Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1523
Lichtenberg (Fischbachtal, Landkreis Darmstadt-Dieburg)

Schloß Lichtenberg

Schloß Lichtenberg liegt in herausragender Lage auf einem Bergsporn über dem Fischbachtal in 278 m Höhe mit großartiger Fernwirkung. Drei dreistöckige, regelmäßig gegliederte Renaissance-Flügel, weiß mit roten Gewänden, mit einem an der Außenseite sichtbaren Untergeschoß, erheben sich steil über dem darunterliegenden Dorf. Diese drei Flügel bilden ein nach Norden offenes Viereck; der östliche Flügel ist ein wenig länger als der westliche, zudem etwas niedriger. Davon ist der östliche Flügel der ältere, er ist von den beiden anderen, miteinander verbundenen, durch eine durchgehende Mauer abgetrennt und bildet eine eigenständige Einheit. Seine Außenmauer ist durch die Verwendung älterer Bauteile zweimal geknickt, im Gegensatz zu den beiden anderen Flügeln. Im südöstlichen Eck des Innenhofes steht ein polygonaler Treppenturm, der die Flügel um ein Geschoß überragt. Gerade weil die Fassaden schlicht gehalten sind, fallen die geschmückten Zwerchgiebel an den Gebäudeecken des West- und des Südflügels über den beiden jeweils äußeren der je acht Fensterachsen besonders auf und geben der Anlage ein kastellartiges Aussehen.

Nach Norden hin war einst ein vierter Flügel von unregelmäßigem Grundriß, der einst Stube, Kammer, Küche und Kelterhaus enthielt, ferner war hier ein weiterer Treppenturm; von diesem Flügel ("Altes Schloß", "Katzenelnbogener Bau") sind aber nur noch Grundmauern vorhanden, denn er stürzte 1845 ein. Heute ist hier die Schloßterrasse. Das alte Tor befand sich an der Nordostecke zwischen Kelterhaus und Ostflügel. Im Nordwesten stand separat das Gebäude mit den Stallungen, Ställe, Zehntscheuer und Marstall begleiten winkelförmig im Osten und Norden den vom Schloß aus gesehen erst nach Norden führenden und dann nach Westen abknickenden Zufahrtsweg, der hier durch einen spätmittelalterlichen Torturm mit vorgelagerter längerer Tunneldurchfahrt führt. Nur wenige Gebäude haben sich auf dem nördlichen Teil des Plateaus entlang der alten Festungsmauern erhalten, das heute weitgehend von Gartenanlagen geprägt ist.

Diese beherrschende Lage wurde schon früh zu einer Burgstelle der Grafen von Katzenelnbogen, denen das Gebiet seit dem 13. oder 14. Jh. gehörte. Graf Diether IV. wird 1228 als Graf von Lichtenberg bezeichnet. Für die Grafen von Katzenelnbogen wurde Lichtenberg neben Rheinfels zu einem ihrer wichtigsten territorialpolitischen Mittelpunkte, und entsprechend stark wurde die Burg ausgebaut. Die Siedlung unterhalb der Burg (Burgfreiheit) bekam 1312 auf Betreiben von Graf Diether VI. vom Kaiser stadtartige Sonderrechte. Aus dieser Zeit stammen die Gebäude der Vorburg und die noch im nördlichen und östlichen Bereich sichtbaren Umfassungsmauern. Der letzte dieser Grafen war Philipp I. Graf v. Katzenelnbogen (1402 - 1479), der erst mit Anna v. Württemberg (1408 - 16.4.1471) und danach mit Anna Gräfin v. Nassau-Dillenburg verheiratet war, und dessen Söhne Philipp II. Graf v. Katzenelnbogen und Eberhard v. Katzenelnbogen (- 28.7.1456) schon vor ihm selbst das Zeitliche segneten. Seine Tochter Anna v. Katzenelnbogen (5.9.1443 - 16.2.1494) war mit Heinrich III. Landgraf v. Hessen (15.10.1440 - 13.1.1483) verheiratet, und so kam das Katzenelnbogener Gebiet mit Lichtenberg 1479 an die Landgrafen. Als 1567 die große Erbteilung im Hause der Landgrafen anstand, fiel Lichtenberg an die neugebildete Linie Hessen-Darmstadt.

