Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1500
Henfenfeld (Landkreis Nürnberger Land)

Schloß Henfenfeld

Hoch über dem Ort Henfenfeld liegt in beherrschender Höhe auf einem nach drei Seiten abfallenden Hügel das Schloß Henfenfeld, eine um einen Hof herum gebaute Anlage mit zweiflügeligem Hauptgebäude im Osten, mit Zufahrt, 10m breitem, gefüttertem Graben und Tortum im Nordosten und weiteren Gebäuden rings um den Hof entlang der ovalen Ringmauer der Kernburg. Davor erstreckt sich eine weitläufige Vorburg mit Schloßpark, die aber im Lauf der Zeit stark verändert wurde. Einst gehörten Burg und Dorf den Edelfreien von Henfenfeld, die im 11. Jh. erstmals erwähnt werden und später den Gefolgsleuten der Grafen von Sulzbach zugerechnet werden, nach deren Aussterben wurden Burg und Herrschaft Henfenfeld als Kirchenlehen 1188 Eigentum der Staufer. Als deren Herrschaft zusammenbrach, beanspruchten die auf der Burg eingesetzten Verwalter die Herrschaft und die Burg wieder für sich. Aufgrund nicht zuletzt durch eine Fehde verursachten wirtschaftlichen Niederganges der Herren von Henfenfeld mußten die von Henfenfeld im 14. Jh. ihren Besitz stückweise verkaufen, erst die Güter, zuletzt 1372 die Burg. Danach wechselten die Eigentümer der Burg häufig, 1372 Hermann von Breitenstein, 1395 Günther Lisberger, Herdegen Valzner, 1400 Wolfhart von Hüttenbach, 1405 Hartung IV. von Egloffstein. Unter den Herren von Egloffstein kam wieder Kontinuität auf den Burghügel. Die Landeshoheit wechselte im Zuge des Landshuter Erbfolgekrieges 1504/05, wodurch Henfenfeld mit dem gesamten Umland unter Nürnberger Herrschaft kam. Den Herren von Egloffstein fiel es schwer, das zu akzeptieren, und sie versuchten alles, um es zu verhindern - vergebens. Schließlich entschlossen sie sich zum 1530 vollzogenen Verkauf an das Nürnberger Patriziergeschlecht der Pfinzing, vertreten durch Martin I. Pfinzing (1490-1552), Sohn von Seifried III. Pfinzing (1444-1514). Die Pfinzing waren bis zu ihrem Erlöschen für die folgenden 234 Jahre Besitzer von Henfenfeld und nannten sich ab 1554 "Pfinzing von Henfenfeld". Nur ein kleines Intermezzo gab es 1552 während des Zweiten Markgräflerkrieges, als Hans von Egloffstein kurzfristig die Burg besetzte. 1553 wurde die mittlerweile zurückgegebene Burg von markgräflichen Truppen zerstört. Was wir heute sehen, stammt also größtenteils aus der Zeit des Wiederaufbaus nach 1557, und aus der wehrhaften Burg wurde jetzt ein immer noch wehrhafter, aber repräsentativer Schloßbau. Dabei wurde der einst freistehende Bergfried südlich des Torbaues gekürzt und in die neuen Wohngebäude integriert. Dieses Bild des Herrensitzes aus dem 16. Jh. konnte trotz einiger späterer Umbaumaßnahmen weitgehend bewahrt bleiben. Der bedeutendste Schloßherr war Paulus I. Pfinzing (1554-1599), der Nürnberger Kartograph und Ersteller des Pfinzing-Atlasses. Der Besitz wurde von den Pfinzing in eine Stiftung überführt und nach dem Erlöschen der Familie 1764 fiel die Administration an die Haller von Hallerstein. 1817 erfolgte der Verkauf an Karl Benedikt von Schwarz, Kaufmann und Handelsgerichtsassessor, der den Herrensitz umfassend renovierte. 1952 zog hier ein Schulungsheim ein, als die Deutsche Bundesbahn neue Eigentümerin wurde. Bis 1995 war das Schloß Übergangslager für Spätaussiedler. Danach ging das Schloß wieder in private Hände über, heute gehört es der Familie Rohrwasser, und das Schloß wird für Konzerte, Ausstellungen, Gartentage, Märkte, Feste, Veranstaltungen etc. genutzt, und seit 2004 sitzt hier die Internationale Opern- und Konzertakademie.

Blick auf das dreigeschossige Hauptgebäude (sog. Neuer Bau). Rechts daneben ist der umbaute und nicht mehr von außen zu erkennende Stumpf des alten Bergfriedes, ganz rechts das im 16. Jh. entstandene Torhaus. Auf dem Schloß flattert die Henfenfelder Fahne, von Gold, Blau und Silber zweimal geteilt.

