Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1559
Forchheim (Oberfranken)

Forchheim: Rathaus und Magistrat

Im Forchheimer Zentrum bilden zwei besonders schöne Fachwerkbauten ein städtisches Ensemble, das Rathaus aus dem späten Mittelalter zur Linken und der Magistratsbau im Stil der Renaissance zur Rechten. Der Hauptbau des Rathauses wurde um 1402 auf steinernem Erdgeschoß in Fachwerk errichtet und ist damit älter als der gleich rechts daneben anschließende und erheblich stärker verzierte Magistratsbau von 1535. Das Rathaus wurde jedoch nachträglich 1523 mit figürlichen und szenischen Schnitzereien von Meister Hans Ruhalm aufgewertet, der auch den Magistratsbau erbaute und an diesem als figürliche Schnitzerei verewigt ist, bärtig und mit Zollstock in der Hand, ganz links im zweiten Oberschoß auf dem äußersten Ständer zu sehen. Auch sonst weist dessen Fassade reichlich phantasievolle Schnitzwerke auf. Beide Bauten zeigen im Erdgeschoß Arkaden, die früher offen waren.

An diesem Gebäudekomplex finden sich mehrere Darstellungen des Forchheimer Stadtwappens, welches in Rot zwei silberne Fische (Forellen) übereinander zeigt. Das ist ein uraltes Motiv, welches schon auf einem Siegel um 1280 auftaucht, das die zwei Fische zeigt, umrahmt von Zweigen mit Lindenblättern, mit der umlaufenden Inschrift "S(IGILLVM) COM(M)VNITATIS CIVIVM IN VORCHE(IM)". Die Wahl des Motives läßt sich durch eine Fehlinterpretation des Stadtnamens erklären - man ging lange davon aus, unterstützt durch die Lage an den Flüssen Wiesent und Regnitz, daß sich der Stadtname von "Forchen", also Forellen herleitete. Somit wäre das Wappen ein redendes. Das ist jedoch unzutreffend, denn tatsächlich kommt der Stadtname vom Wort "foraha" und bedeutet sinngemäß "Siedlung bei einem Föhrenwald". Das falsch-redende Wappen gibt damit nicht die korrekte Wortherkunft wieder.

Die Festlegung des Wappens der Stadt Forchheim auf die Farben rot-silbern ist relativ neu. 1555 wurde es wie heute in Fuggers Ehrenspiegel dargestellt, 1565 hingegen mit einem rot-golden geteilten Schild, und diese Teilung, entweder gold-rot oder rot-golden, begegnet uns vom 16. bis zum 18. Jh. immer wieder, und im 19. Jh. tritt das Stadtwappen mit blauem Schild auf. Weitere Variationen sind Wellenmotive im Schild (vgl. Siegel 1559-1650), oder daß beide Fische in unterschiedliche Richtungen schwimmen oder die Hinzunahme des Großbuchstabens "V" für die alte Schreibweise "Vorcheim". Daß die Richtung der Fische unterschiedlich gehandhabt wurde, belegen die vorhandenen Wappensteine, der eine von 1665 mit nach heraldisch rechts schwimmenden Fischen, der eine Stein von 1535 mit der Gegenrichtung, der andere auch dem gleichen Jahr wieder mit nach rechts schwimmenden Forellen. Die heutige Farbwahl geht auf die Darstellung in Fuggers Ehrenspiegel 1555 zurück. Im Siebmacher wird das Wappen in Band: St Seite: 202 beschrieben. Das Forellenmotiv taucht übrigens auch beim Landkreis Forchheim auf, allerdings in invertierten Farben: Über silbernem Schildfuß mit einem roten Fisch golden-rot gespalten, rechts ein linksgewendeter, mit einer silbernen Schräglinksleiste überdeckter, rot bewehrter, schwarzer Löwe, links ein schräggelegter silberner Schlüssel.

Dieser Wappenstein von 1535 an der westlichen Giebelseite des Magistratbaues zeigt zwei aufeinander bezogene Wappenschilde, die von einem in der Mitte stehenden, behaarten wilden Mann gehalten werden. Der heraldisch rechte Schild zeigt das Wappen des Bamberger Fürstbischofs Weigand von Redwitz (reg. 1522-1556), es ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, Hochstift Bamberg, Feld 2 und 3: siebenmal blau-silbern geteilt und belegt mit einem roten, hier schräglinken Wellenbalken, Stammwappen von Redwitz. Der heraldisch linke Schild zeigt wieder das Stadtwappen wie oben beschrieben.

