Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1519
Küps (Landkreis Kronach, Oberfranken)

Das Schloß von Schmölz

Das Schloß von Schmölz (heute in Küps eingemeindet) ist eines von einst zwölf Schlössern der Freiherren von Redwitz. Es handelt sich um einen Winkelbau aus einem Südwest und einem Südostflügel, an ersteren ist ein vorspringender Eingangsbau angebaut, in den 1777 im Obergeschoß eine Kapelle eingebaut wurde. Eine hohe Freitreppe mit neugotischen Maßwerkbrüstungen führt zu dem erhöht gelegenen Haupteingang hinauf. Zwei Rundtürme mit polygonalem Obergeschoß flankieren den Südwestflügel. Der erste Herr auf Schmölz war Wolfram von Redwitz im 14. Jh. 1511 erwarb Christoph von Redwitz ein Herrenhaus, das im Bauernkrieg zerstört wurde. Danach wurde das jetzige Schloß erbaut. Die Linie der v. Redwitz zu Schmölz bestand bis zum 8.9.1964 und endete damals mit dem Tod von Prof. Dr. Erich Freiherr von Redwitz, Direktor der chirurgischen Abteilung der Bonner Universitätsklinik und Ältester des gesamten Geschlechtes derer von Redwitz.

Das Schloß entstammt im wesentlichen aus der ersten Hälfte des 16. Jh., nachdem der Vorgängerbau ein Opfer des Bauernkrieges wurde. Der ältere Teil ist der Südwestflügel (im Bild), der Südostflügel kam erst 1855-1857 dazu. Der ältere Flügel wurde dabei aber ebenfalls überarbeitet. Die v. Redwitz verkauften das Schloß allerdings schon vor Erlöschen der Linie im Zuge des Niedergangs und Ausverkaufs im 19. Jh. Der letzte Eigentümer, Oskar von Redwitz, veräußerte den Herrensitz im Jahre 1861 an die Freiherren von Egloffstein, welche das Schloß im Stile der Zeit teilweise umbauten. Dabei wurde auch der Eingangsbau mit neugotischer Figurennische und Spitzbogenfries verändert. Seit 1972 gehört das Herrenhaus der Familie Prümer, heute wird es von Frau von Mansbach bewohnt. Als privat bewohntes Anwesen kann es nur von außen angeschaut werden.

Abb. links: An der Hauptfassade befindet sich linkerhand des Eingangsbaus ein Allianzwappen v. Redwitz (siebenmal silbern-blau geteilt und belegt mit einem roten, schrägrechten Wellenbalken, Helmzier Kopf und Hals eines roten Einhornes, Helmdecken rot-silbern) und v. Boineburg (hier silbern-schwarz geviert, weiße Linie, Helmzier zwei Büffelhörner in den beiden Farben des Schildes übereck geteilt, Helmdecken schwarz-silbern). Das Schriftband nennt die Initialen GCVRURMVRGVB für Georg Christoph v. Redwitz und seine Frau Ursula Regina Margret v. Redwitz geb. v. Boineburg.

Abb. rechts: Rechterhand des vorspringenden Eingangs befindet sich ein Redwitz-Vollwappen zwischen Adam und Eva mit insgesamt acht Wappenschilden, zu Paaren gruppiert. Von heraldisch rechts oben nach links unten sind das 1.) ein Turm, 2.) eine eingebogene Spitze (vermutlich v. Künsberg), 3.) ein Balken, 4.) geviert aus 5 Heerkolben und einer Teilung aus vier Spitzen (Schenk von Limpurg), 5.) ein mit drei Lindenblättern belegter Schrägbalken, 6.) zwei zu einer Acht verschlungene und unten verbundene Lindenzweige mit vier Blättern nach jeder Seite (v. Seckendorff), 7.) vier Reihen von Eisenhutfeh, mit aufrechten roten und gestürzten goldenen Eisenhüten, darüber ein blauer Herzschild und über allem ein silberner Leistenschragen (v. Oettingen) und 8.) eine dreilätzige Kirchenfahne.

 
 

Abb. links: An der Südostseite befinden sich weitere heraldische Steinmetzarbeiten. Das Prachtstück ist eine unbeschriftete Platte mit neun Wappendarstellungen innerhalb eines Stabwerkrahmens. Innerhalb eines Blattkranzes ist in der Mitte ein zusammengeschobenes Ehewappen. Die heraldisch rechte Spalthälfte und die rechte Helmzier gehören zum Wappen der v. Redwitz (Beschreibung siehe oben), die linke Hälfte und die linke Helmzier zum Wappen der v. Hanstein (in Silber 3 (2:1) mit den Spitzen nach rechts gekehrte (zunehmende) schwarze Mondsicheln, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken eine oben mit einem Busch schwarzer Hahnenfedern besteckte silberne Säule (ein silberner Schaft), die (der) in seiner Mitte von zwei auswärts gekehrten schwarzen Mondsicheln beseitet ist (also heraldisch rechts zunehmend, heraldisch links abnehmend).

