Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1514
Heilgersdorf (Seßlach, Landkreis Coburg, Oberfranken)

Schloß Heilgersdorf

Heilgersdorf gehört heute zum oberfränkischen Seßlach und liegt als separates Dorf südwestlich davon. Im Osten des Ortes befindet sich ein barockes Schloß, weiß mit ockerfarben abgesetzten Werksteinen und zurückhaltend gegliedert, eine Dreiflügelanlage mit sich nach Westen zur aufgeböschten Zufahrt und den Wirtschaftsgebäuden hin öffnendem, tiefem Ehrenhof und einem diesen nach vorne abschließenden, dreiarkadigen Portikus mit Ballustrade. Es ist ein in Franken eher seltener Bautyp, insbesondere die Loggia deutet auf französischen Einfluß. Das Modell des tiefen Ehrenhofes zwischen drei Flügeln wurde später bei Schloß Gereuth und bei Schloß Steinenhausen aufgegriffen. Das um 1704-1705 erbaute und in der Literatur dem Barockbaumeister Joseph Greising zugeschriebene Schloß, heute in Gemeindeeigentum, kann innen nicht besichtigt werden (würde auch nicht lohnen, weil sich durch die vielen Umnutzungen von der Originalausstattung und von der Stuckierung nichts erhalten hat).

Früher war es ein Wasserschloß, die einstigen Gräben sind heute verlandet. Der in allen drei Flügeln zweistöckige Bau mit ziegelgedecktem Mansarddach hat im mittleren Flügel einen durch einen Dreiecksgiebel am Zwerchhaus hervorgehobenen Mittelrisalit von drei Fensterachsen, begleitet auf jeder Seite von nur einer weiteren Achse. Die Stirnseiten der Seitenflügel sind ebenfalls dreiachsig. Das zurückgesetzte Portal, durch den mittleren Bogen des Portikus zu sehen, besitzt heraldischen Schmuck.

Auf den beiden seitlichen, im Winkel nach außen gestellten Pfeilern ruhen große Voluten, die die Verjüngung des Portalgebälks nach oben vornehmen. Zwischen diesen befindet sich das Allianzwappen in einem Wappenzelt, einem oben mit einem kuppelförmigen Stoffbaldachin abgeschlossenen und an beiden Seiten gerafften Tuch, das über das Gesims bis kurz über dem Schlußstein herunterhängt.

Heraldisch rechts ist das Wappen der von Lichtenstein, von Rot und Silber im Zackenschnitt quadriert, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken zwei rote Büffelhörner, die außen mit je 5 Straußenfedern besteckt sind. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bay Seite: 45 Tafel: 44, Band: Pr Seite: 53 Tafel: 67, Band: Pr Seite: 237 Tafel: 287, Band: ThüA Seite: 64 Tafel: 49, Band: OstN Seite: 110 Tafel: 74. Das Wappen dieses fränkischen Uradelsgeschlechtes ist in Franken allgegenwärtig, vor allem in Ahnenproben. Ab 1827 führen sie den Freiherrentitel. Die Besitzungen lagen hauptsächlich im Ritterkanton Baunach, wo sie auch mehrere Ritterhauptleute stellten. Es gab mehrere Linien, so die zu Geyersberg (1671 erloschen), auf Lichtenstein (1691 erloschen), Lahm etc. Die Familie ist mit Robert von Lichtenstein (gest. 1908) und Ida von Lichtenstein als letzter dieses Namens gänzlich erloschen. Die Familie von Lichtenstein, die hier schon mehrere Jahrhunderte in den Vorgängerbauten lebte, bewohnte das neue Schloß Heilgersdorf aber nur ein knappes Jahrhundert lang, danach wurde es Soldatenquartier, Forstamt und schließlich Gemeindeeigentum.

Heraldisch links ist das Wappen der von Veltheim, geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schräggestellter roter Ast mit beiderseits einem abhängendem roten Lindenblatt, Feld 2 und 3: in Gold ein mit zwei silbernen Leisten belegter schwarzer Balken, auf dem gekrönten Helm mit rechts schwarz-goldenen und links rot-silbernen Decken ein rautenförmiges rotes goldenbequastetes Kissen zwischen zwei goldenen, je mit einem mit zwei silbernen Leisten belegten schwarzen Balken belegten Paar Büffelhörner (Westfälisches Wappenbuch, dort Felder vertauscht und Ast aufrecht, Grote, Siebmacher Pr Seite: 30 Tafel: 34, Band: Brau Seite: 10 Tafel: 9, Band: Han Seite: 17 Tafel: 18, Band: Pr Seite: 425-426 Tafel: 469, Band: Anh Seite: 8 Tafel: 9, Band: MeA Seite: 112 Tafel: 64). Die Familie gehört zum halberstädtischen und braunschweigischen Uradel. Seit 1514 sind sie dort Erbküchenmeister im Herzogtum. 1798 wurden sie preußische Grafen, 1840 wurden die Angehörigen der gräflichen Linie Erbmarschälle des Herzogtums Magdeburg, dieser Zweig erlosch am 5.6.1860. Außerdem waren die Angehörigen der Familie seit 1569 Erbschenken des Fürstentums Hildesheim. Das Stammwappen ist der mit zwei silbernen Leisten belegte schwarze Balken in goldenem Feld, zu schwarz-goldenen Decken ein Paar Büffelhörner in Farben und Teilungen des Schildes. Später wurde das Wappen mit dem der 1587 ausgestorbenen v. Sambleben (Samptleben, Sambeleben, Samtleben) quadriert, wobei diese häufig, wie auch hier, an den ehrenvolleren Platz 1 kamen (genauso findet man es auch umgekehrt). Diese hatten den roten Lindenast, als Helmzier das rote Kissen zu rot-silbernen Decken. Der konkrete Anlaß für die Vereinigung ist nicht bekannt. Das quadrierte Wappen ist seit dem 16. Jh. in Gebrauch, wobei die Kleinode kombiniert wurden und die Decken gespalten wurden. Daneben gibt es noch ein gräfliches Wappen mit eingepfropfter blauer Spitze mit zwei schräggekreuzten, goldenen Bischofsstäben und mit einem gekrönten blauen Herzschild, der ein goldenes, mit dem brandenburgischen Adler belegtes Stadttor zeigt. Im gräflichen Wappen ist das Stammwappen in den Positionen 1 und 4 zu finden. Das gräfliche Wappen wird mit drei Kleinoden auf gekrönten Helmen geführt, Helm 1 (Mitte): ein wachsender geharnischter Arm, einen goldenen Ring haltend, Helm 2 (rechts): wie oben das kombinierte Kleinod, das rote Kissen zusätzlich mit dem preußischen Adler belegt, Helm 3 (links): ein schwarzer Flug. Decken rechts schwarz-golden, links rot-silbern, also wie beim gevierten Wappen.

Literatur, Links und Quellen:
Schlösser und Burgen in Oberfranken, von Ruth Bach-Damaskinos, Peter Borowitz. Hofmann Verlag Nürnberg, ISBN 3-87191-212-3
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Dr. H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig.
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