Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1601
Oberwampach (Großherzogtum Luxemburg)

Ehem. Schloß von Oberwampach

Schloß? Mitnichten entspricht das, was wir in Oberwampach (lux.: Uewerwampech, gehört heute zur aus 17 Dörfern zusammengeschlossenen Großgemeinde Wincrange/Wëntger/Wintger in Nordwestluxemburg, Canton Clervaux, District Diekirch) vorfinden, dem, was man gemeinhin mit diesem Begriff "Schloß" assoziiert. Keine großzügige schloßähnliche Architektur, kein Prunk, keine Wehrelemente, keine Repräsentation - sondern einfach nur das höchste Dach im Ort, über zwei baufälligen und verwahrlosten, unbewohnten Stockwerken. Es ist eher das am meisten vernachlässigte Gebäude in dem kleinen Ort. Und doch gibt es Details, die den traurigen Rest der Anlage als einstigen Herrschaftssitz ausweisen, die auf solidem Unterbau nach oben führende Freitreppe zum mittig gelegenen Hauptportal und das seitliche Kellerportal mit der Jahreszahl 1548 im markant hervortretenden Schlußstein, über dem ein frisch restaurierter Wappenstein aus rötlichem Sandstein von 1580 einzementiert ist, während das profilierte Gewände des Torbogens sich nach unten zunehmend schadhaft im Unkraut verliert.

Die Inschrift des Steines lautet: "ALLEIN GOTT D(EM) HE(RRN) EHR(E) HENRICH V(ON) LACHEM GE(NA)NNT WAMPACH". Besagter Heinrich von Lachen war es, der das sog. Schloß im Jahre 1580 vollendet hatte, nachdem es von Friedrich von Lachen 1548 begonnen wurde. Es ist nicht der erste Herrschaftssitz am Ort, früher lag ein auf das 13. Jh. zurückgehender Herrensitz vis-à-vis auf der gegenüberliegenden Talseite als Flachlandburg in der Nähe der heutigen Pfarrkirche, die in ihrem meist verschlossenen Inneren übrigens sehenswerte Epitaphien birgt. Dieser heute heruntergekommene, landwirtschaftlich genutzte Komplex war früher eine mehr oder weniger fünfeckige Anlage mit ringsum verlaufender Mauer und mit vier Türmen, die alle verschwunden sind. Erste Herren des Ortes waren die von Wampach, von denen 1214 bereits ein Adon von Wampach erwähnt wird, 1312 ein Aubertin von Wampach. Sie waren Wiltzer Vasallen. Durch Heirat gelangte die Ortsherrschaft 1520 über Anna von Wampach an Friedrich von Lachen, eben jener, der genug von dem alten Gemäuer hatte und den neuen Herrschaftssitz an anderem Ort unter Verwendung alten Baumaterials in Angriff nahm, den Bau, den sein Sohn Heinrich vollenden sollte und an dem dieser ein Wappen seiner Eltern anbringen ließ, um auf den Besitzübergang wie in einer Art Legitimation hinzuweisen. Verheiratet war Heinrich mit Franziska von Roerich (Epitaph in der Pfarrkirche), deren Wappen hier nicht in Erscheinung tritt. Nach den von Lachen, nun genannt von Wampach, kam die Ortsherrschaft wiederum durch eine 1618 erfolgte Heirat an die de Cicignon (Annemarie von Lachen und Frédéric de Cicignon). Es folgten die Familien de Montflin-de Trappé, de Lemède de Jennevaux, die von Vogelsang, de Bomal, die Dunant, die Englebert und schließlich die Erpelding-Gils.

Das heraldisch rechte Wappen ist das der von Lachen genannt Wampach, in Schwarz ein silberner, mit drei roten Kugeln belegter Schrägbalken (frz.: de sable à la bande d'argent chargée de trois tourteaux de gueules), auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken nach Loutsch zwei schwarze Hörner (frz.: cimier deux cornes de sable). Das Wappen wird im Loutsch beschrieben. Es wird ferner im Loutsch eine Farbvariante mit schwarzen Kugeln erwähnt. Es handelt sich zweifellos um einen Zweig der rheinländischen Schliederer, Schliderer oder Schloderer von Lachen, der im Gruber beschrieben wird, dort stehen die Hörner der Helmzier golden auf einem schwarzen, silbern gestulpten Turnierhut, ebenso im Aschaffenburger Wappenbuch. Weiterhin wird das Wappen im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 177 Tafel: 182 beschrieben, dort besteht die Helmzier nur aus zwei goldenen Widderhörnern, ohne Hut.

     
von Lachen   von Wampach   von Wiltz   von Bourscheid

Das Wappen auf der heraldisch linken Seite ist das der von Wampach, von Silber, Rot und Gold halbgespalten und geteilt, in Feld 1 drei (2:1) rote Seeblätter (frz.: coupé, le chef parti d'argent à trois feuilles de nénuphar de gueules, et de gueules, la pointe d'or). Oder, anderer Blasonierungsansatz: Rot-golden geteilt mit einem silbernen Freiviertel mit drei (2:1) roten Seeblättern (frz.: coupé de gueules et d'or, au franc-quartier d'argent à trois feuilles de nénuphar de gueules). Auf dem Helm ein Flug, rechts silbern, links rot (frz.: cimier un vol parti d'argent et de gueules), oder - wie hier klar zu sehen ist - ein silberner Flug, beiderseits belegt mit drei (2:1) roten Seeblättern (frz.: un vol d'argent à trois feuilles de nénuphar de gueules), Farben sinngemäß ergänzt. Hier ist die Form der Seeblätter eher herzförmig. Dieses Wappenbild läßt einen hellhörig werden, wenn man die Wappenbilder der in dieser Gegend mächtigen und bedeutenden Familien Revue passieren läßt: Das Wappenbild der Wampach ist möglicherweise von der Entstehungsgeschichte her eine Kombination der Schildbilder der Herren von Wiltz (unter rotem Schildhaupt golden) mit dem der Herren von Bourscheid (in Silber drei (2:1) rote Seeblätter). Es stellt sich die Frage, ob die Kombination nun für einen Zweig der von Wiltz oder der von Bourscheid steht, was aufgrund der Helmzier klar zugunsten der letzteren entschieden werden kann, denn diese mit den Seeblättern belegten Flügel hatten die von Bourscheid ebenfalls, und entsprechend sollten die Helmdecken der von Wampach auch rot-silbern sein. Diese Herkunft des Wappenbildes aus einem Differenzierungsprozeß ist wahrscheinlich, und das Ausgangs-Wappenbild kam nach dieser Theorie entsprechend den üblichen Gepflogenheiten für eine wie auch immer begründete Seitenlinie der Bourscheid in das Freiviertel, und als Grundlage wählte man das Wappenbild der übergeordneten Herrschaft, denn die von Wampach waren Vasallen der Herren von Wiltz, so wurde z. B. 1462 Johann von Wampach von Gerhard von Wiltz mit Gütern belehnt im Umkreis der Orte Wiltz, Wampach, Noertringen und Erpeldingen (siehe Diskussion des Falles im Loutsch, weitere Abbildung des Wappens bei Zobel, Tafel 359). Diese Herren von Oberwampach dürfen übrigens nicht mit denen von Niederwampach verwechselt werden, welche ein anderes Wappen führten mit Sparren und Sternen.

Literatur, Links und Quellen
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Roger Bour, Taschenführer durch die Burgen und Schlösser in Luxemburg, Band 2
Artikel "Über Pfarrkirche und Schloßherrschaft von Oberwampach" in: Doyonné de Wiltz, Fête nationale du travail et de la Terre vom 13.9.1959.

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