Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1547
Forchheim (Oberfranken)

Die sog. Kaiserpfalz von Forchheim

Bei dem Wort "Kaiserpfalz" denkt man gleich an die wenigen in Resten erhaltenen Kaiserpfalzen aus der Zeit des Reisekönigtums wie Aachen, Gelnhausen, Goslar etc. - nichts dergleichen findet man in Forchheim, sondern eine vierflügelige, wohnliche bischöfliche Residenz aus späterer Zeit. Selbstverständlich ist die Geschichte des Ortes weit älter als die vorhandenen Gebäude erahnen lassen. Im Frühmittelalter war in Forchheim seit dem 8. Jh. ein fränkischer Königshof an strategisch günstiger Position, denn hier mündet die Wiesent in die Regnitz, und hier lagen die Flußübergänge wichtiger Fernstraßen wie die von Würzburg bzw. Bamberg in Richtung Regensburg bzw. in Richtung Böhmen. Und in karolingischer Zeit wird Forchheim als wichtiger Handels- und Stapelplatz für den Handel mit den Slawen erwähnt. Dieser aus wirtschaftlicher und strategischer Sicht wichtige Ort entwickelte sich zur Pfalz. Von diesen Gebäuden ist jedoch nichts mehr vorhanden, und die Stelle der ehemaligen Pfalz ist auch nicht als identisch mit der der "Kaiserpfalz" anzusehen.

Denn der Lauf der Geschichte brachte eine Verschiebung der Schwerpunkte: Während von den Königen Ludwig der Deutsche (ca. 806-876, 843-876 König des Ostfrankenreiches), Arnulf von Kärnten (ca. 850-899, 887–899 König des Ostfrankenreiches), Ludwig das Kind (893-911, 900-911 König des Ostfrankenreiches), Konrad I. (ca. 881-918, 911-918 König des Ostfrankenreiches) und sogar der Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden in Forchheim weilten und z. T. hier sogar gekrönt wurden, kam es 1007 zu einer Kräfteverschiebung, die die weitere Geschichte Forchheims nachhaltig prägen sollte: König Heinrich II. (1002–1024 römisch-deutscher König, 1014–1024 Kaiser) gründete das Bistum Bamberg, die Stadt Bamberg war mit dem Hochstift der machtpolitische Aufsteiger, Forchheim der Absteiger, bis es 1062 ganz an das Hochstift Bamberg fiel und damit sein Schicksal fest mit dem des Hochstiftes verbunden wurde. Forchheim wurde befestigt, um die Interessen des Hochstiftes zu schützen. Der erste Bamberger Bischof, der in Forchheim baute, war der "Burgenbischof" Otto von Mistelbach bzw. Otto I. von Bamberg (reg. 1102-1139), dessen Tumba in Bamberg in der Michaeliskirche zu sehen ist. Er baute viele Burgen zur Sicherung des Hochstiftes, und in Forchheim erbaute er ein steinernes Haus, die Keimzelle der Bischofsburg, aber auch diese erste Bischofsburg lag noch nicht an der Stelle der heutigen "Kaiserpfalz".

