Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1545
Trier: Im Schatten der glanzvollen Kurfürsten

Der Torbau der Philippskurie

Am Domfreihof 2 befindet sich der Torbau zur dahinter in einem mauerumsäumten Gartenbereich stehenden Philippskurie. Der um 1780 erbaute Eingangsbau, der im Volksmund auch "Gel Bux" genannt wird wegen seiner früheren Ähnlichkeit mit einer gelben Hose (heute gelb/grau gestrichen), ist ein Werk des Frühklassizismus. Das Gebäude ist von großer, fast nüchterner Klarheit, wobei der etwas vorspringende Mittelteil mit dem im Radialfugenschnitt strukturierten Blendbogen eine vertikale Streckung bewirkt. Über dem hölzernen Portal befindet sich ein dreiteiliges Fenster, darüber in der Lünette ein Medaillon mit dem Kopf von Julius Cäsar. In der Zone über dem Hauptgesims, vor der schmucklosen Attika, befindet sich eine Wappenkartusche im Louis-Seize-Stil, mit hochgezogenen "Ohren" und durchgezogenen Girlanden, oben mit einem kleinen Postament.

Zustand 2011

Das Wappen ist das des Erbauers, des Chorbischofs Christian Franz Frhr. v. Hacke, Sohn von Ludwig Anton von Hacke und Anna Theodora von Wachtendonck. Er wurde 1742 Domicellar in Trier, 1771 Domkapitular, 1774 Scholaster, 1775 Archidiakon von St. Agatha in Longuyon, 1777 Archidiakon von Karden. Bis 1792 war er Archidiakon und Propst, danach ging er nach St. Libentius in Dietkirchen. 1793 wohnte er bereits in Speyer, wo er ebenfalls Mitglied des dortigen Domkapitels war. Er verstarb am 6.1.1807 in Bruchsal. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bad Seite: 53 Tafel: 32, Pr Seite: 156 Tafel: 56, Bay Seite: 38 Tafel: 36, Pr Seite: 45 Tafel: 56, ferner im Rietstap und im Westfälischen Wappenbuch sowie im Aschaffenburger Wappenbuch.

Das Wappenbild wurde während der Herrschaft der französischen Revolutionstruppen 1798 ff. im Rahmen der Wappenvernichtung im Saar-Departement zerstört und nachher durch eine gemalte Rekonstruktion ersetzt. Allgemein wird es beschrieben mit zwei aus den Seitenrändern hervorwachsenden Regenbögen (Bogenpfählen), innen blau, dann gold und rot, in silbernem Feld. Im Photo von 2011 (siehe oben) ist beim Anstrich eine andere, an unseren heutigen Vorstellungen eines Regenbogens orientierte Farbgebung gewählt worden, was nicht der im Siebmacher dokumentierten Reihenfolge entspricht. Im Westfälischen Wappenbuch sowie im Aschaffenburger Wappenbuch ist die Abfolge umgekehrt, Blau außen und Rot innen. Anläßlich einer jüngst durchgeführten Renovierung wurde die Farbigkeit der Bögen lobenswerterweise richtiggestellt (siehe unten), wobei auch eine Darstellung im Giebel des von einem Bruder dieses Domherrn in Trippstadt (Pfalz) gebauten Schlosses als Vorbild und weiterer Beleg für korrekte Farbigkeit diente, so daß seit 2016 wieder drei Zonen zu sehen sind, innen blau, in der Mitte golden und außen rot.

Zustand 2016 (Aufnahme: Dr. Georg Holkenbrink, Trier) nach vorbildlicher Restaurierung

Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein goldengeschäfteter Pfauenwedel zwischen zwei nach innen gekrümmten, von außen nach innen rot-golden-blauen Regenbögen (Bogenpfählen). Die Familie ist niedersächsischen und westfälischen Ursprungs und breitete sich von da in die Pfalz, nach Baden und ins Trierer Kurfürstentum aus. Am 20.9.1790 erlangten sie im kurpfälzischen Reichsvikariat mit Friedrich Ferdinand Sittig von Hacke, pfalz-neuburgischer Geheimrat, Kämmerer und Erb-Oberjägermeister, den Freiherrenstand. Weitere bekannte Familienmitglieder sind Friedrich Franz Frhr. v. Hacke, Domherr in Speyer und Konstanz, ferner Karl Theodor Frhr. v. Hacke, großherzoglich-badischer Kämmerer, Geheimrat und Staatsminister (1775-1834).

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Rietstap/Rolland
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 17.1, Hrsg. im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur vom Landesamt für Denkmalpflege: Stadt Trier, Altstadt, bearbeitet von Patrick Ostermann, Wernersche Verlagsgesellschaft Worms, 2001, ISBN 3-88462-171-8
Ferdinand Pauly, Das Stift St. Kastor in Karden an der Mosel, 1986, online http://books.google.de/books?id=9NvkLp_S4nIC S. 316
ein herzliches Dankeschön an Herrn Domkapitular Dr. Georg Holkenbrink für wertvolle Hinweise und für die Genehmigung vom 12.6.2016 zur Verwendung des Photos aus dem Jahr 2016.

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