Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1552
Forchheim (Oberfranken)

Barock-Festung Forchheim: ehem. Neuwerk-Bastion

An der 1899-1900 errichteten alten Turnhalle (zugleich Aula) des Herder-Gymnasiums Forchheim (Luitpoldstraße 1) sind an deren östlichen Abschluß drei Wappensteine nebeneinander eingemauert. Sie stammen von der abgebrochenen St. Martini- oder Neuwerk-Bastion, die im Jahre 1683 das dort bisher befindliche Rondell aus der Renaissancezeit auf der Westseite der Stadt ersetzte. Hier sind die drei Steine direkt nebeneinander angebracht, doch im Originalkontext verzierten sie vermutlich einst die drei äußeren Ecken oder Seiten der Fünfeckbastion, der Fürstbischof als oberster Bauherr zwischen den beiden für diese Bautätigkeit wichtigsten Männern seines Fürstbistums.

In der Mitte ist das stark beschädigte Wappen des Bamberger Fürstbischofs Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1683-1693). Das Wappen ist geviert:

Über der Schildkartusche ruht die Kaiserkrone Bambergs (kaiserliche Stiftung), und hinter dem Schild schräggekreuzt sind Vortragekreuz (auf der rechten Seite) und Krummstab (auf der linken Seite). Die Inschrift ist stark verwittert und läßt die Jahreszahl 1683 erkennen.

Zur Linken wird der Stein flankiert von einem Wappenstein für Franz Konrad von Stadion. Das Wappen zeigt in Schwarz drei goldene Wolfsangeln (Wolfsanker) übereinander, jeweils mit dem Ring nach unten. Nicht dargestellt wird die Helmzier, statt dessen zieht sich eine Laubkrone über den oberen Schildrand, genau wie beim Pendant auf der anderen Seite. Die Inschrift läßt gerade noch den Namen erkennen.

Das fürstbischöfliche Wappen wird auf der anderen, optisch rechten Seite flankiert von einem Wappenstein für ein Familienmitglied der Voit von Rieneck, in Rot ein silberner Widder. In der Inschrift läßt sich neben dem Familiennamen wiederum die Jahreszahl 1683 erkennen.

Die ehemalige Turnhalle reicht längst nicht mehr für die Schüler aus. Heute wird sie von der Volkshochschule als Kursraum benutzt. In dieser Aula wurde übrigens 1959/60 teilweise der Film "Stadt ohne Mitleid" gedreht.

Abb.: Herkunft der beschriebenen Wappensteine

Literatur, Links und Quellen:
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Siebmachers Wappenbücher, insbes. Band Bistümer
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Katharina Sitzmann: Stadt Forchheim (Denkmäler in Bayern, Band IV.53/1). Schnell & Steiner, München, Zürich 1989, ISBN 3-7954-1006-1
Daniel Burger: Burg und Festung Forchheim, aus der Reihe: Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, Band 19, hrsg. von der Wartburg-Gesellschaft, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1658-2.
Daniel Burger, Forchheim, Großer Kunstführer Band 214, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1714-7
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9
Herder-Gymnasium Forchheim:
http://www.herder-forchheim.de/ und http://cms.herder-forchheim.de/panels/index sowie http://www.architekt-schoenfelder.de/alteaula/

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