Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1596
Dresden (Sachsen, Landkreis Nordsachsen)

Das Schloß in Dresden-Schönfeld

Das in Dresden eingemeindete Dorf Schönfeld liegt im Osten der Landeshauptstadt des Freistaates Sachsen im sog. Schönfelder Hochland. Im Ortskern befindet sich ein herrschaftliches Renaissance-Wasserschloß von bemerkenswerter künstlerischer Geschlossenheit und Symmetrie, das besterhaltene stilreine Renaissanceschloß im Dresdener Umland. Drei sich in West-Ost-Richtung erstreckende Kompartimente mit Volutengiebeln nach Westen und einfachen Dreiecksgiebeln nach Osten (drei Zwerchhäuser mit durchgehendem Dach) verschmelzen, durch kleine Zwischenstücke getrennt, zu einem sich in Nord-Süd-Richtung erstreckenden Rechteck, das nach Westen gerade abschließt, wobei dem mittleren Giebel aber noch ein im unteren Teil polygonaler, auf sechseckigem Grundriß erbauter, im oberen Teil jenseits des Hauptgesimses runder Treppenturm vorgelagert ist, dessen Kegeldach der höchste Punkt der ganzen Anlage ist. Dieser Turm enthält im Erdgeschoß das Hauptportal. Im Osten ist der Abschluß stärker durchmodelliert, der mittlere Teil springt vor, weiterhin befinden sich an den beiden Gebäudeecken kleine rechteckige Anbauten, die beiderseits der Ecke überstehen, die aber niedriger als die Dächer sind; es handelt sich dabei um Aborterker. So sind trotz aller Regelmäßigkeit und Symmetrie beide Längsseiten unterschiedlich, die Westseite als Schauseite repräsentativer und mit mehr Bauschmuck, die Ostseite architektonisch stärker durchmodelliert. Im Westen und Norden der Anlage befindet sich der Schloßteich, der das Wasserschloß einst ringsum umgab. Im Osten des Schlosses, wo nur ein schmaler Wassergraben von einer rückwärtigen Brücke überspannt wird, befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft die Kirche des Ortes. Im Westen befand sich jenseits des Schloßteiches einst der Wirtschaftshof, von dem nicht mehr viel zu sehen ist.

Dieses Schloß gehörte einst dem sächsischen Kanzler Dr. Georg Cracow. Dieser gebildete Humanist und politische Senkrechtstarter seiner Zeit, geboren am 7.11.1525 als Pfarrerssohn in Stettin, hatte ab 1538 in Rostock freie Künste, ab 1542 in Wittenberg (1546 Magister) und in Greifswald studiert und ab 1547 in Greifswald eine Professur für Mathematik und Griechisch inne. Danach wechselte er ab 1549 wieder an die Universität Wittenberg, studierte dort Rechtswissenschaften, promovierte 1554 zum Dr. iuris utriusque und bekam dort 1555 eine Professur für Römisches Recht, ehe er von August Kurfürst v. Sachsen (13.7.1526 - 12.2.1586) 1557 als kurfürstlicher Rat an den Hof zu Dresden geholt wurde. 1559 wurde er Rektor der Universität zu Wittenberg. Durch seine Tätigkeit als Rat, insbesondere durch seine Verhandlungen auf den wichtigen religionspolitischen Verhandlungen (1557 Worms, 1558 Frankfurt am Main, 1559 Reichstag in Augsburg, 1561 Naumburg, 1564 Worms), und von 1565 an als Kanzler brachte er es zu Ansehen und Wohlstand, so daß er sich 1568 das Rittergut Schönfeld leisten konnte (Vorbesitzer: von Ziegler, von Schönfeld, von Graupe, von Carlowitz, Herzog Moritz von Sachsen, Hofbaumeister Hans von Dehn-Rothfelser).

Des Rechtsgelehrten Frau war Sara Bugenhagen, die Tochter von Johannes Bugenhagen, einem Theologen und Reformator. Diesen Reformator hatte Cracow in seiner Wittenberger Zeit kennengelernt, und er, der sich stets den Glaubenslehren Martin Luthers verpflichtet fühlte und sich für diese einsetzte, war diesem zeitlebens eng verbunden. So war es auch Johannes Bugenhagen, der Georg Cracow seine erste Professorenstelle vermittelte. Sara Bugenhagen (7.4.1525-17.12.1563) war verwitwet (ihr erster, 1543 geehelichter Mann war Gallus Merckel alias Gallus Marcellus, der 1547 verstarb), als sie 1549 in Wittenberg Georg Cracow heiratete.

Doch wer hoch steigt, kann leider auch tief fallen. Der gelehrte Jurist wurde Opfer der theologischen Streitigkeiten seiner Zeit, und die Vermittlung in kirchenpolitischen Verhandlungen war ein Minenfeld zu dieser Zeit. Er konnte nicht verhindern, in den Ruf zu geraten, religiös abweichende Lehren zu vertreten, ein sog. Philippist und Calvinist zu sein und dadurch in Ungnade zu fallen, wozu seine in religiösen Dingen exponierte Stellung, seine politischen Gegner und ein jäher Gesinnungswandel des Kurfürsten beitrugen, und so wurde er am 13.7.1574 in seinem Schloß verhaftet und in den Kerker der Pleißenburg in Leipzig geworfen, wo er ohne Urteil am 16./17.3.1575 das Zeitliche segnete, ursächlich vermutlich an den Folgen einer peinlichen Befragung.

