Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1549
Forchheim (Oberfranken)

Renaissance-Festung Forchheim: Saltor-Bastion

Anlaß für den Ausbau Forchheims zur modernen Festung war der zweite Markgräflerkrieg (1552-1555) zwischen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach einerseits, der seine Vormachtstellung in Franken auszubauen suchte, und den katholischen Hochstiften Bamberg und Würzburg und der mit diesen verbündeten Reichsstadt Nürnberg und dem sich ihnen später anschließenden Moritz von Sachsen andererseits. 1552 wurde Forchheim vom Markgrafen erobert, zuvor hatte der Schultheiß Claus von Egloffstein vergeblich bei seinem Dienstherrn in Bamberg, Weigand von Redwitz, eine Verstärkung der noch aus dem Mittelalter stammenden Stadtmauern zu erreichen versucht, von der heute einzig der Sattlertorturm neben der "Kaiserpfalz" erhalten ist. Claus von Egloffstein hatte aus Enttäuschung über die Absage zuvor seine Ämter niedergelegt. Nun, da das Kind in den Brunnen gefallen war, brauchte ihn das Hochstift als Anführer der Truppen zur Rückeroberung, was noch im selben Jahr gelang. Jetzt war auch der Bischof überzeugt, daß man Forchheim mit modernen Befestigungswerken umgeben müsse. Der Markgraf indes rächte sich an dem privaten Besitz des Claus von Egloffstein in Kunreuth, dieser wiederum als Folge an dem markgräflichen Scharfeneck und Baiersdorf. Die Steine der markgräflichen Burg waren willkommenes Füllmaterial für die neuen Festungswerke (nur als Füllmterial oder für die Fundamente, denn die sichtbaren Steine selbst sind so sorgfältig behauen, daß sie nur für diese Stelle neu angefertigt sein können), die unter den Bischöfen Weigand von Redwitz (1522-1556), Georg Fuchs von Rügheim (1556-1561) und Veit von Würtzburg (1561-1577) in Angriff genommen wurden.

Bis ca. 1610 zog sich der Bau der Festung hin, bis dahin entstand eine Anlage mit vier Toren, zwei Fluß-Durchlässen und neben zwei Rondellen sechs formcharakteristische Bastionen, die an den Ecken zwischen den Kurtinen nach außen vorspringen, in ihrem Inneren Kasematten haben und zu beiden Seiten zahlreiche Schießscharten, die die Fläche vor den Kurtinen bestreichen können. Nach vorne sind seitlich überstehende, im stumpfen Winkel pfeilspitzenförmige Nasen angesetzt, deren überstehende Orillons die zurückgezogenen Flanken mit ihren Öffnungen vor Fremdbeschuß schützen. Das sind vom Typus her italienische Bastionen älteren Types, die hier zur Anwendung kamen. Die Brustwehr am oberen Abschluß hat breite Schießscharten für auf der oberen Abdeckung aufgestellte Kanonen. In Forchheim haben sich solche Bastionen im nordwestlichen Teil der Festung in der Nähe von Amtsgericht und "Kaiserpfalz" erhalten und kennzeichnen die erste Ausbauphase der Festung, die deutlich anders ist als die zweite Ausbauphase im Barock mit den Spitzbastionen, die in einem separaten Kapitel beschrieben werden. Erhalten sind die Saltorbastion und die St. Veit-Bastion sowie die dazwischen liegende Kurtine, die allerdings in der Mitte in Höhe des Amtsgerichtes abgesenkt wurde, ferner die an die St. Veit-Bastion anschließende Kurtine.

An der Saltorbastion, zu deren Kasematten der Eingang durch das mittelalterliche Stadttor führt, befindet sich an der nordöstlichen "Nase" oder "Bastionsohr" der Wappenstein des Bamberger Fürstbischofs Veit II. von Würtzburg (reg. 1561-1577). Das Wappen ist geviert:

Dazu werden zwei Helme geführt:

Zwei Löwen dienen hier als Schildhalter. Zusätzlich zu den Helmen und ihren Kleinoden finden wir hinter dem Wappen schräggekreuzt Vortragekreuz und Krummstab. Von der Zeit der Fertigstellung (1577/78) her wurde diese Wappentafel posthum als Gedenkstein angebracht, dem Bischof zu Ehren, der den Bau veranlaßt hat, so wie auch der Name der Nachbar-Bastion an ihn erinnert. Das Relief ist ein Werk des Bildhauers Hans von Wemding.

