Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1503
Heroldsberg (Mittelfranken, Landkreis Erlangen-Höchstadt)

Die Heroldsberger Schlösser

Heroldsberg hat insgesamt vier Herrensitze der Nürnberger Geuder, die seit 1391 Herren des Ortes waren. Interessant ist die Herkunft der Mittel für den Ankauf: Heinrich I. Geuder, mit dem die Familie ins Rampenlicht der Geschichte tritt, war reich geworden durch Fernhandel, und er stieg in der Politik Nürnbergs auf. Sein Reichtum sollte mehrere Generationen lang die Basis der Familie bilden. Burggraf Friedrich V. verpfändete ihm das Reichsschultheißenamt am 21.1.1366, eine aussichtsreiche Geldanlage. Heinrich heiratete eine Tochter der Familie Groß, die davor Pfandinhaber dieses Amtes war. Heinrichs Söhne legten dann den Erlös des Reichsschultheißenamtes Ende des 14. Jh. in diesem Grundbesitz an, dessen Vorbesitzer wiederum die Erben des Philipp Groß d. J. waren - eine äußerst enge Verflechtung. Heroldsberg war einst Reichsbesitz mit eigenem Hochgericht, wurde dann an die Grafen von Nassau und dann an die Burggrafen von Nürnberg verpfändet. Formal erfolgte nach dem Ankauf die Belehnung der Geuder durch König Wenzel, denn noch war es ein Reichslehen, das aber in der darauf folgenden Zeit die Reichsbindung verlor, während die Geuder immer mehr Rechte in Heroldsberg innehatten. Zukäufe in und um Heroldsberg schufen einen zunehmend geschlossenen und umfangreichen territorialen Rückhalt für die Familie.

Drei der Herrensitze stehen eng zusammen, jeweils in Randlage auf Ausläufern einer Anhöhe über dem Gründlachtal, der vierte liegt etwas abseits. Sie werden anhand von Farbbezeichnungen unterschieden: Rotes, Grünes, Weißes und Gelbes Schloß, jeweils nach ihren Fensterläden oder Anstrichen. Mindestens drei der Herrensitze gehen auf das 15. Jh. zurück, obwohl die heutige Bausubstanz der Wohngebäude aus der Zeit nach den Zerstörungen im 2. Markgräflerkrieg 1552/53 stammt. Bis 1928 gehörten der Familie bzw. ihren Nachfahren noch alle vier Herrensitze, heute nur noch das Rote Schloß.

Abb. links: Das Weiße Schloß (Kirchenweg 4), ein schlichter und schmuckloser, aber solider, dreigeschossiger und fünfachsiger Steinbau aus der Zeit um ca. 1587. Eine Treppenspindel in polygonalem Treppenturm aus dem 18. Jh. befindet sich auf der Seite zur Kirche hin. Heutiger Eigentümer ist seit 1928 der Markt Heroldsberg, die das Gebäude bis 2005 für die Gemeindeverwaltung nutzte.

Abb. rechts: Das Rote Schloß (Oberer Markt) wurde 1487-89 von Martin III. Geuder (1455-1532) erbaut. Nach den Zerstörungen im 2. Markgräflerkrieg 1552 wurde der heutige zweiflügelige, dreigeschossige Steinbau um 1589 auf altem Sockelgeschoß erbaut. Weitere Beschädigungen brachte der 30jährige Krieg. Ein barocker Umbau 1711 unter Karl Benedikt Geuder ergänzte u.a. den Portalbogen des Anwesens und fügte Stuckdecken im Innern ein. Das Rote Schloß war Sitz der sog. Nürnberger Linie der Geuder, die 1939 im Mannesstamm erlosch. Heute gehört das Schloß der Familie Brunel-Geuder (Fortleben des Namens in cognatischer Linie nach Ministerialbeschluß von 1964). Drei der vier Schlösser sind Privateigentum und können nicht besichtigt werden, das Rote Schloß öffnet manchmal seine Tore anläßlich von Konzerten.

