, Band: Sa Seite: 1 Tafel: 1). Wir sehen hier das gevierte Wappen; das Stammwappen entspricht Feld 2 und 3, und die Lilie mit dem hersehenden Löwenkopf findet sich bereits auf einem Siegel von 1367. Der allerfrüheste Nachweis von Löwenkopf mit Lilie datiert auf 1301. Je nach Darstellung dominiert mal die Lilie, mal der Löwenkopf, in ersterem Fall sieht es aus wie eine Lilie, deren mittleres Blatt mit einem Löwenkopf besteckt ist, in letzterem wie ein Löwenkopf, dem statt Zunge eine Lilie aus dem Rachen hängt.

Bei der Vermehrung ist bemerkenswert, daß das eigentliche Stammwappen zuerst, wie üblich und richtig, in die "besseren" Felder 1 und 4 kam, während die vermehrenden Inhalte in die verbleibenden Felder 2 und 3 kamen. Zwei Siegel an einer Urkunde vom 31.10.1487, eines für Günther von Bünau auf Teuchern, eines für Günther von Bünau d. J. aus der Linie von Droyßig, zeigen den Löwen mit der Lilie in den Feldern 1 und 4. Diese Darstellungen stellen das erste Auftreten des gevierten Bünau-Wappens dar. Doch dann kam es nur wenige Jahre später zu einem Wechsel, das Stammwappen wanderte auf die "nachgeordneten" Positionen 2 und 3, und die neuen Inhalte wanderten auf die Plätze 1 und 4. Ebenso steht nun der Stammhelm mit den Pfauenwedeln auf der nachgeordneten Position links, und so blieb es fortan, und so ist es auch hier zu sehen. Das erste Mal tritt diese neue Anordnung auf einem Siegel von Günther von Bünau zu Droyßig vom 28.12.1495 auf. Warum die korrekte Anordnung zugunsten der bleibenden Anordnung mit dem Stammwappen auf den nachgeordneten Plätzen aufgegeben wurde, wie sie sonst nur bei geistlichen Amtswappen oder bei Kombinationen mit wesentlich prestigeträchtigeren Inhalten vorkommen, darüber kann nur spekuliert werden, und die in der Lit. zu findenden Theorien erscheinen weit hergeholt.

Die in 15 Hauptstämme und 28 Nebenlinien verzweigte Familie hatte umfangreiche Besitzungen, wobei Weesenstein (1406–1772), Liebstadt (1410–1691) und Lauenstein (1517–1821/23) das sächsische Kernterritorium bildeten und Eulau (Jílové, im Okres Decín, 1527–1629), Blankenstein (Blansko, im linkselbischen Böhmischen Mittelgebirge, 1527–1628), Tetschen (Decín, im Ústecký kraj an der Elbe, 1534–1628) und Herrschaft Schönstein / Königswald (Libouchec) das böhmische Kernterritorium. Weitere Besitzungen des Geschlechtes waren Schloß und Rittergut Rödern (Ebersbach in Sachsen, 1413–1444), Rittergut Prossen bei Bad Schandau (1630–1678), Rittergut Pillnitz bei Dresden (1633–1694), Schloß Lichtenwalde in der Gemeinde Niederwiesa (1694–1719), Schloß Nöthnitz in in Bannewitz (1739–1762), Schloß Seußlitz in der Gemeinde Nünchritz u.v.a.m.

Über der Wappendarstellung ist noch ein interessantes, plastisch, aber nicht farblich hervorgehobenes Detail, ein Helm mit zwei schräggekreuzten Pilgerstäben, darunter ein Abzeichen, vermutlich einer Rittergesellschaft oder eines Ritterordens, mit einem allseits widergekreuzten Schrägkreuz, bewinkelt von vier schwebenden Kreuzchen.

In der Mitte optisch rechts steht das Wappen für Elisabeth von Starschedel (erw. 1504-1523, Tochter des Heinrich v. Starschedel zu Mutzschen), Ehefrau des vorgenannten Rudolph II. von Bünau.

Das Wappen der von Starschedel ist von Rot und Schwarz durch einen silbernen Schrägbalken (eigentlich Schrägrechtsbalken, hier abweichend ein Schräglinksbalken) geteilt, auf dem gekrönten Helm mit je nach Quelle rot-silbernen, schwarz-silbernen, rechts schwarz-silbernen und links rot-silbernen oder gemischt rot-silbern-schwarzen, hier durchgehend rot-silbernen Decken ein Flug, beiderseits von Rot und Schwarz durch einen silbernen Schrägbalken geteilt, eigentlich rechts schräglinks und links schrägrechts, hier beidesmal schräglinks (Siebmacher Band: Pr Seite: 390 Tafel: 437 etc.). Es handelt sich um ein sächsisch-meißnisches Geschlecht.