Der nächste Bamberger Bischof, der in Forchheim den bischöflichen Interessen durch bauliche Maßnahmen Ausdruck verlieh, war Lamprecht (oder Lambert) von Brunn, Bischof von Bamberg 1374-1398, zuvor Bischof von Brixen 1363–1364, Bischof von Speyer 1364–1371 und Bischof von Straßburg 1371–1374. Er bevorzugte sogar Forchheim gegenüber Bamberg, Hintergrund war ein Zerwürfnis mit den Bürgern der Bischofsstadt wegen einer Getränkesteuer, die die Bürger nicht hinnehmen wollten, ferner belastete der Immunitätenstreit sein Verhältnis zu Bamberg. Und er hatte ein Interesse am fortifikatorischen Ausbau der Stadt, denn zu der Zeit war er selbst in einen Krieg gegen den Schwäbischen Städtebund involviert und er nahm 1376 zusammen mit dem Kaiser Karl IV. an der Strafexpedition nach Ulm teil. Nicht daß ein falscher Eindruck entsteht - eigentlich war dieser Bischof ein Friedenspolitiker, der den Ausgleich mit den Nachbarn durch einen Landfrieden suchte, mit dem Hochstift Würzburg, mit den Burggrafen von Nürnberg, mit den Wettinern in Meißen und Thüringen und mit den Herzögen von Österreich. Und 1381 versuchte er auf dem Städtetag in Nürnberg einen Beitritt der Städte zum Landfrieden zu erreichen, und auch später zwischen Fürsten und Städten zu vermitteln, allerdings beides ergebnislos. Nach dem Sieg über die Städte 1388 trat er 1389 an der Spitze der Fürsten dem Reichslandfrieden von Eger bei, dessen Gestaltung mit sein Werk war. Zurück zu Forchheim: Dieser Bischof gestaltete das gesamte bischöfliche Quartier neu. Das alte steinerne Haus seines Vorvor...vorgängers war längst in fremde Hände gelangt. Also kaufte er 1377 ein neues Grundstück von Heintz von Wiesenthau. Den dort befindlichen Burgstall brach man für den Neubau komplett ab. Den Bau der neuen Bischofsburg darf man in den Zeitraum 1377-1398 datieren, denn in letzterem Jahr fand in Forchheim schon ein Fürstentag statt, sicherlich in den neuen Räumen. Lamprecht (oder Lambert) von Brunn wurde 1398 amtsmüde. Mit dem Bistum handelte er einen Vertrag aus, der ihm eine stattliche Pension und die lebenslange Nutzung von Stadt und Burg Forchheim zusicherte. Außerdem wurde ihm die Nutzung der Burg Reuth zugesagt. Lange hatte er nicht an seinem Ruhestand in seiner Lieblingsstadt, denn er verstarb am 15.7.1399. Sein Wappen aus der Bauzeit der Bischofsburg finden wir an der Außenseite des Ostflügels der "Kaiserpfalz", aufgetrennt in zwei separate Steine, der eine an der linken Gebäudekante, der andere etwas rechts von der Mitte, beide auf der Höhe des allerobersten Stockwerkes: Der linke Stein zeigt das Wappen des Hochstiftes, in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste, der rechte Stein zeigt das persönliche Familienwappen des Bischofs Lamprecht (oder Lambert) von Brunn, in Silber eine mit der Biegung nach oben gestellte, rote Fischangel, auf dem Helm mit roten Decken das Schildbild.

Dieser Bau des Lamprecht (oder Lambert) von Brunn bildet das größte Gebäude der heutigen Anlage, welches sich vier Stockwerke hoch aus dem umlaufenden Graben erhebt und die gesamte Ostseite einnimmt. Der heutige Krüppelwalmdachabschluß ist nicht als authentisch anzusehen, vielmehr schlossen seitlich früher zwei Treppengiebel das Gebäude ab; sie wurden im letzten Drittel des 18. Jh. abgewalmt. Nach Norden umgeben weitere Verwaltungs-Gebäude aus späterer Zeit den Innenhof, im Nordwesten der Alte Schultheißenbau, im Südwesten der Neue Schultheißenbau. Hier waren einst im Erdgeschoß die Stallungen, im Obergeschoß die Wohn- und Arbeitsräume der Verwalter und Angestellten. Im Norden schließt eine Wehrmauer mit Fachwerkgang mit einem kleinen Nordtor den Hof ab. Der heutige Hauptzugang liegt im Süden, wo früher eine Holzbrücke, seit 1768/69 eine steinerne Bogenbrücke den Graben überspannt. Einst war hier genau wie im Norden eine Verbindungsmauer zwischen West- und Ostflügeln mit aufgesetztem Wehrgang, doch diese Partie wurde im 16. Jh. umgebaut, und auf die offene Halle hinter dem Tor wurde ein Wohngeschoß aufgesetzt.

Dieser auf 1558 datierte Wappenstein, zu sehen im Innenhof der Burg am nordwestlichen Bau in Höhe des Erdgeschosses, am sog. Alten Schultheißenbau, stammt vom Bamberger Bischof Georg IV. Fuchs von Rügheim (regierte 1556-1561). Dieser Bischof baute die Burg erneut um, baute den Alten Schultheißenbau und setzte 1559 der Wehrmauer im Norden einen Fachwerkgang auf und gab das Nordtor zugunsten des Südtores auf, nur eine kleine Fußgängerpforte blieb. Des Bauherrn Epitaph aus Sandstein, gefertigt vom Bildhauer Kilian Sorg, aus den Jahren 1565/66 befindet sich übrigens im Bamberger Dom rechts neben der Tür zur Sakristei. Aus dieser weitverzweigten fränkischen Reichsritterfamilie stammt übrigens noch ein zweiter Bamberger Bischof, Johann Georg II. Fuchs von Dornheim (reg.1623-1633, aus einem anderen Familienzweig stammend). Hier weist die Datierung das Relief jedoch eindeutig dem ersten Vertreter zu. Unter einer kaiserlichen Krone sind zwei Schilde zusammengestellt, heraldisch rechts in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste (Hochstift Bamberg), heraldisch links in Gold ein aufspringender roter oder natürlicher Fuchs (Stammwappen der Fuchs von Rügheim).