Zur Genealogie: Der Erwerber von Henfenfeld war Martin I. Pfinzing (1490-1552), vermählt erst mit Anna Löffelholz, dann mit Barbara Tetzel. Dessen Sohn war Martin II. (1521-1572), vermählt mit Katharina Scherl. Dessen Bruder war der kaiserliche Rat Paul Pfinzing, der 1554 die Wappenvermehrung erwirkte (Belegung mit Herzschild Henfenfeld) und 1555 Sonderrechte für Henfenfeld bekam. Zurück zu Martin: Sein Sohn war Paulus I. Pfinzing (1554-1599), vermählt mit Sabine Lindner und danach mit Anna Pömer. Von diesem stammt der ohne Stammhalter verstorbene Paulus II. Pfinzing ab (1588-1631), vermählt mit Margareta Fetzer. Ein Bruder von Paulus I. war Martin III. Pfinzing (1560-1619), vermählt mit Maria Beck, deren Sohn war Sigmund VIII. Pfinzing (1601-1637), vermählt mit Maria Salome Holzschuher. Jetzt kommt die Familie Harsdörffer gleich mehrfach ins Spiel: Sigmunds gleichnamiger Sohn, Sigmund IX. Pfinzing (1633-1708) hatte 1662 Anna Maria Harsdörffer geheiratet, und deren Erstgeborener Johann Sigmund II. Pfinzing (1665-1729) hatte 1691 in erster Ehe Magdalena Philippina Harsdörffer geehelicht, danach 1707 Maria Salome Pömer. Johann Sigmunds Neffe, Johann Sigmund III. (1712-1764) beschloß das Geschlecht ohne Stammhalter, zweimal verheiratet mit Regina Eleonora Geuder und mit Sophia Maria Haller, seines Amtes als Vorderster Losunger in höchsten Würden der Reichsstadt. Eine weitere Verbindung Pfinzing-Harsdörffer besteht über Christoph Pfinzing, Bruder von Martin III. Pfinzing, der 1596 Susanna Harsdörffer geheiratet hatte.

Dieser Wappenstein befindet sich über einer längeren Inschrift gleich nach Durchschreiten des Torgebäudes linkerhand an der Wand des Hauptgebäudes. Es handelt sich um ein Ehewappen, dessen zwei Komponenten in gespaltenem Schild zusammengeschoben sind und unter den beiden Helmen des Mannes vereinigt werden. Denn auch wenn wir hier zwei Helme sehen, mitnichten gehört einer davon zur Ehefrau, beide sind Pfinzing-Helme. Der Schild ist gespalten, und zwar so, daß auch der Herzschild des Ehemannes nur halb als rechte Spalthälfte dargestellt wird, weder zur Seite gerückt noch ganz auf die gemeinsame Spaltlinie gelegt, was durchaus auch möglich gewesen wäre. In dieser Konsequenz ist das Spalten ungewöhnlich. Rechts also golden-schwarz geteilt (Pfinzing/Geuschmid) mit einem halben, von Gold, Blau und Silber zweimal geteilten Herzschild am Spalt (Henfenfeld), links in Rot auf einem goldenen Dreiberg ein silberner Zinnenturm mit Tor, Schießscharten und zwei Erkern, alles spitzbedacht und an den Spitzen mit Kugeln besteckt (Harsdörffer). Dazu zwei gekrönte Helme: Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken zwei Büffelhörner, golden-schwarz geteilt (Geuschmid), Helm 2 (links): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein golden-schwarz geteilter Adlerflug, bestreut mit Lindenblättchen in Gegenfarbe, dazwischen ein wachsender, gekrönter, goldener Löwe. Das Wappen Pfinzing wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 52 Tafel: 52, Band BayA3 Seite: 6, sowie bei Schöler Tafel 60. Die heraldisch rechte Helmzier ist das von den Geuschmid ererbte Kleinod. Am 28.1.1465 erlaubte Kaiser Friedrich III den Gebrüdern Sebald, Berthold und Ludwig Pfinzing, das ererbte Wappen nach Belieben zu führen. Wahlweise konnten sie die Büffelhörner oder den Flug wie der Schild geteilt oder übereck geteilt, verwenden. Am 22.4.1466 erlaubte der Kaiser den genannten Brüdern und Ludwigs Sohn, Ludwig d. J. als Besserung, zwischen den Hörnern oder Flügeln einen wachsenden, gekrönten, goldenen Löwen zu setzen. Die Büffelhörner wurden mit "Seeblättern" in Gegenfarbe besteckt. Unter dem gleichen Kaiser wurde den Pfinzing fünf Jahre später, 1470, erlaubt, das Geuschmid-Wappen mit dem alten Pfinzing-Wappen zu vereinigen, und die bisherige Vielfalt der Kleinod-Möglichkeiten dadurch zu beenden, daß jetzt zwei Kleinode geführt wurden, die Hörner auf Helm 1, der golden-schwarz geteilte bzw. übereck geteilte Adlerflug mit dem Löwen dazwischen auf Helm 2. Die Flügel werden als mit Lindenblättchen in Gegenfarbe bestreut beschrieben, und so kann man es auch hier sehen. 1554 wurde nicht nur der vordere, sondern auch der hintere Helm gekrönt.

Abb. links: Hofseitige Gebäude entlang der alten Ringmauer. Abb. rechts: Wappenstein am Torhaus. Die Renaissance-Kartusche mit eingerollten Ecken zeigt den golden-schwarz geteilten Schild der Geuschmid, den die Pfinzing ererbt hatten und viel häufiger benutzten als ihr eigentliches Wappen mit Adler und Ring.

Literatur, Links und Quellen:
Schloßgeschichte: http://www.herrensitze.com/henfenfeld.html
Helmut Frhr. Haller von Hallerstein: Schloß und Dorf Henfenfeld (= Schriftenreihe der ANL Bd. 35). Nürnberg 1986.
Schloß:
http://www.schloss-henfenfeld.de/
Schloßgeschichte:
http://www.schloss-henfenfeld.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=1&Itemid=2
Opernschule Henfenfeld:
http://www.opernschule.de/
Schloß:
http://www.henfenfeld.de/Gemeinde/das_henfenfelder_schloss.html
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere der Band Bayern
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6

Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg. Nürnberger Forschungen, Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg. Bände 31/1, 31/2, 21/3 (Stammbäume) und 31/4. VDS Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch. ISBN 978-3-87191-333-4.
Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold von Haller, Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft, Verlag Altnürnberger Landschaft, 560 S., über 600 z. T. farb. u. hist. Abb., mit Übersichtskarte u. Orts- u. Personenreg., 2007, ISBN 978-3-00-020677-1

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