Außen optisch links steht das Wappen für Heinrich von Bünau d. Ä. (1504 - 1570), der nach dem Übersiedeln des Vaters nach Tetschen als ältester Sohn Weesenstein übernahm, Amtmann zu Meißen 1542, herzoglich sächsischer Rat, Landvogt zu Pirna 1548. Sein Wappen folgt der oben gegebenen Beschreibung.

Außen optisch rechts steht das Wappen für seine Frau Margarethe von Miltitz (Tochter des Sigmund von Miltitz zu Rabenau). Das Wappen der von Miltitz ist schwarz-silbern oder silbern-schwarz mehrfach geteilt, im hier vorliegenden Fall siebenmal von Schwarz und Silber, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarz-silbern ebensooft wie der Schild geteiltes Paar Büffelhörner. Die Anzahl der Teilungen schwankt je nach Quelle (Siebmacher Band: Pr Seite: 55 Tafel: 71, Band: Sa Seite: 39 Tafel: 44, Band: ThüA Seite: 65 Tafel: 51, Band: AnhA Seite: 82 Tafel: 48, Band: MeA Seite: 69 Tafel: 39, Band: PoA Seite: 61 Tafel: 37, Band: PrA Seite: 49 Tafel: 36, Band: SaA Seite: 108 Tafel: 70) zwischen sechs (dann in Silber drei schwarze Balken), sieben, acht und neun Teilungen. Der überwiegende Teil der Darstellungen im Neuen Siebmacher zeigt drei schwarze Balken in Silber, so ist es auch im Pommerschen Wappenbuch abgebildet. Im Alten Siebmacher sind es sieben Teilungen von Silber auf Schwarz. Die meißnische Uradelsfamilie, deren namengebender Stammsitz Miltitz heute ein Ortsteil der Gemeinde Triebischtal im Landkreis Meißen ist, ist übrigens eines Stammes und Schildbildes mit den von Maltitz; die Helmzier ist jedoch anders.

Von der Familie gibt es noch ein vermehrtes, freiherrliches Wappen (Band: Pr Seite: 55 Tafel: 71), geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Rot zwei schräggekreuzte eiserne (silberne) Gabeln (Fischspeere, Fischgere) mit goldenen oder holzfarbenen Stielen, Feld 2 und 3: in Gold auf grünem Berg ein ausgerissener, abgehauener Baumstumpf mit zwei grünen Lindenblättern, daran nach links aufspringend ein gekrönter, blauer Löwe, Herzschild: von Schwarz und Silber siebenmal geteilt (Freiherrenstand vom 25.10.1678 für den kursächsischen Kämmerer, Hof- und Justizrat Moritz Heinrich v. Miltitz, durch Kaiser Leopold I. zu Wien, königlich sächsische Anerkennung des Freiherrenstandes vom 7.11.1884, Freiherrenstands- und Wappenbestätigung vom 13.6.1885 für Alfred von Miltitz, Gutsherr auf Siebeneichen und Scharfenberg, königlich sächsischer Kammerherr und Zeremonienmeister, jeweils zu Dresden). Dazu zwei gekrönte Helme, Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarz-silbern mehrfach geteiltes Paar Büffelhörner, Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein gekrönter schwarzer Adler, in der rechten Klaue ein schwarz-silbern-golden geteiltes Banner haltend. Der Baumstumpf des Feldes 2 und 3 stammt aus dem Wappen der Grafen Taube, denn der in den Freiherrenstand Erhobene war mit Magdalena Sibylla Gräfin Taube vermählt.

Im optisch linken Bogenzwickel steht das Wappen für Rudolph III. von Bünau (1547 - 26.1.1626), auf Weesenstein, Blankenstein, Gräbchen, Grünewald. Sein Wappen folgt der oben bei seinem Großvater gegebenen Beschreibung, allerdings ist hier die Lilie unter dem Löwenkopf nicht vorhanden. Der Schloßherr war zwar zweimal verheiratet, doch blieb er kinderlos, und mit ihm starb die Weesensteiner Linie aus. Erbe und Nachfolger als Schloßherr auf Weesenstein wurde sein Großneffe Heinrich III. (- 1658) aus der Lauensteiner Linie.