Beide Abb.: Das Grüne Schloß (Kirchenweg 5, auch Rabensteiner Schloß genannt). Die Nachweise eines Herrenhauses an dieser Stelle gehen auf das Jahr 1471 zurück, es ist das älteste der vier Herrenhäuser. Nach den Zerstörungen im 2. Markgräflerkrieg wurde der Bau um 1560 erneuert, wobei erhaltene Mauern in den dreigeschossigen Steinbau mit Mittelrisaliten mit Zwerchhäusern an den Traufseiten und Erkern an den Giebelseiten einbezogen wurden. Dieses Schloß war bis 1977 Besitz der Rabensteiner Linie, zuletzt von Friedrich Karl Sigmund Freiherr von Geuder-Rabensteiner (letzter im Mannesstamm) bis 1963, danach von dessen Schwester, schließlich wurde es an die Familie Much aus Nürnberg verkauft.

Abb. links: Das Wappen der Geuder von Heroldsberg aus Sandstein am Eingangsportal zum Roten Schloß, Innenseite. Der Torbogen stammt von 1711. Die ovale Barockkartusche zeigt das Stammwappen, in Blau ein gestürztes silbernes Dreieck, an jeder Spitze mit einem silbernen Stern besteckt. Auf der Außenseite ist das gleiche Wappen zu sehen.

Abb. rechts: Metallplatte an der direkt neben den Herrenhäusern gelegenen evangelischen Kirche St. Matthäus, über der Grabstätte der Freiherren von Geuder Rabensteiner Linie, die das Wappen der verschwägerten Rabensteiner von Döhlau nach deren Aussterben annahmen (Siebmacher Band: Bay Seite: 36 Tafel: 33, Band: Bay Seite: 79 Tafel: 90, Band: PrGfN Seite: 8 Tafel: 5): Geviert, Feld 1 und 4: in Blau ein gestürztes silbernes Dreieck, an jeder Spitze mit einem silbernen Stern besteckt, Feld 2 und 3: in Rot drei im Dreipaß gestellte silberne Panzerbeine (Triskele, ein Motiv aus drei im Dreipaß stehenden und in der Mitte verbundenen Beinen, rundum laufend, jedes gegenüber dem vorhergehenden um 120 Grad verdreht). Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein sechseckiger Stern, silbern-blau gespalten, an den freien Ecken mit Straußenfederbüschen in verwechselten Farben besetzt, Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein rechts silberner, links roter Flug. Johann Philipp Geuder (1597–1650), anhaltinischer und brandenburgischer Rat, Ritterhauptmann in drei Ritterkreisen in Franken, Schwaben und am Rhein, hatte in zweiter Ehe 1649 Anna Elisabeth Rabensteinerin von Döhlau geheiratet. Ihre Nachkommen gingen in der fränkischen Reichsritterschaft und im Hofdienst auf. Im Jahre 1693 erwirkten sie das Privileg, die Namen Geuder und Rabensteiner zu vereinigen. Die Rabensteiner Linie erlosch 1963 im Mannesstamm.

In der besagten Kirche befinden sich weitere heraldische Darstellungen, so drei Glasmalereien, 1.) Philipp Geuder (1538-1581) / Katharina Welser, 2.) dessen Bruder Anton Geuder (1539-1604) / Maria Imhoff, 3.) Hans Friedrich Geuder (1609-1670) / Anna Regina v. Wildenstein, alle drei jeweils in Form eines runden Wappenmedaillons mit zwei unter dem Oberwappen des Mannes vereinigten Schilden, weiterhin mehrere Geuder-Wappen aus unterschiedlichen Zeiten.

Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold von Haller, Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft, Verlag Altnürnberger Landschaft, 560 S., über 600 z. T. farb. u. hist. Abb., mit Übersichtskarte u. Orts- u. Personenreg., 2007, ISBN 978-3-00-020677-1
Schlösser Heroldsberg:
http://www.herrensitze.com/heroldsberg.html
Grünes Schloß:
http://www.herrensitze.com/heroldsberg-i.html
Weißes Schloß:
http://www.herrensitze.com/heroldsberg-ii.html
Rotes Schloß:
http://www.herrensitze.com/heroldsberg-iii.html
Gelbes Schloß:
http://www.herrensitze.com/heroldsberg-iv.html
Eberhard Brunel-Geuder: Heroldsberg. Geschichte einer Marktgemeinde. Heroldsberg 1990.
Eberhard Brunel-Geuder, Volker Alberti, Die Geuder-Rabensteiner und das Weiße Schloss zu Heroldsberg. Heroldsberg 2002
Schlösser und Burgen in Mittelfranken, von Ruth Bach-Damaskinos, Jürgen Schabel, Sabine Kothes. Hofmann Verlag Nürnberg, ISBN 3-87191-186-0.

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