Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1501
Henfenfeld (Landkreis Nürnberger Land)

Nikolauskirche Henfenfeld

Von heraldischem Interesse an dieser auf das 12. Jh. zurückgehenden und in ihrer heutigen Bausubstanz aus dem 13. (Ostchor), 14. und 15. (Querschiff und der östliche Teil des Langhauses, Turm von 1491) bzw. 17. (Chorgewölbe) und 18. Jh. (Gewölbe im Langhaus mit Stuckdecke, barocke Emporen) stammenden Kirche ist besonders die im frühen 17. Jh. angelegte Pfinzinggruft außen zwischen dem Turm und dem gerade geschlossenen romanischen Chor. Die Schloßherren von Henfenfeld, die Nürnberger Patrizierfamilie Pfinzing, hatten seit dem 16. Jh. das Patronat über die Kirche, daher begegnet man ihren heraldischen Spuren auch überall im Innern (ohne Abb.) an ihren zahlreichen Stiftungen. Im Innern ist auch das monumentale Grabdenkmal des Johann Sigmund Pfinzing von 1764, dem letzten im Mannesstamm der Familie, zu sehen.

An der Südseite des über der Familiengruft erbauten, zweiseitig offenen Sandstein-Baldachins von 1613 mit geschweifter, metallbeschlagener Kuppel (welscher Haube) und zwei trapezförmigen Sprenggiebeln auf einer freistehenden Säule, zwei Halbsäulen und einem Kragstein in der verbleibenden Ecke befindet sich ein von zwei geflügelten Engelsköpfen flankierter Schild mit jeweils doppelt eingerollten Ecken, golden-schwarz geteilt (Geuschmid/Pfinzing), belegt mit einem von Gold, Blau und Silber zweimal geteilten Herzschild (Henfenfeld). Diese Vereinigung des Pfinzing-Wappens (in welcher Form auch immer) mit dem Henfenfelder Herzschild ist das Ergebnis der Wappenvermehrung von 1554. Das Gebälk des Baldachins wurde später erneuert, die verwitterten Wappen nicht. Über dem Wappenschild schließt der Giebel mit einem Postament ab, auf dem einst ein Obelisk stand, genauso am anderen Giebel, so daß früher die Vertikaltendenz dieses reizenden kleinen Anbaus deutlicher ausgeprägt war.

An der Ostseite sind unter einer Muschel zwei stark geneigte Schilde als Ehewappen zusammengestellt. Rechts ist der Schild gespalten mit Herzschild, rechts geteilt, oben in Gold ein aus der Teilung wachsender schwarzer Adler, unten in Rot ein silberner Ring (Pfinzing, Stammwappen), links golden-schwarz geteilt (Geuschmid), Herzschild von Gold, Blau und Silber zweimal geteilt (Henfenfeld). Links der Schild gibt das Wappenbild der Beck wieder, aus einem Dreiberg wachsend ein oberhalber Mann, in der rechten Hand drei Rosen haltend, die Linke eingestemmt (vgl. im Siebmacher "Peckh", Band: Bg7 Seite: 34 Tafel: 33, abweichend blasoniert als "gespalten g. b., darin ein oberhalber Mann, Kleidung und Spitzhut verwechselter Tinktur, in der rechten Hand einen gr. Zweig mit drei Blättern haltend", vgl. auch im Schöler "Peck", Tafel 117, in beiden Quellen aber ohne Dreiberg und statt Rosen andere pflanzliche Objekte). Martin III. Pfinzing von Henfenfeld (26.9.1560-9.12.1619), Sohn von Martin II. (1521-1572) und einer Leipziger Kaufmannstochter namens Katharina Scherl (1529-1591), hatte am 29.7.1588 Maria Beck (gest. 1616) geheiratet, die Tochter des sagenhaft reichen Kaufmanns Jakob Beck. Zwischen den Wappenschilden befindet sich in dem entstehenden Winkel ein geflügelter Engelskopf. Martin III. Pfinzing war Student der Akademie in Altdorf und der Universität Ingolstadt, er wurde 1589 Schöffe am Stadtgericht, 1606 Rugherr, 1608 Scholarch, 1611 älterer Bürgermeister und schließlich 1617 Älterer Herr und Septemvir. Als der Kartograph Paulus I. Pfinzing 1599 starb, übernahm Martin III. die Güter in Henfenfeld.

Wesentliche Teile des Pfinzing-Wappens finden sich übrigens im heutigen Gemeindewappen von Henfenfeld wieder: Es ist gespalten, rechts geteilt, oben in Schwarz eine goldene Hanfblüte (redendes Wappen für den Ort), unten in Gold drei (1:2) rote Kugeln (für den Hl. Nikolaus von Myra, Patron der Kirche), links das alte Pfinzing-Stammwappen, geteilt, oben in Gold ein aus der Teilung wachsender schwarzer Adler, unten in Rot ein silberner Ring, Herzschild von Gold, Blau und Silber geteilt (Henfenfeld).

Literatur, Links und Quellen:
Helmut Frhr. Haller von Hallerstein: Schloß und Dorf Henfenfeld (= Schriftenreihe der ANL Bd. 35). Nürnberg 1986.
Kirchengemeinde Henfenfeld:
http://www.evangelisch-in-henfenfeld.homepage.t-online.de/index.html
Nikolauskirche:
http://www.henfenfeld.de/Gemeinde/die_nikolauskirche.html
Germanisches Nationalmuseum. Mitteilungen, 1902-1913
http://www.archive.org/stream/anzeiger1910germuoft/anzeiger1910germuoft_djvu.txt
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
Gemeinde Henfenfeld:
http://www.datenmatrix.de/projekte/hdbg/gemeinden/bayerns-gemeinden_detail.php?gkz=9574131
Gemeinde Henfenfeld:
http://www.henfenfeld.de/Gemeinde/gemeindewappen.html

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