Im optisch rechten Bogenzwickel steht das Wappen für Christiane von Schleinitz (gest. 1602, Tochter des Hans zu Schleinitz und der Ursula von Schleinitz-Seerhausen). Der vorgenannte Rudolph III. von Bünau hatte sie in erster Ehe 1571 geheiratet. Damit kommt als zeitlicher Rahmen für die Entstehung des Portals die Zeit 1571-1602 in Frage, was genau mit der angegebenen Jahreszahl 1575 übereinstimmt. In zweiter Ehe hatte Rudolph III. von Bünau 1605 Margaretha von Ponickau (Tochter des Loth von Ponickau zu Kriebstein und der Maria von Schleinitz) geheiratet.

Das Wappen der von Schleinitz ist von Rot und Silber gespalten mit vorne zwei pfahlweise gestellten und hinten einer Rose in verwechselten Farben. Es werden im Siebmacher (Band: Bö Seite: 261 Tafel: 120, Band: PrGfE Seite: 13 Tafel: 9 etc.) mehrere Varianten hinsichtlich der Anordnung beschrieben. Der Siebmacher von 1605 zeigt rechts silbern, links rot, her. rechts eine, her. links zwei Rosen. Das Wappenbuch des Heiligen Römischen Reiches (BSB Cod. icon. 390, Nürnberg um 1554 - 1568) hat rechts rot, links silbern, die Rosen aber gar 2:1 und die dritte unten auf der Spaltlinie in verwechselten Farben. An der Haßfurter Ritterkapelle findet sich das Wappen wie hier abgebildet tingiert, aber komplett gewendet, mit goldenen Butzen der Rosen. Die Helmzier zeigt hier ein silbernes rechtes und ein rotes linkes Büffelhorn, Helmdecken rot-silbern. Als alternative Helmkleinode findet man in der Literatur auch ein rotes rechtes und ein silbernes linkes Büffelhorn resp. eine rote oder silberne Rose zwischen einem silbernen Paar Büffelhörner angegeben, auch eine rote Rose zwischen einem rechts silbernen, links roten Paar Büffelhörner. Die ältesten Siegel (AD 1350) zeigen die Rose in der Helmzier nicht, sie scheint erst später bei der böhmischen Linie in Gebrauch gekommen zu sein, z. B. findet sie sich auch in dem preußischen Diplom von 1879, das Alexander Freiherr von Schleinitz, königlich preußischer Staatsminister und Minister des königlichen Hauses, den preußischen Grafenstand ad personam verleiht.

Abb.: Zwei Detailausschnitte mit ganz unterschiedlichen Darstellungen des hersehenden Löwenkopfes. In zwei der drei Darstellungen am Portal ist die Lilie gut zu erkennen, im dritten Fall fehlt sie.

Es sei an dieser Stelle die für Weesenstein relevante Genealogie der Schloßbesitzer angefügt. Die sich im 15./16./17. Jahrhundert rasant in Sachsen und Böhmen ausbreitende Familie ist ein Alptraum für Genealogen, weil es für die männlichen Familienmitglieder traditionell nur drei Vornamen gibt: Günther, Heinrich und Rudolph. Entsprossen mehr als drei Söhne einer Ehe, wurden die Namen mehrfach vergeben und durch d. Ä. /d. J. unterschieden. Dazu kommt, daß die Familie irgendwann so weit verzweigt war, daß die einzelnen Zweige untereinander eheliche Verbindungen eingingen, was die verwirrende Komplexität erhöht. Die Schloßherren aus der Familie, die z. T. hier durch Wappensteine repräsentiert werden, sind durch Fettdruck hervorgehoben.

Mehrere Kartuschen mit Bibeltexten finden sich am Portal, die beiden in den Bogenzwickeln in sehr schönen Renaissance-Kartuschen, die beiden oberen über den das Portal rechts und links begrenzenden Pilastern auf schlichten, goldgeränderten Tafeln. "DEINE RECHTE HAND SCHWECHT MICH VND WEN(N) DV MICH DEMVTIGEST MACHEST DV MICH GROS(S)" Tatsächlich steht in Psalm 18, 35-36 jedoch: "Und gibst mir den Schild deines Heils, und deine Rechte stärket mich; und wenn du mich demütigest, machst du mich groß." Stärken oder schwächen, ein entscheidender Unterschied!

