Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1531
Marburg an der Lahn (Hessen)

Marburger Töpferhaus

Dieses Wappen findet sich an einem Haus aus der Gründerzeit am Steinweg Nr. 8. Hier ist das Marburger Töpferhaus, das Stammhaus der sog. "Marburger Dippcher", wo seit mehreren Generationen das Kunsthandwerk der Töpferei betrieben wird. Begründet wurde die Töpferei von Johann Heinrich Schneider (gest. 1876), fortgeführt von seinen Söhnen Bernhard Schneider und Ludwig Schneider, wobei letzterer am Steinweg seine Werkstatt aufmachte. Heute wird der Familienbetrieb von Manfred Schneider geführt.

Es ist das Wappen des Großherzogtums Hessen, wie es ab 1806 geführt wurde, und es zeigt in Blau einen königlich gekrönten, golden bewehrten, von Silber und Rot eigentlich neunmal (hier zehnmal) geteilten Löwen mit Doppelschweif, der in der rechten Pranke ein eigentlich silbernes (hier goldenes) Schwert schwingt. Auf dem Schild ruht eine Königskrone. Als Schildhalter zwei goldene, königlich gekrönte, hersehende, doppelschwänzige Löwen üblich, ferner hat das Staatswappen noch drei Ordensketten, die hier aber fehlen. In dieser Form sind das typische Hoflieferanten-Wappen. Es verwundert, hier in einer der wichtigsten Städte von Hessen-Kassel ein Wappen von Hessen-Darmstadt zu sehen, doch muß man sich vergegenwärtigen, daß das Kurfürstentum Hessen 1866 von Preußen besetzt wurde und 1868 zusammen mit der Landgrafschaft Hessen-Homburg, dem Herzogtum Nassau, der Freien Stadt Frankfurt am Main, einem Teil des Großherzogtums Hessen-Darmstadt die neue preußische Provinz Hessen-Nassau bildete, während das Großherzogtum Hessen noch weiter bestand als letzter selbständiger hessischer Staat. Wir sehen ein radikal auf das Stammwappen reduziertes Schildbild unter Wegfall aller anderen Komponenten, dies ist eine lobenswerte Entwicklung, aber wir sehen auch einen groben Bruch, denn das Stammwappen ist so verändert, daß man nicht mehr von Kontinuität sprechen kann, und das ist aus heraldischer Sicht verantwortungslos. Dem Löwen wurde eine Königskrone aufgesetzt und ihm wurde ein Schwert in die Pranke gegeben, ferner wurde der Schwanz verdoppelt, was alles die geschichtliche Treue verletzt, denn das hohe Gut der Konstanz eines unveränderlichen Stammwappens, das sich sonst wie ein roter Faden durch die Geschichte sämtlicher Veränderungen zieht, wird hier aufgegeben.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
http://www.marburger-kunsttoepferei.de/
Firmen-Geschichte:
http://www.marburger-kunsttoepferei.de/page2.php

Die Entwicklung des Hessischen Wappens

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