Die oberen vier Einzelwappen bilden die Ahnenprobe des Ehemannes, 1.) v. Redwitz, 2.) vermehrtes Wappen der von Schaumberg, geviert, Feld 1 und 4: gespalten, rechts in Gold eine schwarze Schafschere, links in Rot ein silberner Sparren, Feld 2 und 3: von Silber, Rot und Blau halbgespalten und geteilt, oder eine alternative Farbverteilung, sehr variabel. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): gekrönt, ein Drehgatter auf einem verlängerten mittleren Drehpfahl, oben besteckt mit drei goldenen Kugeln (Äpfeln), die wiederum mit drei schwarzen Hahnenfedern besteckt sind, Helmdecken schwarz-golden, Helm 2 (links): ein Mannesrumpf, der Kopf mit einer nach vorn gebogenen gestulpten Spitzmütze bedeckt, an der Spitze mit schwarzen Hahnenfedern besteckt, Helmdecken rot-silbern, blau-silbern oder schwarz-silbern je nach Quelle (vgl. Diskussion bei Strössendorf). 3.) v. Aufseß: in Blau ein silberner Balken, belegt mit einer roten Rose, Helmzier ein Pfauenstoß zwischen zwei wie der Schild bez. Büffelhörnern, Helmdecken blau-silbern. 4.) von Seckendorff, in Silber zwei unten miteinander verbundene und zu einer Acht verschlungene rote Lindenzweige mit vier Blättern an jeder Seite, Helmzier ein roter, hermelingestulpter niedriger Hut, mit schwarzen Hahnenfedern besteckt, Helmdecken rot-silbern.

Die unteren vier Einzelwappen bilden die Ahnenprobe der Ehefrau, 1.) v. Hanstein, 2.) v. Bibra (in Gold ein aufspringender schwarzer Biber mit geschupptem Schwanz, Helmzier ein goldener, beiderseits mit dem schwarzen Biber belegter Flug, Helmdecken schwarz-golden), 3.) v. Hoheneck (in Silber Kopf und Hals eines schwarzen Ochsen mit roten Hörnern), 4.) von Witzleben, in Silber zwei gestürzte rote Sparren, Helmzier ein hermelingestulpter niederer roter Hut, in dessen Stulp zwei schwarze Stäbe (Schäfte, Spickel, Ratteln, das sind Schäfte mit beweglich durchgesteckten Querstäben) stecken, seitlich mit goldenen Kugeln oder Schellen, Kleeblättchen oder Lindenblättchen, oben jeweils mit 3 (3-5) alternierend roten und silbernen Straußenfedern besteckt, Helmdecken rot-silbern.

Hinter dieser Kombination steht folgende Genealogie: Caspar von Hanstein (gest. 1603) hatte Sibylla von Hoheneck (gest. 1631) geheiratet. Letztere war die Tochter des bayerischen Jägermeisters und Rates zu Freising Walter von Hoheneck. Ihr Sohn Rudolf von Hanstein (gest. 1645), hatte Maria Sibylla von Bibra (gest. 1638) geheiratet, die Tochter von Bernhard von Bibra und Sibylla von Witzleben. Rudolf von Hanstein und seine Frau Maria Sibylla von Bibra hatten als Töchter Eva Cordula von Hanstein (geb. 1625), Eva Margaretha von Hanstein (geb. 1626) und Maria Magdalena von Hanstein (geb. 1630), letztere vermählt 1.) mit Georg Friedrich von Witzleben und 2.) mit Christoph von Birkig. Margaretha von Hanstein hatte nun Georg Dietrich von Redwitz geheiratet, Sohn von Georg Wilhelm von Redwitz und Anna Catharina von Schaumberg. Seine vier Großeltern waren Veit von Redwitz und dessen Frau Margaretha von Aufseß väterlicherseits und Hans Wilhelm von Schaumberg und dessen Frau Amalia Sabina von Seckendorff. Das Ehepaar und die insgesamt 8 Großelternteile, die auf der Wappenplatte auftauchen, sind im Text hervorgehoben. Um es noch verwirrender zu machen, hatte Rudolf v. Hanstein in zweiter Ehe eine Elisabetha v. Redwitz geheiratet, und Georg Dietrich v. Redwitz war ebenfalls zweimal verheiratet; die Geburt eines Leibeserben war ihm aber in keiner der Ehen vergönnt.

Abb. rechts: Ebenfalls auf der Südostseite befinden sich zwei Wappenpaare, wobei die eingemauerten Einzelwappen jeweils durch eine Fensterachse getrennt sind, einmal Wilhelm v. Redwitz 1576 / Chatarina v. Redwitz ein geborne Cholleret 1576 (Abb. rechts oben), und einmal v. Redwitz / v. Hettersdorf (Abb. rechts unten, auf 1785 datiert). Das Hettersdorfer Wappen (in Silber ein ausgerissener schwarzer Baum, hier als Lindenbaum mit Blättern an den Enden der fünf Äste dargestellt, Helmzier der Baum aus dem Schild zwischen zwei einwärts gebogenen Bärentatzen mit je zwei silbernen Spangen, Helmdecken schwarz-silbern) begegnet uns noch einmal an der ev. Kirche von Schmölz.

Literatur, Links und Quellen:
Schlösser und Burgen in Oberfranken, von Ruth Bach-Damaskinos, Peter Borowitz. Hofmann Verlag Nürnberg, ISBN 3-87191-212-3
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Die Herren von Redwitz:
http://musketiere-zu-kueps.de/personen/redwitz.html
Schlösser in Küps:
http://frankenwald.bayern-online.de/die-region/staedte-und-gemeinden/kueps/sehenswertes/schloesser-in-kueps/
Damian Hartard von und zu Hattstein, die Hoheit des Teutschen Reichsadels, Bamberg 1751, Band 3, Seite 384
Johann Gottfried Biedermann, Geschlechtsregister der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Gebürg, Bamberg 1747, Tabula CXCIII
Kirchenbücher Henfstädt im Pfarrarchiv Themar
Paul Wolf, 800 Jahre Einberg 1162-1962
Leichenpredigten: Caspar v. Hanstein, Sybille v. Hoheneck
Ein herzliches Dankeschön an alle, die mir bei der Genealogie geholfen haben.

Neues Schloß Küps - Pfarrkirche St. Jakob in Küps

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