Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1548
Forchheim (Oberfranken)

Das "Lapidarium" in der "Kaiserpfalz" von Forchheim

Im ersten Kapitel zu Forchheim wurden Wappenreliefs vorgestellt, die in die Mauern der Gebäude eingelassen sind und in baulichem Kontext stehen. Das ist aber nicht alles, was es in der sog. Kaiserpfalz zu sehen gibt, denn rings um den Innenhof sind viele weitere Reliefs aufgestellt, die von den ehemaligen städtischen Befestigungsanlagen stammen und bei deren Abtragung hierher gerettet wurden. Nur im Norden und im Westen der Altstadt haben die Festungswerke die Zeiten überdauert, im Osten und Süden sind sie bis auf wenige Spuren verschwunden. Von diesen Befestigungswerken wurden einige Steine gerettet und hier aufgestellt. Wiederum andere gingen verloren oder kamen ganz woanders hin, wie z. B. die Löwen mit Franckenstein-Schilden, die einst bis 1875 am Reuther Tor der Stadt Forchheim aufgestellt waren, aber dann von Freiherr von Franckenstein für sein Schloß in Ullstadt (siehe dort) erworben und dort als Torpfostenbekrönung aufgestellt wurden. Dort passen sie absolut gut in den Kontext, es war ja auch der selbe Bauherr von Schloßanlage einerseits und Reuther Tor andererseits, doch fehlen sie in Forchheim. Nach dem Untergang der alten Fürstbistümer zugleich mit dem Heiligen Römischen Reich kam Forchheim an Bayern und blieb Festungsstadt. Die Festung reihte sich ein in die Liste der bayerischen Festungen Würzburg (Festung Marienberg), Kronach (Veste Rosenberg), Schnaittach (Festung Rothenberg) und Weißenburg (Festung Wülzburg), dazu Germersheim, Ingolstadt und die Landesfestung Landau. Erst 1838 verlor Forchheim seinen Festungsstatus, aber die Festungswerke tastete man vorerst nicht an, auch wenn sie nicht mehr vom Militär, sondern von der Finanzverwaltung verwaltet wurden. Zunehmend empfand man die Festung als der Expansion der Stadt hinderlich und insbesondere die gewinkelten Torwege als lästig für den zunehmenden Verkehr. 1875 erwarb die Stadt die Festungswerke um den Preis von 34000 Gulden, um sie abzureißen und gerade Straßen in die Stadt hinein bauen zu können. Das Steinmaterial war hochwillkommen zum Bau von neuen Häusern. Im selben Jahr noch fiel das Reuther Tor, sechs Jahre später das Bamberger Tor usw. Erst 1919 wurde der Abbruch der letzten Reste gestoppt, als das Bewußtsein für den Wert des Denkmals aufkam. Auch das Nürnberger Tor konnte noch gerettet werden, wenn auch der Kontext verlorenging. Zurück zum Lapidarium im Hof der "Kaiserpfalz - im einzelnen stehen dort fünf solche Steine, zwei im linken Bild, drei im rechten Bild:

An der westlichen Innenhofseite befindet sich unterhalb eines Gebsattel-Wappens - jenes in Originalkontext - ein Wappenrelief des Bamberger Bischofs Lothar Franz von Schönborn (reg. 1693-1729). Das ovale Wappen ist geteilt und zweimal gespalten, mit ovalem Herzschild:

Auf der Schildkartusche ruht der Kurfürstenhut, der dem zweifachen Fürstbischof als Erzbischof von Mainz zustand, hinter dem Schild Schwert und Krummstab schräggekreuzt.

An die nördliche Schildmauer im nordwestlichen Eck des Innenhofes angelehnt befindet sich ein Wappenstein von Bischof Veit II. von Würtzburg (reg. 1561-1577). Sein Wappen ist geviert:

Dazu gehören zwei Helme:

Zwei hier stark beschädigte Löwen dienen als Schildhalter.

Ebenfalls an die nördliche Hofmauer aus dem 14. Jh. gelehnt, direkt rechts neben dem zuletzt vorgestellten Stein, links neben dem Ziehbrunnen, befindet sich ein Wappenstein, der einmal am Kopf einer spitzen Schanze wie eine Galionsfigur angebracht war und wie man ihn noch an der St. Petri- oder Dernbach-Bastion im Norden der Altstadt in Originalkontext sehen kann. Es handelt sich um das Wappen des Bischofs Peter Philipp von Dernbach (reg. 1672-1683). Dieser war aber erst ab 1675 Bischof von Würzburg zusätzlich, so daß dieses Wappen nach 1675 zu datieren ist. Es ist geviert mit Herzschild:

Über der stark gebogenen Schildkartusche befindet sich die Kaiserkrone Bambergs (kaiserliche Stiftung), hinter dem Schild schräggekreuzt sind Schwert (auf der heraldisch linken Seite) und Krummstab (auf der heraldisch rechten Seite).

An der westlichen Innenhofseite ist am Neuen Schultheißenbau ein stark mitgenommenes Wappenrelief angebracht, weder Inschrift noch Datierung sind zu sehen, der Bamberger Löwe läßt sich nur erahnen. Deutlich erkennt man aber einen Pferdekopf in Feld 2, und damit ist dies das Wappen des Bischofs Johann Georg I. Zobel von Giebelstadt (reg. 1577-1580). Das Wappen ist geviert:

Dazu werden zwei Helme geführt:

Das Wappen wird von zwei Schildhaltern flankiert, heraldisch rechts ein unbekleideter Jüngling, heraldisch links zur Unkenntlichkeit zerstört.

Ein letzter Wappenstein ist gleich linkerhand vom südlichen Eingang noch in der zum Hof offenen Eingangshalle aufgestellt, es ist das bereits oben beschriebene Wappen des Bamberger Bischofs Peter Philipp von Dernbach (reg. 1672-1683), in einer Form, wie er es erst ab 1675 führte. Im Gegensatz zu dem oben beschriebenen Wappen ist dieses Exemplar flach und nicht wie jenes gewölbt. Die stark abgekürzte Inschrift ist hier sogar noch lesbar erhalten, die den Namen des Bischofs und seine Titel nennt sowie die Jahreszahl 1681: "PETRVS PHILIPPVS D(EI) G(RATIA) EP(ISCOPV)S BAMBERG(ENSIS) ET HERBIPOL(ENSIS) S(ANCTI) R(OMANI) I(MPERII) P(RINCEPS) F(RANCONIAE) O(CCIDENTALIS) DVX A(NN)O 1681".

Literatur, Links und Quellen:
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Siebmachers Wappenbücher, insbes. Band Bistümer
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Katharina Sitzmann: Stadt Forchheim (Denkmäler in Bayern, Band IV.53/1). Schnell & Steiner, München, Zürich 1989, ISBN 3-7954-1006-1
Daniel Burger: Burg und Festung Forchheim, aus der Reihe: Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, Band 19, hrsg. von der Wartburg-Gesellschaft, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1658-2.
Daniel Burger, Forchheim, Großer Kunstführer Band 214, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1714-7
Forchheim:
http://www.foracheim.de/cms.php?sid=0&lid=&tid=3&cmspid=58&p=2
Herrn Dietmar Amon ein herzliches Dankeschön für wertvolle Hinweise
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9

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