Weitere bauliche Maßnahmen wurden an der Burg der Bamberger Bischöfe unter Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609) ausgeführt. Seine Spuren begegnen uns auf der Außenseite des Ostflügels, ein Wappenstein mit der Inschrift "RENOVATVM" zeigt ein zusammengestelltes Wappen mit zwei separaten, aufeinander bezogenen Schilden mit stark eingerollten oberen und unteren Abschlüssen, heraldisch rechts in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste (Hochstift Bamberg), hier gewendet, heraldisch links in Rot Kopf und Hals eines silbernen Steinbocks mit schwarzen Hörnern (Familienwappen von Gebsattel). Das Datum der "Renovierung" ist auf beide Schilde verteilt: 1605 fand die Umgestaltung statt.

Zu den Umbauten des 16. und 17. Jh. gehören eingreifende Veränderungen: Der mittelalterliche Bau war eigentlich mit Buckelquadern aufgemauert. Diese Buckel schlug man ab, um eine glatte Außenfläche zu bekommen. Ferner beseitigte man mehrere Erker am Ostbau. Die mittelalterlichen Fenster ließen zu wenig Licht und Luft ins Innere, nun begann man, die Fensteröffnungen zu vergrößern und zusätzliche Fenster zu schaffen. Der südlichen Wehrmauer wurde ein Wohngeschoß aufgesetzt; der Umbau des Neuen Schultheißenbaus datiert von 1566/67, und dabei wurde am westlichen Nebenflügel an der südlichen Giebelseite ein Erker angefügt. Im Innenhof wurde dem Kernbau ein schmaler Galerietrakt vorgebaut nebst einem achteckigen Treppenturm mit welscher Haube. Die Errichtung dieses Treppenturmes vor der hofseitigen Fassade des Kernbaues fällt wieder in die Regierungszeit des Bischofs Johann Philipp von Gebsattel (1599-1609), denn der Wappenstein über dem Portal trägt das Datum 1603. Der obere Teil des Turmes wurde 1604 errichtet, der Baumeister ist uns namentlich bekannt, es war Paulus Keit. Die Datierung ist rechts im Turm an einem vermauerten Sturz, wo einst eine Tür in einen mittlerweile abgetragenen Nebenbau zwischen Kernbau und Südmauer führte. Im Bild ist hinter der Nordostecke eine graue und grüne Fläche zu sehen, das ist ein äußerst unsensibel angebautes, in seiner Häßlichkeit extrem mit dem historischen Ensemble kontrastierendes, modernes Außentreppenhaus.

Abb.: Wappenrelief am Treppenturm, wie zuvor beschrieben

Literatur, Links und Quellen:
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Siebmachers Wappenbücher, insbes. Band Bistümer
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Katharina Sitzmann: Stadt Forchheim (Denkmäler in Bayern, Band IV.53/1). Schnell & Steiner, München, Zürich 1989, ISBN 3-7954-1006-1
Daniel Burger: Burg und Festung Forchheim, aus der Reihe: Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa, Band 19, hrsg. von der Wartburg-Gesellschaft, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2004, ISBN 3-7954-1658-2.
Daniel Burger, Forchheim, Großer Kunstführer Band 214, Schnell & Steiner Verlag, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1714-7
Forchheim:
http://www.foracheim.de/cms.php?sid=0&lid=&tid=3&cmspid=58&p=2
Alfred Wendehorst, Lamprecht von Brunn, in: Neue Deutsche Biographie, Band 13, Duncker & Humblot, Berlin 1982, S. 463 f. -
http://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016330/images/index.html?seite=479
Franz Xaver von Wegele, Lambert von Brunn, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Band 17, Duncker & Humblot, Leipzig 1883, S. 541–547 -
http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00008375/images/index.html?seite=543

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