Zehn Jahre später wurde das herrschaftliche Schönfelder Anwesen von seinen Erben veräußert. Nur wenige Jahre lang konnte sich der Besitzer also an seinem Schloß freuen, und das war die Umbauzeit. Erst kam das Schloß an den kurfürstlichen Kammermeister Georg Schilling, dann 1611 an die von Loss, dann kam das Schloß 1644 über Ursula v. Loss (16.3.1625 - 4.6.1644) an ihren Mann Heinrich Freiherr v. Friesen (25.9.1610 - 14.5.1680), und von dieser Familie gibt es eine Heiratsverbindung zu Auguste Constantia von Cosel, der Tochter von August dem Starken und seiner Mätresse Gräfin Cosel. Die Freiherren von Friesen erloschen 1755 im Mannesstamm, und der Besitz Schönfeld war wieder vakant, und um das Erbe entbrannte ein jahrzehntelanger Streit. Als Besitzer werden genannt die Familien von Callenberg, von Lüttichau und von Solms. 1787 wurde das Rittergut von Kurfürst Friedrich August III., dem späteren König Friedrich August I. v. Sachsen (23.12.1750 - 5.5.1827), erworben und zum Kammergut bestimmt. Heute wird das Schloß als "Zauberschloß" als Ort für Zaubervorführungen genutzt mit einem Kabinett der Magischen Künste und einem Seancentheater im Keller und einem Zauberkunstmuseum.

Über dem Hauptportal befindet sich ein Allianzwappen des Schloßherrn und seiner Frau. Das schlecht erhaltene und am Rand ausgebesserte, optisch linke Wappen für Georg Cracow zeigt drei Schrägteilungen, die so angebracht sind, daß es wohl ursprünglich zwei Schrägbalken waren, auf dem Helm ein offener Flug. Feuchtigkeit und Verwitterung haben diesen Stein schwer leiden lassen. Das zweite Wappen zeigt einen Schild mit Spitze und drei (2:1) Bechern mit jeweils darüber schwebendem Stampfer, auf dem Helm desgleichen (Farben mir unbekannt). In der Literatur wird es oftmals als Bugenhagen-Wappen angesprochen, diese führten jedoch in Blau eine goldene Harfe, daher nicht zutreffend. Tatsächlich ist es das Wappen seiner zweiten Ehefrau, die er 1566 geheiratet hatte, nämlich das von Christine Dorothea geb. Funcke, in deren Besitz das Schloß 1575 nach dem Tod ihres Mannes kam und deren Wappen auch innen im Erdgeschoß nebst einem Monogramm C.D.C. 1577 zu finden ist. Diese passende Zuordnung nimmt Gurlitt vor, dem wir eine genaue Bauaufnahme und -Beschreibung verdanken.

Literatur, Links und Quellen
Siebmachers Wappenbücher
Matthias Donath, Jörg Blobelt: Altes und Neues Dresden, 100 Bauwerke erzählen Geschichten einer Stadt, edition Sächsische Zeitung, SAXO'Phon GmbH, Dresden 2007, ISBN 978-3-938325-41-4
Heinz Quinger: Dresden und Umgebung, Geschichte, Kunst und Kultur der sächsischen Hauptstadt, DuMont Kunstreiseführer, 5. Auflage 2007, ISBN 978-3-7701-4028-2
Zauberschloß Schönfeld
http://www.daszauberschloss.de/
Schloß Schönfeld:
http://www.dresdner-stadtteile.de/Nordost/Schonfeld-Weissig/Schonfeld/Schloss_Schonfeld/schloss_schonfeld.html
Besitzgeschichte:
http://www.archiv.sachsen.de/archive/dresden/4494_3130353630.htm - http://www.urlaub-reisen-dresden.de/dresden_schloesser_schloss_schoenfeld.php
Georg Cracow:
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Cracow
Theodor Muther, Cracow, Georg, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 540–543, online:
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Cracov,_Georg - http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00008362/images/index.html?seite=542
Hellmut Kretzschmar, Cracov, Georg, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 385 ff, online
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016319/images/index.html?seite=401
Johannes Bugenhagen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Bugenhagen
Julius Köstlin, Bugenhagen, Johannes, in: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB), Bd. 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 504–508, online
http://de.wikisource.org/wiki/ADB:Bugenhagen,_Johannes
Ernst Wolf, Bugenhagen, Johannes, in: Neue Deutsche Biographie (NDB), Bd. 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 9, online
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016319/images/index.html?seite=25
Cornelius Gurlitt,
Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, 26. Heft: Die Kunstdenkmäler von Dresdens Umgebung, Theil 2: Amtshauptmannschaft Dresden-Neustadt, C. C. Meinhold, Dresden 1904, S. 222 ff. Online: http://www.slub-dresden.de/sammlungen/digitale-sammlungen/werkansicht.....9f53a
Ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise an Herrn Johannes Weise

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