"DEN(N) DVRCH I(H)N HABEN WIR DEN ZVGANG AL(L)E BEIDE IN EINE(M) GEIST ZV(M) VATTER". Epheser 2, 18: "Denn durch ihn haben wir den Zugang alle beide in einem Geiste zum Vater."

"VATER ICH WIL(L) DAS(S) WO ICH BIN, AVCH DIE SEI(E)N; DIE DV MIR GEGEBEN HAST". Johannes 17, 24: "Vater, ich will, daß, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebet, ehe denn die Welt gegründet ward." - "DIE ZEIT IST ERFVLLET VND DAS REICH GOTTES IST NAHE HERBEI KOMMEN THVT BVSSE VND GLEVBET AN DAS EVANGELIVM". Diese Stelle findet sich in Markus 1, 14-15: "Nachdem aber Johannes überantwortet ward, kam Jesus nach Galiläa und predigte das Evangelium vom Reich Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllet, und das Reich Gottes ist herbeikommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!"

Literatur, Links und Quellen
Siebmachers Wappenbücher
Martina Schattkowsky, Die Familie von Bünau: Adelsherrschaften in Sachsen und Böhmen vom Mittelater bis zur Neuzeit, Leipziger Universitätsverlag 2008, ISBN 978-3-86583-235-1, online:
http://books.google.de/books?id=Xa8wrIC0An0C
Geschichte der von Bünau:
http://www.von-buenau.de/geschi.html
Ahnenreihenwerk der Geschwister Fischer, Band 4, Ahnenreihen von Uradelsgeschlechtern Wettiner Lande, Teil 6, Ahnenreihen der Familien v. Bünau, v. Maltitz, v. Schönberg, bearbeitet von Fritz Fischer 1969
Ahnenreihenwerk der Geschwister Fischer, Band 4, Ahnenreihen von Uradelsgeschlechtern Wettiner Lande, Teil 18, Ahnenreihen der Familien v. Bose, v. Bünau (Berichtigungen), etc, bearbeitet von Fritz Fischer 1980
ein herzliches Dankeschön an Herrn J. v. Wackerbarth für wertvolle Hinweise
Die Herren von Bünau in Sachsen und Böhmen, Initiative für das Schloß Decin, 2006, 140 Seiten, ISBN: 80-239-6852-1
Familie v. Bünau:
http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCnau und http://www.von-buenau.de/
Legenden zur Familie v. Bünau:
http://de.wikisource.org/wiki/Warum_die_Fa........r%C3%BChrt
Richard Steche: Beschreibende Darstellung der älteren Bau - und Kunstdenkmäler des Königreiches Sachsen, Amtshauptmannschaft Pirna, Schloß Weesenstein:
http://www.slub-dresden.de/sammlungen/digitale-sammlungen/werkansicht/c...dcafb
v. Miltitz: Allgemeine deutsche Biographie & Neue deutsche Biographie (Digitale Register)
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016335/images/index.html?seite=548
Schloß Weesenstein:
http://www.schloss-weesenstein.de/ - http://www.schloss-weesenstein.de/pub/b/frame.asp?lg=1 - http://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Weesenstein
Hendrik Bärnighausen, Schloß Weesenstein, Edition Leipzig, 2003, ISBN: 3-361-00527-2
Geschichte von Schloß Weesenstein:
http://www.schloss-weesenstein.de/pub/b/frame.asp?m=10
Weesenstein: 700 Jahre Schloßgeschichte, Verlag der Kunst Dresden, Basel, 1995, ISBN: 3-364-00317-3
Bünau-Wappen: Wappenbuch des Heiligen Römischen Reiches - BSB Cod.icon. 390 Nürnberg um 1554 - 1568 http://codicon.digitale-sammlungen.de/Blatt_bsb00020447,00382.html
Bibelzitate:
http://www.wort-und-wissen.de/bibel/bibel.php?go=ps_18 - http://www.wort-und-wissen.de/bibel/bibel.php?b=49&c=2&vr=ulu - http://www.wort-und-wissen.de/bibel/bibel.php?b=43&c=17&vr=ulu - http://www.wort-und-wissen.de/bibel/bibel.php?b=41c=1&vr=ulu
Ein herzliches Dankeschön an Martin Arnold und Andreas Ströbl für wertvolle Hinweise zu Rudolph II. von Bünau.

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