Was wir heute als Renaissance-Schloß als Nachfolger einer mittelalterlichen Höhenburg sehen, geht auf den Bauherrn Georg I. Landgraf v. Hessen-Darmstadt (10.9.1547 - 1596) zurück, den ersten Repräsentanten der Linie. Durch die Aufteilung des väterlichen Gebietes unter die vier Brüder als separate Herrschaften war die Notwendigkeit des Neubaus repräsentativer Residenzen gegeben, und die Residenz in Darmstadt war damals noch relativ bescheiden, und Lichtenberg wurde ersatzweise prächtig ausgebaut. Die alte Burg ließ Landgraf Georg 1570 bis auf deren nördliche Teile weitgehend abbrechen und zu einem Plateau einebnen, ebenfalls behielt er den weitab im Ort stehenden Rondellturm (Batterieturm) von 1503. Dieser stammt aus der Zeit, als die Landgrafen die erheiratete Burg zur Landesfestung ausbauten. Auch der oben beschriebene Nordflügel war noch ein Teil der alten Burg. In den Jahren 1570-81 entstand das Renaissance-Schloß. Baumeister war Jakob Kesselhut aus Kassel.

Der Schloßbau ist der erste Renaissanceschloßbau in Südhessen, und seine Architektur wurde richtungsweisend für Folgebauten. Nachdem Darmstadt als Residenz ausgebaut wurde, diente Schloß Lichtenberg nur noch als Witwensitz und Jagdsitz, als familiäre Alternative zur Hauptresidenz, als Rückzugsort im 30jährigen Krieg sowie als Verwaltungszentrum mit Sitz eines Amtmannes und eines Landrichters. Die Anlage ist heute Eigentum des Landes Hessen und wird als Heimatmuseum genutzt, auch etliche Wohnungen sind im Schloß.

Heraldisch ist hier das aufwendig gestaltete Küchenportal von Interesse, das vom Schloßhof in den nördlichen Teil des Westflügels führt. Es ist so repräsentativ gestaltet, als wäre hier der Hauptzugang zu herrschaftlichen Räumen - mitnichten, es führt nur in die Küche. Rechts und links der Holztür rechteckigen Zuschnitts befinden sich doppelte Pilaster. Zwischen diesen ist jeweils eine rundbogige Nische. Diamantquader verzieren den Zwischenraum und die Pilasterbasen. Über dem beiderseits leicht überstehenden Architrav mit Gesims sind die Wappen des Bauherrenehepaares zwischen drei Pilastern angebracht, rechts und links ist ein Feld mit Beschlagwerk, das den Übergang zum markanten Dreiecksgiebel schafft.

Wappen für Georg I. Landgraf v. Hessen-Darmstadt (10.9.1547 - 1596), der Schild ist geviert mit Herzschild:

Dazu gehören folgende 3 Helme:

Genealogie zum Wappen:

Das Wappen für Magdalena Gräfin zur Lippe (24.2.1552 - 1587) ist geviert:

Dazu wird im Zeitraum 1528-1687 nur der Lippesche Stammhelm geführt, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken zwischen einem offenen, silbernen oder später auch roten oder rechts silbernen und links roten Flug eine rote Rose mit goldenem Samen und Kelchblättern.

Genealogie zum Wappen:

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher
Genealogien und Lebensläufe: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Winfried Wackerfuß, Schloß Lichtenberg, Informationstafel am Objekt
Grundriß:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/Html/084_Lichtenberg_Schloss_05.htm
Baugeschichte: G. U. Großmann, Renaissance-Schlösser in Hessen - Katalog des DFG-Projekts:
http://forschung.gnm.de/ressourcen/schloesser/XML/084_Lichtenberg_Schloss.xml
Herchenröder, Kunstdenkmäler Dieburg, 1940, S. 196-207
Wellmer, Lichtenberger Schloß, 1926
Thomas Biller, Burgen und Schlösser im Odenwald: Ein Führer zu Geschichte und Architektur, 2005, S. 206-210, ISBN: 3795417112
Carl Bronner, Odenwaldburgen, Groß-Umstadt, 1924
Dr. Peter E. Harland, Schloß Lichtenberg:
http://www.schloss-lichtenberg.de/

Die Entwicklung des Hessischen Wappens
Die Entwicklung des Wappens der Herren, Grafen und Fürsten zur Lippe

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