Ein analoges Wappen des Fürstbischofs Weigand von Redwitz, ebenfalls auf 1535 datiert, finden wir auf der Vorderseite (Nordseite) des Magistratsbaus im Fachwerk am vierten Ständer von rechts gezählt im zweiten Obergeschoß. Normalerweise ist der Wellenbalken der Redwitz-Felder immer schrägrechts, die Annahme einer Wendung aus Courtoisie ist nicht plausibel, weil die Löwen nicht gewendet sind und auch die Plätze nicht vertauscht sind. Es können ästhetische Gründe diskutiert werden, so wie sich die beiden Schrägleisten der Bamberger Felder zu einer Diagonalen ergänzen, so tun es in dieser Darstellungsweise auch die Schrägwellenbalken.

Alle Deckenbalkenköpfe der Nordseite (Schauseite zum Platz) sind mit geschnitzten Wappen von Adelsgeschlechtern der Region verziert. Die Schnitzereien sind farbig gefaßt, wobei die Übereinstimmung jedoch nicht immer gegeben ist. Die acht im ersten Obergeschoß haben eine aufwendigere Schildform im Stile der Renaissance mit eingezogenen Seiten und geschweiften Kanten. Jeweils die Abbildungen von links nach rechts: vermutlich Dernbach (normalerweise in Blau drei deichselförmig zusammengestellte goldene Seeblätter, begleitet von goldenen Schindeln, hier Farben anders), Stiebar (normalerweise in einem silbern-schwarz geteilten Schild oben eine aus der Teilung hervorkommende rote Saufeder mit Querstange, hier Farben anders), Würtzburg (in Gold das Brustbild eines bärtigen Mannes, schwarz gewandet mit silbernem Kragenaufschlag, auf dem Kopf eine spitze, nach hinten umgebogene normalerweise schwarze Mütze mit silbernem Aufschlag, an der Spitze ein roter sechszackiger Stern, hier Farben anders), vermutlich Bebenburg (in Silber eine rote Burg mit zwei Zinnentürmen).

Löffelholz (in Rot ein silbernes, schreitendes Schaf oder Lamm, hier gewendet), Schenk von Stauffenberg (normalerweise in Silber ein roter Balken, oben und unten begleitet von einem blauen Löwen, hier farblich anders), Schönborn (in Rot auf drei silbernen Spitzen ein schreitender goldener Löwe, normalerweise gekrönt), Fuchs (in Gold ein aufspringender roter oder natürlicher Fuchs).

Die acht Balkenköpfe des Fachwerks im zweiten Obergeschoß haben ebenfalls Wappendarstellungen, wobei die Schnitzereien deutlich schlichter gehalten sind. Abb. von links nach rechts: Stadion (in Schwarz drei goldene Wolfsangeln (Wolfsanker) übereinander, jeweils mit dem Ring nach unten), vermutlich Voit von Salzburg (in Silber ein schwarzer Zickzackbalken, hier wie aneinanderhängende Rauten dargestellt), vermutlich Eyb (normalerweise in Silber drei (2:1) rote Jakobsmuscheln, hier farblich abweichend), Franckenstein (in Gold ein rotes Beileisen, normalerweise jedoch schräggestellt).

Künsberg (in Blau eine eingebogene silberne Spitze), vermutlich Brunn (normalerweise in Silber eine mit der Biegung nach oben gestellte, rote Fischangel, hier farblich abweichend), Erthal (geviert, Feld 1 und 4: in Rot zwei silberne Balken, Feld 2 und 3: ledig und blau), Rotenhan (in Silber ein schrägrechter roter Wellenbalken, oben links begleitet von einem roten Stern, hier gewendet).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Katharina Sitzmann: Stadt Forchheim (Denkmäler in Bayern, Band IV.53/1). Schnell & Steiner, München, Zürich 1989, ISBN 3-7954-1006-1
Daniel Burger, Forchheim, Großer Kunstführer Band 214, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1714-7
http://www.forchheim.de/content/magistratsbau und http://www.forchheim.de/content/rathaus
http://www.foracheim.de/cms.php?cmspid=57 und http://www.foracheim.de/cms.php?sid=0&lid=&tid=3&cmspid=58&p=5
Wappengeschichte:
http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/gemeinden/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9474126 und http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/gemeinden/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9474000

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