Renaissance-Festung Forchheim: Bastion St. Veit

Trotz der nach dem Markgrafenkrieg auch von allen Beteiligten als dringend eingestuften Notwendigkeit des Festungsausbaus zog sich dieser über ein halbes Jahrhundert hin. Man begann mit den Kurtinen im Nordosten und im Norden beim Bamberger Tor, dann folgte das neue Rondell im Nordosten. Der Schutz des Bamberger Tores war 1560 vollendet. Dann wurde bis 1567 das Reuther Tor geschützt, das Nürnberger Tor wurde 1567-1570 befestigt, und danach baute man im Uhrzeigersinn weiter bis zum Rondell beim Kastenhof, und um 1578/79 arbeitete man am Sattlertor, bis 1582 an der Bastion am Faulturm. Im linken Bild sieht man die zurückgezogene Flanke der Bastion St. Veit mit ihren vier Schießscharten, die von den dahinter liegenden beschußsicheren Gewölben aus bedient wurden. Auf der gegenüberliegenden, längeren Seite sind es jeweils drei in einer Reihe. Ein langer Gang führt von innen durch den Wall in eine der beiden Kasematten, die durch eine ca. 2 m starke Trennmauer separiert werden. In der Spitze jeder der beiden Renaissance-Bastionen ist ein kleiner Brunnen. Deutlich sieht man die vorspringenden Orillons, die die Schießscharten gegen Feindbeschuß von vorne sichern. Im rechten Bild sieht man die beiden im stumpfen Winkel aufeinanderstoßenen Facen der Bastion, wobei die rechte das fürstbischöfliche Wappen trägt.

Auf der rechten Face der Bastion ist ein Wappenstein für den Bamberger Fürstbischof Georg Fuchs von Rügheim (1556-1561) angebracht. Das Wappen ist geviert:

Dazu werden zwei Helme geführt:

Anmerkung: In der Literatur findet sich die Angabe, es handele sich um das Wappen des Bischofs Weigand von Redwitz, und nach Fehlerfortpflanzungsgesetz schreiben weitere Quellen davon ab. Dies ist unzutreffend. Erstens war jener Bischof (reg. 1522-1556) der Vorgänger des richtigen Bischofs und liegt noch weiter von der angegebenen Jahreszahl 1562 entfernt, zweitens, und das ist das Entscheidende, führen die von Redwitz einen Wellenschrägbalken über einem mehrfach geteilten Schild, was hier eindeutig nicht gegeben ist, außerdem einen wachsenden Einhornrumpf als Helmzier, was auch nicht vorliegt. Tatsache ist jedoch, daß das angegebene Jahr außerhalb der Regierungszeit des Bischofs Georg Fuchs von Rügheim liegt. Vermutlich handelt es sich wie bei der benachbarten Bastion um einen Gedenkstein, so daß also nachträglich der Bischof Georg Fuchs von Rügheim zu Ehren kam. Weiterhin sei angemerkt, daß die Helmzier nicht dem üblichen und in der Literatur zu findenden Fuchs-Kleinod entspricht (sitzender Fuchs, auf einem Turnierhut, ohne Flügel). Die Fuchs hatten sehr viele verschiedene Linien, nach Kneschke hatten die 1690 erloschenen Fuchs von Dornheim gen. Sontheim 10 Nebenlinien, die um 1660 erloschenen Fuchs von Rügheim fünf Nebenlinien, und die Fuchs von Bimbach hatten deren mindestens drei. Die Nebenlinien der Fuchs von Wonfurt und Rügheim waren die zu Haßfurt, Leuzendorf, Schweinshaupten, Burgpreppach und die zu Hohenrieth. Vermutlich ist diese Abweichung mit der Differenzierung einer bestimmten Linie zu begründen.

Um 1610 kann man den Ausbau der Renaissancefestung als vollendet ansehen. Keinen Augenblick zu früh, denn im selben Jahr trat der Bamberger Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen der Katholischen Liga bei, was die Einquartierung zusätzlicher Truppen bedeutete. Der Dreißigjährige Krieg brachte 1631 ff. die Belastungsprobe für die Festung, in die sich der Bischof Georg Fuchs von Dornheim selbst zurückgezogen hatte, denn Bamberg selbst war nur schwach befestigt und 1632 vom schwedischen General Horn eingenommen worden. Neben dem Bischof weilte 1632 auch Kurfürst Maximilian I. von Bayern selbst in der Festungsstadt, denn die Festungen in Kronach und Forchheim waren nicht nur die Schlüssel zum Hochstift Bamberg, sondern auch zu Bayern. Zwei Jahre lang gab es nur kleinere Kämpfe, ein großer Artillerieangriff auf Forchheim erfolgte 1634, nachdem die Schweden in den Burker Bergen Belagerungsbatterien angelegt hatten. Eingenommen wurde Forchheim jedoch nicht, die heftige Gegenwehr und der Schutz durch den Befestigungsgürtel verhinderten dies erfolgreich.

Abb.: Lage der beschriebenen Wappensteine

Literatur, Links und Quellen:
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Siebmachers Wappenbücher, insbes. Band Bistümer
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Katharina Sitzmann: Stadt Forchheim (Denkmäler in Bayern, Band IV.53/1). Schnell & Steiner, München, Zürich 1989, ISBN 3-7954-1006-1
Daniel Burger: Burg und Festung Forchheim, aus der Reihe: Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, Band 19, hrsg. von der Wartburg-Gesellschaft, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1658-2.
Daniel Burger, Forchheim, Großer Kunstführer Band 214, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1714-7
http://www.foracheim.de/cms.php?sid=0&lid=&tid=3&cmspid=58&p=6

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