Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1579
Junglinster (Großherzogtum Luxemburg)

Pfarrkirche St. Martin in Junglinster:
Epitaph für Klemens von Orley

Mit der dritten Platte gehen wir eine Generation zurück, denn hier handelt es sich um Klemens von Orley, gest. 1.9.1539, den Vater des zuvor besprochenen Bernhard III. d'Orley und Schwiegervater der Juliana von Bulich. Der Aufbau ist etwas anders als bei den beiden vorherigen Platten, die Inschrift ist nicht als separate Tafel über der Bildfläche angebracht, sondern läuft in mehreren Abschnitten um den Plattenrand herum, vom Zentrum her zu lesen, und der obere Abschluß wird von einem offenen Helm zwischen zwei schildhaltenden Putten gebildet. Der bärtige Ritter wird in einer reich verzierten Prunkrüstung dargestellt, barhäuptig und mit zum Gebet gefalteten Händen vor einem muschelförmigen Zierelement, das die flache Nische oben abschließt. Hier treffen sich also noch gotische Merkmale wie die Art der Anbringung der Inschrift mit Renaissance-Merkmalen wie Muschelornament und Putten.

Die umlaufende Inschrift lautet wie folgt: "IM IA(H)R 1539 DEN ERSTEN DAG (TAG) SEPTEMBER IST VERSTORBEN DER EDELLEN KLEMANS VON ORLEY HER(R) ZO (ZU) LINSTER VND MEISENBORGH (MEISENBURG) DEM GOT(T) GENAD AMEN"

Im Gegensatz zu den beiden zuvor besprochenen Platten handelt es sich bei den vier Wappen der Ahnenprobe nicht um Vollwappen, sondern nur um Wappenschilde ohne Oberwappen. Die beiden oberen haben jeweils einen geflügelten, drallen Putto als Schildhalter.

Wappen heraldisch rechts oben, Wappen des Vaters (Bernhard I. von Orley, gest. 27.10.1492) und des Großvaters väterlicherseits (Wilhelm von Orley / Guillaume d'Orley, gest. 1460): v. Orley, in Silber zwei rote Pfähle. Helmzier wäre ein wachsender goldener Löwenrumpf (nach Gruber "Drachenrumpf") zwischen einem offenen schwarzen Flug. Helmdecken rot-silbern. Französischer Blason nach Loutsch: D'argent à deux pals de gueules, cimier une tête de lion d'or entre un vol de sable.
Wappen heraldisch links oben, Wappen der Großmutter väterlicherseits (Katharina von Elter / Cathérine d'Autel, Tochter von Huward von Elter und Ermesinde von Hollenfels; Huward (-1417) trat erst eine geistliche Laufbahn an, war Domher zu Trier, 1377 Propst von Arlon, wurde 1375 Herr zu Stirpenich und 1381 luxemburgischer Truchseß bzw. Seneschall; Ermesinde war die Tochter von Gobel von Hollenfels): v. Autel/Elter, in Rot ein durchgehendes, goldenes Kreuz, begleitet von 20 goldenen Schindeln, in jedem Winkel eigentlich 5 (2:1:2), die unteren Felder sind beschnitten. Die dazu gehörende Helmzier wäre ein wachsender Mannesrumpf, gewandet in ein wie der Schild bez. Kleid, auf dem Kopf ein niedriges Mützchen, im Siebmacher Luxemburg als roter Kardinalshut mit beiderseits herabfallenden Fiocchi beschrieben bzw. dargestellt, im Gruber als bärtiger Mannesrumpf mit golden gestulpter roter Mütze, das Kleid wie der Schild bez. Helmdecken rot-golden. Französischer Blason: De gueules à la croix d'or accompagnée de dix-huit billettes du même, cinq aux quartiers du chef, quatre aux quartiers de la pointe. Cimier un buste sans bras, coiffé d'un chapeau de cardinal de gueules, des cordons flottants, la figure de carnation, et habillé aux émaux de l'écu.

Wappen heraldisch rechts unten, in einem sechsmal geteilten Feld ein Löwe, französischer Blason: Burelé de 7 pièces, un lion brochant. Nicht verifiziert, Farben unbekannt, Hinweise willkommen. Nach der Literatur war die Großmutter mütterlicherseits Jeanne d'Enghien, wozu der Schild jedoch nicht paßt.
Wappen heraldisch links unten, Wappen der Mutter (Franziska v. Erkenteil / Françoise d'Argenteau) und des Großvaters mütterlicherseits (Reinard d'Argenteau): v. Erkentheill = d'Argenteau, in Blau ein mit 5 (1:3:1) roten Pilgermuscheln belegtes, goldenes, durchgehendes Kreuz, von 20 (4x 5(2:1:2)) goldenen Steckkreuzchen (widergekreuzten und fußgespitzten Kreuzchen) bewinkelt. Auf dem Helm wäre ein in den Schildfarben gekleideter Mannesrumpf mit roten Galero auf dem Kopf. Französischer Blason nach Loutsch: D'azur à la croix d'or chargée de 5 coquilles de gueules, cantonnée de 20 croisettes recroisettées, au pied fiché, d'or. Cimier un buste d'homme habillé aux armes de l'écu, coiffé d'un chapeau d'abbé de gueules.

Literatur, Links und Quellen:
Richard M. Staud, Joseph Reuter, Die kirchlichen Kunstdenkmäler der Dekanate Betzdorf und Grevenmacher, Luxemburg, Sonderdruck 1937, Verlag Ons Hemecht 1935/1936
Genealogie d'Orley: Walther Möller, Stammtafeln westdeutscher Adelsgeschlechter im Mittelalter, Neue Folge Band 2, Darmstadt 1951, Tafel 67
Genealogie d'Autel: Walther Möller, Stammtafeln westdeutscher Adelsgeschlechter im Mittelalter, Band 3, 1936, Tafel 110
Genealogien: Detlev Schwennicke, Europäische Stammtafeln zwischen Maas und Rhein 2, Neue Folge Band XXVI
Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum der Pfarrkirche von Junglinster mit freundlicher Genehmigung von Herrn Francis Erasmy, wofür ihm an dieser Stelle ganz herzlich gedankt sei.
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974, Publications Nationales Du Ministère des Arts et des Sciences, Imprimerie Saint-Paul, Société Anonyme, Luxembourg

Pfarrkirche St. Martin, Bernhard III. von Orley - Juliana von Bulich - Heinrich von Metzenhausen - Elisabeth von Elter - Kreuzaltar - Franziska von Bolant - Anna von Malberg - Totenschilde - barocke Epitaphien

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